Beueler Extradienst

Meldungen & Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: Neoliberalismus (Seite 1 von 4)

Apokalypse-Sehnsucht

Den Deutschen wird sie besonders nachgesagt. Kein Wunder. Wer zwei Weltkriege angefangen hat, wer “Rasse” und daran orientierte Selektion und Massenmord zum Fixpunkt staatlicher Politik macht, ist verdĂ€chtig. Wer von der Macht der Mehrheit der menschlichen Weltgesellschaft bei solchem Treiben gestoppt wird, der ist natĂŒrlich ĂŒbel traumatisiert. Es entsteht eine Dialektik: einerseits Vergessen, VerdrĂ€ngen, es-nicht-gewesen-sein-wollen, andererseits Melancholie und Selbstmitleid am eigenen Verliererdasein. Die Geschichte lehrte, dass die faschistische Mobilisierung von Rebellion gegen das Verlieren des 1. Weltkrieges Verbrechen und Elend monströs vergrösserte. Das ist die deutsche Vorgeschichte des Jetzt.Weiterlesen…

Thesen zur feministischen Revolution

von VerĂłnica Gagos
„Acht Thesen zur feministischen Revolution“ sind eine Zusammenfassung ihres Buches „La potencia feminista“ und zugleich eine Diskussionsgrundlage, die in Kollektiven diskutiert werden sollte. Es geht um das Potenzial und die neuartige Macht, die die feministische Bewegung entwickelt: das Potenzial, Grenzen zu identifizieren, zu hinterfragen und zu durchbrechen, die unser Denken und Handeln einengen. Die Rosa Luxemburg Stiftung hat im Februar 2020 die Thesen auf Deutsch veröffentlicht. (Eine aktualisierende Kommentierung der Autorin folgt morgen.)Weiterlesen…

Enturbanisierung

Landnahme des Kapitals: in StÀdten, auf dem Land, im Wald, sogar unsere Zeit wird enteignet
Die Jungle World dieser Woche hat einen wichtigen, lesenswerten Themenschwerpunkt: Stadt Land Schluss. Zwei der drei Texte sind bereits online offen, der dritte wird folgen. Insbesondere Georg Seeßlens “Die Entleerung der Stadt” ist eine PflichtlektĂŒre fĂŒr alle, die nach der Kommunalwahl am nĂ€chsten Sonntag strategisch denken und handeln wollen. Dazu ein paar Zitate,Weiterlesen…

Eine SZ-Kritik ist nötig

Birk Meinhardt liefert sie wohl nicht
Irgendwann nach der 2003 erfolgten Einstellung ihres journalistisch hochklassigen NRW-Teils habe ich die SĂŒddeutsche Zeitung abbestellt. Zu teuer und fĂŒr den Preis nicht gut genug. Seitdem lese ich sie ĂŒberall dort, wo sie bereit liegt, in meinem Mittagsbistro z.B.. Dort gibt es nur folgende Probleme. Wenn ich nicht zeitig um 12 eintreffe, hat sie irgendeine Person, die noch Ă€lter ist als ich, mit Beschlag belegt, und gibt sie zwei Stunden nicht mehr her. Wenn ich rechtzeitig eintreffe, benötige ich dagegen weniger als 20 Minuten.Weiterlesen…

Die Krise und die Zukunft der EU

von Peter Wahl
Zeit fĂŒr eine europapolitische Grundsatzdebatte

Es sollte ein Neustart fĂŒr die EU werden. Nach zehn Jahren Dauerkrisen – Finanzcrash, Euro- und Griechenlandkrise, Flucht und Migration, Orban und Salvini, Handelskrieg mit Trump und Brexit – sollten mit der neuen Kommission endlich bessere Zeiten anbrechen. Und das mit einer Frau an der Spitze, auch noch einer Deutschen! „Green Deal,“ „Apollo-Moment Europas“ – von der Leyen tat das, was sie schon als Ministerin am besten konnte – alle Register politischer SchaumschlĂ€gerei ziehen.Weiterlesen…

Unwirkliche Sternstunde der Raumfahrt

am 30. und 31. Mai 2020 wurde eine neue Ära der bemannten Raumfahrt eingelĂ€utet: Erstmals wurden von den USA aus Astronauten von einem kommerziellen Unternehmen ins All transportiert. Vielleicht  sollte ich vorausschicken, dass ich ein ĂŒberzeugter BefĂŒrworter der unbemannten und bemannten Raumfahrt bin, denn ich sehe darin die einzige Möglichkeit fĂŒr die Menschheit, das Sonnensystem zu verlassen, wenn die Sonne einst beschließen wird, zu Nova zu werden und die Erde zu verschlucken. Soweit dĂŒrfte es in etwa in 3-4 Milliarden Jahren seinWeiterlesen…

Wie die Doktrin der Chicago Boys scheiterte

von Joaquín Molina und Maximiliano Morón (Übersetzung: Britt Weyde)
HintergrĂŒnde zum neoliberalen Modell in Chile

