Beueler Extradienst

Meldungen & Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: Pascal Beucker

Historischer Optimismus

mit Update nachmittags
Nachdem ich gestern von Apokalypse geschrieben habe, ist ein dialektisches GegenstĂŒck fĂ€llig. Ich war in meiner Jugend auch dem Historischen Materialismus nie abgeneigt – lediglich seiner vulgĂ€rmarxistisch-deterministischen Interpretation. “ZwangslĂ€ufige” historische Entwicklungen gibt es fĂŒr nix – am Ende ist alles menschengemacht, sogar, im Extremfall, die Apokalypse. Doch, es gibt materialistische Grundlagen fĂŒr eine Stimmungsaufhellung, auch wenn das Menschen in Moira, Oregon oder am Amazonas nicht wirklich weiterhilft – aber uns, um StĂ€rke fĂŒr solidarisches Helfen zu gewinnen.
Den Grundlagentext dafĂŒr lieferte in der gestrigen taz der Graswurzler Nicolai Hagedorn.Weiterlesen…

Die egomanischen Vier

Gut gebrĂŒllt Peter / Ex-Jungdemokrat Pascal dreht dagegen ein bisschen durch
Niederlande, Österreich, Schweden, und DĂ€nemark sind die Letzten in EU-Europa, die die monetaristische Egomanen-Pose aufrechterhalten, zusammen mit den Rechten in FDP, CDU, AfD und denen nahestehenden deutschen Medien. Peter Kapern/DLF, den ich noch gut aus seiner DĂŒsseldorfer Korrespondentenzeit kenne und schĂ€tzen gelernt habe, kommentiert das mit wĂŒnschenswerter Deutlichkeit. Nur seine Schlussthese wĂŒrde ich relativieren:Weiterlesen…

Verkehrskommission / NSU-Ermittlungen / Fussballer-Drill

Dieser Tage tauchte Pascal Beucker in einem meiner NachttrĂ€ume auf. Er hatte diesem Blog knapp tausend neue Leser*innen beschert, weil er ĂŒber Ludger Volmers Aufstehen-Abrechnung berichtete, die taz aber den Originaltext oder eine Onlineverlinkung einsparte. Heute nun haben zwei weitere Bekannte aus alter Duisburger Zeit miteinander gesprochen, Anja KrĂŒger und mein Ex-Chef (1987) Ernst-Christoph Stolper (ECS). Darin erfahren wir von ECS aufschlussreiche Details aus der sog. “Verkehrskommission” der Bundesregierung.Weiterlesen…

Beucker / Winkler / Digitale Gewalt

Moscheesteuer? Die grösste Einzelgruppe in Deutschland sind lĂ€ngst die Konfessionslosen, UnglĂ€ubigen. Die Moscheesteuer ist gewiss eine gute Idee, um diese Gruppe zu vergrössern. Darum kommt da von mir kein Widerstand. Weniges ist egaler. Es ist aber auch lĂ€cherlich rĂŒckwĂ€rts, ewig gestrig, deutsch. Alle kommentieren es begeistert, nur einer nicht: Ex-Jungdemokrat Pascal Beucker/taz.
1968 – meine Bezugsperson dazu ist mein Mitautor und AdornoschĂŒler Dieter Bott. Ich war 11 und noch zu doof. Aber ich hatte schon immer den VerdachtWeiterlesen…

Irrlichternde Liberale und Linke

Pascal Beucker/taz hat, wie ich, in seiner Jugend bei den Jungdemokrat*inn*en gelernt, was liberal ist. Rechten Diskursen folgen und sie selbsttÀtig befeuern ist es nicht. Auch und gerade wenn die Akteure so berechnende Charaktere wie Kubicki und Lindner sind.
Isolde Charim/taz macht einen nachdenklichen Versuch, heutige Linken-Politik zu definieren. Sie folgt – fĂŒr ihre VerhĂ€ltnisse etwas grobkörnig – der Legende, das “proletarische Milieu” tendiere nach rechts. Dennoch sind ihre Reflexionen seriös und eine ernsthafte Debatte wert.

