Thema: Jan Böhmermann

Reste des Journalismus – Vorbote Österreich?

Von , am Samstag, 18. Mai 2019, in Medien, Politik.

Das hätte es auf meinem Schulhof im Gladbeck der 70er Jahre nicht gegeben: ein RWE- und ein S04-Fan reden vor den Entscheidungen des letzten Spieltages ganz sachlich und informativ über die Lage des deutschen Fussballs der Herren, Jürgen Zurheide und Manni Breuckmann. Zurheide zeigte seinem Ressortboss Heinemann kurz zuvor noch, wie ein DLF-Moderator Anton Hofreiter ohne Schaum vorm Mund kritisch befragen kann.
Zurheide und Breuckmann habe ich beide bei meinen 15 Jahren Landtagsarbeit in Düsseldorf kennen gelernt. Weiterlesen

50 Mrd. €-Steuerbetrug

Von , am Freitag, 10. Mai 2019, in Lesebefehle, Medien, Politik.

Merkwürdig, wie geringfügig die Auf- und Erregung ist. Der Umsatzsteuerbetrug in Europa verursacht einen Schaden von 50 Mrd. Euro für die öffentlichen Kassen – das sind zu gegenwärtigen Kursen rund 7 Berliner Flughäfen. Wie im Kapitalismus üblich – das erklärt vielleicht die öffentliche Lässigkeit – wird Reichtum von öffentlichen in private Kassen geschaufelt. Die Kolleg*inn*en von correctiv haben die Geschichte recherchiert und aufbereitet. Verhaltensauffällig ist dabei u.a. Marta Orosz, die schon bei der #metoo-Affäre des WDR Recherche-Führungsarbeit verrichtet hat.
Dankenswerterweise hat Jan Böhmermann im Dienste der Ehrenfelder btf gestern eine entertainmentorientierte Kurzfassung der gleichen Geschichte präsentiert. Wählen Sie sich eine aus. Aber ignorieren Sie es nicht. Die Ausrede “Das habe ich nicht gewusst” funktioniert nicht.

SCHULPFLICHT! – Klimapolitik interessiert DLF-Interviewer nicht

Von , am Freitag, 15. März 2019, in Fußball, Lesebefehle, Medien, Politik.

Christoph Heinemann/DLF baute sich heute zum Beweis für die #fridaysforfuture-Demonstrant*inn*en auf. Er lieferte sich mit Toni Hofreiter – ich war noch nicht wach – ein rhetorisches Duell darum, wer den Längsten hat. Der passende Kommentar dazu hier im Bild. Die Schüler*innen wollen so lange streiken, bis auch solche Heinemanns verstehen. Das kann dauern.
Während der Routinier Hofreiter sichtliche Mühe hatte, seine Botschaft zu überbringen, gelang das seiner Parteifreundin Luisa Neubauer mühelos, und für Leser*innen wesentlich fruchtbarer.

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ZDF Manual

Von , am Freitag, 22. Februar 2019, in Medien.

Das Schenkelklopfen am Mainzer Lerchenberg ist durchs ganze Rheintal zu hören. Es sind die ZDF-Bosse (von Bossinnen ist mir nichts überliefert), die sich über die ARD kaputtlachen. Das ZDF ist “Marktführer” der Resterampe deutschen Fernsehens. Allerdings nur, weil die “Dritten” der ARD getrennt gezählt werden. Allein: das so hinzukriegen ist ja PR-strategisch schon genial, und noch schlauer als seinerzeit die Erfindung der “werberelevanten Zielgruppe” der 14-49-jährigen. Marktführer mit einem allseits respektierten unterirdisch schlechten Programm.
Während Dieter Hildebrandt für solche Kritik zu Lebzeiten noch rechtschaffen gefeuert worden war, Weiterlesen

Klassenkampf an unserer Haustür

Von , am Freitag, 30. November 2018, in Hörbefehl, Lesebefehle, Medien, Politik.

Mit Update
Weil die Linkspartei gerade mal wieder keine Zeit für Politik hat, muss Jan Böhmermann jetzt ihren Job machen. Seine Schreibtischnummer war gestern mal wieder – Kompliment! – ein Höhepunkt politischer Aufklärung. Heftiger Dank an die Rechercheur*inn*en der bildundtonfabrik in Köln-Ehrenfeld, die ihm das aufgeschrieben haben. Die gewerkschaftlich hochorganisierten Müllwerker sind geradezu eine Arbeiteraristrokratie gegenüber dem Proletariat, dem er sich gestern widmete: Weiterlesen

Lindenstrasse und Bertolucci

Von , am Montag, 26. November 2018, in Medien.

