Beueler-Extradienst

Meldungen & Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: Selbstoptimierung (Seite 1 von 3)

Anstrengung ist der Fehler

Schlafstörungen sind die Falle für Selbstoptimierer*innen

Gestern nachmittag kritisierte ein New Yorker Leser nach seinem frühmorgendlichen E-Mail-Check, ob ich denn “auch mal gute Nachrichten” hätte. Bitte schön: hier ist sie. Ich hole, weil es so schön ist, dafür etwas aus. Lesen Sie vielleicht vorweg meinen Hinweis aus dem April auf die chinesische Widerstandshandlung “Tang Ping – 躺平”, zu deutsch: sich flach hinlegen. Zweifellos keine notwendige Bedingung fürs Schlafen – viele tun es im Sitzen, wenige sogar im Stehen – aber eine für gute Schlafqualität. Weiterlesen

Der Aufstieg zum Wunderkorn

Quinoa ist vom unbekannten Getreide zum weltweit gefeierten Superfood geworden. Bäuer*innen in den Anden profitieren davon – noch.

Superfood ist seit ein paar Jahren ein Zauberwort des hiesigen Lebensmittelhandels. Nahezu jedes Jahr wird ein neues Produkt beworben, das wahnsinnig gesund und besonders bekömmlich ist, schlank macht und überhaupt unverzichtbar ist für die Selbstoptimierung. In kritischeren Medien weisen zwar gelegentlich Ernährungswissenschaftler*innen darauf hin, dass es einheimische Produkte gibt, die ähnliche Eigenschaften haben (etwa dass schwarze Johannisbeeren ähnlich viel Vitamin C enthalten wie das Vitaminwunder Acerola aus Amazonien), aber wen interessiert das schon, wenn gerade ein neues Superfood angesagt ist? Weiterlesen

Innere Sicherheit

Eine langweilige Epidemie – ausser für die Mädchen

Irgendwo unter “Vermischtes” haben taz und FAZ eine aktuelle dpa-Meldung zum Ausbreitungswachstum von Essstörungen abgekippt. Ich schreibe das, während ich im DLF höre, dass von Migräne 8% der Betroffenen Männer seien. Bei Essstörungen sind sie mutmasslich schon über 10% geklettert. Im Kern ist es aber eine Mädchen-Pandemie. Mädchen (und Frauen) dominieren auch in der Klimaschutzbewegung. Ein Zusammenhang ist gar nicht so weit hergeholt. Weiterlesen

Die Optimierungs-Falle

Die grassierende sich ausbreitende Sucht nach Selbstoptimierung macht vor niemandem halt, ist ein roter Faden der gesellschaftlichen Entwicklung in allen vom Neoliberalismus dominierten reichen Staaten und Ländern. Meagan Day/Jacobin berichtet über eine neu erschienene Meta-Studie zu dem Thema. Die Selbstoptimierer*innen quälen nicht nur sich selbst, sondern als Sozialwesen und Massstabsetzer*in auch alle ihre Mitmenschen. Und setzen falsche, menschenfeindliche Kriterien für die weitere gesellschaftliche Entwicklung. Eine Falle, die gesellschaftliche und individuelle Emanzipation verhindert, entsprechende Wege in solche Richtungen verbarrikadiert. Weiterlesen

Krankheit Frausein?

Es soll immer mehr Männer geben, die ähnlich leiden. Unzufriedenheit mit der eigenen Unvollkommenheit. Wer bestimmt, wie Vollkommenheit, Perfektion aussieht? Das ist schon einer der schweren Denkfehler, dass das mit Aussehen zusammenhängen soll. Sicher, das Aussehen spricht zu uns, noch bevor der Mund aufgemacht wird. Jede*r wird in Sekundenbruchteilen abgecheckt. Es hat Bedeutung. Doch die Bedeutung, die es im realexistierenden Konkurrenzkapitalismus hat, macht die Mehrheit der Menschen, nicht ausschliesslich aber weitgehend identisch mit Frauen, krank, schwer krank. Es gibt Gegenwehr. Sie schreitet voran. Eine, die das repräsentiert ist die Australierin Taryn Brumfitt. Gestern lief ihr Film Embrace – Du bist schön auf Arte. Nur eine Woche Mediathek. Kapitalistische Verwertung hat Vorrang vor Empowerment.

