Beueler Extradienst

Meldungen & Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: Messi

Die Leichtmatrosen-Korrelation

11 EindrĂŒcke von Fußball-WM 2018
von Klaus Hansen

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Ein deutscher Bundestrainer, der das russische WM-Quartier seiner Mannschaft als BĂŒhne nutzt, um vor Hunderten von Kameras einen Alain-Delon-Ähnlichkeitswettbewerb zu bestreiten, wirkt befremdlich.
Ein Bundestrainer, der sich fernsehöffentlich in der Unterhose kratzt, wie 2016 bei der EM, und anschließend die beteiligten Fingerkuppen beschnuppert, wirkt vergleichsweise sympathisch. Ein unerwachsener Junge eben. Obwohl bereits Mitte 50. Aber nett!
Heute sind wir zwei Jahre weiter. Auch in der Entfremdung, die zwischen Trainer und Team auf der einen Seite und der Masse der FußballanhĂ€nger auf der anderen Seite stattfindet. „Elf Fremde mĂŒsst ihr sein“,Weiterlesen…

Weltklasse von anderen? Interessiert uns nicht

Wie abgeschnitten vom Rest der Welt unsere Öffentlichkeit gehalten wird, wie borniert und arm hiesige Medien arbeiten, das war am gestrigen Champions-League-Abend zu studieren. Was wĂŒrden wir von der Welt mitkriegen, wenn wir unsere Einwanderer*innen nicht hĂ€tten?

Nachdem in der Vorwoche das vorgezogene Oligarchen-Finale der CL (jeweils Hinspiele) zwischen Real und PSG absolvierte wurde, trafen gestern Abend die zwei profiliertesten globalen Fussballschulen aufeinander: Barca gastierte bei Abramowitschs Chelsea, trainiert vom Chefdozenten des modernen Catenaccio Antonio Conte.
Deutsche Medien hatten offensichtlich weder Zeit noch Geld, Berichterstatter*innen dorthin zu entsenden. In Bonn rettete uns Pepe in Dottendorf, wo Barca-Spiele zuverlÀssig von spanischen TV-Sendern empfangen und geguckt werden können.

Danial Montazeri lieferte gestern in einem Sp-on-Vorbericht eine exzellente Analyse des aktuellen Barca-FussballsWeiterlesen…

3:0 fĂŒr Katalonien

FĂŒr den TV-Markt in China wurde das spektakulĂ€rste Fussballspiel der Welt heute fÜr 13 h MEZ in Madrid angesetzt. Und es nahm einen noch klareren Ausgang als die katalanische Parlamentswahl. Der “königliche” Klub wurde gemĂ€ss aller Fussball-Lehrbuchregeln gedemĂŒtigt. Wie es sich fĂŒr unsere “Leitkultur” gehört, lieferte der deutsche Barca-Torwart, ehemalige Borussia-Mönchengladbach-SchĂŒler und zukĂŒnftige WM-Torwart Marc-Andre ter Stegen den Gipfel dieser DemĂŒtigung: beim Stande von 2:0 bekam er einen RĂŒckpass von der Mittellinie, kein Real-Spieler lief ihn an, also blieb er mit Ball stehen – und hĂ€tte sich dabei in Ruhe eine Zigarre anzĂŒnden können.
AuffĂ€llig die zahlreichen Aufrufe zum Aufruhr, gemĂ€ss der hierzulande als rechtsstaatlich angesehenen spanischen Gesetze: zahlreiche Zuschauer trugen rot-gelb-gestreifte T-Shirts in den Farben Kataloniens. Auch die KapitĂ€nsbinde Lionel Messis war so designt, er hĂ€tte also “verfassungsgemĂ€ss” eigentlich vom Platz weg verhaftet werden mĂŒssen. Bei dem Versuch hĂ€tte ich einem Elmar Brok gerne zugesehen.
Zinedine Zidane, Trainer von Real, winkt dagegen der Ruhestand. Jetzt im Champions League Achtelfinale bei den arabischen MilliardÀren von PSG eine bayernÀhnliche Vorstellung, und er hats geschafft.
FĂŒr meine Vereine ein stressfreier versöhnlicher Abschluss der Hinrunde und des Jahres. Die Perspektiven meiner Borussia sind besser, als vorhersagbar, sogar das FussballmĂ€rchen von Eibar, nun schon das dritte Jahr erstklassig, geht weiter: gestern 4:1 gegen Girona, das Pep Guardiola besitzt, 7. in der Liga, punktgleich mit Europa-League-PlĂ€tzen.
Aber insgesamt schreibt Gladbach-Fan Klaus Hoeltzenbein in der SZ heute ganz richtig: Langeweile in fast allen europĂ€ischen Fussball-Ligen – ausser Italien.

