Thema: Selbstoptimierung

Angriff der Grossvereine / Terror der Selbstoptimierung / Tatort & eine Perle

Von , am Donnerstag, 2. August 2018, in Fußball, Genuss, Lesebefehle, Medien.

Der DFB hat einiges dafür getan, sturmreif zu werden, dem Gegner quasi den Ball an der Strafraumgrenze zum Freistoss zurecht gelegt. Der Gegner hat nur leider keinen Messi oder Ronaldo, sondern nur Hoenesse, Rummenigges und einen Seifert. Selbst mit solchen Flachpfeifen könnte er den DFB besiegen.
Der Terror der Selbstoptimierung erreicht Millionen Frauen und nicht wenige Männer in Gestalt von Essstörungen. Immerhin haben sie den Weg ins Zentrum öffentlicher Debatten gefunden. Sie sind eine Massenepidemie, keine individuelle Behinderung, Weiterlesen

Kampf ums Wir

Von , am Donnerstag, 26. Juli 2018, in Genuss, Lesebefehle, Politik.

OMG, Naika Foroutan wäre um ein Haar nach Kanada emigriert. Was für ein Verlust, ja fast eine Schande für uns und unser Angebot an Lebensschancen. Ihr “afghanisch aussehender” Sohn hat mit Haut und Haaren für uns gekämpft. Werden wir es ihm jemals danken? Nach diesen Ausführungen in einem langen Interview mit Andrea Dernbach/Tagesspiegel, die in jungen Jahren bei der Hamburger MoPo lernte, bin ich der Meinung, dass im Bundespräsidentenamt ein Jobsharing eingerichtet werden sollte, ein zweites gleichberechtigtes Staatsamt, eins davon immer für eine Frau, eins davon immer für eine Person mit Migrationshintergrund. Ich weiss, ist nur ein schöner Traum. Aber lesen Sie, was diese Frau zu sagen hat. In der Politik findet sich niemand mehr mit so viel Verstand. Weiterlesen

CSU-Selbstzerstörung – die Atombombe gegen Europa?

Von , am Freitag, 29. Juni 2018, in Lesebefehle, Politik.

In meiner Textreihe Politisches Prekariat habe ich in erster Linie auf meine eigenen Erfahrungen zurückgegriffen. Die basierten natürlich eher auf Erleben im linken Spektrum – bei den Grünen, und bei näherstehenden Sozialdemokrat*inn*en und Linken. Bis vor noch nicht so langer Zeit habe ich bedauernd geglaubt, die Rechten seien “schlauer” als die Linken. Das muss ich wohl revidieren, es ist – für uns alle – noch schlimmer: sie sind genauso doof. Weil sie aber über mehr politische Macht verfügen, wird der angerichtete Schaden viel grösser, als es den Linken möglich wäre. Weiterlesen

Körperpositiv – “My Mad Fat Diary”

Von , am Mittwoch, 11. April 2018, in Genuss, Medien.

Die Briten können es einfach: Fernsehen machen, wie es aus Deutschland nie zu sehen ist.
My Mad Fat Diary” ist jetzt schon ein paar Jahre alt, wurde im öffentlich-rechtlichen Internetkanal Funk ausgestrahlt, ist dort auch noch verfügbar, und jetzt im traditionellen TV-Programm ONE, dort allerdings ohne Mediathekangebot.
Inhaltlich geht es um eine fette junge Frau in ihrer Pubertät. Auch die Dünnen sollten es sich ansehen. Hier lernen Sie die andere Perspektive kennen. Diese Produktion ist ein politisches Manifest gegen alle möglichen Süchte: Fressen, Hungern, Sport, Selbsthass und Selbstoptimierung. Mit einem positiven Grundton zum Leben und seiner Veränderbarkeit, aber britentypisch ohne jede Schönfärberei, kitschfrei geradeaus. Gratulation.
Und was ONE angeblich laut Rundfunkstaatsvertrag nicht darf (Dank an die hirnkranken Staatskanzleien unserer Bundesländer, die sowas verbrechen), es in einer Mediathek anzubieten, das tut dann eben der Globalkonzern und die Datenkrake Alphabet (ehem. Google) auf Youtube, bitte hier entlang.

Lob der FAZ

Von , am Donnerstag, 22. März 2018, in Genuss, Lesebefehle, Medien, Politik.

Nein, eine Kaufempfehlung ist das nicht. Dafür ist mir der der Fazit-Stiftung gehörende Verlag zu reich und zu rechts. Heute habe ich aber ungewöhnlich viel Zeit mit Online-Lektüre verbracht, und hatte nicht das Gefühl, dass sie mir gestohlen wurde. Darum lasse ich Sie hier daran teilhaben.

