Thema: Informationsstelle Lateinamerika

Auf der langen Bank

Von , am Donnerstag, 24. Oktober 2019, in Politik.

von Gaby Küppers
Keine Panik: Das EU-Mercosur-Assoziationsabkommen ist noch längst nicht in Kraft

Plötzlich wollen sie alle das eben noch bejubelte Abkommen einfrieren, nachbessern, konditionieren. Selbst die Gouverneure der brasilianischen Amazonasstaaten und sogar Brasiliens Agrarlobby kriegen Ende August kalte Füße. Angesichts weltweit ausgestrahlter Bilder von abgefackelten Wäldern könnten Investoren ausbleiben. So fordern selbst die, die bis dato die Regenwaldvernichtung zu eigenen Gunsten mitgetragen hatten, ihren Präsidenten auf, seine Amazonaspolitik und vielleicht auch das EU-Mercosur-Abkommen zu ändern („Mercosul“ auf Portugiesisch). Nur die deutsche Regierung und der EU-Ratspräsident Tusk bleiben den Forderungen der europäischen Auto- und Chemieindustrie treu. Weiterlesen

Freihandelsabkommen – EU EFTA Mercosur

Von , am Mittwoch, 23. Oktober 2019, in Politik.

von Informationsstelle Lateinamerika in Bonn

Wer hätte vor Jahresfrist gedacht, dass die Verhandlungen zu einem Freihandelsabkommen zwischen der EU und vier Mercosurländern im 20. Jahr an Fahrt aufnehmen und zum Abschluss kommen würden? Wer, dass das politische Schmuddelkind, der derzeitige Präsident Brasiliens, darin eine herausragende Rolle spielen würde? Wer, dass die eingeschlafene Anti-TTIP- und Anti-CETA-Bewegung plötzlich aufwacht und dagegen mobil macht? Wer, dass es – man möchte sagen: wörtlich – brenzlig würde für die Ratifizierung, da Regierungen und Parlamente in der EU beginnen, diese abzulehnen. Weiterlesen

Argentinien

Von , am Donnerstag, 19. September 2019, in Politik.

von Roberto Frankenthal
Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt – Das überraschend deutliche Ergebnis der argentinischen Vorwahlen

Am 11. August 2019 wurde in Argentinien gewählt. Es waren noch nicht die Präsidentschafts- oder Parlamentswahlen, die finden am 27. Oktober statt, sondern lediglich Vorwahlen für selbige. Die PASO (Primarias simultáneas, abiertas y obligatorias – offene, gleichzeitige und verpflichtende Vorwahlen) wurden 2009 eingeführt. Damit sollte die Praxis beendet werden, dass jeweils mehrere Kandidat*innen der großen Parteien zu den Nationalwahlen antraten. Nach der Neuregelung sollte nur noch antreten dürfen, wer bei den Vorwahlen in der jeweiligen Partei die meisten Stimmen bekommen hatte. Weiterlesen

Venezuela

Von , am Dienstag, 17. September 2019, in Politik.

von Informationsstelle Lateinamerika
Der Sturz des venezolanischen Chavismus wäre für die lateinamerikanische Linke schlimmer als der Zusammenbruch der Sowjetunion, meint der uruguayische Autor Raúl Zibechi. Zweifellos würde sich die Krise vieler linker Bewegungen, bei weitem nicht nur solcher, die noch immer in Nibelungentreue an ihre Unterstützung für das Maduro-Regime festhalten, weiter vertiefen. Aber was kann aktuell in Venezuela überhaupt noch schlimmer werden? Weiterlesen

Tijuana damals und heute

Von , am Donnerstag, 1. August 2019, in Politik.

von Eduard Fritsch
Rummelplatz für US-Tourist*innen und Wartesaal für Migrant*innen

Willkommen in Tijuana
Tequila, Sex und Marihuana
Willkommen in Tijuana
Mit dem Schleuser gibt es keine Grenze
(Manu Chao)

In Reiseführern wird Tijuana oft als gefährliche und sündhafte Stadt dargestellt, die es gleichwohl zu besuchen lohnt. Zum Beispiel: „Es ist eine Stadt mit einem schlechten Ruf. Sicherlich gibt es viele Bars und Bordelle, Apotheken, in denen man rezeptfrei alles bekommen kann, Striptease-Lokale und betrunkene Tourist*innen…Trotzdem empfiehlt sich ein Bummel über die Avenida Revolución, wo man die faszinierende Mischung der Kulturen bestaunen kann…“ (Lonely Planet, 2007). Weiterlesen

