Beueler Extradienst

Meldungen & Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: Infratest-dimap

Bonner GrĂŒne wieder vorne?

WDR-Kommunalwahl-Umfrage
mit Update 3.9.
Vorsicht! Meinungsumfragen zu Kommunalwahlen waren in der Vergangenheit nie prĂ€zise. Vieles kam anders. Die Umfragefirmen, in diesem Falle Infratest-dimap “Gesellschaft fĂŒr Trend- und Wahlforschung mit beschrĂ€nkter Haftung” (!), die umfangreiche DienstleistungsvertrĂ€ge mit der ARD unterhalten, verfĂŒgen trotz der viel kleineren Grundgesamtheit von WĂ€hler*inne*n ĂŒber weniger valide Daten, weil AuftrĂ€ge zu Kommunalwahlen viel seltener erteilt und entsprechende Datenberge ermittelt werden.
Angenommen, die Zahlen der aktuellen Umfrage wĂ€ren nah dran, liesse sich vieles mit einfachen Grundrechenartenkenntnissen zusammenzĂ€hlen.Weiterlesen…

Ende der Demoskopie?

Es wird nicht leichter, die Wahler*innen auszuforschen. Die “lĂ€ngerfristigen GrundĂŒberzeugungen” schmilzen weg wie das Arktiseis, begĂŒnstigt und beschleunigt durch die Digitalisierung der Kommunikation. Menschen wie ich legen sofort auf, wenn so ein Anruf von einem Callcenter kommt, egal wer dran ist. Von dem verstorbenen Werner Rambow, der vom Jobcenter zu so einer Arbeit verurteilt worden war, und der es dort zeitweilig bis zum (oppositionellen) Betriebsrat brachte, wusste ich frĂŒh “zuviel”, wie es dort zugeht.Weiterlesen…

Beklopptes Berlin / Schulzes

In meiner politischen Jugend waren Berliner*innen immer die beklopptesten Paranoiden unter allen BundeslĂ€ndern (neben dem Saarland, aber das wĂ€re ein eigenes Kapitel). Zu erklĂ€ren aus ihrem Sein: eingemauert, und aussen rum lauter kleine Honeckers. NĂ€her an diesem Berlin als an uns im Westen lag das Uni-Kaff Göttingen, in dem der kleine JĂŒrgen Trittin zu studieren anfing, und vergeblich versuchte ĂŒber den “KB-Nord” ein wichtiger Politiker zu werden. Dort entstand dann auch sein Musikgeschmack, ĂŒber den sich vor lauter Begeisterung Berliner Jungs heute kaum noch einkriegen können.
Sonntagsfragen-Umfragen machen sie in dieser merkwĂŒrdigen Stadt, gut halb so gross wie das Ruhrgebiet, jeden Monat. Manfred GĂŒllner (Forsa), ehemaliger stĂ€dtischer Amtsleiter in Köln, heute Mitglied der FroGS (Friends of Gerhard Schröder), macht sie,Weiterlesen…

Unbeachtete Demoskopie – CSU fĂŒttert den rechten Rand

Es hat sich doch einer darum gekĂŒmmert, was in Ellwangen tatsĂ€chlich passiert ist. Viel bleibt nicht ĂŒbrig.
“Europa heute” im DLF berichtete heute morgen, wie es den FlĂŒchtlingen ergeht, dort, wo die Ellwanger FlĂŒchtlinge herkommen, und der betreffende Togolese zurĂŒckgeschoben werden soll.
Im Kern geht es um die Mobilisierung des rechten Randes durch die wahlkĂ€mpfende CSU. Diese Mobilisierung scheint zu gelingen, jedoch ncht fĂŒr die CSU selbst. Die letzte Bayern-Umfrage von Infratest-dimap sieht sie weit vorne, aber auch weit von der absoluten Mehrheit entfernt. DafĂŒr hat sie die Natter rechts von sich ĂŒber die letzten Jahre gut gefĂŒttert. Kaum beachtet: die GrĂŒnen sollen die SPD ĂŒberholt haben!
Kein Grund zu GrĂŒner Selbstzufriedenheit. In FreiburgWeiterlesen…

Wahlkampf – muss das sein?

Das fragen sich viele angesichts der grassierenden lÀhmenden Langeweile. In viereinhalb Wochen wissen wir mehr. Zur Orientierung hier die Umfragewerte der Parteien, und wie sie sich im letzten halben Jahr beim jeweiligen Umfrageinstitut entwickelt haben (alle Angaben entnommen bei wahlrecht.de).

Allensbach/FAZ
CDU/CSU: von 33,5 auf 39,5; SPD: von 30,5 auf 24; GrĂŒne: von 8 auf 7,5; FDP von 7 auf 10; Linke von 8 auf 8; AfD von 8,5 auf 7.

Emnid/Springer-Verlag
CDU/CSU: von 32 auf 39; SPD: von 33 auf 24; GrĂŒne: von 7 auf 8; FDP: von 6 auf 8; Linke: von 8 auf 9; AfD: von 9 auf 7.

Forsa/Gruner & Jahr
CDU/CSU: von 34 auf 38; SPD: von 31 auf 24; GrĂŒne: von 7 auf 7; FDP: von 6 auf 8; Linke: von 8 auf 9; AfD: von 8 auf 9.

Forschungsgruppe Wahlen/ZDF
CDU/CSU: von 34 auf 40; SPD: von 30 auf 24; GrĂŒne: von 9 auf 8; FDP: von 6 auf 8; Linke: von 7 auf 8; AfD: von 9 auf 8.

