Thema: Shakespeare

Männer & Schwarze

Von , am Sonntag, 31. Dezember 2017, in Lesebefehle, Medien, Politik.

Ich verspreche, hier bleiben Sie von Jahresrückblicken und Bosbach (wdr5) verschont.

Georg Seesslen, will er Shakespeare sein? Extradienst-Leser*innen wissen, wieviel Verehrung ich dem Schreiber Seesslen entgegenbringe. Er zeichnet uns in der Jungle World sein Bild von Horst Mahler, als Teil eines Deutschlandbildes. Mangels Sach- und Personenkenntnis ist mir ein eigenes Urteil kaum möglich, aber gut geschrieben und unterhaltsam wie ein Shakespeare ist es geworden.

Harald Staun (FAS) ist es gelungen, der #metoo-Debatte noch eine diskutable zeitgemässe männliche Perspektive abzugewinnen.

So wie Frauen weiter um ihre Emanzipation kämpfen müssen, müssen es auch Schwarze in Europa. Nicht nur die, die verzweifelt und lebensgefährlich versuchen, es zu erreichen, sondern auch und gerade die, die schon seit Generationen nicht nur “unter uns”, sondern Teil unseres “Wir” sind. Das reicht von Wattenscheid bis Paris und wird weitergehen.

Donna Haraways “Monströse Versprechen”

Von , am Dienstag, 5. September 2017, in Politik.

von Ingo Arend
Die Aufsätze der Feministin erscheinen als „Monströse Versprechen“ in einer Neuauflage. Sie denkt Biologie, Kultur und Technologie brilliant zusammen.

Verkabelt mit Smartphone, mit Headset vor dem Bildschirm, ein Hörimplantat im Ohr. Wenn es eines Belegs für die prophetische Kraft von Donna Haraways Essay „A Cyborg Manifesto“ von 1985 bedürfte – die Lebenswelt des 21. Jahrhunderts liefert sie täglich.
Reizvokabeln wie die von der „artefaktischen Natur“, die Forderung, das „Bild des Cyborgs nicht länger als ein feindliches zu betrachten“, oder Sätze wie: „Die Lust an Maschinenpotenzen hört auf, Sünde zu sein“, trugen der 1944 geborenen Feministin und Naturwissenschaftlerin den Vorwurf einer unkritischen Apologie der Technik ein.

Die Einsicht der US-amerikanischen Wissenschaftlerin, „nicht länger in einer ‚natürlichen‘ Welt leben“ zu können, war jedoch nie affirmativ gemeint. Den unwiderruflichen „Zusammenbruch der sauberen Trennung zwischen Organismus und Maschine“ sah Haraway als Aufforderung an Feministinnen, „Methoden für die Analyse und Herstellung von Technologien finden, die zu einem Leben führen, wie wir es alle wollen, ohne Herrschaft vermittels Rasse, Geschlecht und Klasse“.

Inspirierende Querdenkerin

„Monströse Versprechen“ ist eine Neuauflage von Haraways 1995 unter diesem Titel erschienenen Essays. Hier lässt sich der theoretische Werdegang einer der inspirierendsten Querdenkerinnen unserer Zeit nachvollziehen. Von dem lustvoll spielerischen Techno-Optimismus aus der Zeit ihres Cyborg-Manifesto bis zum deutlich düstereren Ton ihres jüngsten Aufsatzes: Weiterlesen