Beueler Extradienst

Meldungen & Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: Schanzenviertel

Dampf muss abgelassen werden

Die Borniertheit gegenĂŒber Volksbelustigungen, ob am Ballermann oder in der Berliner Hasenheide, nimmt in alarmierendem Ausmaß zu. Man kann aber eine Bevölkerung nicht dauerhaft zur „Vernunft“ zwingen
Es gibt viele FreizeitaktivitĂ€ten, auf die ich ohne jedes Bedauern fĂŒr den Rest meines Lebens verzichten kann. Der Besuch der Stehkurve eines Fußballstadions gehört dazu oder der eines Heavy-Metal-Festivals, etwa in Wacken. Es zieht mich auch nicht an den Ballermann, und ich komme gut ohne Karneval klar. Massenveranstaltungen sind einfach nicht mein Ding. Waren sie ĂŒbrigens nie, auch nicht, als ich 20 war.Weiterlesen…

Schanzenviertel-Gewerbe: Friedliche Nachbarschaft mit politischem Protest

+ STELLUNGNAHME ZU DEN EREIGNISSEN VOM WOCHENENDE +

Bildliche ErgÀnzung zu diesem Text diese Arte-/ZDF-/SpiegelTV-Reportage vom letzten Dienstag, 11.7.2016.

Wir, einige GeschÀfts- und Gewerbetreibende des Hamburger Schanzenviertels, sehen uns genötigt, in Anbetracht der Berichterstattung und des öffentlichen Diskurses, unsere Sicht der Ereignisse zu den Ausschreitungen im Zuge des G20-Gipfels zu schildern.
In der Nacht vom 7. auf den 8. Juli 2017 tobte eine Menge fĂŒr Stunden auf der Straße, plĂŒnderte einige LĂ€den, bei vielen anderen gingen die Scheiben zu Bruch, es wurden brennende Barrikaden errichtet und mit der Polizei gerungen.
Uns fĂ€llt es in Anbetracht der Wahllosigkeit der Zerstörung schwer, darin die Artikulation einer politischen Überzeugung zu erkennen, noch viel weniger die Idee einer neuen, besseren Welt.
Wir beobachteten das Geschehen leicht verĂ€ngstigt und skeptisch vor Ort und aus unseren Fenstern in den Straßen unseres Viertels.
Aber die KomplexitĂ€t der Dynamik, die sich in dieser Nacht hier Bahn gebrochen hat, sehen wir weder in den Medien noch bei der Polizei oder im öffentlichen Diskurs angemessen reflektiert.Weiterlesen…

Britannien – SPD – Russland

Heute ist ein lesenswerterer Online-Lesetag bei den Kolleg*inne*n der FAZ. BinĂ€res Denken und SĂ€gearbeiten werden informativ und launig beschrieben. Erkennbar ist: Empathie, Prozessdenken, Verhandlungskompetenz und KompromissfĂ€higkeit, wesentliche FĂ€higkeiten fĂŒr demokratische Politik, sind ĂŒberall auf dem RĂŒckzug.

In Britannien sind die Konservativen MĂ€nner weiterhin bemĂŒht ihrer Wahlsiegerin Theresa May den politischen Garaus zu bereiten. Britischer Humor und kunstvolle englische Spruchweisheiten kommen in Jochen Buchsteiners Bericht nicht zu kurz, ebenso wie die Schadenfreude; denn es trifft ja keine Falschen.

Tragischer stellt sich der Ă€hnliche Vorgang bei der deutschen SPD dar. Wenn wir Majid Sattars Logik folgen, bleibt am Ende nur Andrea Nahles ĂŒbrig, aber erst, wenn alles abgebrannt ist – eine Metapher, bitte jetzt nicht ans Schanzenviertel denken!
Unsere Sozis sollten Britannien genauer studieren. Von Corbyn lernen, heißt 40%-erreichenlernen. Die Schweizer Medienwoche analysierte etwas genauer die britischen Wechselwirkungen zwischen Politik, Revolverpresse und asozialen und sozialen Netzwerken.

Die demokratische russische Opposition ist ebenfalls so in binĂ€rem Denken verfangen, dass sie sich lieber selbst bekĂ€mpft, als sich in soziale gesellschaftliche Prozesse einzuklinken. Die mit ihr sympathisierende und landeskundige Kerstin Holm beschreibt das Geschehen auf so informative Weise, dass sie dem unserer Sprache kundigen Wladimir Putin vermutlich ein sĂŒffiges Schmunzeln entlocken kann.

Provozierter Gipfel der Gewalt?

Mit Entsetzen haben viele friedliche Kritiker des G-20-Gipfels die Ausschreitungen und Krawalle rund um die Veranstaltungen und Demonstrationen zur Kenntnis nehmen mĂŒssen, die den hunderttausendfachen friedlichen Protest in den Hintergrund drĂ€ngten. Gewalt und SachbeschĂ€digung sind keine Mittel der Politik. Das einzige, was die StraftĂ€ter erreicht haben ist, dass nun statt ĂŒber berechtigte politische Kritik am Gipfel ĂŒber die Gewalt gestritten wird. Viel zu wenig wird dabei die Frage gestellt, ob nicht eine von vornherein völlig verfehlte Innenpolitik und Einsatzplanung der PolizeifĂŒhrung ganz wesentlich zur Dynamik der Ereignisse beigetragen hat. Ohne die verĂŒbten Straftaten damit entschuldigen oder verniedlichen zu wollen, fĂ€llt doch ins Auge:

1. Die politische Strategie und Polizeitaktik des Innensenators war von vornherein auf massives repressives Vorgehen mit unmittelbarem Zwang ausgerichtet.Weiterlesen…

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