Spotlights auf die Grenze

Von , am Sonntag, 28. Juli 2019, in Politik.

von Kathrin Zeiske
Vom Alltag an der Mauer zwischen Ciudad Juárez und El Paso

Zwischen Mexiko und den USA liegt die militarisierteste Grenze der Welt. Doch in Zwillingsstädten wie Ciudad Juárez und El Paso verschwimmt die Trennlinie angesichts einer gemeinsamen Grenzkultur und Wirtschaftsleben im Borderland. Haben die Grenzen von weit weg etwas Furchteinflössendes, sind sie für die, die nahe dran leben, eher eine alltägliche Angelegenheit, mit der es sich zu arrangieren gilt. Weiterlesen

Initiative Sacharov Preis für Marielle Franco (posthum) und Jean Wyllys

Von , am Donnerstag, 18. Juli 2019, in Politik.

von Gert Eisenbürger / Informationsstelle Lateinamerika
Das EU-Parlament verleiht jedes Jahr den Sacharov-Preis für Menschenrechte. Jede Fraktion kann dafür Vorschläge einreichen. Die Grünen haben in diesem Jahr posthum die ermordete brasilianische Politikerin, Feministin und LGBTI-Aktivistin Marielle Franco und den ehemaligen Abgeordneten und LGBTI-Aktivisten Jean Wyllis (vgl. dieses Interview) vorgeschlagen.

Da die Preisträger mit der Mehrheit des EU-Parlaments gewählt werden müssen, Weiterlesen

Aktivismus auf Google?

Von , am Sonntag, 23. Juni 2019, in Medien, Politik.

Interview von Luciana Musello und Mirjana Jandik (Übersetzung + Erläuterungen unten) mit der uruguayischen Feministin und Wissenschaftlerin Helena Suárez Val
Feminicidio Uruguay und andere Initiativen der Region zeigen, wie Aktivist*innen sich Tools zur digitalen Kartographie aneignen, um damit politisch aktiv zu werden. Dabei unterscheidet sich diese Art der Kartographie ganz wesentlich von traditioneller Expert*innen-Kartographie. Einfach zu benutzende und weit verbreitete Tools wie Google Maps ermöglichen es einer großen Anzahl von Menschen, Geschichten zu schaffen und zu erzählen. Davon profitieren Aktivist*innen wie Helena Suárez Val. Weiterlesen

Brasilien: Fake-News und Sexualität

Von , am Freitag, 21. Juni 2019, in Medien, Politik.

Interview von Gaby Küppers mit dem brasilianischen Sozialaktivisten und ehemaligen Abgeordneten Jean Wyllys

Jean Wyllys von der brasilianischen Linkspartei PSOL hat sein drittes Mandat als Abgeordneter in der Nationalversammlung nicht mehr angetreten. Ende 2018 warf er nach Todesdrohungen das Handtuch und ging nach Berlin ins Exil. Der bekennende Schwule mit schwarzen Wurzeln war befreundet mit der am 14. März 2018 ermordeten Marielle Franco, der schwarzen, feministischen, lesbischen Stadträtin aus Rio de Janeiro, und engagierte sich für die gleichen Themen. Er wolle kein toter Märtyrer werden, sagt der 45jährige und fügt zur Aufmunterung ein abgewandeltes Zitat an: „Ich bin kein Held, denn das ist ein sehr schlecht bezahlter Job“. Weiterlesen

Irrlicht Maas II

Von , am Donnerstag, 30. Mai 2019, in Beuel & Umland, Politik.

Klima – Lateinamerika – Somalia & Somaliland – Multilateralismus
Dem Bundesaussenminister will es nicht gelingen. Bewusst hält er sich von jedem innenpolitischen Scharmützel fern, und dennoch will es ihm nicht gelingen, so umfragenbeliebt zu werden, wie die meisten seiner Amtsvorgänger. Hat er keinen Buddy in einem der Demoskopie-Konzerne? Oder fehlt es ihm schlicht an einer politischen Idee, über das Managen eines schwierigen, grossen Ministeriums hinaus? Es ist wohl eine Mischung aus alldem.
Eine schöne Aufgabe für eine*n Aussenminister*in der Zukunft wäre, Weiterlesen

Venezuelas Bevölkerung muss über die Erneuerung entscheiden

Von , am Samstag, 18. Mai 2019, in Politik.

