Thema: LMd

Brasilien / Afrika / China / Mauern sterben langsam

Von , am Samstag, 12. Mai 2018, in Lesebefehle, Politik.

Die deutsche LeMonde diplomatique, nur gestern als preisgünstige Beilage der taz zu bekommen, war gestern um 15 h nur noch in einem von vier Beueler Zeitungsläden vorrätig. Online stehen derzeit nur zwei lesenswerte Texte:
Brasilien: Rückfall in brutale Zeiten
Angriffe auf Expräsident Lula da Silva und seine Anhänger, das tödliche Attentat auf die linke Stadträtin Marielle Franco, die Ermordung von landlosen Bauern: Die zunehmende politische Gewalt in dem südamerikanischen Land geht in erster Linie auf das Konto der übermächtigen Agrarlobby von Anne Vigna
Die Fischräuber Weiterlesen

Im gefährlichsten Land der Welt

Von , am Donnerstag, 19. April 2018, in Medien, Politik.

Von Eduard Fritsch
Die Berichterstattung über die Maras in den hiesigen Medien

Auf der letzten Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin, die vom 7. bis zum 11. März 2018 stattfand, war auch El Salvador vertreten. María Luz Nóchez, Journalistin der salvadorianischen Internetzeitung „El Faro“, besuchte die ITB und den Stand ihres Landes. Ihr Kommentar: „Zwischen all den Vorzügen des Klimas, den vielfältigen Landschaften und dem guten Straßennetz tauchen die Worte Sicherheit, Gewalt und Pandillas (gleichbedeutend mit Maras, Gangs, Verbrecherbanden, d. Red.) an keiner Stelle auf. In der offiiellen Darstellung, mit der El Salvador als Tourismusziel angepriesen wird, gibt es keine Pandillas. War El Salvador früher für seinen Kaffee bekannt, so macht es heute Schlagzeilen mit den Leichen, die 60 Morde auf 100000 Einwohner*innen im letzten Jahr hinterließen. Heutzutage wäre es nicht übertrieben zu sagen, dass in diesem Land mehr Tote produziert werden als Kaffee.“ Weiterlesen

LeMonde diplomatique (dt.) – April 18

Von , am Montag, 16. April 2018, in Lesebefehle, Politik.

Die April-Ausgabe der deutschen LeMonde diplomatique habe ich letzten Freitag rechtzeitig erwischt.
Diese Texte sind online zugänglich:
Mit Dschihadisten verhandeln? von Charlotte Wiedemann
In Asien und Afrika werden muslimische Terroristen als Kämpfer ernst genommen. Experten raten dazu, mit ihnen zu reden, statt sie umzubringen.” – weiterlesen hier
“Gefühlte Korruption von Benjamin Cunningham
In Zentral- und Osteuropa grassiert die Korruption – so könnte man meinen. In Wahrheit Weiterlesen

Wer dämmt Aggressionen gegen Russland ein?

Von , am Mittwoch, 14. März 2018, in Politik.

Trump tuts nicht, seine Opposition auch nicht. Die Bundesregierung tuts nicht (oder heimlich?), Opposition hat sie nicht. Die EU tuts nicht, im Gegenteil. Frankreich? Ein Blick ins Arte-Programm genügt. Auch Serge Halimi regt sich in der LMd darüber auf, erklärt uns aber nicht, was sich in dem Sender politisch verändert hat und welche Interessen die Entscheider*innen dort verfolgen. Extrem ärmlich: die schwache von Ränkespielen derangierte konservative Regierung des “Vereinigten Königreiches” (UK).

Es muss gespenstisch gewesen sein, die Regierungserklärung von Theresa May. Genauso gespenstisch wie die komplette Geheimdienstschnurre, die uns da ernsthaft aufgetischt wird, frei von eigenständigen kritischen Recherchen unserer Medien. Weiterlesen

Geldwäsche: Immobilien, Fussball

Von , am Dienstag, 13. März 2018, in Fußball, Politik.

