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Meldungen & Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: Günter Netzer (Seite 1 von 2)

Sich mit “Bild” einlassen …

… führt immer geradewegs in die Hölle.
Mal früher mal später. Ich wusste das spätestens als 12-jähriger. Am 12.9.1969 spielte Borussia Mönchengladbach im Heimspiel am Bökelberg als Tabellenzweiter gegen den 17. 1.FC Kaiserslautern nur 1:1. Sehr ärgerlich, am 5. Spieltag, aber kein Grund sich danach zu zerlegen. Obwohl: das Springerschmutzblatt Bild lebt von nichts Anderem, und dachte sich dafür was Schönes aus: “Günter Netzer hat das Spiel kaputtgemacht.” Und das soll die Sonntagsausgabe nicht selbst ausgedacht, sondern der konservative, der CDU nicht weniger nahestehende Borussia-Vorsitzende Helmut Beyer gesagt haben. Ich ahnte damals schon, dass der nicht so bescheuert sein konnte. Weiterlesen

Wenig Aufwand – viel Ergebnis

Das Geschäftsmodell von Günter Netzer
Als 8-jähriger habe ich ihn dafür bewundert, und ihn mir als Nachfolger von Hans Schäfer zum persönlichen Lieblingsspieler gewählt: den 21-jährgen Günter Netzer beim Regionalliga-West-Spitzenreiter Borussia Mönchengladbach. Das war 1965. Jahrzehnte später machte er vor den Kameras der ARD fürstlich entlohnte Kalauer über seine eigene Trainingsfaulheit – und noblerweise kein schlechtes Wort über den heiligen Hennes Weisweiler. Das wäre heute mal spannend: von ihm aus dem Himmel zu hören, was er über das heutige Treiben denkt.
Wie komm’ ich drauf? Der Spiegel (Printversion, digital nur Paywall) verkauft sich heute mit alten neu aufgekochten Geschichtchen über den Kauf der Sommermärchen-WM 2006. Günter Netzer spielte dabei eine zentrale Rolle Weiterlesen

Sorry RWE

Es war die Saison 1964/65 der Regionalliga West, in der mich das Virus packte. Es gibt keine Behandlung dagegen, besser ist es zu lernen damit zu leben. Mein Oppa mütterlicherseits war RW Essen-Fan. Heute sollen es angeblich weit über 1.000 gewesen sein, die sich auf den Weg zum Grenzland-Stadion in Mönchengladbach gemacht haben sollen, und damit das Auswärtsspiel von RWE gegen Borussia Mönchengladbach U23 in ein Heimspiel verwandelt haben müssen. Hat nichts genützt.
Wie schon 1965 auf dem Bökelberg. Weiterlesen

ARD-Archivöffnung? / Den Wolfsberg hinauf

In den 90er Jahren sprach ich mit Manni Breuckmann über die “Tagesschau vor 20 Jahren”. Sie war damals gestartet und war, wie er mir versicherte, überraschend quotenerfolgreich. Ich schaute sie auch regelmässig, sie lief damals spätabends in allen Dritten, heute noch auf Tagesschau24. Schon damals hatten wir beide Sehnsucht nach einer entsprechenden “Sportschau vor 30 Jahren”, also etwa zu Beginn der Bundesliga.
So verging die Zeit. Das Internet erschien. Und bei der ARD passierte bis heute fast nichts. Obwohl: Weiterlesen

Medienkriminelles Sommermärchen 2006

Hat lang’ gebraucht, bis es endlich rauskommt
Leo Kirch war der grössten Pleitiers der deutschen Mediengeschichte. Weil er vermutlich seiner Zeit zu weit voraus war. Das Prinzip: Bilder und Informationen privatisieren und monopolisieren – bis einem das Geld aus allen Körperöffnungen herauskommt. Heute ein ganz “normales” kapitalistisches Prinzip und Geschäftsmodell. Dass das demokratische Öffentlichkeit unterminiert und morsch macht, ist einerseits dabei Nebensache – und heute überall gut zu erkennen. Kirch hatte sich vor seiner Pleite die grössten medienverwertbaren Kuchenstücke der Fußball-WM 2006 gesichert. Weiterlesen