Espana Corrupta / Xavi & Pirlo

Wird Spanien von einer kriminellen Vereinigung regiert? Die offiziellen Ermittler vermeiden diese Begrifflichkeit, noch; Journalist*innen dagegen nicht mehr. Das geht aus diesem DLF-Bericht hervor. FĂ€lschlicherweise suggeriert er, dass dieses Thema und die Katalonien-Frage zwei verschiedene Themen sind. Das sind sie nicht. Im Gegenteil ist es genau das, was die Katalan*inn*en gegen die spanische Zentralregierung mobilisiert. Und sie sind es, die fĂŒr Europa eintreten und von der EU im Stich gelassen werden. Die damit zeigt, wie schwach sie ist.

Christian Eichler weist heute auf das Karriereende der aus meiner Sicht grössten Fussballer unserer Zeit hin: Xavi Hernandez und Andrea Pirlo. An Charakter- und Ich-StĂ€rke nehmen sie es spielend mit den Steuerhinterziehern Lionel Messi und Cristiano Ronaldo auf,Weiterlesen…

WM 2018 in Russland – jetzt noch mehr gefĂ€hrdet

Gestern endete der letzte Spieltag der Gruppenphase der Fussball-WM-Qualifikation auf allen Kontinenten, ausser Afrika. Das Stattfinden der WM ist ungewisser denn je geworden, denn die noch grĂ¶ĂŸte politische Macht der Welt, der Fussballzwerg USA, hat sportlich alles getan, um auf keinen Fall nach Russland reisen zu mĂŒssen: eine 1:2-Niederlage beim Gruppenletzten Trinidad&Tobago, in der Tabelle eingereiht hinter den GrossmĂ€chten Mexiko, Costa Rica, Panama (alle qualifiziert) und Honduras (muss in Play-Offs gegen Australien, das mit 2:1 im Heim-RĂŒckspiel Syrien rauswarf).

Die Korruptionsermittlungen der US-Justiz gegen die Fifa wird dieses Geschehen gewiss befördern, die Beziehungen zwischen den USA und Russland dagegen kaum verbessern.

Ein Überblick ĂŒber Aspekte der bisherigen WM-Qualifikation:Weiterlesen…

Istanbul – Huddersfield – Dortmund

Was ist das nur mit den Frauen und den Katzen? Margarete Stokowski bemĂŒhte diese Spezies bereits bei ihren Gedanken zum Bundestagswahlkampf. Nun feiert die taz den Film “Kedi” von Ceyda Torun, der den viel pragmatischeren Umgang Istanbuls mit diesem Tier zeigt, und wahrscheinlich die deutschen Herzen erweichen wird. Wie wĂŒrden sie wohl schmecken? Wie ist der Aroma-Unterschied zwischen Wohnungs- und Freilandhaltung?

Das nĂ€chste FussballmĂ€rchen in England steht bevor. Oder hat durch den Aufstieg von Huddersfield Town bereits stattgefunden. Das komplette Team kostet weniger, als ein Einwechselspieler auf ManU’s Ersatzbank. Ralf Sotschek/taz freut sich, und wir mit.

Andere RĂ€der werden in Dortmund gedreht. WĂ€hrend der DLF heute frĂŒh eine Reportage aus dem Drogenmilieu der dortigen Nordstadt sendete, sind alle anderen Medien voll mit dem “tapferen” Widerstand des BVB-Managements Weiterlesen…

Über 3 Mio. guckten Werbung fĂŒr den Frauenfussball

Das Quotenrennen der TV-Sender hat die ARD gestern ein weiteres Mal verloren, reingelegt von der Frauen-DFB-Elf, die bei der EM in den Niederlanden vergangenes Wochenende schon im Viertelfinale ausschied. Weil sich die Sender gegenĂŒber den UEFA-Mafiosi neben dem Bezahlen auch zum Senden verpflichten mĂŒssen, musste die ARD gestern das Halbfinale ohne deutsche Beteiligung ĂŒbertragen. Das eine, DĂ€nemark gegen Österreich, versteckte sie im Sender “One”, 0:0 n.V., 3:0 i.Elfmeterschiessen, erste dĂ€nische SchĂŒtzin wieder Nadia Nadim.
Grosses GlĂŒck hatte die ARD mit dem Abendspiel: Niederlande gegen England, wie sich herausstellen sollte gefĂŒhlt wie ein “vorgezogenes Endspiel”. Die EnglĂ€nderinnen spielten kĂ€mpferisch heiss, wie auf Drogen, zu keiner Sekunde mit den KrĂ€ften nachlassend, mit viel Pech (Pfosten, Latte etc.), und in einem Spiel ohne TorhĂŒterinnenfehler. Die NiederlĂ€nderinnen spielten vor eigenem Publikum natĂŒrlich auch heiss, aber einen Tick taktisch klĂŒger, unter dem Strich auch krĂ€fteschonender, wenngleich dieser Ausdruck auf dieses Spiel kaum anwendbar ist, und effizienter.Weiterlesen…

Teammaschine schlÀgt Kampfmaschine

Respekt vor dem Gegner ist eine Tugend, die, nunja, nicht typisch deutsch ist. Chile, verdienter Gewinner der Copa America 2016, hat sich den verdient. Mit gerade einmal einem internationalen Star, Alexis Sanchez, und dem auffÀlligen Testosteronbomber und besoffenen Ferraricrasher Vidal im Aufgebot, der wegen Verletzung nur zeitweise mitspielen konnte, schlugen die Chilenen das stargespickte Argentinien (Messi, di Maria, Higuain u.v.m.) knapp aber verdient. Bei dieser Auseinandersetzung zeigte sich wie so oft, dass eine ausgeprÀgte Hierarchie der Stars, in Argentinien, wie nach Guardiola auch bei Barca, mit der absoluten Herrschaft des Messiclans, sich im Endergebnis negativ auf die komplette Mannschaftsleistung auswirkt. Wenn im Weltspitzenfussball die Kleinigkeiten entscheiden können, ist das keine Kleinigkeit mehr.