Der Putsch von 1973 war eine Niederlage der Sieger. NatĂŒrlich war er ein Sieg ĂŒber das LinksbĂŒndnis Unidad Popular von Salvador Allende, aber er war auch eine Niederlage der rechten Parteien. Schließlich waren sie nicht in der Lage, innerhalb des institutionellen Rahmens einen Prozess aufzuhalten, in dem die Forderungen der Arbeiter*innen und Landarbeiter*innen die Gesetzgebung mitbestimmten. Wegen dieser UnfĂ€higkeit mussten die Parteien der Rechten ihre FĂŒhrungsrolle an das MilitĂ€r abtreten und dessen Entscheidungen ĂŒbernehmen. Dies bedeutete einen Wandel in der Art zu Regieren,Weiterlesen…

Abstand halten, im Namen der SolidaritÀt

Wir werden gerade auf ein Paradox eingeschworen: fĂŒreinander einstehen, ohne sich zu begegnen

„Bitte halten Sie Abstand. Damit wir uns bald wieder nah sein können.“ So oder Ă€hnlich lauten die derzeitigen Warnhinweise weltweit. Und wenn sie nicht so drĂ€ngend konkrete GrĂŒnde hĂ€tten, könnte man derlei Slogans fĂŒr ein grandioses Experiment in höherer Dialektik halten, so wie die Menschheit gerade auf ein Paradox eingeschworen wird: fĂŒreinander einzustehen, ohne sich dabei begegnen zu können.

Gut, SolidaritĂ€t drĂŒckt sich nicht immer in körperlicher NĂ€he aus.Weiterlesen…

Fake-Individualismus

VulgĂ€r-Ideologen und Menschen, die lĂ€ngere Texte als bei Twitter intellektuell nicht verkraften, könnten behaupten, durch den Sieg des Individualisierung im Neoliberalismus sei der autoritĂ€re Charakter aus der Zeit Adornos besiegt. Ihnen (und allen andern) sei dieser ausserordentlich anregende Text von Karin Stögner in der Jungle World empfohlen, der dort unter dem Titel “Essay – Über die AktualitĂ€t des autoritĂ€ren Charakters – Hass, IdentitĂ€t und Differenz” veröffentlicht wurde (ganz ohne Paywall, Gratulation und Dank!) Ein Kernsatz:Weiterlesen…

Klimawandel, Armut und der GrĂŒne New Deal

von Dr. Ludger Volmer
Rede an der Harvard UniversitĂ€t, 19.Februar 2011 (aus dem Englischen zurĂŒck ĂŒbersetzt)

Einleitung
Die letzen internationalen Klimakonferenzen waren total enttĂ€uschend. Diese Wertung teilen weltweit alle, die sich seit Jahren immer sorgenvoller um die Entwicklung des Weltklimas kĂŒmmern. Aber warum werden diese gescheiterten Konferenzen als so bedrĂŒckend wahrgenommen, da doch Konferenzen oft mit magerem Ergebnis enden?

Manche tun Klimakonferenzen ab mit der Bemerkung, sie seien nur weitere Beispiele fĂŒr die UnfĂ€higkeit von Politikern, komplexe Probleme zu lösen. Oder zugespitzt:Weiterlesen…

Ein stiller Krieg wird laut

von Sarah Moldenhauer
Zur aktuellen Lage in Chile

Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, bis es in Chile knallt. Zwar ist es heute das reichste Land Lateinamerikas mit einem vergleichsweise hohen Lebensstandard. Deswegen schien die gesellschaftliche Situation auf den ersten Blick stabil und viele Menschen wirkten nahezu fatalistisch gegenĂŒber fest sitzenden Ungleichheiten. Aber der permanente Stress, mit den stĂ€ndig steigenden Kosten klar zu kommen, das Schulgeld fĂŒr die Kinder aufzubringen, teure Medizin und Krankenversicherung zu bezahlen, die Raten fĂŒr Wohnung, Auto und anderes zu bedienenWeiterlesen…

Arbeiterklasse – was ist noch ĂŒbrig?

Nach LektĂŒre dieses – bei ihm immer – lesenswerten Essays von Robert Misik/taz, zog ich gedanklich diesen Schluss: wenn dem Neoliberalismus was wirklich gelungen ist, dann die Zerstörung der gesellschaftlichen Grundlagen zur Entstehung von SolidaritĂ€t, mitsamt fast aller relevanten Organisationen, die sich um sie bemĂŒhen. Was Rezo am Beispiel der CDU nur ertrĂ€umt hat (ĂŒber 16 Mio. Aufrufe), ist in Wirklichkeit schon da.Weiterlesen…