Arsene Wenger

Es gab einen FC Arsenal vor Arsene Wenger. Das hat Nick Hornby in seinem epochemachenden Roman “Fever Pitch“, der später auch sehr ordentlich verfilmt wurde, beschrieben. Wenger kam zur Gründung der Kommerzmaschine Premier League und die Frage von Martin Krauss/taz, ob das als Ära zu bezeichnen ist, ist aus einem einfachen Grund mit Ja zu beantworten: Wenger hat England den “englischen Fußball” ausgetrieben.
Er war wahrscheinlich nicht der Erfinder, aber der Durschsetzer in der Alltagspraxis, eines Fußballs, der bis heute stilprägend für alle Weltklasseformate ist: Weiterlesen

Laubbläser in Marl – eine Assoziationskette

Gestern war ein schöner Abend für Fans von Borussia Mönchengladbach. Unser Mannschaftskapitän Lars Stindl schoss, wie es sich dramaturgisch gehört, nur 7 Minuten nach seiner Einwechslung in der letzten Sekunde der Nachspielzeit das 2:2, nach einer Özil-Götze-Stindl-Kombination mit exzellenter künstlerischer B-Note. Stindl lieferte einen weiteren durchschlagkräftigen Beleg für seine Bewegungsintelligenz und Teamfähigkeit. Er ist zu einem wirklich grossen Spieler gereift und dürfte, Verletzungsfreiheit und das Stattfinden des Turniers vorausgesetzt, bei der WM in Moskau sicher dabei sein. Danach wird sich dann eine Käuferschlange vor dem Büro von Max Eberl bilden.
Nach dem Spiel begrüßte der ARD-Sportschauclub (“Wir sind ja hier unter uns”) Borussias Vorstandsmitglied und einstigen Wundertrainer Hans Meyer (75). Er musste keine aktuellen Geschäftsgeheimnisse ausplaudern, weil sich seine Befragung auf sein epochales Wirken in Jena/DDR konzentrierte.
Was hat das mit der Überschrift zu tun? Weiterlesen

Diese Chance für Bonns City wird ungenutzt bleiben

In der letzten Aprilwoche des Jahres 1972 kam ich das erste Mal nach Bonn, es war eine Klassenfahrt. Es sollte eine sensationell ereignisreiche Woche werden: Deutschland gewann zum ersten Mal in der Fußballgeschichte in Wembley gegen England, Netzer und Beckenbauer beim 3:1 auf dem sportlichen Höhepunkt ihrer Karriere im besten Länderspiel der DFB-Geschichte; Willy Brandt überstand das Misstrauensvotum der CDU/CSU-Fraktion, unser Überleben und der Frieden in Mitteleuropa wurde über Jahrzehnte gesichert. Die darauf folgende Bundestagswahl im Herbst des gleichen Jahres hatte die höchste Wahlbeteiligung in der Geschichte unserer Republik.
Aus dem Hauptbahnhof heraus liefen wir direkt vor einen Bretterzaun, so wie heute. Damals wurde das Loch gebaggert, für die U-Bahn, und für das Loch von heute. Eine der grössten Bausünden in der Stadtgeschichte wurde gerade begangen. Jetzt, 45 Jahre später, ist die Südüberbauung weg. Ein kommunikatives Kunstwerk, Weiterlesen

Ernst Huberty 90

Als Moderator und Sportressortchef des WDR erschien er mir immer zu konservativ-reaktionär; als Livereporter ist er für mich dagegen Legende geblieben. Keiner kann ihm bei dieser Arbeit das Wasser reichen. Der WDR widmete ihm am Sonntagabend eine sparsame 30-minütige Würdigung und liess dafür, was er sowieso immer gerne und häufig tut, das kritische Magazin “Sport inside” ausfallen. Für Menschen mit gutem Erinnerungsvermögen offenbarte sie sehr viel mehr Widersprüche, als für oberflächliche Betrachter*innen der Jetztzeit.

Steffen Simon, heutiger WDR-Sportchef, liess es sich nicht nehmen, seinen Vorvorgänger, zwischen ihnen war nach meiner Erinnerung nur Heribert Fassbender, selbst zu interviewen. Während er dem Jubilar mit leuchtenden Augen und getragener Stimme seine Verehrung versicherte, ist Simon doch im positiven wie negativen das komplette Gegenteil von Huberty. Weiterlesen

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