Thema: Naika Foroutan

Bild und Erdogan – Hand in Hand

Von , am Samstag, 28. Juli 2018, in Medien, Politik.

Die Ausbürgerer von der sogenannten Zeitung mit den wenigen aber dafür grossen Buchstaben treiben Erdogan emsig die Schäfchen zu. Rainer Hermann/FAZ beschreibt, wie harmonisch das funktioniert. Mögen es auch viele seiner Redaktionskollegen lesen.

Ahmet Sik

Irfan Aktan/taz porträtiert den neugewählten türkischen Parlamentsabgeordneten Ahmet Sik (HDP). Er wird selbst von Erdogans abhängiger Justiz verfolgt. Die allerdings ein unklösbares Problem hat: als Gülen-Anhänger ist er nicht diffamierbar. Denn seine Verfolgung begann damit, dass er ein Gülen-kritisches Buch veröffentlicht hatte – als Erdogan mit dessen Organisation noch das Bündnis pflegte. Weiterlesen

Rheinland: Wir wollen mehr Flüchtlinge aufnehmen

Von , am Freitag, 27. Juli 2018, in Beuel & Umland, Politik.

Naika Foroutan wies jüngst darauf hin, dass sich erheblich mehr Menschen bei der Aufnahme und Betreuung von Flüchtlingen engagieren, als AfD wählen. Ich weiss nicht, ob so ein Hinweis im Hauptstadtberlin noch irgendwo wahrgenommen wird. Immerhin ist Foroutan Berlinerin und gab den Hinweis in einem Berliner Lokalblatt – liest in der Hauptstadt noch eine*r Zeitung? Es ist so weit weg, wir wissen es nicht.
In Italien richtete Roberto Saviano einen flammenden Appell an das demokratische Italien, den Mund aufzumachen gegen seine menschenfeindliche Regierung. Wenn wir die Politikernamen in seinem Text einfach austauschen, lässt er sich auch hierzulande gut anwenden.
Das haben die rheinischen Oberbürgermeister auf ihre Weise getan. Ich gestehe: ich bin positiv überrascht. Weiterlesen

Kampf ums Wir

Von , am Donnerstag, 26. Juli 2018, in Genuss, Lesebefehle, Politik.

OMG, Naika Foroutan wäre um ein Haar nach Kanada emigriert. Was für ein Verlust, ja fast eine Schande für uns und unser Angebot an Lebensschancen. Ihr “afghanisch aussehender” Sohn hat mit Haut und Haaren für uns gekämpft. Werden wir es ihm jemals danken? Nach diesen Ausführungen in einem langen Interview mit Andrea Dernbach/Tagesspiegel, die in jungen Jahren bei der Hamburger MoPo lernte, bin ich der Meinung, dass im Bundespräsidentenamt ein Jobsharing eingerichtet werden sollte, ein zweites gleichberechtigtes Staatsamt, eins davon immer für eine Frau, eins davon immer für eine Person mit Migrationshintergrund. Ich weiss, ist nur ein schöner Traum. Aber lesen Sie, was diese Frau zu sagen hat. In der Politik findet sich niemand mehr mit so viel Verstand. Weiterlesen

Die Verbitterten

Von , am Sonntag, 13. Mai 2018, in Lesebefehle, Politik.

Verbitterung ist ein beliebter deutscher Volkssport. Er breitet sich allerdings nachweislich auch gerne auf andere Länder und Völkerschaften aus. Thomas Fricke, einst FTD (Financial Times Deutschland), heute mit einem Gnadenbrot von Spiegel-online versehen, kennt selbstverständlich die sozioökonomischen Zusammenhänge.
Revolutionär wirds erst bei Naika Foroutan, der besten deutschen Migrationsforscherin. In ihrem online nur mit einem Trick zu findenden taz-Interview weist sie darauf hin, dass die Ossis in Deutschland auch zu den Migrant*inn*en gehören. Viele ihrer sozialen Erfahrungen ähneln sich mit denen von Türk*inn*en, Italiener*inne*n u.v.a. Scheinbar wurde das geschickt vor ihnen geheim gehalten, damit sie besser gegeneinander zu hetzen sind. Nichts wäre gefährlicher für die herrschende Ordnung, als die Solidarität der Beherrschten.

Foroutan / Roedig

Von , am Mittwoch, 24. Januar 2018, in Lesebefehle, Medien, Politik.

