Beueler Extradienst

Meldungen & Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: Leitkultur

Hegemoniekampf im deutschen BĂŒrgertum

Claus Leggewie, langjĂ€hriger Vordenker GrĂŒner Realos, rĂŒstet zum Entscheidungskampf. Kramp-Karrenbauer und Lindner sehen die Gefahr, und scheinen nicht mehr zu wissen, ob sie ihr noch standhalten können. Sollen sie sich vom Kleinstaat ThĂŒringen, wenig einwohnerstĂ€rker als Hamburg – damit es alle verstehen: ungefĂ€hr 2 Saarlande – die Hegemonie im deutschen BĂŒrgertum aus der Hand nehmen lassen? Umgekehrt die GrĂŒnen:Weiterlesen…

“Meisenhorst” – Eine humanistische Leitkultur

Politische Kabarettisten sind mittlerweile ziemlich rar. Georg Schramm ist im Ruhestand, Dieter Hildebrandt lebt nicht mehr und Volker Pispers macht eine kĂŒnstlerische Pause. Philip Simon, deutsch-niederlĂ€ndischer Kabarettist, war zu Gast im Beueler Pantheon und outete sich dort als glĂŒhender Verfechter einer humanistischen Leitkultur. Eigentlich mehr als politisches Statement und weniger als die Kleinkunst eines Kabarettisten. Diese Grenze zwischen Kunst und Politik ist allerdings fließend, zumal Kunst in vielen FĂ€llen auch politisch sein darf und muss.

Wenn Philip Simon das Grundgesetz zu Rate ziehtWeiterlesen…

DarĂŒber wird zuwenig gesprochen – Grundgesetz & Digitalisierung

Zu Recht wird das Niveau des aktuellen Bundestagswahlkampfes beklagt. Zu Recht wird kritisiert, wieviele wichtige Themen und Probleme in ihm keine öffentliche BerĂŒcksichtigung finden und von den handelnden Parteien aus- oder weggeblendet werden. Das betrifft weniger die – zum Teil umfang- und formelreichen – Programme, als die von einer breiten Öffentlichkeit wahrnehmbare Performance, die die Parteien immer stĂ€rker an professionelle Agenturen der Berliner Blase outsourcen, weil sie selbst gar nicht mehr ĂŒber ausreichendes intellektuelles Potenzial verfĂŒgen.

Zwei einfache Beispiele.
DLF-Korrespondentin Uschi Götz, Kompliment dafĂŒr, hievte einen naheliegenden Vorschlag des DLF-Hörers Tarek Bischay heute morgen auf eine Premium-Position des FrĂŒhprogramms. Bischay hat einen Ă€gyptischen Vater und eine ungarisch-deutsche Mutter, studiert derzeit in TĂŒbingen. Nachdem der DLF in seiner Religionssendung “Luthers Thesen neu gelesen” lĂ€sst und immer freitags den “Koran erklĂ€rt”, fragte Bischay, warum sie das eigentlich nicht mit dem Grundgesetz, dem Kern deutscher “Leitkultur” machen. Eine wirklich exzellente Idee. Denn den meisten Biodeutschen,Weiterlesen…

Die Jungfrauen werden euch auslachen

Heute ist Pokalfinale. Wenn der BVB es gewinnt, was nicht so sicher ist, wie alle glauben, hat seine FĂŒhrung ein Problem. Sie muss der Öffentlichkeit erklĂ€ren, warum sie den Trainer trotzdem rausschmeisst und wie es so weit kommen konnte (Zitat Claudio Catuogno/SZ): “Es ist ein ungeheuerer, im Kern auch erstaunlich unsouverĂ€ner Vorwurf, der beim BVB die Runde macht: dass Tuchel den Anschlag instrumentalisiert habe, um sich auf Kosten seiner Chefs als Gutmensch und Spielerversteher zu profilieren. Das muss man erst mal denken von einem, der nur mit GlĂŒck unversehrt blieb – und der das Team dann so beieinanderhielt, dass es kurz darauf im Pokalhalbfinale die Bayern besiegte.”

