Beueler Extradienst

Meldungen & Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: Gesundheitswesen

Corona-Krise: Keine RĂŒckkehr zur „NormalitĂ€t“ des Kapitalismus!

von Alex Demirović, Ulrich Duchrow, Andreas Fisahn, Birgit Mahnkopf, Thomas Sablowski, Peter Wahl
Ein Beitrag aus dem Wissenschaftlichen Beirat von Attac

Die Corona-Epidemie ist nicht nur eine humanitĂ€re Katastrophe, sondern die grĂ¶ĂŸte ErschĂŒtterung des Kapitalismus seit der Weltwirtschaftskrise 1929 und deren Folgen. WĂ€hrend im globalen SĂŒden die Menschen schon lange mit Chaos, Kontrollverlust und Ausnahmezustand konfrontiert sind, trifft es nun auch die reichen LĂ€nder. Begleitete der Westen den Ausbruch der Seuche in China noch mit dĂŒnkelhafter SĂŒffisanz und Ignoranz, so konfrontiert sie ihn jetzt selbst mit ungekannter Verwundbarkeit, ja Ohnmacht.Weiterlesen…

Pokerernst

Als Kind habe ich beim Westerngucken gelernt: Pokern ist kein Spiel. Es endet meistens mit einer Schiesserei, oft mit Todesopfern. Als ich das einmal bei einem Jungdemokraten-SchĂŒlerseminar in der Jugendherberge MĂŒnster ironisch brach, mit KlopapierblĂ€ttern (!) statt Bargeld als Einsatz, folgte, in prophetischer Weitsicht auf heutige ZustĂ€nde, ein Hausverbot. Das war Ende der 70er Jahre. Jetzt ist die Zeit, in der ĂŒberall – unter Ausschaltung demokratischer Öffentlichkeit – um die Ausgangspositionen fĂŒr die Post-Corona-Zeit gepokert wird.Weiterlesen…

Jetzt und nachher neu denken

Die gegenwĂ€rtigen Ereignisse sind wahrhaft historisch. Ali Dogan, Sozialdezernent der Stadt Sankt Augustin, antwortete daraufhin: “Ja, lieber Rainer, wir mĂŒssen jetzt und nachher neu denken!”

Das greife ich gerne auf. Im “Jetzt” mĂŒssen wir aufpassen, dass unsere Grundrechte ausschließlich temporĂ€r eingeschrĂ€nkt werden. Und Kritik ist unverĂ€ndert erlaubt. Sie ist systemrelevant,Weiterlesen…

Bin ich vielleicht schon genesen?

Und warum interessiert das nicht?
Wie durchleben derzeit alle den feuchten Traum mancher Forscher*innen: Laborversuch am lebenden Objekt, und zwar mit richtigen Menschen, im Normalzustand mit Recht verboten. Alle, Politik, Wissenschaft, BĂŒrger*innen wissen zuwenig, was Panik und entsprechende Fehler und Gefahren begĂŒnstigt. Meine folgenden Überlegungen stehen ebenfalls alle unter dem Vorbehalt des Wissensmangels.
Am Wochenende vor Karneval sagte ich eine Verabredung mit einer sehr lieben Freundin ab. Mir war unleidlich, sie lĂ€sterte ĂŒber “MĂ€nnerschnupfen”.Weiterlesen…

Virus und Gesundheitspolitik

In den 90er Jahren half ich Extradienst-Gastautorin Nora Guthrie ein bisschen dabei, in Deutschland – damals noch von OBine Dieckmann – eingebĂŒrgert zu werden. Nora ist Tochter des berĂŒhmten Woody, und kĂŒmmert sich noch heute in NYC um sein reiches kulturelles Erbe – wenn sie nicht gerade zuhause ist, in Bonn-Beuel, bei mir um die Ecke. Warum wollte so eine US-BĂŒrgerin, dort eine Prominente, in Beuel nahezu unbekannt, Deutsche werden? Aus AltersgrĂŒnden, weil das Gesundheitswesen hierzulande um Klassen sicherer ist, wenn einer ihr Leben lieb ist.Weiterlesen…

