Thema: Individualisierung

Lob der FAZ

Von , am Donnerstag, 22. März 2018, in Genuss, Lesebefehle, Medien, Politik.

Nein, eine Kaufempfehlung ist das nicht. Dafür ist mir der der Fazit-Stiftung gehörende Verlag zu reich und zu rechts. Heute habe ich aber ungewöhnlich viel Zeit mit Online-Lektüre verbracht, und hatte nicht das Gefühl, dass sie mir gestohlen wurde. Darum lasse ich Sie hier daran teilhaben.

Die schon mehrmals von mir vervorgehobene USA-Korrespondentin Frauke Steffens berichtet über den spektakulären Staatsbesuch des saudi-arabischen Kronprinzen Salman bei Donald Trump. Da haben sich zwei gefunden, die uns noch zu Revolutionär*inn*en machen werden. Im Tagesverlauf folgte ein weiterer Text von ihr über Sonderermittler Mueller.

Ein Kulturschaffender, dessen Werk ich verehre, belobigt einen ebensolchen: Dominik Graf schrieb schon am Sonntag über den nicht minder grossen Sepp Bierbichler, Weiterlesen

Wie ist Solidarität noch möglich? (Politisches Prekariat XV)

Von , am Sonntag, 11. Februar 2018, in Medien, Politik.

Vor wenigen Wochen strahlte Arte eine Sendefolge über den römischen Kaiser Nero aus. Nach dem Stand der Forschung war er nicht der irre Tyrann, als der sich uns, vermittelt über Hollywood-Produktionen, eingeprägt hat. Sondern ein – gar nicht so doofes, etwas genussverliebtes – Kind des damaligen Systems. In diesem System gehörte es zum Alltag der Herrschaftssicherung, die nächststehenden Familienmitglieder früher oder später umzubringen, damit sie dem Herrscher nicht gefährlich werden können. Die Stadtheilige Kölns, Agrippina, hatte diesen Nero als Sohn geboren und als Schwester, Gattin und Mutter drei Kaiserlegislaturperioden überlebend durchgehalten. Daher die kölsche Philosophien “et es noch immer jootjejange” und “et kütt wie et kütt”.

Diese Tradition, in den Nahestehenden den gefährlichsten Feind zu erkennen, hat sich bis heute erhalten. Ihre Richtigkeit wird durch die Kriminalstatistik gedeckt: die meisten Mörder*innen, Schläger und Vergewaltiger sind Verwandte; der gefährlichste Ort ist nicht der dunkle Park, sondern die eigene Wohnung (auch bei Unfällen). Daran gemessen geht es in der Politik doch noch recht sanft zu (wenn die geführten Kriege nicht wären). Weiterlesen

Zeitpolitik und Selbstoptimierungsirrsinn

Von , am Sonntag, 26. März 2017, in Lesebefehle, Politik.

Zeitpolitik ist dieses Wochenende mal kurz angesagt, weil uns eine Stunde gestohlen wurde. Schlimm genug, auch wenn ich persönlich immer dafür bin, wenn es abends länger hell ist, aber im Kern geht es um viel mehr, um unsere Souveränität als Subjekt, als Ich. Wer bestimmt, wie ich meine Zeit verbringe? Wie weit habe ich darüber überhaupt Entscheidungsfreiheit? Will ich selbst entscheiden? Oder bin ich zufrieden mit dem Objektsein? Will ich als Mensch die Technik beherrschen? Manche von uns streben das auch über die Ökologie und die Natur an. Will ich über Ökonomie und Politik mitbestimmen? Oder genügt mir das Beherrschtwerden? Zeitpolitik handelt auch von der Individualisierung dieser Fragen.

Auf die Spitze wird das dann mit dem Selbstoptimierungsirrsinn getrieben. Wie weit er schon unsere Kinder erfasst, beschreibt mit Ursula Kals eine weitere Autorin der FAS mitfühlend und richtig, um dann den alten Fehler ihres Mediums zu wiederholen. Es ist nicht das System, es ist nicht die Gesellschaft, es sind nicht Ökonomie und Politik verantwortlich. Es sind die Mütter!
Kinder nehmt mich vonne Zeche …..!