Die schon mehrmals von mir vervorgehobene USA-Korrespondentin Frauke Steffens berichtet über den spektakulären Staatsbesuch des saudi-arabischen Kronprinzen Salman bei Donald Trump. Da haben sich zwei gefunden, die uns noch zu Revolutionär*inn*en machen werden. Im Tagesverlauf folgte ein weiterer Text von ihr über Sonderermittler Mueller.

Ein Kulturschaffender, dessen Werk ich verehre, belobigt einen ebensolchen: Dominik Graf schrieb schon am Sonntag über den nicht minder grossen Sepp Bierbichler, Weiterlesen

Trauer und Melancholie werden zu Krankheiten

Von , am Sonntag, 11. März 2018, in Politik.

Das Kapital ist so überbevölkert, es weiss nicht mehr wohin, und versucht verzweifelt neue Planeten zu besiedeln. Einer ist der Gesundheits-“Markt”. Sie wissen ja: wenn Sie denken, Sie seien gesund, sind Sie nur noch nicht genug untersucht worden.
Andererseits haben wir uns oft genug geschämt, das eine oder andere Leid zuzugeben, eine unter Männern mehr als unter Frauen verbreitete Macke. Psychoerkrankungen sind insofern bis heute ein umstrittenes Thema geblieben, im privaten wie im öffentlichen Raum. Niemand will in einer Klappse/Irrenanstalt landen, das gilt als noch schlimmer als ein Altersheim. So bleibt solches Leid ins uns drin. Niemand spricht öffentlich darüber. Das vegetative Nervensystem schafft es oft, Psycholeid in körperliche Gebrechen zu übersetzen (z.B. “ich hab Rücken”); dann sind sie gesellschaftlich akzeptiert.

Ein Knoten war geplatzt, als Fussballnationaltorwart Robert Enke Selbstmord begangen hatte. Erstmals Weiterlesen

Kein Land für Biolandbau / Soziologie der Parlamente / GNTM

Von , am Mittwoch, 28. Februar 2018, in Genuss, Lesebefehle, Politik.

Die Nachfrage nach Biolebensmitteln steigt. Sie müssen aber importiert werden, weil die deutsche Landwirtschaft nicht bio produziert, sondern altkonventionell für den Export nach überallhin. Das hat wenig bis fast nichts mit doofen Bauern zu tun. Aber sehr viel mit dem privaten Reichtum an Kapital, Grund und Boden, das uns schon als Wohnungssuchende und Mieter*innen das Leben schwer macht. Wenn ein DLF-Feature eine Gesetzeslücke identifiziert, über das sich Grosskapital zum Kapern von landwirtschaftlichen Agroindustrieflächen einen schlanken Fuss macht, dann dürfen wir davon ausgehen, dass diese Lücke in unserer geliebten Hauptstadt schon seit Jahren bekannt ist. Warum machen unsere Abgeordneten dann ihre Arbeit nicht? Sie lassen sich von den Agrolobbys an der Leine führen, wie der Bauernverband.

Wie kann das passieren? Weiterlesen

Wie ist Solidarität noch möglich? (Politisches Prekariat XV)

Von , am Sonntag, 11. Februar 2018, in Medien, Politik.

Vor wenigen Wochen strahlte Arte eine Sendefolge über den römischen Kaiser Nero aus. Nach dem Stand der Forschung war er nicht der irre Tyrann, als der sich uns, vermittelt über Hollywood-Produktionen, eingeprägt hat. Sondern ein – gar nicht so doofes, etwas genussverliebtes – Kind des damaligen Systems. In diesem System gehörte es zum Alltag der Herrschaftssicherung, die nächststehenden Familienmitglieder früher oder später umzubringen, damit sie dem Herrscher nicht gefährlich werden können. Die Stadtheilige Kölns, Agrippina, hatte diesen Nero als Sohn geboren und als Schwester, Gattin und Mutter drei Kaiserlegislaturperioden überlebend durchgehalten. Daher die kölsche Philosophien “et es noch immer jootjejange” und “et kütt wie et kütt”.

Diese Tradition, in den Nahestehenden den gefährlichsten Feind zu erkennen, hat sich bis heute erhalten. Ihre Richtigkeit wird durch die Kriminalstatistik gedeckt: die meisten Mörder*innen, Schläger und Vergewaltiger sind Verwandte; der gefährlichste Ort ist nicht der dunkle Park, sondern die eigene Wohnung (auch bei Unfällen). Daran gemessen geht es in der Politik doch noch recht sanft zu (wenn die geführten Kriege nicht wären). Weiterlesen

#metoo und Körperpolitik

Von , am Samstag, 10. Februar 2018, in Medien, Politik.