Interview von Britt Weyde mit dem venezolanischen Soziologen Edgardo Lander

Edgardo Landers Urteil auf der Pressekonferenz in Berlin ist niederschmetternd: „Die tiefe soziale Krise zeigt sich in allen wirtschaftlichen Indikatoren, die heute schlechter als vor Beginn des bolivarischen Prozesses sind. Aktuell beträgt das Bruttosozialprodukt etwa die Hälfte dessen, was es noch vor vier, fünf Jahren betrug. Eine derartige Rezession findet normalerweise in Folge eines schweren Krieges statt. Diese Regierung kann nicht als ‚linke Regierung‘ bezeichnet werden.“ Der renommierte Intellektuelle, der in den Anfangsjahren der Regierung von Hugo Chávez zu dessen Beraterstab gehörte, Weiterlesen

Queering weltwärts?

Von , am Donnerstag, 18. April 2019, in Politik.

Vom Versuch, Meistererzählungen zu dekonstruieren: Rezension zu „weltwärts – sexwärts?!“
von Laura Held

Dieses kleine, im Kölner Wissenschaftsverlag erschienene Buch hat es in sich. Direkt eine Warnung: Es ist nicht leicht zu lesen. Aljoscha* Sanja Bökle widmet sich mit großer Theoriefreude und unbeirrbarem Enthusiasmus einem bisher sehr wenig untersuchten Thema im Rahmen der internationalen Freiwilligendienste: den vielfältig miteinander verwobenen Feldern ,race‘ (der Begriff, die kursive Schreibweise und Anführungszeichen werden so von der Autor*in gewählt), Geschlechterverhältnisse, Gender, Sexualität(en) und Begehren. Weiterlesen

Diese Erfahrung hat mir die Augen für Rassismus geöffnet

Von , am Mittwoch, 17. April 2019, in Politik.

Eine Gesprächsrunde über Einsätze als Nord-Süd-Freiwillige in Argentinien und Ecuador; Interview: Wiebke Adams

Alle drei haben ein Freiwilliges Soziales Jahr in Lateinamerika gemacht. Lea war 2013/2014 über weltwärts im Norden von Argentinien und betätigte sich dort in einer NGO, die zum Thema „Indigene Rechte“ arbeitet. Marie war 2012/2013 selbstorganisiert in Ecuador in einer indigenen Gemeinde. Und ich war 2013/2014 in einer NGO in Argentinien, die sich mit Umweltschutz beschäftigt. Anscheinend haben uns diese Erfahrungen geprägt, Weiterlesen

Freiwilligendienste – Weltreisen für das Gute?

Von , am Dienstag, 16. April 2019, in Politik.

von Informationsstelle Lateinamerika (ila)

„Man geht heute mit 18 Jahren in einen Slum, das ist einfach so. Das macht sich gut im Lebenslauf. Das ist auch ganz oft der Moment beim Vorstellungsgespräch, wo der Personaler hellhörig wird und noch mal nachhakt: ‚Ach, Sie waren im Slum? In welchem waren Sie denn? Mensch, in dem Slum war ich auch!‘ Und schon hat man ’ne persönliche gemeinsame Basis!“ Kabarettist Christian Ehring hat’s erfasst. Der Gewinner des Kleinkunstpreises 2019 gibt den Vater aus der oberen Mittelschicht, der seinen lethargischen Nachwuchs dazu drängt, seinen Lebenslauf zu pimpen: Weiterlesen

Heute ist der König nackt

Von , am Donnerstag, 15. November 2018, in Politik.

von Britt Weyde
Interview mit der Soziologin Maristella Svampa über die Bewegung für die Legalisierung der Abtreibung in Argentinien und die neue feministische Welle

Etwa eine halbe Million Frauen treiben in Argentinien pro Jahr heimlich ab, häufig mit tödlichen Folgen. Zwar sind Schwangerschaftsabbrüche unter bestimmten, eingeschränkten Umständen möglich, doch das geht vielen nicht weit genug. So gründete sich bereits vor 13 Jahren eine landesweite Kampagne zum Recht auf Abtreibung, unter dem Motto: Sexualunterricht, um vorzubeugen, Verhütungsmittel, um nicht abtreiben zu müssen, und legale Abtreibung, um nicht zu sterben. Weiterlesen

Auf Stimmenfang mit der „Gender-Ideologie“

Von , am Freitag, 19. Oktober 2018, in Politik.