Dieter Anschlag/Medienkorrespondenz warf sich für die Lindenstrasse ins letzte, vergebliche Gefecht. Seine Erregung kann ich nicht mehr nachempfinden, obwohl ich bis in die Nullerjahre zum Stammpublikum gehört habe, mehr aus liebgewonnener Gewohnheit, als aus Fan-Engagement (das investiere ich woanders). Ich weiss darum auch gar nicht mehr, wann es aufgehört hat. Von diesem abgesehen, hat Anschlag in allen anderen Punkten aber mehr Recht, als es für unsere Medienlandschaft und Demokratie gut ist.
Die grösste Gefahr, die unsere öffentlich-rechtlichen Medien für sich selbst herbeiprovozieren, ist die Gleichgültigkeit. Weiterlesen

Sind Sie Rüstungsfinanzier?

Von , am Freitag, 2. November 2018, in Medien, Politik.

Nein, ich doch nicht, niemals … Vorsicht! Seit einigen Jahren ist erforscht, dass Comedy- und Satireprogramme oftmals mehr politische Information liefern, als so manches Format, das offiziell unter dem Etikett Nachrichten/Information läuft. In meinem privaten Freundeskreis meinen z.B. die meisten, Jan Böhmermann, sei “zu albern”. Das mag sein. Aber die verpassen was.
Über die Arbeits- und Produktionsbedingungen der “Bild und Ton Fabrik” (BTF) in Köln-Ehrenfeld habe ich noch nicht viel Gutes gehört. Aber es muss da Leute geben, Weiterlesen

Hier die guten Borussia-Nachrichten

Von , am Samstag, 13. Oktober 2018, in Fußball.

Die Finanzheinis der Fussballbranche wehklagen regelmässig über die Länderspielpausen. Dabei sind sie recht erholsam, eine willkommene Gelegenheit für uns Fans für ein wenig Besinnlichkeit und die Wahrnehmung, dass es ein Leben gibt, das wichtiger ist als Fussball. Manche meinen ja, viel sei das nicht. Für mich ist es aktuell belastender, dass Montag die Winterpause bei Olivotti beginnt; morgen wird es so überfüllt sein, dass ich heute bereits meinen Abschiedsbesuch machte.
Doch zurück zum Fussball und zur Borussia. In sieben Jahren haben wir nun dreimal auswärts beim Fussballkonzern im süddeutschen Raum, mit seiner kriminellen Vereinigung als Aufsichtsrat, gewonnen. Weiterlesen

Maaßen muss gehen, Punkt

Von , am Samstag, 15. September 2018, in Politik.

Sich in einen politischen Streit einmischen und diesen zu beeinflussen? Das kann und darf der Chef eines Nachrichtendienstes einfach nicht.

Erstaunlich lange hat es gedauert, aber nun geschieht das Erwartbare. In Kommentaren seriöser Medien baut sich eine Verteidigungslinie für Hans-Georg Maaßen auf. In Wahrheit, so die Argumentation, gehe es bei der Affäre nicht um Fehlverhalten des Verfassungsschutz-Präsidenten, sondern darum, dass er der Flüchtlingspolitik der Bundeskanzlerin kritisch gegenüberstehe. Deshalb werde sein Kopf gefordert.

Das rangiert auf der nach oben offenen Unfug-Skala ziemlich weit oben. Weiterlesen

Liebe, Zusammenleben, Einsamkeit & #metoo

Von , am Mittwoch, 22. August 2018, in Genuss, Medien, Politik.

Der Kapitalismus befriedigt die (meisten) menschlichen Bedürfnisse, im Gegensatz zu den Behauptungen seiner abergläubischen Apologet*inn*en, nicht. Seit 1989/90 erscheint er in weiten Bereichen seiner Herrschaftsgebiete alternativlos. Seine Widersprüche produziert er überwiegend selbst. Ob er sich dadurch vervollkommnet oder eines Tages selbst daran verendet, ist für mich eine offene Frage. Klar ist hingegen: viele, zu viele Menschen fallen ihm dabei zum Opfer. Darum ist Ludger Volmer recht nah an der Antwort auf die Frage, was wir dagegen unternehmen sollten.
Derzeit wird viel darüber philosophiert, auch in diesem Blog, dass die Menschen es weder sozial noch evolutionär gelernt haben, mit den Kommunikationstechnolgien kulturell vorteilhaft umzugehen, Weiterlesen

Streamingdienste – ein Geschenk für Filmschaffende?

Von , am Freitag, 26. Januar 2018, in Genuss, Medien.

Gutes Fernsehen ist nicht tot. Aber das Fernsehen der Zukunft wird nicht das sein, was wir uns heute darunter vorstellen (können).