“Was ist mit Antje Vollmer los?”

Das fragte mich eine Leserin, die sie noch gut aus alten Zeiten der GrĂŒnen Bundestagsfraktion in Bonn kennt. FĂŒr die JĂŒngeren: aus der Zeit gegen Ende des vorigen Jahrtausends. Ich meinerseits erinnere mich noch gut an den linksgrĂŒnen Ludger Volmer, ihren jetzigen Mitautor, wie er Ende der 80er, Anfang der 90er vor Vollmer und ihrem damaligen “GrĂŒnen Aufbruch” warnte (Bernd Ulrich, heute im ARD-Presseclub, war ebenfalls einer seiner Protagonisten – nachdem er noch wenige Jahre zuvor die “Linksautonomen” im Koordinierungsausschuss der Friedensbewegung vertreten hatte): die seien “gefĂ€hrlicher” als die Realos (um Joseph Fischer, Hubert Kleinert u.a.). Vollmer und Volmer waren trotz dieses Gegensatzes schon damals respektable Intellektuelle in den GrĂŒnen Gefechten. Das, und die politischen UmstĂ€nde da draussen in der Welt, haben sie jetzt zu gemeinsamen Sichten zusammengefĂŒhrt.

Kafkaeske DiskursphÀnomene

Diese Tatsache lenkt unseren Blick auf die aktuelle politische Krisensituation und die sehr verschiedenen Sichten darauf, die von den Parteien kaum noch sortiert werden.Weiterlesen…

Svenja Schulze, zum Zweiten

Mit der Beurteilung der neuen Bundesumweltministerin Svenja Schulze haben einige Medien erkennbar Probleme. Das hat aber nichts mit Svenja zu tun, sondern mit der Arbeitsweise und Struktur der Medien.

Der ansonsten von mir sehr geschĂ€tzte Wolfgang Pomrehn lieferte im ansonsten von mir sehr geschĂ€tzten Online-Magazin Telepolis einen Journalismus nach Aktenlage ab. Eigene Recherchen enthĂ€lt der Text erkennbar nicht, sondern gibt wieder, was ansonsten von mir schon mal mehr geschĂ€tzte UmweltlobbyverbĂ€nde, ebenfalls nach Aktenlage, als MeinungsĂ€usserung mitgeteilt haben. Das ist so billig, dass ich es bisher – an dieser Stelle – nicht fĂŒr möglich gehalten habe.

Dass es ohne unzumutbare Anstrengungen auch fairer, journalistischer – und keineswegs unkritischer – geht, zeigten Anna Lehmann und Pascal Beucker in der taz.

“Grösste GroKo ist die SPD” / Digitale Wahrheitsfindung

Mike Groschek meint das: “Die grösste Grosse Koalition ist die SPD”. Diese Logik des einst “mĂ€chtigen” NRW-Landesvorsitzenden lĂ€dt zu zahlreichen Kalauern ein. Die “Grosse” Koalition kommt derzeit bei allen Umfrageinstituten auf 50%, beim AfD-nahen Insa ist sie weit darunter, ungefĂ€hr da, wo die SPD 1972 alleine war. Groschek wagt zahlreiche Vorhersagen: die SPD-Mitglieder stimmen mehrheitlich fĂŒr die GroKo, Andrea Nahles wird Chefin. Und das Wichtigste: es wird Politik zur Verbesserung unserer Lebenslage geben. GlaubwĂŒrdig?
Der taz gelingt anlĂ€sslich YĂŒcel-Freilassung und MĂŒnchener Unsicherheitskonferenz ein fast spiegel-artiges StĂŒck (zu besseren Zeiten dieser Illustrierten; mit dabei: Ex-Jungdemokrat Pascal Beucker) ĂŒber den Noch-Aussenminister Sigmar Gabriel. Dem wĂ€re nur noch die Bemerkung von Arnd Henze (WDR, Hauptstadtstudio; ehem. “DellbrĂŒcker Forum“) in der Tagesschau hinzuzufĂŒgen,Weiterlesen…

