Beueler Extradienst

Meldungen & Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: Eritrea

Gedanken zur FlĂŒchtlingspolitik 2017 (II)

Eine Replik auf Dirk Reder

Ich teile die Ansicht Dirk Reders, es sei ein kapitaler Fehler der im Bundestag vertretenen Parteien, die FlĂŒchtlings- und vor allem Fluchtursachenpolitik und damit die Außenhandelspolitik des Westens aus dem Wahlkampf auszuklammern. Weil es auf die aktuellen und brennenden Fragen vieler Menschen vor allem dumme und faschistoide Antworten der AfD gibt, wird nicht nur verhindert, dass die Gesellschaft die wirklichen Ursachen von Flucht und Migration erörtert. So verhindern Merkel und die SPD auch, dass intelligente und komplexe Antworten gegeben werden, die zumeist alte Stamm-SPD-WĂ€hler, denen der Name Erhard Eppler noch etwas sagt, ihre Partei wĂ€hlen können. Und sie lassen zu, dass die Scheinlösung der Abschottung immer breiter an Boden gewinnt und den Diskurs weiter nach rechts verschiebt. Die jĂŒngste Diskussion bei “Plasberg”, wo es scheinbar nur noch darum ging, wer am schnellsten und umfassendsten abschiebt und ein “BILD” Redakteur neben Cem Özdemir zu den beiden gemĂ€ĂŸigten Stimmen zĂ€hlte, spricht dafĂŒr BĂ€nde.
In Österreich lĂ€sst sich gerade beobachten, wie eine mittlerweile rechtsextreme FPÖ und eine ihr nach rechts nachgerĂŒckte, populistische ÖVP mit dieser Politik Punkte machen und die SPÖ marginalisiert wird. Das könnten Merkel und die SPD hier auch erreichen, wenn sie weiter so argumentieren, dass jede Analyse von Fluchtursachen unterbleibt. Es ist zu befĂŒrchten, dass es auf es auf lange Zeit immer schwerer werden wird, dass Maßnahmen, die politisch notwendig wĂ€ren, ĂŒberhaupt eine Chance haben, gehört zu werden. Ich halte das fĂŒr einen schweren strategischen Fehler und eine Mitverantwortung von SPD, CDU/CSU, aber auch von GrĂŒnen und Linken, und ich befĂŒrchte, dass nur deshalb die AfD zweistellige Ergebnisse erzielen kann – sonst hat sie politisch nichts zu bieten.

Abschottung kann und wird nicht funktionieren

Ich glaube nicht, dass Europa sich abschotten muss, schon gar nicht kann.Weiterlesen…

Wir sind alle Afris

Z.B. der neue Einwanderungsminister von Kanada Ahmed Hussen. Er ist, wie eine meiner besten Freundinnen, somalischer Herkunft. FĂŒr die global verzweigte somalische Community ist das heute ein Feiertag. Update: zwei Tage spĂ€ter ein PortrĂ€t in der taz.
Die eritreische Exil-Community ist dagegen von auslĂ€nderrechtlichem Rassismus bedroht; ein Telepolis-Interview mit Nicole Hirt erklĂ€rt, warum das von Sachkenntnis nicht getrĂŒbt ist.
Dass wir alle sowas Ähnliches wie Ahmed Hussen sind, gebrĂ€uchlicher Fachbegriff dafĂŒr ist “Mensch”, das weist die Genforschung in Zusammenarbeit mit der ArchĂ€ologie und der Geologie schon lange nach, aber es schadet nicht, das in aktualisierter Form ausfĂŒhrlich zu wiederholen, wie im FAZ-Wissenschaftsteil, bis es irgendwann jede*r verstanden hat – wir lassen niemanden zurĂŒck!
Auch die “Gelben” sind sowas wie wir. Darum wĂ€re es nicht verkehrt, ein wenig deutschsprachigen Journalismus in Korea zu investieren: dort sitzt der fast wichtigste IT-Konzern der Welt, der dieses Land der Early-Adopters so Ă€hnlich zu regieren scheint, wie VW Niedersachsen. Berichte und Analysen im deutschen Sprachraum? Blamable Fehlanzeige. Update: zwei Tage spĂ€ter endlich eine Analyse in der deutschen Le Monde Diplomatique.
Hollywood ist schon “gelb”. Der Chinese hat bereits die Kapitalmehrheit. Wir wird Trump das finden? Das schafft Raum, große und zahlreiche kleine Nischen, fĂŒr neues, zensurunabhĂ€ngiges Filmschaffen. Und das Fussballbusiness kann studieren, was ihm kurz bevorsteht.
Vor diesem Hollywood-Geschehen wird noch bedeutsamer, was Klaus Kreimeier, den ich als langjÀhrigen Kolumnisten des Freitag sehr genossen habe, nun in der FAZ zur digitalen Rettung des deutschen Filmerbes aufgeschrieben hat.

Wer sich in die Macht von Facebook begibt … / Eritrea / Somalia

… dem kann es so ergehen, wie den Kollegen von den Nachdenkseiten.

Ein Beispiel fĂŒr abenteuerlich-interessanten Journalismus haben die KollegInnen der Krautreporter mit dieser Eritrea-Reportage abgeliefert. ErgĂ€nzend dazu kann man optische EindrĂŒcke gewinnen in einer SWR-Produktion von 2009, die in KĂŒrze, am Sa. 17.9. um 16 h in der Reihe “Eisenbahn-Romantik” wiederholt wird. Der Titel der Reihe sollte nicht in die Irre fĂŒhren; die PufferkĂŒsser verstehen auch was von Politik.

Was fÀllt Ihnen ein, wenn Sie an Somalia denken? Das hier sicher nicht.

 

© 2020 Beueler Extradienst

Theme von Anders NorĂ©nHoch ↑