Ohne Absicht öffnet der SZ-Sportredakteur hier den Blick ins Innere des konservativen deutschen BĂŒrgers, der BVB-Boss Watzke nach Selbstauskunft ist. Der Andere, und sei er auch noch so gut, will mir von meinem hart Erarbeiteten was wegnehmen, das kann der von den Medien ausgeleuchtete genial-wahnsinnige Trainer sein, der faule Grieche, oder der massenhafte FlĂŒchtling oder sogar unser bester Freund, der mit uns um den Weltmarkt und die Weltherrschaft konkurrierende Trump. Das ist die Leitkultur, der der so engagierte Bundesinnenminister eine Stimme gibt und auf der seine vorgesetzte Bundeskanzlerin surft, und der zu widersprechen sich die SPD bis heute nicht traut.

Jeremy Corbyn dagegen hat seine Sprache gefunden und steigt in den Umfragen. Doch am besten von allen schreibt die verehrte Sibylle Berg die Worte zum Wochenende, an alle Massenmörder, mehrheitliche mÀnnliche, dieser Welt: die Jungfrauen werden Euch auslachen, in der Hölle.

Leitkultur

von Alexandra Geese

„Ich liebe Deutschland. Deutschland hat Demokratie. Sehr schön. Sehr gut. Hier Freiheit, auch fĂŒr Frauen. Frauen frei. Ich liebe Deutschland. Ich sage immer meinen BrĂŒdern, Deutschland sehr schön.“ Nayla (Name geĂ€ndert) stammt aus dem Iran. Nayla ist in ihrer Heimat drei Jahre zur Schule gegangen und tut sich noch schwer mit der deutschen Sprache. Sie ist sechsundvierzig Jahre alt und arbeitet seit vierzig. Als Angehörige der kurdischen Minderheit hat sie mehr Diskriminierung erlebt als die meisten Menschen ertragen können. Aufgrund ihrer ethnischen Herkunft verfolgt, als MĂ€dchen seit der Kindheit zur Arbeit gezwungen. Putzen, Kochen, Waschen, NĂ€hen, Sticken, KnĂŒpfen — erst fĂŒr die eigene, dann fĂŒr die Schwiegerfamilie. Das Geld verschwindet in den Taschen der MĂ€nner. Nach der letzten DemĂŒtigung verlĂ€sst sie den MannWeiterlesen…

diMisere der CDU – und die der Linken

Vom Bundesinnenminister wurde mir von vertrauenswĂŒrdigen Menschen aus Berlin berichtet, dass er ein denk- und lernfĂ€higer Diskussionspartner sei. Warum macht so einer diesen “Leitkultur”-Blödsinn? In erster Linie ist es ein Symptom der Entfremdung des Politikbetriebes und seiner eigenen RationalitĂ€ten vom Rest der Gesellschaft. Die nervöse Zone Berlin ist als abgeschlossener Mikrokosmos ja auch weit weg von der Mehrheit der Bevölkerung. London, Paris, BrĂŒssel liegen nĂ€her – und auch schon ganz schön weit weg.

Maiziere hat das gemacht, um die konservative WĂ€hler*innen*schaft zur Urne zu mobilisieren, vor allem in NRW. Die könnte wegen der scheinbar weltoffenen Merkel etwas wahlfaul sein. Die Gelegenheit ist gĂŒnstig, weil die AfD ihren reaktionĂ€r-rechtsradikalen Kern zuletzt immer offener gelegt hat und als Aussenseiter im Parteiensystem aktuell keine Chance hat, die Tagespolitik mitzubestimmen.
Dass sie die herrschende Politik sehr wohl beeinflusst, und zwar ziemlich genau nach dem Vorbild des französischen FN, das wissen nur die AfD-Strateg*innen*en, kaum aber ihre demokratiehassende WÀhler*innen*mehrheit.
Die Gelegenheit war also gĂŒnstig fĂŒr den Strategen Maiziere.Weiterlesen…