DDR / China / Katar / Österreich

Nein, eine Neuauflage einer “Rote-Socken-Kampagne” ist hier nicht angedacht, wenn an DDR-Kader erinnert wird. Die sich “Die Linke” nennende Partei wird auch nicht (mehr) von solchen dominiert. Aber der rechte FlĂŒgel der Linkspartei hat ein strukturelles DDR-Kaderproblem, das sich lĂ€ngst auch negativ auf ihre Wahlergebnisse auswirkt, auf das Ex-Jungdemokrat Pascal Beucker, mit dem analytischen Besteck, das wir seinerzeit gemeinsam erlernt haben, in der taz mit der nötigen SchĂ€rfe hinweist. Tomasz Konicz kritisiert Wagenknecht von links, und alle ihre Fans sind auf den BĂ€umen. Telepolis-Chef Rötzer wird das abperlen lassen.

In der grĂ¶ĂŸten Grossmacht unserer Zeit ist Volkskongress. Die Beschreibung, die Felix Lee in der taz vom Chef Xi Jinping heute liefert, erinnert mich irgendwie an Erdogan, vielleicht mit weniger Cholerik und mehr Scharfsinn; aber das macht es nicht Erfreulicher.
ErgĂ€nzend: wie China mit seiner “one road – one belt”-Initiative die EU zerlegt, und wie die “Atlantiker” zu den Koalitionsverhandlungen mobilisieren. Wer hindert diese Truppen am Heißlaufen?

Es gibt noch rechtsstaatliche Immunabwehr gegen unĂŒbersehbare KapitalflĂŒsse? Diesen Eindruck erwecken die Ermittlungen gegen den PrĂ€sidenten von Frankreichs reichsten Fussballverein PSG, der in seinen zahlreichen Nebenberufen so eine Art katarischer Vizeemir ist.
Diese kriminellen Despoten werden ĂŒbrigens von uns mitfinanziert.

Aus Österreich gibts eine in Deutschland neu erscheinende TV-Serie, schon drei Jahre abgehangen, aber laut FAZ-Vorbericht angemessen bösartig und sehenswert, auf dem ARD-Sender “One“.
Der deutsch-österreichische Konflikt eskaliert aktuell an der Humorfrage.

Medienkritik, gute und schlechte

Es gibt nicht nur linke und rechte Medienkritik, sondern auch gute und schlechte. Und das deckt sich leider nicht zwingend. Darauf macht Matthias Holland-Letz auf Carta aufmerksam.
Medienkritik leidet unter mangelhaftem Interesse der breiten Öffentlichkeit. Das macht sie aber nicht ĂŒberflĂŒssig, eher im Gegenteil. In ihrer heutigen Situation leidet sie ausserdem unter Apodiktik, einer stark entwickelten Bescheidwisserei, angesichts der knapp bemessenen bezahlten ArbeitsplĂ€tze auch konsequentem persönlichem Wegbeissen von potenziellen Konkurrent*inn*en, ganz wie im richtigen Leben.

Aus dem von Holland-Letz kritisierten Buch gab es hier bereits einen Hinweis auf eine telepolis-Kostprobe, hier ist nun eine weitere mit einem Interview mit Erich Schmidt-Eenboom, das zusÀtzlich zu seiner unbestrittenen fachlichen Expertise das von mir oben Beschriebene beispielhaft illustriert.

Die gute Nachricht: die Facebook-Filterblasen werden ĂŒberbewertet, meint Prof. BIrgit Stark von der Uni Mainz. Was nicht ist, kann aber noch werden, wenn alles ohne politischen Eingriff so weiter lĂ€uft, und Gesetze weiterhin gut gemeint und schlecht gemacht werden.

Zum Schluss noch eine gute Idee von Thomas Fricke zur Bundestagswahl, die ebensowenig verwirklicht werden wird, wie die zuletzt von mir gelobte von Pascal Beucker.