Ich schaue eigentlich kaum noch lineares Programm. Eigentlich nur noch, wenn es “live” ist – und dann eben auf Kanälen, die “Ereignisse” tatsächlich als solche übertragen… ganz oft – wenn es sich nicht gerade um Sport handelt, ist das eben phoenix.

Diese etwas “verstaubte” Bude in Bonn leistet mit ganz wenig Personal durchaus erstaunliches: Sie fesselt mich über Stunden vor dem Bildschirm. Ganz gleich, ob es ein SPD-Parteitag ist, wie noch vor einigen Tagen, oder die tagelange Begleitung der G20 in Hamburg… Verglichen mit all den Talking Heads auf anderen Kanälen haben die Bonner zumeist die Erträglicheren – beileibe nicht immer – aber eben öfter…

Die Tatsache, dass ich eben diesen “Ereigniskanal” oft auf dem PC oder dem Tablet schaue, ändert ja nichts daran, dass hier “TV” seine absolute Berechtigung hat und ihr auch nachhaltig gerecht wird. Das kann nur “Fernsehen”! Wobei wir in Zukunft im Netz sehr, sehr(!) viel mehr professionelles Livestreaming sehen werden. Beim Sport funktioniert das Geschäftsmodell offensichtlich schon. Da muss man nicht nur auf den Newcomer DAZN schauen, sondern auch auf Ableger der Fersehkonzerne wie ESPN (Disney), Eurosport und andere globale kommerzielle Player…

Deutsche Fiktion hat prekäre Zukunft

Das heisst: Die Differenzierung im Wettbewerb wird – noch viel mehr als bisher – nicht nur von der Verfügbarkeit sondern auch dort von der gebotenen “Qualität” “exklusiver Inhalte” und den dafür einzusetzenden (finanziellen) Mitteln abhängen.

Was aber das “fiktionale” Programm angeht, ist TV im allgemeinen und in Deutschland im besonderen zu einer prekären Zukunft verdammt. Weiterlesen

Gutes Fernsehen – kommt es wieder? Im Stream?

Von , am Donnerstag, 25. Januar 2018, in Medien.

Harald Staun und Hernan D. Caro (klingt nach Pseudonym) haben in einem Beiboot der FAZ eine lesenswerte Reportage zur Fabrikation deutscher TV-/Streaming-Serien veröffentlicht. Ungefähr in die dort beschriebene Richtung wird es gehen. Ich möchte nur ein paar kleine Abweichungen artikulieren.

Ich gehöre zu den Verehrern Dominik Grafs. Schon seine ersten Gehversuche im Vorabend-TV (“Auf Achse” mit Manfred Krug; “Der Fahnder” mit den verstorbenen Klaus Wennemann und Dieter Pfaff, sowie Dietrich Mattausch) sind heute noch vorzeigbar, ja entschieden geniessbarer als der Müll, der heute produziert wird. Andere eher schräge Sachen von ihm sind geradezu grossartig: der Jubiläumsfilm zum Grimme-Preis “Es werde Stadt“, der beste Film, der jemals über Marl gemacht wurde, oder seine Erinnerung an Michael Althen. Aber “Im Angesicht des Verbrechens“, vom deutschen Feuilleton fast einhellig militant verteidigt, war missraten, langweilig und klischeebeladen. Weiterlesen

ZDF – das neue Erste?

Von , am Mittwoch, 8. November 2017, in Medien.

Schon seit längerem führt das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF), allenfalls bedrängt von der Summe der Dritten, die deutsche Einschaltquotentabelle an. Wenn es einen Staatssender gibt, dann ist es dieser. Das Bundesverfassungsgericht musste immer wieder eingreifen, um die grundgesetzlich vorgeschriebene Staatsferne bei der Zusammensetzung seiner Aufsichtsgremien durchzusetzen. Die öffentlich-rechtliche Konkurrenz von der ARD profitiert von und leidet unter dem Föderalismus. Sie setzt sich aus 9 Anstalten zusammen, sogar die Zwergstaaten Bremen und Saarland haben immer noch eigene. Während Bremen früher durch kreative Programminnovationen glänzte, erinnert sei an das Interviewergespann Christian Berg und Michael Geyer oder an die Frühzeit der Talkshow “III nach neun“, können sich die meisten Zuschauergenerationen daran schon nicht mehr erinnern. Das Saarland hatte früher mit Jochen Senf zumindest einen skurril-originellen Tatort-Kommissar (der Gourmet mit dem Rennrad), kennt heute auch keine*r mehr.

