Thema: Piraten

Demokratie: Verzweiflung bis nach Island

Von , am Sonntag, 7. Juli 2019, in Lesebefehle, Politik.

Die Sorgen um die bürgerliche Demokratie, in der meine Altersgruppe aufgeachsen ist und sozialisiert wurde, werden grösser. Monika Ermert hat für heise.de eine isländische Pionierin der dortigen Pirat*inn*en aufgesucht, die nach einem Jahr Parlament die Nase voll hatte. Ermert beschränkt sich nicht auf eine Betroffenheitsreportage, Weiterlesen

Bildungslücke Bayern / Pirat beim Scheitern

Von , am Dienstag, 23. April 2019, in Lesebefehle, Medien, Politik.

Albrecht Goeschel und Markus Steinmetz/telepolis setzen ihre Umschreibung der westdeutschen BRD-Geschichte von Bayern aus fort. Wie schon bei den vorherigen Teilen stimme ich nicht in allem überein, freue mich aber über die Schliessung meiner Bildungslücken über das Bundesland im äussersten Südosten unserer Republik. Nicht zu unterschätzen scheint mir vor allem das Fachwissen der Autoren über das Gesundheitswesen.
Mit vergleichbarer Hoffnung und Interesse startete ich meine Lektüre von Johannes Clessiennes “Lauert im Web eine Gefahr für die Demokratie?” Weiterlesen

Wie die SPD Grüne in NRW zum Verfassungsbruch brachte

Von , am Freitag, 24. November 2017, in Beuel & Umland, Politik.

Die Fraktionsvorsitzenden von SPD und Grünen im Landtag haben 2015 in Düsseldorf ihren Gesetzentwurf zur Wiedereinführung der 2,5%-Klausel bei Kommunalwahlen vorgestellt und damals versucht, den Entzug der Rechte von Minderheiten als Fortschritt für die Demokratie zu verkaufen. Für mich war das eine der schwärzesten Stunden der Grünen Partei. Während sich Rot und Grün nach dem Verlust der Mehrheit im Kölner Rat aufgrund der Stimmzettelaffaire, die den OB-Bewerber Jochen Ott sein Mandat kostete, auf die Piraten als Mehrheitsbeschaffer stützen, hatten sie keine Skrupel, dafür zu sorgen, dass diese in Zukunft beim gleichen Wahlergebnis nicht mehr dort sitzen würden. Wie Grüne bei so etwas beteiligt sein konnten, erschien dem Autor damals als ein Stück aus dem Tollhaus. In einem Kommunalrundbrief der Grünen hiess es damals: Weiterlesen

Andere Kulturen: bei der Bahn, im Fussball, Männer

Von , am Donnerstag, 28. September 2017, in Fußball, Lesebefehle, Politik.

Die Bahnkatastrophe im Rheintal, auf die in diesem Blog schon hingewiesen wurde, wird immer noch nur von Nischenmedien ausgeleuchtet. Winfried Wolf, alter Trotzkist, dennoch exzellenter linker Bahnexperte, auch mal MdB der Linken gewesen, beschreibt in Kontext minutiös die Vertuschung des Unfallhergangs bei Rastatt. Christoph Jehle beschreibt auf Telepolis die aktuell missliche Lage im europäischen Bahnnetz: alle haben ihre Arbeit gemacht, mit milliardenschweren Vorleistungen vor allem in der Schweiz, nur die Deutschen sind für alles was Eisenbahn betrifft zu doof.
Das hat mentale Ähnlichkeiten mit der Bearbeitung der Gewaltverbrechen der NSU oder des Terroristen Amri: es wird eine spezifische Kultur der Verantwortungslosigkeit in deutschen Bürokratie- und Konzernstrukturen erkennbar.
In China geht alles viel schneller: nicht nur die E-Autoquote, die Zugstrecken werden schneller gebaut, die Züge fahren schneller, und die korrupten Verantwortlichen landen schneller im Knast. Ist uns das, hier von Kai Strittmatter in der SZ beschrieben, lieber, so ganz ohne bremsende Demokratie? Weiterlesen

NRW & Bertelsmann

Von , am Donnerstag, 23. Februar 2017, in Medien, Politik.

Als Helmut Kohls CDU in den 80ern in Westdeutschland das Privatfernsehen durchsetzte und förderte, um dem im öffentlich-rechtlichen TV identifizierten “Rotfunk” etwas entgegen zu setzen, suchten auch die großindustrieerfahrenen Sozialdemokraten nach Ankern in der neu entstehenden Branche. So entstanden neue Klischees: Kohlfreund Leo Kirch mit seiner Pro7Sat1-Gruppe war der Böse, und RTL/Bertelsmann (die Konzernmutter mit Sitz in Gütersloh!) waren die Guten. Insbesondere Wolfgang Clement, zunächst als Staatskanzlei-Chef von Johannes Raus, dann als sein Brutus und Nachfolger, liess sich nicht lumpen, wenn es um Einsatz für diese Lobby ging.

Konzernstrategien und ihre Ausdifferenzierungen haben die NRW-Sozialdemokraten dabei nie näher interessiert – Bertelsmann-Hauptaktionärin Liz Mohn ist, ebenso wie Friede Springer, eine “beste Freundin” der Bundeskanzlerin. Der Aufwand an Zeit und Intelligenz für die SPD wäre zu hoch gewesen. Weiterlesen