Medien vergrössern ihr Elend selbst

“MillionĂ€re fragen – Politiker antworten”, so wandelte Wolfgang Michal den Titel eines erfolgreichen ZDF-Formats der 80er Jahre ab. Und charakterisierte so sowohl den Klassencharakter als auch die SelbstreferentialitĂ€t, die deutsche TV-Sender uns heute vorzusetzen wagen. Auch Silke Burmester ist nicht amĂŒsiert.
Pascal Beucker, so wenig Wagenknecht-Fan wie ich, hat die journalistisch zwingende Idee, wie die Glotze den Wahlkampf noch notdĂŒrftig interessant machen könnte. Und genau das wird mit absoluter Sicherheit so nicht gemacht.

Therapie fĂŒr die Grossmacht

Nachdem das Duett der Kanzlerin und des Kandidaten beiden Parteien den Umfragen zufolge geschadet, und wie es Lutz Hachmeister richtig bewertet hatte, der AfD und der Linkspartei, sowie der FDP genĂŒtzt hat, traten gestern die Herren Özdemir und SchĂ€uble im baden-wĂŒrttembergischen Regionalprogramm von Anne Will an.
Ich will so ehrlich sein: ich habe die Sendung nicht erlitten, und stattdessen lieber miterlebt wie der “Fussballgott” Tom Theunissen den Kandidaten Arnd Zeigler anlĂ€sslich seines 10-jĂ€hrigen SendungsjubilĂ€ums zu seinem “Stellvertreter auf Erden” ernannte. Das war auf jeden Fall amĂŒsanter und liess einen besser statt schlechter gelaunt zubettgehen.
Heute nun bekam ich Zeugenaussagen ĂŒber das politische Ereignis, die vermuten lassen, dass die FAZ-WĂŒrdigung des von mir hochgeschĂ€tzten Hans HĂŒtt allzu freundlich ausgefallen ist. Die Bewertung “Paartherapie” legt eine gleichberechtigte Ebene nahe; GrĂŒner und CDUler stritten darum, wer besser fĂŒr die Wirtschaft ist. Man darf vermuten, dass SchĂ€uble sich davon hat traumatisieren lassen, dass die Kretschmann-GrĂŒnen da in seiner Heimat der CDU den Rang abgelaufen haben. Özdemir zelebrierte aber erneut den Irrtum der Berliner Blase, dass der Unterschied zwischen Schwarz-GrĂŒn und “Jamaika” (also mit FDP) relevante Teile der GrĂŒnen mobilisieren könne.
Im Gegensatz zu HĂŒtt sahen andere Betrachter eher ein TherapiegesprĂ€ch zwischen Vater und Sohn. Selbst die WĂŒrdigung von Pascal Beucker in der taz sei noch schmeichelhaft – es sei “noch schlimmer” gewesen.

Auch die Deuterbranche hat Probleme: Stefan Reinecke bespricht zwei BĂŒcher, von Heinrich A. Winkler und Bernd Ulrich, ĂŒber die Rollensuche der Grossmacht Deutschland. Bei Ulrich soll der Fussball da auch eine therapeutische Rolle bekommen haben.

Zum Thema politische Familientherapie passte heute auch das DLF-Kalenderblatt von Extradienst-Gastautor Michael Kleff ĂŒber Jessica Mitford.

Was ist die Botschaft ….

