Thema: Migrationsforschung

Terkessidis

Von , am Sonntag, 15. September 2019, in Lesebefehle, Politik.

Migrationsforscher*innen sind es, die unserem Land den Spiegel vorhalten. Von ihnen ist einiges zu lernen, wenn uns Streit und Lernprozesse in der Demokratie etwas wert sind. Ein langjähriger Leistungsträger in dieser Disziplin ist, neben Naika Foroutan, Mark Terkessidis, ein sportlicher Kämpfertyp, nie demagogisch, aber hart in der Sache. Er hat ein Buch fertig und muss es jetzt mit Medienauftritten bewerben. Fällt ihm nicht schwer, lesen Sie hier.

Rätsel Deutsche – die Normalen sind das Problem

Von , am Sonntag, 1. September 2019, in Lesebefehle, Politik.

Vor einem knappen Jahr habe ich auf eine Veröffentlichung zum Thema “Normalitarismus” aufmerksam gemacht. Karriere hat dieser Begriff noch nicht wirklich gemacht. Seine These wird aber, in mehr oder weniger abgewandelter Form, jetzt wissenschaftlich untermauert. Es ist eine mich heiter stimmende Ironie, dass eine exzellente Migrationsforscherin mit iranischer Familiengeschichte, Weiterlesen

Foroutan / Roedig

Von , am Mittwoch, 24. Januar 2018, in Lesebefehle, Medien, Politik.

Naika Foroutan ist für mich die qualitativ leistungsstärkste deutsche Migrationsforscherin. Ich würde mich freuen, wenn ihre Medienpräsenz stärker würde. Vielleicht ist es dem Wirken der neuen SZ-Ressortchefin Ferdos Forudasten zu danken, dass sie dort heute in einem Interview zu Wort kommt. In einem wichtigen Punkt würde ich Foroutans Analyse widersprechen:

Es ist nicht so, dass hierzulande “die Rechten” “die Mitte” für sich mobilisiert haben. Aus meiner Sicht haben die Rechten erfolgreich mobilisiert, und zwar in erster Linie sich selbst. Das Linke “Drittel” dagegen wurde demobilisiert, durch “die Mitte” (Bürokratie, Medien, Merkel) als auch durch sich selbst, Rechthaberei, Räsoniererei, Spaltung, Sich-Selbst-Bekämpfen. Es handelt sich also nicht um “kommunizierende Röhren”, sondern um volle und entleerte.

Andrea Roedig lernte ich in ihrer Zeit als Freitag-Feuilletonchefin kennen. Eine Frau mit einem guten Blick auf die schlecht ausgeleuchteten Innereien unserer Gesellschaft, jederzeit diskursfähig, und wie wir im Rheinland sagen, “für nix zu fies”. Schön wieder von ihr zu lesen, in der taz mit einer Lücke von sechs Jahren. Sie vergleicht zwei “Kursbücher” von 1977 und 2017, jeweils mit dem Schwerpunkt “Frauen”. Ich weiss nicht, ob sie sich kennen, spekuliere also nur, aber mit Extradienst-Gastautorin Ulrike Heider könnte sie sich gut verstehen.

“Flüchtlingskrise” und Medien – Ergebnisse & Befunde

Von , am Freitag, 21. Juli 2017, in Medien, Politik.

von Prof. Dr. phil. Michael Haller
Wissenschaftlicher Direktor des Europäischen Instituts für Journalismus- und Kommunikationsforschung (EIJK)
haller@uni-leipzig.de

(Wiedergabe von S. 132-146 der Studie, ohne Fussnoten)

1. Zusammenfassung der Studienergebnisse

Im Folgenden fasse ich die wichtigsten Befunde der drei Studienteile in zwanzig Punkten zusammen:

1. Bereits im ersten Halbjahr 2015 überschwemmten die reichweitestarken, als glaubwürdig geltenden Newsmedien tagesschau.de, spiegel.de, welt.de und focus.de ihre User/Leser mit unüberschaubar vielen Meldungen und Berichten rund um das Dauerthema Flüchtlinge/Asylanten. Im Sommer schwoll die Nachrichtenwelle nochmals dramatisch an. Während dieser Hochphase publizierten diese Newssites im Laufe von 24 Stunden bis zu 17 Nachrichten allein zum Ereignisthema Flüchtlinge/Asylanten. Sie berichteten und meldeten von unüberschaubar vielen Handlungsorten über Beteiligte auf unterschiedlichsten Ebenen. Dies deutet auf eine (mutmaßlich dem Konkurrenzdruck geschuldete) sehr schwache Selektionsleistung der Newsredaktionen hin.
Nach Maßgabe des Theorems der „Themenverdrossenheit“ lässt sich annehmen, dass sich Teile des Publikums überfordert fühlten und reagierten, indem sie den eigenen Vorurteilen folgten (stark selektive Wahrnehmung). Weiterlesen

Merkel gewinnt immer – muss das sein?

