Beueler Extradienst

Meldungen & Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: Fritz Pleitgen

Diskursverschiebung

Es gibt auch Fortschritte
Hatte ich eben noch Aspekte beschrieben, die ich kritisch sehe, gibt es doch auch Positives zu vermelden. Ideal zusammengefasst in der schon immer starken, und langsam ĂŒberragend gut werdenden “Altpapier”-Medienkolumne von RenĂ© Martens, die – Überraschung! – schon seit lĂ€ngerem unter dem Dach des sich “Mitteldeutsch” nennenden Rundfunks beherbergt ist.
Dass eine Journalistin wie Isabel Schayani so eine publizistische Macht geworden ist,Weiterlesen…

Sie verstehen nicht

Gesine DornblĂŒth (DLF) / Kölner SchulbĂŒrokratie / Kanzlerkandidaten-Warn-APP
mit Update 26.8.
Als Leser*in dieses Blogs wissen Sie, dass ich Stammhörer des DLF-Wochenendjournals bin. Heute melde ich dazu jedoch weniger Begeisterung als Entgeisterung. Gesine DornblĂŒth, 30 Jahre lang Russland-Korrespondentin (“Das Land liebe ich. Putins Politik ist fĂŒr mich inakzeptabel.”) konnte bei ethnologischer Forschung in Deutschland beobachtet werden. Wie kann es nur sein, dass hierzulande Leute den Putin gut finden (ich nicht; mein Lieblings-Wladimir ist Kaminer) und die Politik der EU und der Nato gegenĂŒber Russland zu feindselig (die HĂ€lfte im Osten, ein Drittel im Westen, ich auch) finden?Weiterlesen…

Schimmi – NRW-Kulturerbe bedroht

Als “Horst Schimanski” unter dem Namen Götz George 1980 seinen TV-Dienst in Duisburg-Ruhrort antrat, war die doofe SPD-Stadtspitze empört, und verlangte vom WDR, das dreckige Kind zurĂŒck ins Heim zu stecken. Erst viele Jahre spĂ€ter erkannte die Stadt, und mit ihr das ganze Ruhrgebiet, was der WDR, Götz George, Eberhard Feik, Hajo Gies, Dominik Graf u.v.a. ihr fĂŒr ein grandioses Geschenk gemacht hatten. Schimmi war als WDR-“Tatort” bis 1991 so extrem erfolgreich, dass er danach noch eine eigenstĂ€ndige Reihe im ARD-Programm bekam.
Es war schon inhaltlich grenzwertig, aber regional nicht komplett abwegig,Weiterlesen…

Silvesterkrawall 19/20

Geschichte wird hier im Westen, in NRW und im WDR, gemacht
Der Silvesterkrawall 2015/16 war ein “Gamechanger” in der FlĂŒchtlingsdebatte: vom “Wir schaffen das” zum “Wir können nicht alle aufnehmen”. Dass ein alljĂ€hrlich wiederkehrendes Ereignis das werden konnte, hatte sehr wesentlich mit dem katastrophal missratenen Krisenmanagement der damaligen rotgrĂŒnen NRW-Landesregierung und der ihr unterstehenden Polizeibehörden zu tun. Öffentlich an die Laterne gehĂ€ngter SĂŒndenbock war der damalige liberal gesonnene Kölner PolizeiprĂ€sident Wolfgang Albers. Nichtöffentlich an die Laterne gehĂ€ngt wurde der stellv. Regierungssprecher Rudi Schumacher – ich lege offen, mit beiden war ich gut bekannt und bedaure ihr Schicksal sehr. Durch das desaströse Landtagswahlergebnis hat es immerhin auch tatsĂ€chlich politisch Verantwortliche erwischt – allerdings nicht so menschlich unterirdisch wie diese beiden.
Das damalige Jahreswendekrisenmanagement hat sich nun der Westdeutsche Rundfunk zum Vorbild genommen.Weiterlesen…

Is’ schon wieder Krieg?