Dass ausgerechnet England mit einem WM-Boykott drohte, war ja vergleichsweise lächerlich. Ernster wäre es da schon, wenn die Behinderung der russischen Oligarchen in London mehr als eine Drohung wäre. Ist es nicht. Rowland Atkinson hat in der jüngsten Ausgabe der LeMonde diplomatique (hier: deutsche Ausgabe) unter dem Titel “Londons leere Luxustürme” (leider nicht online) illustriert, warum das unrealistisch ist.

Hier ein paar Schlaglichter seiner Darstellung:

Den Dealern von Multimillionen-Wohnungen geht es schon so schlecht, dass sie nicht nur Gratis-TV, sondern auch Luxuslimousinen als Zugabe anbieten “müssen”. Trotzdem wird weiter gebaut wie blöde: es geht nicht nur um die Ware Wohnung, sondern um den Kapitalprozess. Weiterlesen

LeMonde diplomatique (dt.)

Von , am Samstag, 10. März 2018, in Lesebefehle, Medien, Politik.

Gestern habe ich dran gedacht: die deutsche LeMonde diplomatique als taz-Beilage für nur 2,50 €. Angesichts dessen, was die deutsche Medienlandschaft ansonsten liefert, ist sie wie ein Fenster zur Welt da draussen.
Hier sehen Sie eine Übersicht über die Themen der aktuellen Ausgabe.
Leider gibt es nur die Texte über Russlands Kirche und über Fukushima heute online.

Am Schnittpunkt von Grundproblemen linker Politik

Von , am Donnerstag, 15. Februar 2018, in Politik.

von Peter Wahl

Der Erfolg von La France Insoumise
ist auch deshalb von besonderem Interesse, weil er in einer Phase intensiver Debatten über Grundfragen linker Politik zustande kam. Er steht am Schnittpunkt von Diskussionssträngen, wie:
• dem Verhältnis von linker Klassenpolitik zu den Themen neuer sozialer Bewegungen wie der Umwelt-, der Frauen- oder der globalisierungskritischen Bewegung,
• dem Stellenwert identitätspolitischer Themen, wie sexuelle Minderheiten, Ethnizität, Nation oder Anti-Rassismus in linker Politik,
• dem Spannungsfeld Kosmopolitismus – Kommunitarismus (s. Nölke 2017: 77 ff),
• der Organisationsfrage und der nach dem Subjekt politischer Veränderung,
• der Debatte um den sog. „Linkspopulismus.“

LFI positioniert sich explizit oder implizit zu all diesen Fragen und versteht sich damit auch als Reaktion auf die Krise der Linken, wie sie sich im Niedergang der kommunistischen Bewegung seit den achtziger Jahren, dem Verfall der radikalen Linken und in jüngerer Zeit dem Absturz der PS manifestierte (Aguiton 2017: 7ff.).

LFI – ERGEBNIS EINES STRATEGISCHEN SUCHPROZESSES

Konzept und Strategie von LFI sind nicht mit einem Schlag entstanden, sondern das Ergebnis eines zehnjährigen Suchprozesses und Experimentierens mit unterschiedlichen Ansätzen. Weiterlesen

SPD, Linke, Grüne, “Sammlungsbewegungen” – lest Greffrath

Von , am Mittwoch, 17. Januar 2018, in Medien, Politik.

Letzten Freitag habe ich es wieder verpasst, mir die deutsche LeMonde diplomatique (der taz beigelegt) zu beschaffen. Nach einem angeregt verquatschten Mittagessen im Pastis habe ich immer nur im Kopf: Lotto abgeben nicht vergessen. So habe ich die Januar-Ausgabe verpasst. Die Rettung ist, was online steht.