So auch gestern Abend.Weiterlesen…

Menotti: Jeden Tag Fußball ist wie jeden Tag Nudeln

Interview mit der argentinischen Trainerlegende CĂ©sar Luis Menotti
von Sandra Schmidt

An einem heißen Sommertag im Februar empfĂ€ngt CĂ©sar Luis Menotti Sandra Schmidt in seinem klimatisierten BĂŒro zwei Blocks vom Obelisken im Zentrum von Buenos Aires. El Flaco, wie der lange, dĂŒnne Mann hier heißt, ist in hervorragender Verfassung und bester Laune. Bei den politischen Themen regt er sich wunderbar auf und weist auch gern nochmal auf seine Zeiten mit Parteibuch – der argentinischen KP – hin. Auf seinem Schreibtisch stapeln sich Papiere und alte Fußballzeitschriften, die den Trainer des Weltmeisters von 1978 und Verfechter des schönen Spiels auf dem Titelbild zeigen – „Guck’ mal, so etwas schicken mir die Leute!“. Menotti wird im Oktober 79 Jahre alt.

Wie geht es dem argentinischen Fußball heute?

Der argentinische Fußball behauptet sich wie der Jagdhund, das ist genetisch. (lacht) Diese Hunde sind seit hundert, ach was, seit tausend Jahren Jagdhunde, und hier kommen immer wieder Fußballer hervor und man weiß nicht, warum. Das kann eigentlich nur genetisch sein, denn das ganze Umfeld hier macht es niemandem leicht, sich zu entwickeln. Wir stecken in einer sehr tiefen Krise, die nicht nur, aber auch kultureller Art ist. Argentinien hat in den letzten dreißig Jahren einen tiefgreifenden Kulturverlust erlebt, und davon ist der Fußball natĂŒrlich nicht unberĂŒhrt geblieben. Er ist lĂ€ngst Teil des großen GeschĂ€fts, nicht mehr der Kultur, nicht mehr das, was der argentinische Fußball lange war: reprĂ€sentativ fĂŒr die Gesellschaft hier, mitsamt der Freude jedes einzelnen, der sein Vereinstrikot hatte. Heute trĂ€umt der junge Fußballer hier nicht mehr davon, in seinem Verein Karriere zu machen, sondern eher davon, nach Europa zu gehen. Hier herrscht das Chaos, die wirtschaftliche Situation ist sehr schwierig und komplex.

Der argentinische Fußballverband, die AFA, steckt seit dem Tod von Julio Grondona 2014 in einer tiefen Krise… (zum Zeitpunkt des Interviews war die AFA noch fĂŒhrungslos, am 30. MĂ€rz wurde Claudio Tapa zum PrĂ€sidenten gewĂ€hlt)

Grondona war ein Caudillo, ein AnfĂŒhrer, und wenn ich das sage, dann rede ich nicht ĂŒber Redlichkeit oder Ehrlichkeit – dafĂŒr ist die Justiz zustĂ€ndig –, sondern ĂŒber seine Art.Weiterlesen…

Griezmann – die europĂ€ische Antwort auf Messi

Keine Ahnung, ob und wie Antoine Griezmann Steuern zahlt. Fußballerisch könnte er sich einen Vorsprung auf Messi erarbeiten, wenn ihm im Gegensatz zu dem am Sonntag der Gewinn der Kontinentalmeisterschaft gelingt. Heute machte er mal wieder den Unterschied.
Die DFB-Elf erspielte sich in der 1. Halbzeit eine klare spielerische Überlegenheit, ohne Torerfolg. Ein Blackout, ausgerechnet von Bayernstar Schweinsteiger, Weiterlesen…

EM: Spanien runter – DFB-Elf rauf

Die versprochene spielerische Verbesserung hat die DFB-Elf heute voll geliefert. Gegen aufopferungsvolle und vollprofessionell verteidigende Nordiren erspielte sie sich Torchancen, die normal zum Turniersieg hĂ€tten genĂŒgen mĂŒssen. Spanien dagegen spielte sich aus der Favoritenrolle heraus und spielt am Montag im Achtelfinale gegen das bisher unschlagbar erscheinende Italien.

In meiner Fußballkneipe suchten die Fußballpraktiker emotionalen Zuspruch und Schutz vor der Mehrheit der kontinuierlich meckernden und stöhnenden Schland-Fans.Weiterlesen…

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