Die SZ hat heute ihr Interview mit der ehemaligen Schauspielerin Patricia Thielemann (“Es gibt viele Wedels da draussen”) hinter der Paywall versteckt. Bedauerlich. Online offen steht immerhin die Recherche über die skandalöse Missbrauchswelle im österreichischen Alpinsportteam in den 60er und 70er Jahren, in der der damalige “Startrainer” sowie die verstorbene Österreich-Ikone Toni Sailer führend und sturzbesoffen beteiligt waren – über viele goldmedaillenumschlungene Jahre.

Der Ablauf erscheint ähnlich, wie im Fall Wedel. Nach vielen traumabelasteten Jahrzehnten, mehr als einem halben Leben, wagt ein Opfer öffentlich zu sprechen. Und nachdem es eine gewagt hat, wagen es Weitere. Weinstein, der Publicity-Experte, wusste vorher von solcher Lawinengefahr Weiterlesen

Unsere (Volks-)Parteien – wie suizidal sind sie? (Politisches Prekariat XI)

Von , am Sonntag, 12. November 2017, in Politik.

Fangen wir mit der derzeit unwichtigsten an: “Die Linke”. Mobilisiert sie gesellschaftlichen Druck oder wenigstens Opposition gegen die Jamaika-Verhandlungen? Frau Wagenknecht zeihte die Grünen bereits des “Umfallens”. Boah ey, das war ja mal eine Neuigkeit, die sie da rausgehauen hat. Stattdessen: ihr Bundesgeschäftsführer Höhn hat hingeschmissen. Es wurde umfangreich berichtet, der beste Kenner des dortigen Innenlebens scheint mir Stefan Reinecke von der taz zu sein. Den Neuen, Harald Wolf kenne ich noch von Anfang der 90er, als er beim linken Reformistenflügel der Grünen mitmachte, ein kluger Kerl mit trotzkistischer Jugendsünden-Vergangenheit. Möge er erfolgreicher als sein Vorgänger sein.
Das Motiv, das in dieser Geschichte wiederkehrt: aus grösster politischer Nähe (und nicht aus Gegnerschaft) entsteht im Alltag oftmals die grössere Feindschaft und Verbitterung, weil sie immer mit direkter persönlicher (Arbeits-)Markt- und Machtkonkurrenz verbunden ist. Mögen sich alle glücklich schätzen, bei denen es noch nicht so ist.
Beschleunigt und begünstigt werden solche sich zu Zerfallsprozessen auswachsende Verfeindungen zum einen durch die Grundströmung des praktisch weiterherrschenden Neoliberalismus: Selbstoptimierung, (virtuelle) Selbstrepräsentation, die Gesellschaft der Ich-AGs. Parteien, die diese Politik zu bekämpfen vorgeben, stehen bei der Umsetzung dieser Prinzipien in ihrer Alltagskultur – leider – hinter den Rechten, die es ja so und nicht anders wollen, in keiner Weise zurück. Sich für “linksradikal” Haltende perfektionieren sie sogar. Dieser strategische Kontrollverlust von Organisationen und Individuen Weiterlesen

Spazieren wird subversiv

Von , am Freitag, 28. Juli 2017, in Beuel & Umland, Genuss, Politik.

Ich habs ja geahnt. Und oft kommt es mir auch so vor. Wer nicht von A nach B will, und auch kein Selbstoptimierer ist, wird zu einer systemkritischen mglw. bald mal revolutionären Kraft.
Sonntagsmorgens um 8 fahre ich oft mit dem Fahrrad nach Porz. Vor den Schulferien war mir das merklich erhöhte Jogger*innen-Aufkommen aufgefallen. Alle mussten sie sich schnell noch eine Strandfigur antrainieren. Letzten Sonntag waren sie alle Richtung Strand verschwunden, vermutlich über unseren Köpfen fliegend, wie es diese Woche unüberhörbar war, dank unseres fehlenden Nachtflugverbotes. Urlaub mag das ja sein, Erholung ist es sicher nicht.
Noch irrer als die Jogger*innen erscheinen mir die wochenendlichen Kampfradler am Rheinufer. Trainingsfahrten zu dieser Zeit an diesem Ort? Da muss mann das Gefühl für andersartige Mitmenschen völlig verloren haben.

Es stimmt, dass wir durch langsames, nichtsportliches Gehen unsere Umgebung anders, intensiver, besser sehen. Und auch auf ganz andere Gedanken kommen. Dieses Feature des DLF-Kultur, von letztem Mittwoch (in einer Wiederholung vom 23.11.2016) beschreibt das, und entdeckt auch die subversive Kraft, die ihm innewohnt. Von der Quälung von Schildkröten sollten Sie aber dabei absehen.

Zeitpolitik und Selbstoptimierungsirrsinn

Von , am Sonntag, 26. März 2017, in Lesebefehle, Politik.

