Beueler Extradienst

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Schlagwort: Nietzsche

GlĂŒcklich in Europa zu leben

von Arzu Toker

Europa. Eine Geschichte von VerfĂŒhrung und EntfĂŒhrung. Die Geschichte einer schönen Frau. Wegen ihr bekam dieser Kontinent seinen Namen: Europa. Ich bin nicht entfĂŒhrt worden.
Ich bin freiwillig gekommen. Ich war eine junge Frau, 23 Jahre alt mit Visionen, mit TrÀumen, die keine Grenze kannten.

Ich bin an in einem Tal an der syrischen Grenze geboren. Dieses Grenzgebiet hat mich, meine Kindheit geprĂ€gt. Als meine Großmutter ein junges MĂ€dchen war, gab es dort keine Grenzen. Als ich klein war, sah ich wie die Vögel die natĂŒrliche Grenze, die Berge ĂŒberflogen. Auch ich hĂ€tte gern gewußt, was es auf der anderen Seite gab. Ich konnte, ich durfte nicht.
Jetzt lebe ich in einem Kontinent, in dem ich weiß, und jederzeit erkunden kann, was auf der anderen Seite zu sehen gibt. Immer, wenn ich in diesem unserem Europa in andere LĂ€nder fahre, berĂŒhrt es mich die ehemaligen Grenzkontrollen, diese verlassenen Orte zu sehen. Ich jubele mit meinem 65 wie ein Kind und kann mich nicht zurĂŒckhalten meinen Mann zu nerven:
Schau mal, schau mal, schau mal! Das war mal eine Grenze, stell dir vor, das war mal ne Grenze! Er tut so als sei er genervt aber ich glaube er fĂ€hrt extra langsam. Er gönnt mir diesen Genuß, den Moment der Freiheit. Weiterlesen…

Der Wille zum Feind (Politische Sprache II)

von Claudia Roth MdB

Die letzte Buchvorstellung, an der ich teilhaben durfte, liegt bereits einige Monate zurĂŒck. Damals durfte ich im Gorki-Theater ein Buch mit dem Titel „Flugschreiber“ prĂ€sentieren. Der Autor: Frank-Walter Steinmeier, damals noch Außenminister, jetzt BundesprĂ€sident.

Du siehst, lieber Reinhard, du bist in guter Gesellschaft – und das vollkommen zurecht.
Denn, so viel darf ich vorwegnehmen: Reinhard Olschanski ist mit „Der Wille zum Feind“ ein wirklich großartiges Buch gelungen. Es mag nicht die leichteste LektĂŒre sein: Gerade, wenn es mal wieder in die philosophischen Untiefen der Heideggers und Nietzsches geht, kam in mir auch mal der Wunsch nach einem Dolmetscher auf. Und ohnehin richtet sich das Buch nicht gerade an Leserinnen und Leser, die im Urlaub am Strand ein wenig Unterhaltung suchen.

Umso mehr habe ich gelernt ĂŒber die populistische Rhetorik, die ich zwar tagtĂ€glich erlebe, die ich womöglich nach der Bundestagswahl noch hĂ€ufiger werde ertragen mĂŒssen, die ich aber noch nie derart grundlegend durchleuchtet gesehen habe wie in „Der Wille zum Feind“. Wie entscheidend diese Form der Durchleuchtung ist, diese systematische Analyse der populistischen Rede, wird dabei erst so richtig klar, wenn wir uns bewusst machen, welch große Herausforderung der Populismus fĂŒr unsere Demokratie darstellt. LĂ€ngst dringt er bis tief in die Mitte der Gesellschaft vor, und mit ihm die menschenverachtenden und ausgrenzenden Ideen und Forderungen der Rednerinnen und Redner.

Dort, wo er an der Macht ist – in Ungarn, Polen oder der TĂŒrkei – untergrĂ€bt er die Gewaltenteilung,Weiterlesen…

Das kann doch nicht sein, dass hier was gut lĂ€uft …..

Deutschlands Überbau-Produzenten, Linke wie Rechte, sind sauer, weil immer mehr Menschen versuchen, ihnen die schlechte Laune zu verderben. Aram Lintzel, der sein Haupteinkommen so wie ich derzeit von einer GrĂŒnen-Fraktion bezieht, meint, sie, also diese Überbauproduzenten, hĂ€tten zuviel Nietzsche gelesen und ihn aufgrund einer Überdosis außerdem ĂŒberhaupt nicht verstanden.Weiterlesen…

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