Naika Foroutan ist für mich die qualitativ leistungsstärkste deutsche Migrationsforscherin. Ich würde mich freuen, wenn ihre Medienpräsenz stärker würde. Vielleicht ist es dem Wirken der neuen SZ-Ressortchefin Ferdos Forudasten zu danken, dass sie dort heute in einem Interview zu Wort kommt. In einem wichtigen Punkt würde ich Foroutans Analyse widersprechen:

Es ist nicht so, dass hierzulande “die Rechten” “die Mitte” für sich mobilisiert haben. Aus meiner Sicht haben die Rechten erfolgreich mobilisiert, und zwar in erster Linie sich selbst. Das Linke “Drittel” dagegen wurde demobilisiert, durch “die Mitte” (Bürokratie, Medien, Merkel) als auch durch sich selbst, Rechthaberei, Räsoniererei, Spaltung, Sich-Selbst-Bekämpfen. Es handelt sich also nicht um “kommunizierende Röhren”, sondern um volle und entleerte.

Andrea Roedig lernte ich in ihrer Zeit als Freitag-Feuilletonchefin kennen. Eine Frau mit einem guten Blick auf die schlecht ausgeleuchteten Innereien unserer Gesellschaft, jederzeit diskursfähig, und wie wir im Rheinland sagen, “für nix zu fies”. Schön wieder von ihr zu lesen, in der taz mit einer Lücke von sechs Jahren. Sie vergleicht zwei “Kursbücher” von 1977 und 2017, jeweils mit dem Schwerpunkt “Frauen”. Ich weiss nicht, ob sie sich kennen, spekuliere also nur, aber mit Extradienst-Gastautorin Ulrike Heider könnte sie sich gut verstehen.

Merkel gewinnt immer – muss das sein?

Von , am Dienstag, 11. Juli 2017, in Lesebefehle, Medien, Politik.

Vor einigen Wochen dokumentierten wir hier Reinhard Olschanskis Analyse zur rechtspopulistischen Rhetorik. Eine gute Weiterführung sendete gestern DLF-Kultur mit diesem Feature. Es endet mit der Pointe, dass die nur scheinbar so unpopulistische Kanzlerin Merkel am Ende die Gewinnerin sein wird.
Wie Merkel den G20-Gipfel gegen die sich selbst bekämpfenden Sozialdemokraten gewonnen hat, erklärt ihnen Eckart Lohse (FAZ). Wer so viele Eigentore schiesst, braucht sich über den vermutlichen Spielausgang nicht zu wundern.
Update 13.7.: Albrecht Müller teilt meine Verzweiflung. Obwohl er mit seinem Besserwissertum linke Zusammenarbeit eher erschwert als befördert.

Eine Parallele im Spiel um die Weltmacht: Ex-CIA-Analyst Ray McGovern beschreibt die Eigentore der US-Administration gegenüber China und Russland (in einer dankenswerten Übersetzung der Nachdenkseiten) – auch in diesem Prozess ist das Merkel-geführte Deutschland auf der Seite potenzieller Profiteure.

Heute ausserdem sehr lesenswert: Arno Widmanns/FR Faible für kompetente und attraktive Migrationsforscherinnen führte mich zu diesem Text von Naika Foroutan über die “Narration der Nationen“. Unser Selbstbild von dem, was wir sind und wer nicht dazugehört, verrät vor allem viel über uns und unsere Wahrnehmung von Wirklichkeit, aber fast nichts über die, die wir – historisch meistens vergeblich – auszuschliessen versuchen.

Barbara Schweizerhof, hier schon gewürdigt, macht erneut einen Film durch ihre Besprechung erst spannend und interessant, auf den ich durch seinen Titel, seinen Plot und seine Ankündigung allein nicht aufmerksam geworden wäre: Krieg der Geschlechter und Filmmachen im Krieg, mit Superschauspieler*inne*n.

Entertainment im selbstfahrenden Auto – der Krieg um die Marktanteile hat schon begonnen (FAZ-Technik).

taz stellt Kritik an Boris Palmer nicht online

Von , am Mittwoch, 30. September 2015, in Medien, Politik.

Wenn jemand die Online-Strategie der taz versteht, bitte mal bei mir melden. Immerhin hat es die Kolumne von Silke Burmester heute ordnungsgemäss ins taz-Onlineangebot geschafft. Einem Interview in der gestrigen Druckausgabe mit der Migrationsforscherin Naika Foroutan war das nicht vergönnt.
Foroutan ist seit längerem eine der wissenschaftlich produktivsten Migrationsforscherinnen Weiterlesen