Zeitpolitik ist dieses Wochenende mal kurz angesagt, weil uns eine Stunde gestohlen wurde. Schlimm genug, auch wenn ich persönlich immer dafür bin, wenn es abends länger hell ist, aber im Kern geht es um viel mehr, um unsere Souveränität als Subjekt, als Ich. Wer bestimmt, wie ich meine Zeit verbringe? Wie weit habe ich darüber überhaupt Entscheidungsfreiheit? Will ich selbst entscheiden? Oder bin ich zufrieden mit dem Objektsein? Will ich als Mensch die Technik beherrschen? Manche von uns streben das auch über die Ökologie und die Natur an. Will ich über Ökonomie und Politik mitbestimmen? Oder genügt mir das Beherrschtwerden? Zeitpolitik handelt auch von der Individualisierung dieser Fragen.

Auf die Spitze wird das dann mit dem Selbstoptimierungsirrsinn getrieben. Wie weit er schon unsere Kinder erfasst, beschreibt mit Ursula Kals eine weitere Autorin der FAS mitfühlend und richtig, um dann den alten Fehler ihres Mediums zu wiederholen. Es ist nicht das System, es ist nicht die Gesellschaft, es sind nicht Ökonomie und Politik verantwortlich. Es sind die Mütter!
Kinder nehmt mich vonne Zeche …..!

Hunger, Sportsucht&Selbstoptimierung vs. Lebensgenuss

Von , am Dienstag, 7. Februar 2017, in Genuss, Medien, Politik.

Es ist verdienstvoll, dass sich die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) zum wiederholten Male dem massenhaften Hungern überwiegend junger Frauen zugewandt hat. Ebenso lobenswert ist es, dabei Positivbeispiele und -vorbilder zu präsentieren. Leider prügeln leitende Angestellte in den Redaktionen ihre Untergebenen dabei immer wieder “Serviceorientierung”, “immer an die Leser denken” und Ratgeberfunktion ein, was in diesem Fall, wie bei der FAS auch nicht anders zu erwarten, zu einem zu kurzen Sprung führt.

Schon das Verkürzen des Problems auf bestimmte böse Medien, in diesem Fall “Instagram”, ansonsten sind z.Z die bösen “Castingshows” beliebtes Objekt von hilflosem Geschimpfe, ist vordergründig und lächerlich. Schliesslich sind wir von Körperbildern in Realität und Fantasie permanent umstellt. Das Gleiche gilt für konkurrenzhafte, wettbewerbsorientierte Vergleiche und Blicke. Von klein an wird uns eingetrichtert, dass wir – in irgendwas – besser sind oder sein müssen als die andern. Das sind keine Einzelereignisse, sondern das hat System. Weiterlesen

Body-Positivity: “Fat is a feminist issue”

Von , am Donnerstag, 1. Dezember 2016, in Genuss, Politik.

Neue Welle? Neue Bewegung? Auf jeden Fall gut. Niemand ist hässlich. Das Leben kann schön sein, und zwar vor allem durch das Sündigen. Wenn wir uns gegenseitig stärken, das Positive an uns selbst und unseren FreundInnen sehen, darüber sprechen, darüber schreiben, und soziale und asoziale Netzwerke damit bespielen.
Und nein, Heidi Klum und das Privatfernsehen sind nicht alles schuld. Es ist ein System, in dem Ausbeutung und Selbstoptimierung ineinander greifen. Das funktioniert auch ganz ohne Fernsehen. Aber Widerstand ist möglich, individuell und kollektiv. Und der Jungle World ist zu danken, dass sie in ihrer neuen Ausgabe darauf aufmerksam macht.

Lehren aus Trump (VI) : weniger Geschwätz zu Großmacht, “Postfaktischem” und “Selbstoptimierung”

Von , am Sonntag, 20. November 2016, in Genuss, Medien, Politik.

Wie können wir uns wehren? Über Analysen hinaus müssen wir uns dieser strategisch entscheidenden Frage stärker zuwenden. Die Aufmerksamkeit muss hier gleichermassen dem ideologischen Überbau, wie den materiellen Grundlagen und dem praktischen Handeln gelten. Dazu hier keine Strategie, kein Konzept, aber erste Hinweise.

In Eilfertigkeit, die an selbstbezügliche Komik grenzt, will sich das Berliner Hauptstadtestablishment eine geopolitische Führungsrolle, wenn schon nicht weltweit, so doch mindestens in Europa schwätzend und schreibend anmassen. Das reicht, hört hört, bis zu offenem Antiamerikanismus und, mal wieder, Atomwaffenehrgeiz. (Achtung, der letzte Link verschwindet nach einigen Tagen in einem paywallbewehrten Archiv.) Tatsächlich wird es anders laufen: die deutsche Führungsrolle, vor allem in ökonomischer Hinsicht, hat die EU bereits so geschädigt, Weiterlesen