Nein, aber selbst Kluge werden Àlter und Àngstlich
Der innovativ orientierte und jedem technischen Fortschritt aufgeschlossene Thomas KnĂŒwer ist mir noch nie so alt vorgekommen wie hier. Die Jugend von heute hat kein Benimm. Es gibt keine Höflichkeit mehr. Keiner lernt mehr gute Umgangsformen. Es gibt keinen Anstand mehr. Kurz: es geht bergab. Der Weltuntergang ist nah. Meine Gegenthese:Weiterlesen…

Denker Pleitgen – schneller als seine Nachfolgenden

Der alte Fritz Pleitgen, Kompliment! Viele seiner politischen Zeitgenossen haben uns schon verlassen, den Verlust empfinde ich schmerzlich. Pleitgen hat an politischer Intelligenz und Auffassungsgabe nicht eingebĂŒsst. In der Zeit, in der ich dem WDR-Rundfunkrat als stellvertretendes Mitglied angehörte (1997-03) war er Intendant (1995-2007). Oft war ich anderer Meinung. Über den “Beckmann-Vertrag”, den er mit seinem NDR-Buddy Jobst Plog eigefĂ€delt hatte, holte er fĂŒr – bis heute teures Geld – die Bundesliga-TV-Rechte zur ARD zurĂŒck.
Ich fand das schon damals unverhĂ€ltnismĂ€ssig und wĂŒrde behaupten,Weiterlesen…

Das Eliten-Problem – Medien sind Teil davon

Michael Hartmann ist Elitenforscher. Angenehm an ihm ist, finde ich, dass er nicht demagogisch vereinfacht, aber inhaltlich radikal ist. Individuen sind fĂŒr nichts ein Beweis, höchstens ein Indiz, und selbst das oft nicht. Strukturen sind wichtig, sozioökonomische Mechanismen, sowie die Unterscheidung von berĂŒhmten Ausnahmen und Hauptströmungen. Nach meinem Eindruck arbeitet Hartmann wissenschaftlich sauber und korrekt, kann aber ebenso mehrere verstĂ€ndliche SĂ€tze stotterfrei hintereinander sprechen, auch vor Live-TV-Kameras. So einer ist ein wertvoller Mitstreiter.
Schockierend fĂŒr mich in diesem nachdenkseiten-Interview mit Marcus Klöckner sind seine Angaben zu den Journalist*inn*enschulen.Weiterlesen…

Kaderprobleme der Borussias – WM-fieberfrei

Zuerst das Wichtige.
Nach der schlechten RĂŒckrunde hat Max Eberl bei Borussia Mönchengladbach einiges zu tun. Wie schön, dass er dafĂŒr Ruhe hat, im Schatten des Windes, ja der StĂŒrme, um andere Ereignisse. Nur Bonner Medien, die GA-Besitzerin Rheinische Post und der Express könnten dabei stören. Aber die hat er sich in Mönchengladbach gut erzogen: ab und zu ein Leckerli, und ansonsten Ruhe halten.
Eberl ist schon einige Probleme losgeworden – wie anders beim BVB in Dortmund, vor allem mit viel mehr Nullen. Weiterlesen…

QualitÀtsjournalismus: Wolf bei Putin

Es ist bedauerlich, dass das heute schon hervorhebenswert ist. Die Alten erinnern sich noch an Fritz Pleitgen oder Gerd Ruge, Journalisten, die heute beim WDR kein Volontariat mehr bekommen wĂŒrden, eine These von Pleitgen selbst. Sind wir von deren Journalismus verwöhnt? Warum haben sie heute kaum noch wĂŒrdige Nachfolger*innen? Ist es fĂŒr deutsche Sender nicht wenigstens ein bisschen peinlich, dass es uns heute wieder ein Österreicher vormachen muss?
Armin Wolf vom ORF, von der österreichischen Rechtsregierung bereits umfassend angefeindet,Weiterlesen…

Tatort / George Best – wĂ€re heute alles nicht mehr möglich?