Über die neokonservativen Verflechtungen von Gender, Religion und Politik – nicht nur in Kolumbien – von Diana Granados Soler und Marcela Ospina Amador (mit einer Einleitung/erster Absatz von Gert Eisenbürger)

Die jüngste Ausgabe der Bonner Lateinamerikazeitschrift „ila“ (Nr. 419, Oktober 2018) widmet sich dem schwierigen Friedensprozess in Kolumbien. Vor gut zwei Jahren hatten die kolumbianische Regierung und die Guerillagruppe FARC (Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens) ein Friedensabkommen vereinbart, das den jahrzehntelangen Bürgerkrieg in dem Land beenden sollte. Fast wäre dieses Abkommen gescheitert, Weiterlesen

Kolumbien – Friedensprozess am Scheideweg

Von , am Donnerstag, 18. Oktober 2018, in Politik.

Gewalt und soziale Ungleichheit sind dabei die größten Hindernisse
von Stefan Peters

Zwei Jahre nach dem Abschluss des Friedensvertrags zwischen der Regierung und den Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia-Ejército Popular (FARC-EP) befindet sich der kolumbianische Friedensprozess gegenwärtig am Scheideweg. Der anfängliche Optimismus verschwindet sukzessive und aktuell zeigen sich die Mühen der Ebene in aller Deutlichkeit. De facto bescheinigt heute kaum jemand dem Friedensprozess eine eindeutige Erfolgsbilanz. Mit dem Regierungswechsel werden zudem die Weichen neu gestellt. Weiterlesen

Schweinesystem: Lebewesen, designed für Maschinen

Von , am Dienstag, 2. Oktober 2018, in Lesebefehle, Politik.

Helmut Höges sprachliche Ausflüge in die Tierwelt sind immer eine Lektüre wert: heute geht es um das “Schweinesystem”. Ich habs gestern wieder gesehen, in der NDR-Reihe 45Min. ging es um die deutsche Landwirtschaft, wie sie heute ist. Es ging nicht um Bio vs. Konventionell, sondern um Industrialisierung, Verwissenschaftlichung und Technisierung – denn nichts verabscheuen wir mehr als menschliche Arbeitskraft. Gezeigt wurde, Weiterlesen

Mexiko: Andrés Manuel López Obrador – AMLO

Von , am Mittwoch, 12. September 2018, in Politik.

So viele Fragen, noch so wenig Antworten – Widersprüche unter dem gewählten Präsidenten
von Gerold Schmidt

Er tritt erst am 1. Dezember 2018 offiziell sein Amt als neuer mexikanischer Präsident an. Doch seit seinem überwältigenden Wahlsieg am 1. Juli bestimmt Andrés Manuel López Obrador, kurz AMLO genannt, die politische Agenda im Land. Tag für Tag. Mit nicht immer unumstrittenen Personalentscheidungen. Mit der Ankündigung, nicht im Präsidentenpalast Los Pinos residieren zu wollen, sondern diesen Ort für die allgemeine Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Mit seinen Vorschlägen für drastische Kürzungen bei Gehältern und Privilegien auf den höherrangigen Ebenen der staatlichen Verwaltung einschließlich der Richter*innen und des Präsidenten selbst. Mit dem Versprechen neuer Raffinerien. Mit den gebetsmühlenartig wiederholten Äußerungen zur Bekämpfung der Korruption. Weiterlesen

Nach der Niederschlagung der Rebellion

Von , am Dienstag, 11. September 2018, in Politik.

Lateinamerikanische Stimmen zur Entwicklung in Nicaragua

Die Nachrichten, die uns in den letzten Wochen aus Nicaragua erreichten, deuten darauf hin, dass das Regime von Daniel Ortega und Rosario Murillo die Lage im Land vorerst wieder unter Kontrolle hat. Vom Nationalen Dialog mit den protestierenden Student*innen, Campesinos/as und Rentner*innen ist keine Rede mehr, stattdessen jagen Polizei und Paramilitärs die Anführer*innen der Protestbewegung. Die Zahl der Todesopfer ist inzwischen auf über 350 gestiegen.
Wir haben für diese Ausgabe wieder einen Themenblock mit drei Beiträgen zu Nicaragua zusammengestellt. Hatten wir in der letzten ila den Fokus auf die Ereignisse und Akteur*innen in Nicaragua selbst gelegt (z.B. hier), steht diesmal die Wahrnehmung Nicaraguas in der lateinamerikanischen Linken im Mittelpunkt. Weiterlesen