Beueler-Extradienst

Meldungen & Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: Informationsstelle Lateinamerika (Seite 1 von 13)

Lateinamerikanische Verfassungsprozesse

Vorgeschichten, Bilanzen und Herausforderungen

In mehreren lateinamerikanischen Ländern setzte sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts der Ruf nach neuen Verfassungen durch. Standen bei den Verfassungsprozessen in Argentinien, Brasilien und Kolumbien in den 90er-Jahren vor allem die Garantie der Grund- und Menschenrechte, institutionelle Reformen und die Anpassungen der Grundgesetze an die multikulturellen und gesellschaftlichen Realitäten der Länder (zum Beispiel Anerkennung der Rechte indigener Gemeinschaften, Aufhebung der Reservierung politischer Ämter ausschließlich für katholische Menschen) im Vordergrund, so wurden die Debatten um die Verfassungen von Bolivien, Ecuador und Venezuela zu den zentralen Orten, an denen neue Themen und antagonistische Vorstellungen von Wirtschaft, Natur, Nation und Staat zum Ausdruck kamen und teilweise auch ausgefochten wurden. Weiterlesen

Schutz statt Verbot

Wie sich die Vereinigung arbeitender Kinder und Jugendlicher Boliviens mit ihren Vorstellungen in der neuen Verfassung durchsetzen konnte

Dass Kinder sich aktiv bei der Erarbeitung einer neuen Verfassung einbringen, ist keine Selbstverständlichkeit. In Bolivien schaffte es die „Union arbeitender Kinder und Jugendlicher“ (UNATSBO) sogar, ihre Vorstellungen zur Kinderarbeit in der neuen Verfassung zu verankern. „Zwangsarbeit und die Ausbeutung von Kindern ist verboten“, heißt es im Artikel 61, Paragraf 2, und: „Aktivitäten, die Kinder und Jugendliche im Rahmen der Familie oder Gemeinschaft ausüben, dienen ihrer ganzheitlichen Entwicklung als Bürger*innen und haben Ausbildungsfunktion“. Weiterlesen

Labore

Stadtgewordener Manchesterkapitalismus – Andreas Kempers erschreckendes Buch über Privatstädte

Dieses Buch ist erschreckend. (Der Link führt zur Homepage des Autors; die Verlagsseite ist z.Z. in Reparatur.) Das Thema wurde in der Öffentlichkeit bisher wenig wahrgenommen. Aber die Idee der Privatstädte sollte bei allen, die die Hoffnung auf eine gerechtere Gesellschaft mit wirklicher Demokratie noch nicht aufgegeben haben, die Alarmglocken schrillen lassen. Mit diesen Projekten wird der Neoliberalismus auf die Spitze getrieben. Es soll in diesen Städten keinerlei öffentliche Kontrolle mehr geben. Sie werden zu Unternehmen, in denen die Eigentümer*innen das Sagen haben – Proprietarismus statt Demokratie und Wohlfahrtsstaat sind das erklärte Ziel. Weiterlesen

Polyphonie statt Hierarchie

Über die Rolle der Frauen in der Philosophiegeschichte Kolumbiens

Die Philosophie muss aus ihrem akademischen Elfenbeinturm herausgeholt werden und neuen Subjekten – insbesondere Frauen – Platz schaffen, die der männlich geprägte westliche Humanismus bisher ausgegrenzt hat. Die bestehende hierarchische Ein- und Zuordnung in der Philosophie muss dafür ausgehebelt und durcheinandergebracht werden. Aus dieser Perspektive wirft die Kolumbianerin Giovana Suárez Ortiz einen Blick auf die Rolle der Frauen in der Philosophiegeschichte ihres Landes. Weiterlesen

Sarg und Schatzkiste

Warum der Populismus immer wieder neue „Momente“ erlebt

In diesem Text geht es um eine Frage, die in Studien über die politische Praxis in Lateinamerika selten gestellt wird: die Frage nach der Endlichkeit des Populismus. Immer wieder wird Populismus als zeitlich begrenztes politisches Phänomen beschrieben. Das führt zu weiteren Überlegungen, zum Beispiel darüber, warum zur Beschreibung dieser zeitlichen Begrenztheit etwas so Flüchtiges wie der Moment gewählt wurde. Das bringt uns unweigerlich zu der alten philosophischen Frage nach der Dauer eines Moments. Weiterlesen