In diesem Fall: Matthias Greffrath. Lange Zeit war er für mich ein typischer Berliner Salonintellektueller. Teil seiner Berufsbiografie war die Chefredaktion der “Wochenpost“. Im Zuge der Eroberung der DDR durch die BRD, hatte sich der Bertelsmann-eigene Gruner&Jahr-Verlag dieses Wochenblättchen einverleibt. Nach Greffrath, der die Auflage nicht hochkriegte, übernahm Matthias Döpfner. Auf den folgte der baldige Tod.

Ich weiss nicht, ob Greffrath geerbt hat. Oder eine feine Abfindung mitgenommen. Oder beides. Jedenfalls hat er beständig dazu gelernt, politische Bewegungen der Welt studiert, und der Publikationsort LeMonde diplomatique, die in Frankreich zu den Mitgründerinnen der Attac-Bewegung gehörte, ist nur folgerichtig.

Was er hier aktuell schreibt, ist ein aktuelles Aufgabenheft für deutsche Linke. Die Antworten wären der Inhalt. Wenn es die gibt, oder wenn sie wenigstens aktiv bearbeitet werden, dann könnte eine positive Dialektik mit der Formfrage (Partei, Koalition, Bewegung) ingang kommen. Ohne solchen Inhalt wäre – und ist – die Form vergeblich.

Le Monde diplomatique (dt.)

Von , am Samstag, 9. Dezember 2017, in Medien.

Gestern erschien das beste Zeitungsformat deutscher Sprache, immer am 2. Freitag im Monat. Ich habe zum Glück dran gedacht, denn gestern kostete sie als Beilage zur taz 2,50 €; ab heute das Dreifache: die deutsche Ausgabe von Le Monde diplomatique.
Leider sind nur wenige Teile online. Im Einzelnen:
Inhaltsverzeichnis
Kalkül und Katastrophe im Jemen – Die Intervention der saudisch geführten Koalition entwickelt sich zu einem Desaster. Riad hat durch seine Blockade des Nachbarlands eine humanitäre Krise heraufbeschworen. Trotzdem hält der Westen weiter zur Koalition – und leistet direkte militärische Unterstützung. von Laurent Bonnefoy;
Polens Prioritäten – Wie die regierende PiS von den Fehlern ihrer Vorgänger profitiert von Irene Hahn-Fuhr, Gert Röhrborn;
Fleisch aus der Retorte – von Jörn Kabisch
Das Bemerkenswerte dieser Zeitung: die Texte sind auch Monate später noch informativ und machen Sie klüger als zuvor. Die deutsche Kooperationspartnerin taz profitiert von dem größeren und weiteren globalen Blickwinkel der französischen Partnerin. Die Artikel sind lang, aber gefüllt mit Inhalt, nicht Geschwafel. Wenn Sie mehrere Monatsausgaben mit in den Urlaub nehmen, haben Sie nicht nur ausreichend Stoff, der nur wenig zum Gesamtgewicht Ihres Reisegepäcks beiträgt, sondern kommen auch als informierter Mensch nachhause.

Lob der LeMonde diplomatique

Von , am Montag, 13. März 2017, in Medien.

Seit es sie in deutscher Sprache gibt, profitiere ich von dieser Monatszeitung. Mir war in der Schule Französisch-Unterricht nicht vergönnt, ich wurde stattdessen sinn- und nutzlos mit Latein gequält. So öffnete sich für mich das Fenster zur Welt erst, als die taz begann, die LMd in deutscher Sprache zu veröffentlichen. Immer am 2. Freitag im Monat. Das ist von Bedeutung, weil sie dann nur 2,50 kostet, als taz-Beilage. Im Einzelverkauf danach ist sie teuerer, und zwar sogar als Download: 4,20.

Warum öffnete sich ein Fenster zur Welt? Während deutsche Medien, wenn sie über Internationales berichten, in der Regel eine Personengeschichte wählen, weil sie meinen, ihr Publikum sei sonst zu doof für solche Themen, Weiterlesen