Infratest-dimap/ARD
CDU/CSU: von 31 auf 39; SPD: von 32 auf 24; GrĂŒne: von 8 auf 8; FDP: von 6 auf 8; Linke: von 7 auf 9; AfD: von 11 auf 8.

Die Ausgangsdaten der SPD vor einem halben Jahr basieren auf dem damaligen “Schulz-Effekt“, der wieder abgeschmolzen ist. Der Abschmelzprozess der AfD hatte schon frĂŒher eigesetzt, ihre Höhepunkte lagen zwischen 12,5 (Allensbach) und 16 (Infratest-dimap) vor gut einem Jahr. Der Höhepunkt der GrĂŒnen-Werte lag im FrĂŒhjahr 2016 bei 14%. Die FDP kommt von einem Tiefpunkt im FrĂŒhjahr dieses Jahres, als sie noch bei 5-6% eingeordnet wurde.
Wie seriös die Umfrager*innen arbeiten? Das legen sie nicht wirklich offen. Darum: ohne GewÀhr!

Umfragen – GrĂŒner Rekordwert

Fragen Sie mich nicht warum.
Vor dem Verdauen von “Meinungsumfragen” sollte man folgendes wissen: das Brot-und-Butter-GeschĂ€ft von “Meinungsforschungsinstituten” ist die Marktforschung fĂŒr Konzerne. Damit verdienen sie ihr Geld. Veröffentlicht werden die Ergebnisse in der Regel nicht, sie sind GeschĂ€ftsgeheimnisse der Auftraggeber. Die politische Meinungsforschung, also insbesondere die “Sonntagsfrage” sind das Marketing dieser Firmen – damit erzielen sie kostenlose ErwĂ€hnung und Werbung in den redaktionellen Teilen der Medien.
Ferner hat fast jedes Institut gewachsene diplomatische Beziehungen zu Politik, Parteien und MedienWeiterlesen…

Asymmetrische Demobilisierung

Fangen wir mit dem Lob fĂŒr Martin Schulz an. Gut, dass er das Spindoktorthema mal ins Licht des Mainstreams gezogen hat. Gut auch, der Anti-Berlin-Affekt, den er bedient. Seit dieser Ort Hauptstadt ist, hat sich die SelbstreferentialitĂ€t von Politik und Medien demokratieschĂ€dlich verstĂ€rkt, durch schlichte geografische Effekte. Berlin liegt am Ostrand der Republik, 80 km vor Polen. Um es – halb so einwohnerstark wie das Ruhrgebiet – herum ist nichts, ausser ein bisschen menschenleeres Brandenburg, nach Westen folgt dann ebenso menschenleeres Sachsen-Anhalt, nach Norden Meck-Pom, nur voll zu Ferienzeiten. Wie JĂŒrgen Becker es zu Westfalen sagt: “Da kannst Du stundenlang fahren, und triffs keinen.”

Das hat direkte Auswirkungen auf das Alltagsleben unserer Volksvertreter*innen: aus Berlin sind 24, aus Brandenburg 20. Die können abends nachhause, weniger als 10%. Zu Bonner Zeiten (vor 1999) waren esWeiterlesen…

Parteien und Demoskopen in Panik

In Frankreich hat die Demoskopie gesiegt, sogar in der geringfĂŒgig demokratischen TĂŒrkei. Im angeblich so stabilen Deutschland dagegen ist sie in Panik geraten. Zwar sind sich aktuell alle Institute einig, dass aus der Martin-Schulz-Blase gerade die Luft entweicht; Majid Sattar (FAZ) meint sogar schon zu wissen, woran das liegt.
In NRW jedoch, der wichtigsten Orientierung vor der Bundestagswahl im Herbst, sind jetzt alle in Panik. Infratest-dimap sieht fĂŒr den WDR SPD und CDU schon gleichauf. Forsa (fĂŒr DuMont) und Yougov (Sat1) sehen dagegen Krafts SPD (35-36) mit weitem Abstand vor der CDU (27-29). Diese beiden unterscheiden sich jedoch radikal in der Einstufung von FDP (12 oder 7?) und AfD (7 oder 11?). Yougov sieht die Linke sogar vor den NRW-GrĂŒnen, die lĂ€ngst von Schnappatmung und Herzrhythmusstörungen erfasst sind. Sicher ist nur eins: irgendwas an diesen Daten ist total falsch.
Die Parteien und ihre aktiven Mitglieder diskutieren nicht mehr, das ist angeblich schĂ€dlich. Sie stieren tĂ€glich auf diese Daten und diese Daten bestimmen ihre Stimmung. WĂŒrden sie ĂŒbereinstimmen, könnten sie sogar als selbsterfĂŒllende Prophezeiung funktionieren. Das ist das Gute an ihnen, dass sie das wenigstens nicht tun.
Es gĂ€be eine gute Alternative fĂŒr die Parteien und unsere Demokratie (ĂŒbrigens auch fĂŒr Martin Schulz): Aufsehen erregen mit politischen Ideen und VorschlĂ€gen. Sich auch mal was trauen, was viel Gegenwind und BILD-Diffamierungen nach sich zieht, Widerspruch aushalten, Geradestehen fĂŒr etwas, wovon mann/frau zutiefst ĂŒberzeugt ist. Eine Dame meinte z.B. vor etlichen Monaten mal, “sonst ist das nicht mehr mein Land”. Und wie sind ihre aktuellen Daten? Ist sie die Letzte, die demonstrativ in langen Linien denken kann, Prozessdenken beherrscht?

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