… an die tĂŒrkischen vielen Millionen Demokrat*inn*en? Hier bei uns und dort?
Ich hatte mir fest vorgenommen, zum “Duett” nichts zu schreiben. Es ist alles geschrieben, nur nicht von mir ;-) Wer nur GĂŒnter Bannas gelesen hat, vorher und hinterher, ist voll informiert und hat nichts verpasst. Über 60 Mio. haben nicht zugeguckt.
Es gab aber eine politische Botschaft, und die ist verheerend in Form und Inhalt. Der Kanzlerkandidat glaubte sich in einem taktischen Vorteil, indem er sich als tĂŒrkeikritischer zu geben versuchte als die Kanzlerin. In seiner Botschaft, und auch in der seiner Konkurrentin, war allerdings absolut Null Signal an die tĂŒrkischen Demokrat*inn*en enthalten, weder an die Mehrheit der Bevölkerung in der TĂŒrkei, und ebensowenig an die Menschen tĂŒrkischer Herkunft, die hierzulande in Millionenzahl wahlberechtigt sind.
Die Journalistin Özlem Topcu hatte darauf bereits unmittelbar nach dem Duett in einer Auswertungsdiskussion des Deutschlandfunks hingewiesen (leider nicht online dokumentiert). Mein alter Jungdemokraten-Freund Pascal Beucker hat es in der taz absolut zutreffend kommentiert.
Die deutschen TĂŒrk*inn*en mĂŒssen sich nach dieser Veranstaltung wie mit dem Arsch nicht angeguckt fĂŒhlen. RĂ€tselhaft, wie einem erfahrenen Europapolitiker so ein Fehler passieren kann, dessen Wirkung weit ĂŒber den Wahltag hinausreicht. Gibt es in der SPD keine Coaches und Berater*innen mehr, die dafĂŒr ein Sensorium haben? Ihre tĂŒrkischen Partei-BrĂŒder und -Schwestern von der CHP befinden sich in einer hochdramatischen Transformation mit stĂ€ndig lauernder Gefahr der Illegalisierung. Sie mĂŒssen das Antikurdische ihres kemalistischen Nationalismus reduzieren, sie mĂŒssen viel bĂŒndnisoffener werden, um MehrheitsfĂ€higkeit zu erreichen. Nichts wĂ€re jetzt wichtiger als kritische SolidaritĂ€t ihrer immer noch mĂ€chtigsten Schwesterpartei in Europa. Klar, kann sie unter Erdogan-Bedingungen nicht demonstrativ inszeniert werden. Es fehlt allerdings der Glaube und jedes Indiz, dass es wenigstens heimlich geschieht.

Trump verstehen – Schulz verstehen

Vorsicht: das Befolgen der folgenden Lesetipps gefÀhrdet Ihr Wohlbefinden.

Nein, die beiden Herren sind sich nicht Ă€hnlich. Diese frĂŒhe These der CDU-Gegenpropaganda hat sich schnell als Rohrkrepierer erwiesen. Tragisch ist jedoch, wie einstige Erkenntnisse marxistischer Geschichtswissenschaft auf dem MĂŒllhaufen öffentlicher Erinnerung gelandet sind, und heute wieder alle Darstellungen und Projektionen von politischen Prozessen auf Personen reduziert werden. Wenn es “LĂŒgenpresse” wirklich gibt, dann weil sie fast geschlossen diesem Narrativ folgt und uns damit dumm hĂ€lt.

Das vorausgeschickt kommen wir noch mal zu Martin Schulz. Immer noch reibt sich die Konkurrenz die Augen,Weiterlesen…

Streit um GrĂŒnen 8-Punkte-Plan zum Arbeitsmarkt

von Markus Kurth MdB

Die taz kommentierte unseren 8-Punkte-Plan ĂŒberaus kritisch. Hierauf habe ich nun reagiert.
Hier geht es zum 8-Punkte-Plan und hier zum Kommentar von Pascal Beucker in der taz.

Sehr geehrter Herr Beucker,

mit großem Interesse habe ich Ihren Kommentar zum 8-Punkte-Plan der GrĂŒnen fĂŒr einen gerechten Arbeitsmarkt gelesen. Sie werfen uns hierbei vor, dass wir mit unseren VorschlĂ€gen nicht substanziell ĂŒber die VorschlĂ€ge des SPD-Kanzlerkandidaten hinaus gingen und nur ein Bruch mit der Agenda 2010 ein Befreiungsschlag fĂŒr uns hĂ€tte sein können.