Unsere Leitkultur und die Saudis

Wenn Bigotterie eine Straftat wÀre, sÀsse unsere Bundesregierung jetzt im GefÀngnis. Unser Bundesinnenminister diMisere gab am langen Wochenende zuhause publizistisch den Erdogan und erklÀrte, dass er keine Burka sei. Gleichzeitig flog seine Dienstvorgesetzte Bundeskanzlerin zu den Saudis und zu den Golfemiraten, den Flieger vollgeladen mit deutschen Wirtschaftsbossen und Alphajournalisten.

Was wollten die da? Ganz bestimmt fĂŒr Menschen- und Frauenrechte kĂ€mpfen. Was sonst? Da die Saudis keine EU-Beitrittsverhandlungen mit uns fĂŒhren, können wir sie auch nicht wegen der Todesstrafe dort beenden. Die mĂŒssen bei uns nirgends beitreten. Sie sind schon hier.Weiterlesen…

Artenschutz fĂŒr Terrorismus / Schwarzer Karneval / Kinderarbeit / Fußball wird chinesisch

Vielen Menschen hierzulande fehlt jedes VerstĂ€ndnis dafĂŒr, warum unser Land, unser System von Terrorismus angegriffen werden. Ihnen kann leider geholfen werden. Es ist schmerzhaft: wenn sie den kurzen Text lesen, den Charlotte Wiedemann in der taz veröffentlicht hat, werden Sie nicht mehr sagen können, es nicht gewusst zu haben.
Rudolf Walther erklĂ€rt im gleichen Blatt noch mal ganz genau, warum das “Leitkultur”-GeschwĂ€tz Unsinn ist.
Ratingen macht es anders. Dort hat schon in den 90ern eine mir gut bekannte sehr nette Frau den Zweitliga-Eishockey angefĂŒhrt. Jetzt ist es ein schwarzes Paar, das den dortigen Karneval regiert. (WAZ)
Derweil herrscht in Ghanas Ökonomie Kinderarbeit. Nicht alles daran ist schlecht, weil es ja nicht um unser gutes Gewissen beim Schokoladen- und Kaffefgenuss geht, sondern um Existenzsicherung fĂŒr die Kinder und ihre Familien. (Jungle World)
Der deutsche Profifussball hat mal wieder Witterung aufgenommen, viel, viel Geld, diesmal nicht von Rupert Murdoch/Sky, sondern chinesisches Staatsgeld. Wenn wir den globalen Geldkreislauf betrachten, sind es eigentlich die US-amerikanischen Schulden, von denen China rund 1 Billion besitzt. Wie lange wird das gutgehen? Hat schon mal einer bei Trump gefragt? (taz/FR)

Kunstmuseen – Dynamik des Verbergens

von Wolfgang Hippe

Buchrezension: Walter Grasskamp „Das Kunstmuseum. Eine erfolgreiche Fehlkonstruktion“ 185 S., MĂŒnchen 2016, Beck Verlag

Die Kulturpolitik hierzulande ist wesentlich auf Institutionen fixiert – den Rahmen der Debatten setzen in aller Regel die stets hervorgehobenen angeblich „weltweit einzigartigen“ Kulturlandschaften etwa des Stadttheaters oder der Museen. Folgerichtig ist der Diskurs wesentlich von den entsprechenden Lobbys geprĂ€gt und kreist regelmĂ€ĂŸig um die „AbhĂ€ngigkeit von der öffentlichen Hand“. Schon deshalb verdient ein Buch Aufmerksamkeit, das fĂŒr sich beansprucht, „eine lobbyfreie Theorie des Kunstmuseums zu erproben“. Zu beachten ist dabei die Formulierung „erproben“. Weiterlesen…

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