BildungslĂŒcke Bayern / Pirat beim Scheitern

Albrecht Goeschel und Markus Steinmetz/telepolis setzen ihre Umschreibung der westdeutschen BRD-Geschichte von Bayern aus fort. Wie schon bei den vorherigen Teilen stimme ich nicht in allem ĂŒberein, freue mich aber ĂŒber die Schliessung meiner BildungslĂŒcken ĂŒber das Bundesland im Ă€ussersten SĂŒdosten unserer Republik. Nicht zu unterschĂ€tzen scheint mir vor allem das Fachwissen der Autoren ĂŒber das Gesundheitswesen.
Mit vergleichbarer Hoffnung und Interesse startete ich meine LektĂŒre von Johannes Clessiennes “Lauert im Web eine Gefahr fĂŒr die Demokratie?”Weiterlesen…

Wie viele “Relotiusse” sind es noch?

Von Anfang an war mir die Medienbearbeitung des mir unbekannten fakenden Spiegel-Starschreibers nicht geheuer. Ein junger, gutaussehender, karrieregeiler Kerl, in jeder Hinsicht geeignet die Branche in ihrem Jetztzustand zu reprÀsentieren, wurde symbolisch an die Laterne gehÀngt. TatsÀchlich erfolgte ein umfangreiches Revirement in der Spiegel-Chefetage. Und nun?
Geht die Show weiter, als wĂ€re nichts gewesen.Weiterlesen…

Gesundheit-Wirtschaft und das Konservative

Der im Vorjahr verstorbene Heiner Geißler hat tiefe Spuren in unserer Republik hinterlassen. Er war ein Prototyp, der bis heute von vielen, zum GlĂŒck meistens unvollkommen, kopiert wird. Willy Brandt war einer, der das frĂŒher als andere erkannt hat. Bis heute bin ich nicht sicher, ich habe Geißler nie persönlich kennen gelernt, ob er in seinem langen wandlungsfĂ€higen Leben zu Selbstkritik bereit und in der Lage war. Immerhin endete er als zunĂ€chst fĂŒhrender Diffamierer der Friedensbewegung nicht nur als Dialog-Moderator von Stuttgart 21, sondern auch als Mitglied bei Attac.
Geißler war auch der Schöpfer der “Kostenexplosion” im Gesundheitswesen. Das lernen wir von dem Chirurgen Bernd HontschikWeiterlesen…

Ich widerspreche

Dieser Tage hörte ich, “meine” Parteivorsitzende habe dem deutschen Trump fĂŒr Arme, Jens Spahn, in seinen Aussagen zum Organhandel, ÀÀh, Organspenden zugestimmt. Ich habe daher vorsorglich der GeschĂ€ftsstelle meiner Partei, falls sie in KĂŒrze “an die Macht” kommen sollte, mitgeteilt, dass ich widerspreche.
Unserem teilprivaten Gesundheitswesen, das auf der Grundlage kapitalistischer GesetzmĂ€ssigkeiten (Kostensenkung, Renditeoptimierung etc.) arbeitet, will ich meine Organe nicht anvertrauen. Sehr wohl schĂ€tze ich aber den ihm innewohnenden technischen Fortschritt.Weiterlesen…

Kollektives BeschÀftigtenhandeln in der Altenpflege

von Wolfgang Schröder / Hans-Böckler-Stiftung
Im folgenden wird das Schlusskapitel der gleichnamigen Studie dokumentiert (ohne Tabellen, Fussnoten, Literaturverzeichnis). In voller LĂ€nge (256 Seiten) finden Sie sie hier.