Von , am Dienstag, 11. Juli 2017, in Lesebefehle, Medien, Politik.

Vor einigen Wochen dokumentierten wir hier Reinhard Olschanskis Analyse zur rechtspopulistischen Rhetorik. Eine gute Weiterführung sendete gestern DLF-Kultur mit diesem Feature. Es endet mit der Pointe, dass die nur scheinbar so unpopulistische Kanzlerin Merkel am Ende die Gewinnerin sein wird.
Wie Merkel den G20-Gipfel gegen die sich selbst bekämpfenden Sozialdemokraten gewonnen hat, erklärt ihnen Eckart Lohse (FAZ). Wer so viele Eigentore schiesst, braucht sich über den vermutlichen Spielausgang nicht zu wundern.
Update 13.7.: Albrecht Müller teilt meine Verzweiflung. Obwohl er mit seinem Besserwissertum linke Zusammenarbeit eher erschwert als befördert.

Eine Parallele im Spiel um die Weltmacht: Ex-CIA-Analyst Ray McGovern beschreibt die Eigentore der US-Administration gegenüber China und Russland (in einer dankenswerten Übersetzung der Nachdenkseiten) – auch in diesem Prozess ist das Merkel-geführte Deutschland auf der Seite potenzieller Profiteure.

Heute ausserdem sehr lesenswert: Arno Widmanns/FR Faible für kompetente und attraktive Migrationsforscherinnen führte mich zu diesem Text von Naika Foroutan über die “Narration der Nationen“. Unser Selbstbild von dem, was wir sind und wer nicht dazugehört, verrät vor allem viel über uns und unsere Wahrnehmung von Wirklichkeit, aber fast nichts über die, die wir – historisch meistens vergeblich – auszuschliessen versuchen.

Barbara Schweizerhof, hier schon gewürdigt, macht erneut einen Film durch ihre Besprechung erst spannend und interessant, auf den ich durch seinen Titel, seinen Plot und seine Ankündigung allein nicht aufmerksam geworden wäre: Krieg der Geschlechter und Filmmachen im Krieg, mit Superschauspieler*inne*n.

Entertainment im selbstfahrenden Auto – der Krieg um die Marktanteile hat schon begonnen (FAZ-Technik).

Mark Terkessidis / Rudolf Walther / Deniz Yücel

Von , am Donnerstag, 23. Februar 2017, in Lesebefehle, Politik.

Wenn uns alle etwas eint, dann ist es die Überzeugung “Ich bin kein Rassist”. Nicht wenige neigen zu einer Fortsetzung dieses Satzes mit “, aber…..” Es gibt Stellen in Köpfen und Diskursen, über die wollen wir nicht so viel wissen. Keine Zeit. Viel zu tun. Wichtigeres vor allem. Mark Terkessidis können wir so nichts vormachen, einer der klügsten Migrationsforscher und Publizisten, und übrigens auch ein kämpferischer mit Körpereinsatz arbeitender Redner.
Rudolf Walther versucht Didier Eribon vor der Vereinnahmung durch deutsche Feuilletons und auch ein bisschen vor sich selbst zu retten. Im Kern geht es darum, Roman und Analyse nicht zu verwechseln. Ein guter Roman ist dramaturgisch zugespitzt und vereinfacht das Politische zugunsten einer stimmigen Erzählung. Genau das sollten politische Analysen aber vermeiden, sonst werden sie falsch.
Kein Ahnung was Deniz Yücel von taz und Jungle World zur “Welt” getrieben hat, in den Knast gehört er jedenfalls dafür nicht, in einen türkischen schon gar nicht. Die FAZ stellte nun einen Kursbuch-Text von ihm online, der eine gute Zusammenfassung des politischen Geschehens der Ära Erdogan darstellt.