Aus Mein wurde Unser

Corona und Solidarökonomie in einer brasilianischen Favela

In Lateinamerika forderte die Corona-Pandemie nicht nur überdurchschnittlich viele Todesopfer, sondern führte auch zur Verarmung breiter Bevölkerungsgruppen. Zwar gab es mancherorts, vor allem während der ersten Welle, finanzielle Zuwendungen staatlicher Stellen, doch waren diese eher bescheiden und zeitlich begrenzt. Vor allem der großen Masse der im informellen Sektor Tätigen brachen die Einkünfte ganz oder teilweise weg. In den ärmeren Vierteln der Städte waren Hunger und wirtschaftliche Not ebenso lebensbedrohlich wie das Virus selbst. Weiterlesen

Alternativen

In “Weltordnung?” wählte ich öffentliche Äusserungen des französischen Öḱonomen Michel Aglietta und der US-Finanzministerin Janet Yellen als Gerüst. Determinismus, dass immer alles so kommt, wie “die da oben” wollen, lehne ich radikal ab. Das wäre historischer und sozialer (sozialwisssenscftlicher sowieso) Nihilismus. Um kohärent auftreten zu können, müsste sich der freiheitsliebende Westen empathischer um das Schicksal demokratischer Freiheitskämpfer wie Julian Assange und Edward Snowden kümmern. Weiterlesen

Schweine für China

Indigene Gruppen protestieren gegen riesige Mastanlagen im argentinischen Chaco

Argentinien ist stolz auf sein Rindfleisch, das als nationales Kulturgut betrachtet wird. Es ist ein weltweiter Exportschlager, auch wenn Feinschmecker meinen, seine Qualität sei deutlich schlechter geworden, seit über die sogenannten Feedlots auch in der argentinischen Pampa die Massentierhaltung etabliert wurde. Aber schlimmer geht immer: Nun wollen argentinische und chinesische Unternehmen riesige Schweinemastanlagen errichten, auch im komplizierten Ökosystem der trockenen Savannenregion Chaco. Weiterlesen

Der Aufstieg zum Wunderkorn

Quinoa ist vom unbekannten Getreide zum weltweit gefeierten Superfood geworden. Bäuer*innen in den Anden profitieren davon – noch.

Superfood ist seit ein paar Jahren ein Zauberwort des hiesigen Lebensmittelhandels. Nahezu jedes Jahr wird ein neues Produkt beworben, das wahnsinnig gesund und besonders bekömmlich ist, schlank macht und überhaupt unverzichtbar ist für die Selbstoptimierung. In kritischeren Medien weisen zwar gelegentlich Ernährungswissenschaftler*innen darauf hin, dass es einheimische Produkte gibt, die ähnliche Eigenschaften haben (etwa dass schwarze Johannisbeeren ähnlich viel Vitamin C enthalten wie das Vitaminwunder Acerola aus Amazonien), aber wen interessiert das schon, wenn gerade ein neues Superfood angesagt ist? Weiterlesen

Damit die Würde zur Gewohnheit wird, carajo!

Das progressive Bündnis Historischer Pakt und seine Strahlkraft in Kolumbien

Die Linksallianz Pacto Histórico (Historischer Pakt) ist das neue politische Phänomen in Kolumbien. Sie besteht seit Februar 2021 und ist ein Bündnis politischer, sozialer und Gemeindeorganisationen, die einen „realen, profunden und authentischen“ politischen Wandel anstreben, also eine Zukunft mit Frieden, Demokratie und sozialer Gerechtigkeit. Die Diversität und Vielfalt Kolumbiens wird ausdrücklich als Reichtum verstanden, die Mitstreiter*innen des Pacto sind zu einem erheblichen Teil im Spektrum der sozialen Bewegungen verwurzelt. Weiterlesen

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