Gestern war wieder MĂŒnster-Tatort, wieder mit Rekordquote, was angesichts sommerlichen Wetters draussen durchaus noch eine Nachricht ist. Diese Prahl/Liefers/Urspruch-Nummer ist fĂŒr die ARD und den WDR zu einer idiotensicheren Pointe geworden – egal wie gut oder schlecht, funktionieren tuts immer. Wir Zuchauer*innen lieben solche Rituale, unser Wohlbefinden braucht sie. Seit letztem Jahr soll sich die ARD selbst verordnet haben, pro Jahr hĂ€chstens noch zwei “Experimental-Tatorte” zu senden (die unzĂ€hligen Wiederholungen nicht mitgezĂ€hlt). Preisfrage: wĂ€re der “MĂŒnster-Tatort” dann jemals entstanden? Das SchlĂŒsselproblem vieler Tatorte ist eher, dass sie den Daily-Soaps immer Ă€hnlicher werden,Weiterlesen…

WM, Russland und die Diskurs-Kirmes

Gerne hĂ€tte ich Unrecht behalten: die heraufziehende Fussball-WM verschĂ€rft das innernationale politische Konfliktgeschehen. Russland kann sich der ganzen Welt prĂ€sentieren, eine historische Chance wie ein Elfmeter: wer vor seiner AusfĂŒhrung zu viel nachdenkt, kann ihn fulminant vergeben. Die Gegner*innen versuchen vorher alles, um den/die AusfĂŒhrende*n optimal zu verunsichern. Das ist die Schilderung einer Fussballsituation – die politische Wirklichkeit ist um einiges komplexer.Weiterlesen…

WM, Stars und die grosse Politik

Es ist mir immer noch merkwĂŒrdig und blĂŒmerant, wie beredt die deutsche Medienwelt zu ihrer eigenen Verstrickung in das Agieren der Herren Özil, GĂŒndogan und Erdogan schweigt. Zweite und dritte Reihen der Berliner Politik veranstalten sogar LĂ€rm ĂŒber die tĂŒrkische Herkunft der Herren, reflektieren aber in dummer und verdummender Weise Null den globalen Charakter dieses Business und die fĂŒhrende Rolle, die Deutschland dabei spielt.Weiterlesen…

Elend der TV-Talkshows wÀre zu beheben

Vor einigen Tagen liess Roland Appel hier seiner Empörung ĂŒber eine Maischberger-Produktion fĂŒr die ARD freien Lauf. Zur Beurteilung des Missstandes und beim Nachdenken ĂŒber Abhilfe mĂŒssen Sie wissen: die Gastgeber*innen solcher Produktionen sind keine (gutbezahlten) Angestellten ihres Senders, sondern (noch viel besser bezahlte) GeschĂ€ftspartner*innen. Sie betreiben eigene Produktionsunternehmen, machen alles selbst, auch die Technik, und lassen sich das pauschal als Gesamtpaket fĂŒr soundsoviele Jahre von unseren GebĂŒhren teuer bezahlen. So ein Produktionsvertrag ist kompliziert und umfangreich, unterliegt mannigfaltigen “GeschĂ€ftsgeheimnissen” und ist fĂŒr Sie und mich auf keinen Fall öffentlich einsehbar.Weiterlesen…

Abstieg des WDR / Sex im Kapitalismus

Tom Buhrow wurde frĂŒher als nötig in seinem Amt als Intendant des Westdeutschen Rundfunks (WDR) verlĂ€ngert. Sein Rundfunkrat hat sich mit ihm verbunkert. Kritischer, als es mir bisher gelungen ist, hat Dieter Anschlag ihn in der Medienkorrespondenz gewĂŒrdigt. Ich habe keine Stelle gefunden, an der ich ihm widersprechen wollte.
Marcus Klöckner hat sich eines wichtigen Korrespondenten des WDR, Udo Lilischkies, Studioleiter in Moskau, kritisch angenommen.

Sex kommt gleich. Einfach weiterlesen.Weiterlesen…

Schublade auf – “Putinversteher” rein – Schublade zu?