Schreiben als Therapie?

Oder weglaufen-vor-sich-selbst?
Noch immer habe ich keine Originalzeile von ihm gelesen. Immerhin 15 Treffer ergibt sein Name als Suchwort in diesem Blog: Klaas Relotius, der Lügen-Sündenbock des Spiegel (und einiger anderer). Für Geschäfte mit Bezahlmauern ist er immer noch gut genug. Die selbstreferentielle Branche schafft gewiss auch selbst ausreichende Nachfrage, damit die eine oder andere Portokasse noch mal klingelt. Weiterlesen

Fett geworden? Ihr Ernährungsratgeber

Haben Sie sich die Pandemie schöngetrunken? Ich habe gestern in einem der zahllosen Ratgeberbeiträge der Medien gehört, dass ich sogar optimale Darmkrebsprophylaxe betreibe: täglich ein Glas Rotwein! Lesen Sie ausserdem die Porträts von 90- oder 100-jährgen in Ihrer Lokalpresse. Von denen erfahren Sie in der Regel: täglich ein Schnäpschen! So berichtete es mir einst auch unser verstorbener Bezirksbürgermeister, der solche Jubilar*inn*e*n zu ehren hatte, was ihm grosse Freude bereitete. Bei ihm wars leider täglich mehr als ein Bier, und mehr als eine Zigarette. Heute steht alles unter der Hauptfrage: wie kann ich mich und mein Leben optimieren? Das ist exakt der Fehler. Weiterlesen

Gesundheit – paradox und ambivalent

Warnhinweis: wenn Sie schlechter Stimmung sind, lesen Sie lieber woanders weiter. Entgehen würden Ihnen dann folgende Hinweise auf zwei exzellente Texte, eine wichtige Nachricht, sowie eine lesenswerte Analyse des Trumpismus.

Der erste exzellente Text ist von meinem Journalisten-Freund Wolfgang Storz/bruchstuecke: “Vermessen – vom unheilbaren Glauben, alles sei berechenbar”. Es geht um das menschliche Bedürfnis nach messbarer Selbstoptimierung, und wie Digitalkonzerne darauf ihr Kapital schürfen. Weiterlesen

Wahrnehmungsstörung

Unser Körper und das blamable Gedächtnis unserer Stadt
Selbstbewusste Menschen, die mit sich selbst im Reinen sind, sind schwieriger über den Tisch zu ziehen, auszubeuten, und zu unterdrücken. Da trifft es sich für den Kapitalismus gut, dass so viele sich an Fältchen und Speckpölsterchen an sich selbst so dermassen stören, dass sie bereit sind, Stunden über Stunden, in der Summe viele Wochen, damit zu verbringen, diese Probleme an sich selbst zu bearbeiten. Der Kapitalismus, schlau wie er ist, macht auch das zu einem blähenden Geschäfts- und Profitzweig.
Anja Schrum/DLF-Kultur hat sich das mal näher angesehen. Weiterlesen

Revolution, Disruption & Sex

Der Wochenzeitung “Freitag” saugt aus der ausgelutschten ’89er Wendeerinnerung noch aktuelle Substanz
Hätte ich nicht gedacht, und möchte mein Kompliment hiermit weitergeben. Zur Wende ’89 ist alles gesagt, nur noch nicht von allen – dachte ich. Der deutsche als Klageweib – oops, ich glaube, das ist schon ein Diskriminierungsklischee. Zur Sache folgende Anlesetipps:
Elsa Koester und Anna Stiede, zur Wendezeit noch nicht Jugendliche (zu denen gabs hier beim MDR mehr), sondern Kleinkinder, kramen – als wahrlich junge Frauen, in ihren Erinnerungen. Weiterlesen

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