Trotz komplizierter Aufsichtsstruktur dürfte also das ZDF die kürzeren anstaltsinternen Entscheidungswege haben. Und während wir es in der alten BRD-Zeit noch als “CDF” bezeichneten, also als Verschmelzung von Kohl-CDU und Fernsehen, haben sich auch diese Unterschiede abgeschliffen. Weiterlesen

Frauen rollen Reste der Popindustrie auf

Von , am Dienstag, 23. Mai 2017, in Fußball, Genuss, Medien, Politik.

Seit Jahrzehnten habe ich keine Musik mehr gekauft. Meine Wohnung steht voll davon, ich schaffe es nicht mehr sie zu hören – ausser sporadisch im Radio. Die Produktionsverhältnisse für das, was unsereiner als Pop kennengelernt hat, haben sich radikal verändert. Die einstigen “Major Companies” sind aufgefressen worden. Künstler*innen sind noch mehr auf sich selbst, Kapitalkraft, Ausdauer, Ellenbogen, Vermarktbarkeit und -fähigkeit angewiesen. Nach meiner Wahrnehmung steigt der Anteil der Frauen unter den wenigen, denen das gelingt.
Ich schäme mich, Informationen aus dem Boulevardmedium Spiegel-online zu beziehen, aber diese Reportage über Sevdaliza mag einerseits ultraclevere PR sein. Sie ist aber spannend, weil sie sehr viele miniaturisierte politische Signale setzt, und in diesem Falle keine schlechten. Beispielhaft für aktuelle Entwicklungen der Branche, dass sich hinter der Künstlerin eine kleine selbstgebaute Popfabrik verbirgt, als Unternehmensform vergleichbar mit der TV-Fabrik hinter Jan Böhmermann.
Politisch expliziter äussert sich das im taz-Interview mit der Libanesin Yasmine Hamdan, ein weiteres Beispiel für die kulturelle Überlebensfähigkeit eines Landes, das gemessen an seiner Einwohnerzahl vermutlich den Weltrekord an Aufnahmebereitschaft für Flüchtlinge hält.
Der neue Pop ist das Fussballbusiness, Sehnsuchtsziel globaler Kapitalströme. Marie Kilg analysiert in einer sehr gut analysierenden Reportage für die taz die PR-Strategie dieses Fussballkonzernes aus dem süddeutschen Raum. Was sie hier gesehen hat, beherrscht längst das gesamte Entertainment- und Politikgeschäft, es steht repräsentativ für kapitalgetriebene Strukturveränderungen in unserem Mediensystem, und für die Gefahr, die davon für unsere Informations- und Meinungsfreiheit ausgeht.

Update 24.5.: Wie politisch Pop heute ist, hat am Beispiel Arianna Grande und dem Bombenanschlag nach ihrem Konzert in Manchester, Dietmar Dath in der FAZ absolut zutreffend erfasst,

Parteien mutieren zur Intrigenhölle (Politisches Prekariat V)

Von , am Samstag, 1. Oktober 2016, in Medien, Politik.

Nein, ich will jetzt nicht aus eigenen Erfahrungen plaudern. Mein Sichtfeld der letzten Jahre, die Bonner Kommunalpolitik war zu uninteressant und langweilig (nicht für mich, aber für Sie). Die dabei gewonnenen Erfahrungen erlauben aber einen analytischen Blick auf wichtigere Prozesse. Fangen wir, was die Wichtigkeit betrifft, ganz unten an und arbeiten uns dann nach “oben”.

Nehmen wir also zunächst die Linkspartei und Die Grünen. Es tut zum Fremdschämen weh, wie sie sich aktuell lächerlich machen und aus jedem politischen Spiel selbst herausnehmen. Die Krankheit heisst “Spitzenkandidatur”. Im deutschen Wahlrecht existiert sie nicht. Weiterlesen

Böhmermann

Von , am Freitag, 30. September 2016, in Medien.

Für keinen Marketing-Trick zu fies. ZDFneo strahlte gestern eine “falsche” Folge von Jan Böhmermanns “neomagazin royale” aus, damit wir die “richtige” alle Anklicken. Bitte schön. Ladies Vorsicht: es kommt zu langanhaltenden expliziten Aufführungen von Sexismus.
Heute Nacht 0 Uhr soll die Sendung im ZDF-Hauptprogramm wiederholt werden. Aber welche?

Pro Quote? – Mit diesen Frauen mehr als das!

Von , am Mittwoch, 18. Februar 2015, in Lesebefehle, Medien.

Als ich Charlotte Wiedemann das erste Mal sah, trug sie einen weißen Bademantel. Sie kam gerade aus der Dusche, während ich mit einem ihrer damaligen Wohngenossen in Beuel, der für MdB Thomas Ebermann arbeitete, über Strategien für einen Atomwaffenverzicht im Grundgesetz diskutierte. Darüber ist die Geschichte leider hinweggegangen. Wiedemann dagegen Weiterlesen