Beueler-Extradienst

Meldungen & Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: Robert Enke

Ignorierte Pandemie: Depressionen

Zum Glück nicht mehr vollständig ignoriert. In Deutschland war ein Schlüsselereignis der Tod von Robert Enke. Als sei ein Knoten geplatzt, wagten nicht wenige Erkrankte plötzlich öffentlich darüber zu sprechen. In meiner Kindheit rangierte die “Klapse” noch unter Gefängnis und Zuchthaus. Und noch in der Neuzeit der BRD nannte der hochgeschätzte Herbert Knebel eins seiner unübertroffenen Kabarettprogramme: “Ich glaub, mich holnse ab“. Carina Schroeder/DLF-Kultur hat sich des Themas ernsthafter angenommen. Weiterlesen

Sinnfragen – Enke wirkt

2009, nach dem Selbstmord von Robert Enke hatte ich schon auf dem Bonner Marktplatz bemerkt, an der Espresso-Bude der Freundinnen, die heute das Restaurant Mademoiselle in Endenich betreiben, dass wildfremde Menschen den Mut fassten, öffentlich über ihre Depressionserkrankung zu sprechen. Das war damals schon ein wichtiger emanzipatorischer Schritt. Jetzt mehren sich öffentliche Auftritte, in denen professionelle Leistungssportler*innen öffentlich über ihre Krisensituation bis hin zum Rücktritt sprechen – ebenfalls ein grosser Fortschritt, der in Einzelfällen lebensrettend sein kann. Weiterlesen

Nachtrag zur Enke-Erinnerung

Der Kommentar von Heiner Jüttner machte mir deutlich, dass das Thema bedeutender ist. Darum noch einige ergänzende Hinweise.
Robert Enke stand nur eine Bundesligasaison im Tor von Borussia Mönchengladbach. Alle wussten, dass er ein herausragendes Talent war, eingewandert aus Jena. Ausgerechnet in der Abstiegssaison 98/99 in dieses Fegefeuer geworfen zu werden, 78 Gegentore im ersten Profijahr, das kann kein guter Einstieg gewesen sein. Enke war dann weg, zu gut für die 2. Liga. Weiterlesen

Enke

Nein, sein Tod war nicht “umsonst”, dennoch eine (von leider vielen) Katastrophe.
Respekt für seine Witwe Teresa, die seitdem emsig Öffentlichkeitsarbeit für Depressionskranke macht. Und das war der “gute Zweck”. Seit Enkes Tod begegneten mir überraschend zahlreiche, zum Teil persönlich unbekannte, Menschen, die es wagten, öffentlich über ihre eigene Erkrankung zu sprechen. Ein erster Schritt, Weiterlesen

Zwischen Fanreportern und Spielverderbern

Fußballjournalismus auf dem Prüfstand
von Tonio Postel / Otto-Brenner-Stiftung

(Auszüge, ohne Fussnoten, aus dem OBS-Arbeitspapier 33)
6.2 Was getan werden könnte – Elf Vorschläge
Aus der bisherigen Darstellung über Aufgaben, Zustand und Möglichkeiten des kritischen Sportjournalismus lassen sich einige Handlungsvorschläge ableiten, die im Folgenden präsentiert werden. Die Entwicklung des Sportjournalismus ist jedoch nicht unabhängig von der Entwicklung der Fußballbranche selbst, sodass der erste Vorschlag auch diese Veränderungen mitdenkt:

1. Einbindung der Fans
Zunächst bleibt zu hoffen, dass der Profifußball nicht noch stärker temporären, wirtschaftlichen Interessen von „Heuschrecken“-ähnlichen Investoren geopfert wird, die nur auf eine maximale Rendite schielen. Denn das Opfer einer weiteren finanziellen Ausschlachtung der Vereine würde die Seele der Klubs aufs Spiel setzen: Die Gunst der „echten“, vielleicht weniger wohlhabenden Fans, Weiterlesen

Trauer und Melancholie werden zu Krankheiten

Das Kapital ist so überbevölkert, es weiss nicht mehr wohin, und versucht verzweifelt neue Planeten zu besiedeln. Einer ist der Gesundheits-“Markt”. Sie wissen ja: wenn Sie denken, Sie seien gesund, sind Sie nur noch nicht genug untersucht worden.
Andererseits haben wir uns oft genug geschämt, das eine oder andere Leid zuzugeben, eine unter Männern mehr als unter Frauen verbreitete Macke. Psychoerkrankungen sind insofern bis heute ein umstrittenes Thema geblieben, im privaten wie im öffentlichen Raum. Niemand will in einer Klappse/Irrenanstalt landen, das gilt als noch schlimmer als ein Altersheim. So bleibt solches Leid ins uns drin. Niemand spricht öffentlich darüber. Das vegetative Nervensystem schafft es oft, Psycholeid in körperliche Gebrechen zu übersetzen (z.B. “ich hab Rücken”); dann sind sie gesellschaftlich akzeptiert.

Ein Knoten war geplatzt, als Fußballnationaltorwart Robert Enke Selbstmord begangen hatte. Erstmals Weiterlesen

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