Wundersame Bahn XXXIV

Wieviele “21”s dĂŒrfens denn sein?
Nein, es ist kein “Wahnsinn”. Nein, die Beteiligten sind nicht irre. Im Gegenteil. Sie verhalten sich ganz rational, wie es der neoliberale Turbokapitalismus verlangt. Wer hat die Nachteile an Stuttgart 21? Die FahrgĂ€ste und die Steuerzahler*innen. Wer hat die Vorteile? Die die es bauen. Die, die es betreiben. Und vor allem die, die sich den oberirdisch freiwerdenden Grund und Boden aneignen. Kurz: die öffentlichen Kassen werden ausgerĂ€umt, zugunsten privaten Kapitals. Von dem gibt es mittlerweile so viel,Weiterlesen…

“Achtsamkeit”: 4.000.000.000.000 $

Politik machen wÀre billiger
Der neoliberale Individualismus richtet viele so zu, dass sie glauben, ihr Unperfektsein sei ihre eigene Schuld. Denn auch daraus lĂ€sst sich ein ansehnlicher Markt kreieren. Und der Versuch, uns alle besser unter Kontrolle zu bringen. Wenn irgendwas “nicht stimmt” – es liegt an mir. Jahrhunderte der Sozialwissenschaften werden ausradiert: in diesem aufschlussreichen Essay von Max Tholl/Tagesspiegel schön zusammengefasst. Weiterlesen…

Lesen, Denken, Handeln – wĂ€r ‘ne Lösung

Sascha Lobo ist jetzt auch schon 44. D.h., seit knapp 30 Jahren kann er seine Existenz darauf grĂŒnden, der Berliner Blase die Welt da draussen zu erklĂ€ren. Die Welt derer, die zuweilen unter 50 sind, und ihr Leben mit Arbeiten bewĂ€ltigen mĂŒssen, zu den heutigen kapitalistischen und technologischen Bedingungen. Woher sollen Politiker*innen und Medien in der Hauptstadt das auch erfahren, wenn nicht von Sascha Lobo? Heute hat es das Leitmedium SZ wieder versucht, auf seiner wertvollen Seite 3 (online nur hinter Paywall).
Lobo kann nichts dafĂŒr.Weiterlesen…

Gefahren der Beschleunigung

It’s capitalism, stupid! Dem herrschenden Wirtschaftssystem wohnt der Megatrend des Wachstums und der Beschleunigung inne. Nur wer dabei der Grösste und Schnellste ist, und den kostspieligen Produktionsfaktor (menschliche) Arbeit radikal zurĂŒckdrĂ€ngt, schafft die ersehnte Profitmaximierung. Alle anderen sind bestĂ€ndig bedroht vom “tendenziellen Fall der Profitrate”. Wer es bis dahin nicht begriffen hatte, bekam eine Ahnung davon, als die Digitalisierung der ProduktionsverhĂ€ltnisse fĂŒhlbar wurde. Ist zwar auch schon das eine oder andere Jahrzehnt so; aber die meisten sind halt SpĂ€tmerker. Das ist die LĂŒcke fĂŒr Demagogen:Weiterlesen…

Gutes Essen von morgen

Florian Rötzer/telepolis berichtete gestern von neuen Veröffentlichungen und durchs Dorf getriebenen SĂ€uen in Sachen “Orthorexia nervosa”. Das ist Lateinisch fĂŒr “einen pathologischen Zwang zum gesunden Essen … dem ein Hang zur rigiden Selbstdisziplinierung zugrunde liege” – also zu Deutsch: womit sich viele Gutwillige in selbstgemachten Wahnsinn treiben. Rötzer ist klug genug, sich der Mode alle VerhaltensauffĂ€lligkeit zu pathologiseren (zu neuen Krankheiten zu erklĂ€ren) nicht anzuschliessen. Sehr gut sieht er aber,Weiterlesen…

SPD – was ist Deine Botschaft?

Zwei Autoren aus dem Göttinger Institut fĂŒr Demokratieforschung, Felix Butzlaff und Robert Pausch, haben in den BlĂ€ttern nach “der ErzĂ€hlung” der SPD gesucht, und keine mehr gefunden. Ihre Diagnose ist hart. Ich ĂŒbersetze sie mit: der Neoliberalismus hat die SPD erst unterworfen, und jetzt endgĂŒltig erlegt. Mit den aktuell diskutierten Methoden und Mitteln wird sie dem nicht entgehen. Die heutige KandidaturerklĂ€rung von Olaf ScholzWeiterlesen…

Die spinnen, die Griechen

Obelix ist durchaus zuzustimmen, wenn man das Wahlergebnis vom Wochenende in Griechenland betrachtet. Die korrupte Nea Demokratia, die das Land vor fĂŒnf Jahren zu Grunde gerichtet, die EU zuvor mit falschen Zahlen betrogen hat, wurde damals durch die radikaldemokratische Syriza abgelöst. Was mussten sich der MinisterprĂ€sident Alexis Tsipras und sein Finanzminister Varoufakis alles anhören: Wie verrĂŒckt sie seien, wie weltfremd, weil sie zwar bereit waren, Reformen durchzufĂŒhren aber nicht mĂŒde wurden zu betonen, dass die von der EU geforderten “Reformen” soziale Ungerechtigkeiten und Schieflagen erzeugten. Keine Chance:Weiterlesen…

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