Sie blenden erstens aus, dass BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen sich schon lange kritisch mit der Agenda 2010 auseinandersetzen – und zwar auf allen Feldern: In der Arbeitsmarktpolitik, der Gesundheitspolitik und zuletzt auch in der Rentenpolitik. Dies hat uns harte Angriffe von rechts eingebracht. Beispielsweise sind Forderungen wie die Erhöhung des Hartz-4-Regelsatzes, die Perspektive einer sanktionsfreien Grundsicherung und ein öffentlich geförderter sozialer Arbeitsmarkt immer wieder Anlass fĂŒr unsere politischen Gegner, um Ressentiments gegen Langzeitarbeitslose zu schĂŒren.Weiterlesen…

NSU – Endlose Blamage von Staat, BĂŒrokratie und “Sicherheits”-apparat

Verdienstvollerweise startet die taz eine (weitere) Serie zur NSU-Berichterstattung. Denn in nÀchster Zeit drohen ein paar Schlussstriche: mit dem Urteil gegen Frau ZschÀpe und mit dem Ende der Legislaturperiode des Bundestages und seines Untersuchungsausschusses. Dabei hÀuften beide bisher viel mehr Fragen als Antworten an, weil dieser Staat, der qua Grundgesetz eine Demokratie zu sein hat, die AufklÀrung be- und verhindert um vermeintliche Geheimnisse zu bewahren. Hajo Funke beklagt das zu Recht in seinem aktuellen taz-Beitrag.

Pascal Beucker berichtete am Wochenende ĂŒber aktuelle Forschungsergebnisse zur AusspĂ€hung der GrĂŒnen durch die Stasi. Zu Recht weist er am Schluss seines Textes darauf hin, dass die AusspĂ€hung durch die westdeutschen Geheimdienste noch auf ihre Erforschung und Veröffentlichung wartet …..

Und Friedrich KĂŒppersbusch kommentiert auf fĂŒr ihn ungewöhnlich ausfĂŒhrliche Weise die Rezeption der Friedenspreis-Dankesrede von Carolin Emcke, auf die hier schon Dieter Bott eingegangen ist. Es komplettiert eine irritierende Bestandsaufnahme ĂŒber unsere kollektive Geistesverfassung.

Stimmung gar nicht gekippt? (II)

Vom Sinus-Institut haben Westdeutsche schon in den 70er Jahren erfahren, dass es viele Millionen “beleidigte Deutsche” mit einem “geschlossenen rechtsradikalen Weltbild” gab. Was wir gegenwĂ€rtig erleben, ist also keine neue Entwicklung, sondern ein PhĂ€nomen mit tiefsitzenden Wurzeln sozialer Erinnerung und Vererbung, das heute nur mehr zutage tritt als damals.
Damals hatten Rechtsradikale noch Schiss identifiziert zu werden, hielten die Klappe und wĂ€hlten CDU, weil nichts anderes im Angebot war. Auch damals, in der Apo-Zeit der 68er, erzielte die NPD bei einzelnen Landtagswahlen schon Ergebnisse nah an 10%. Das Neue jetzt ist, dass die weltzugewandten Menschen zu belastet sind, durch FlĂŒchtlingsbetreuung z.B., und sich von der veröffentlichten Meinung in die Defensive gedrĂ€ngt und nicht gewĂŒrdigt fĂŒhlen, wĂ€hrend die Rechtsradikalen sich ermutigt fĂŒhlen und öffentlich die Sau rauslassen.
Wie die AfD so groß geworden ist, wie sie derzeit ist, analysiert hier einleuchtend Pascal Beucker.
Junge EuropĂ€er*innen, die sich bekanntlich immer weniger um traditionelle Medien scheren, haben aber eine vergleichsweise vernĂŒnftige und realistische Weltsicht. Das zeigen die Daten, die das gleiche Sinus-Institut jetzt als Zwischenbericht einer noch laufenden europaweiten Untersuchung veröffentlicht hat.
Ich vermute, die Bundeskanzlerin kriegt sowas mit, ihre aktuelle Politikperformance deutet darauf hin. Aber wie viele in der Nervösen Zone Berlin lesen und verstehen das?

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