Werden jetzt die Schotten dichtgemacht? Weil AfD-AnhĂ€nger*innen – angeblich – prozentual am zahlreichsten fĂŒr “AnnĂ€herung an Russland” sind, gefolgt von AnhĂ€nger*inne*n der sich anspuchsvoll “Die Linke” nennenden Partei? Und am andern Ende der Parteienskala in dieser Frage: die GrĂŒnen? Doch Vorsicht, Strateg*inn*en in Berlin und Hamburg: der selben Umfrage zufolge, ist die AnhĂ€nger*innen*schaft der GrĂŒnen fast genau halbe-halbe gespalten. Wollt ihr auf solchen Daten aussenpolitische Strategien bauen?
Wie valide diese Zahlen sind? Das Umfrageinstitut Civey hat sich auf Online-Umfragen spezialisiert. Medien nehmen die gerne, weils so schnell geht und billig ist. Schnell = gut? Nicht bei allen werden die fĂŒr reprĂ€sentativ gehalten.

Bannas, ein Grosser

Ein Grosser des Politikjournalismus, GĂŒnter Bannas, wechselt gerade in den Ruhestand, und wird hoffentlich noch lange weiterschreiben. Im Medium-Magazin hat er einen knappen journalistischen Abschiedsbrief hinterlassen,Weiterlesen…

SPD / Amri / Pleitgen zu Russland-Beziehungen

Als hĂ€tten sie meinen jĂŒngsten Text gelesen, haben sich ein Dutzend junge SPD-MdBs an die Arbeit gemacht. In Wirklichkeit war es umgekehrt. Der Spiegel berichtete am Wochenende darĂŒber, und sein Online-Ableger hat sogar ausnahmsweise mal zur Originalquelle seiner – nicht selten dubiosen – Recherchen verlinkt. Im Sinne von „mehr Offenheit und Sichtbarkeit“ wĂ€re es aus (Seh-)Behindertensicht, schön, wenn sie es mal mit schwarzer statt hellgrauer Schrift versuchen. Mit einer der Autorinnen, aus Westfalen also einer ganz anderen Kultur kommend, habe ich nach meiner Erinnerung mal in DĂŒsseldorf eine sehr wohlschmeckende gemeinsame Mahlzeit eingenommen.

Der Fall Amri geht weiter. Nicht nur “VP 01” bleibt dubios, eine weitere VP ist vorsorglich und hastig nach Tunesien ausgewiesen worden, damit sie nicht ĂŒbermĂ€ssig befragt werden konnte.Weiterlesen…

Medienbashing = Whiteout

Albert SchĂ€ffer verdanke ich die Lektion vom “Whiteout”: wenn mann am Horizont die Grenze zwischen Himmel und Erde nicht mehr erkennen kann. Davon ist die deutsche politische Klasse offensichtlich sehr geplagt. Es ist richtig, dass sie von “den Medien” dabei keine Hilfe bekommen. Doch die umschwirren sie nur, wie Satelliten oder der Mond. Sie fĂŒr die grassierende eigene Orientierungslosigkeit und DiskursunfĂ€higkeit verantwortlich zu machen, ist abgrundtief billig, nur doof.

Lustig: die Kritik konzentriert sich auf die “öffentlich-rechtlichen Medien”. Warum? Weil von den Anderen sowieso nichts mehr erwartet wird. Das Privat-TV betreibt keine Informationsprogramme mehr, sondern nur noch “Unterschichtenfernsehen” (Harald Schmidt). Die Mittel- und Oberschichten unter 50 Jahren verzichten bereits ganz auf TV-Konsum. Die privaten Printmedien wiederum, davon gehen unausgesprochen bereits auch alle aus, machen klar ausgerichtete Gesellschafts- und Parteipolitik, und zwar im Zweifel immer fĂŒr “die da oben”. Wenn das allgemein als gegeben vorausgesetzt wird, gibt es da nichts mehr zu kritisieren. Bleiben ĂŒbrig die Medien, die uns gehören.

Die werden jedoch leider nicht von uns kontrolliert, Weiterlesen…

© 2020 Beueler Extradienst

Theme von Anders NorĂ©nHoch ↑