6 RESÜMEE

Die Altenpflege ist eine junge Teilbranche des Sozial- und Gesundheitssektors in Deutschland. Sie ist erst vergleichsweise spĂ€t professionalisiert worden; hat aber seit den 1960er Jahren stark an BeschĂ€ftigungs- und Professionalisierungsdynamik gewonnen und sich damit anderen Segmenten des Dienstleistungssektors angepasst. In der alternden Gesellschaft der Bundesrepublik, die durch einen hohen Grad von Arbeitsteilung, Dienstleistungen und Erwerbsbeteiligung gekennzeichnet ist, in der sich die weibliche ErwerbstĂ€tigkeit zur NormalitĂ€t entwickelt, kommt der professionellen, berufsförmigen Altenpflege eine zunehmend grĂ¶ĂŸere Bedeutung zu. In dieser dynamischen Perspektive hat sich der Pflegesektor in den letzten Jahrzehnten grundlegend transformiert: Noch in den 1960er Jahren war die Altenpflege eine teilweise semiprofessionelle Form der DaseinsfĂŒrsorge, die in hohem Maße durch Sozialversicherungs- und Steuermittel refinanziert wurde und stark durch wohlfahrtskorporatistische Strukturen geprĂ€gt war. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts prĂ€sentiert sie sich als ein zerklĂŒfteter, wettbewerblich gemischt finanzierter Sektor, dessen BeschĂ€ftigungsbedingungen von Kostendruck, Flexibilisierung und Ökonomisierung gekennzeichnet sind. Diese Prozesse der Vermarktlichung werden aber nicht von vergleichbaren machtpolitischen Dynamiken auf Seiten der BeschĂ€ftigten begleitet: Weder auf der betrieblichen noch auf der ĂŒberbetrieblich-gewerkschaftlichen Ebene sind sie organisatorisch stark verankert, so dass in der Tendenz gegenĂŒber den Arbeitgebern ein starkes MachtgefĂ€lle mit ausgeprĂ€gten ReprĂ€sentationslĂŒcken besteht.

Der Arbeitsmarkt der Altenpflege weist einige Spezifika auf, die ihn auch von anderen Teilbranchen des Sozial- und Gesundheitswesens deutlich unterscheiden.Weiterlesen…

Otto Brenner Stiftung zeichnet herausragenden Journalismus aus

von Jupp Legrand
+++ Otto Brenner Preis fĂŒr kritischen Journalismus geht 2017 an das SPIEGEL-Team Kristina Gnirke, Isabell HĂŒlsen und Martin U. MĂŒller +++ Jury zeichnet Charlotte Wiedemann (freie Journalistin und Publizistin) fĂŒr ihr Lebenswerk mit dem „Spezial“-Preis aus +++ Hannes Munzinger (SZ) erhĂ€lt Newcomerpreis +++ „Migration Control“ (taz) wird mit dem Medienprojektpreis ausgezeichnet +++ 3 Recherche-Stipendien werden vergeben +++ Preisverleihung findet am 21. November in Berlin statt +++ Festredner ist Georg Schramm, Kabarettist und Autor +++

Den mit 10.000 Euro dotierten 1. Preis des Otto Brenner Preises fĂŒr kritischen Journalismus 2017 erhĂ€lt das Autorenteam Kristina Gnirke, Isabell HĂŒlsen und Martin U. MĂŒller fĂŒr „Ein krankes Haus“ (DER SPIEGEL, Nr. 51/2016, S. 14 ff.)
Nach Auffassung der Jury leisten Kristina Gnirke, Isabell HĂŒlsen und Martin U. MĂŒller mit der SPIEGEL-Titelgeschichte ĂŒber den Asklepios-Konzern „schonungslose AufklĂ€rung ĂŒber die MissstĂ€nde im Gesundheitswesen“. Es werde, so die Jury, bisweilen immer noch behauptet, dass das Gesundheitswesen an einem eingeschrĂ€nkten Wettbewerb leide. „Der ausgezeichnete Text zeigt“, so die Jury in ihrer BegrĂŒndung, „dass das Gesundheitswesen vor allem daran leidet, dass es ein Markt ist, an dem zu allererst verdient werden will“. Kaufleute und Betriebswirtschaftler hĂ€tten aus der Medizin eine Industrie gemacht. Am Beispiel des Asklepios-Konzerns zeigen die diesjĂ€hrigen Brenner-PreistrĂ€ger wozu das fĂŒhrt. Ihr Text, so die Jury, „ist eine Verteidigung der MenschenwĂŒrde – dort, wo sie am antastbarsten ist: im Krankenhaus“.

Der 2. Preis (5.000 Euro) geht an Fritz Schaap fĂŒr eine dreiteilige Serie ĂŒber den Alltag im vom Krieg gebeutelten Syrien und insbesondere in der Hauptstadt Damaskus.Weiterlesen…

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