Beueler Extradienst

Meldungen & Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: Nationalismus

GrĂŒne Vereinigungs-Reue?

Annalena Baerbock und Robert Habeck haben sich in einem T-Online-Blog (war das nicht ein Telekommunikationskonzern?) kritisch zur Haltung der GrĂŒnen Partei 1990 und dem Wiedervereinigungswahlkampf geĂ€ußert, der dann zum temporĂ€ren Verschwinden der Ökopartei aus dem Bundestag fĂŒhrte. Man habe bei den GrĂŒnen damals dem Osten nicht genĂŒgend Aufmerksamkeit geschenkt und die Menschen nicht verstanden. Daraus wolle man/frau lernen. Gegen letzteres ist grundsĂ€tzlich nichts zu sagen, gegen die Schelte, die GrĂŒnen wĂ€ren keine Partei der Einheit gewesen, schon. Baerbock war 1990 zehn – ihr kann man nicht vorwerfen, die damalige Situation nicht verstanden zu haben – Habeck, damals 21, sollte sich schon erinnern können, ohne Geschichte zu klittern und vor allem, ohne in Linkenschelte gegenĂŒber GrĂŒnen zu verfallen.Weiterlesen…

Mauer in den Köpfen?

von Ayline Heller/Ana Nanette Tibubos/Manfred Beutel/Elmar BrĂ€hler – Otto Brenner Stiftung
Einstellungen zur deutschen Einheit im Wandel
Zusammenfassung der Ergebnisse und Fazit

Auch knapp 30 Jahre nach der Wiedervereinigung spielt die Teilung Deutschlands im öffentlichen Diskurs und in den Köpfen der Menschen eine wichtige Rolle. WĂ€hrend die Berichte der Bundesregierung jĂ€hrlich ĂŒber die wirtschaftliche AnnĂ€herung Auskunft geben, fehlten bisher Studien, die die „EinheitsmentalitĂ€t“, also die Einstellungen der BĂŒrger*innen zum je anderen Teil Deutschlands sowie zur Wiedervereinigung, im Zeitverlauf und in verschiedenen GeburtsjahrgĂ€ngen differenziert untersuchten. Eine Analyse des mentalen AnnĂ€herungsprozesses ist jedoch zentral,Weiterlesen…

EU versagt: Nur noch abschotten

Corona ist ein Problem – wir mĂŒssen alles tun, um das Virus einzudĂ€mmen. Aber die Grenzschliessungen in Europa sind so ziemlich das ÜberflĂŒssigste, was dem allgemeinen Regierungspopulismus einfallen konnte. Zehn- wenn nicht hunderttausende Menschen wohnen und leben, arbeiten und einkaufen in den Grenzgebieten. Zwischen Aachen und Heerlen, in Eupen, im Saarland und Luxemburg, im Elsass/Lothringen und dem MarkgrĂ€fler Land, am Bodensee in Konstanz/Kreutzlingen oder an der Grenze zu Österreich in Bregenz. Auch an der Grenze in Schleswig-Holstein zu DĂ€nemark, an den Grenzen zu Tschechien und Polen ist das nicht anders. Überall wohnen inzwischen binationale Familien, Pendler, Nutzer von Infrastruktur.
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Die Linke, der Nationalstaat und der Internationalismus

von Peter Wahl

Die EU befindet sich in einer existentiellen Krise. SpĂ€testens seit dem BREXIT steht die Entwicklungsrichtung der Integration und das Endziel des Prozesses zur Debatte. Quer durch alle politischen Lager verbreitet sich die Einsicht, dass Business as usual nicht mehr möglich ist. So kam selbst EU-RatsprĂ€sident Tusk im Mai 2016 – also noch vor dem Brexit – zu dem Schluss: „Heute mĂŒssen wir zugeben, dass der Traum eines gemeinsamen europĂ€ischen Staates mit einem gemeinsamen Interesse, mit einer gemeinsamen Zukunftsvorstellung, … eine gemeinsame europĂ€ische Nation eine Illusion war.“
DemgegenĂŒber hĂ€lt in der deutschen Linken eine zwar schrumpfende, aber doch noch große Strömung an der Vertiefung der Integration und am Endziel einer europĂ€ischen Föderation, den Vereinigten Staaten von Europa fest.
Gleichzeitig werden praktisch alle Projekte, in denen sich die Integration materialisiert – FlĂŒchtlingspolitik, AusteritĂ€t, Unterwerfung Griechenlands, TTIP, CETA, Kapitalmarktunion, Sanktionen gegen Russland, immer engere Verzahnung mit der NATO, Militarisierung etc. – abgelehnt. NatĂŒrlich völlig zurecht. Es gibt also keinen positiven Bezug mehr,Weiterlesen…

Demokratiewachsamkeit

von Mely Kiyak / Otto-Brenner-Stiftung
Festrede zur Verleihung des Otto-Brenner-Preises am 15.11.2016 in Berlin
– Es gilt das gesprochene Wort –

Sehr geehrte PreistrÀger, sehr geehrte Gastgeber der Otto-Brenner Stiftung, geschÀtzte anwesende Kollegen, sehr verehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde
Als ich die Einladung erhielt, die heutige Festrede halten zu dĂŒrfen, schaute ich zunĂ€chst einmal nach, um wen es sich bei Otto Brenner eigentlich handelt. Er war in Hannover geboren, was – das sage ich aus biographischer Erfahrung – glauben Sie mir das bitte, immer ein tragischer Start fĂŒr ein Leben ist.

Mit nur 13 Jahren wurde er Gewerkschaftsmitglied, machte Karriere und brachte es bis zum Vorsitzenden der IG Metall. Vom einfachen Zeitungszusteller und Nietenpresser zum Gewerkschaftsboss, ist in Deutschland – damals wie heute – wo die Herkunft eines Menschen seinen gesellschaftlichen und beruflichen Werdegang beeinflusst, eine der wenigen und seltenen Möglichkeiten als Arbeiterkind, und das war Brenner, aufsteigen zu können.

Brenners Parallelen zu meinem Leben sind verblĂŒffend. Auch ich bin ein Arbeiterkind. Auch ich kĂ€mpfe seit meinem 13. Lebensjahr in der Gewerkschaft. Weil ich nĂ€mlich die Tochter eines Kupferdrahtlackierers bin. Weiterlesen…

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