Thema: Sibylle Berg

Europawahl / München21 / Sibylle Berg

Von , am Samstag, 11. Mai 2019, in Genuss, Lesebefehle, Medien, Politik.

Es gibt eine neue “Schule” in der Finanzpolitik, die aus deutsch-dogmatischer Austeritätssicht des Teufels ist. Und wie ihr englischer Name schon sagt, kommt sie aus der Sphäre der angloamerikanischen Wirrköpfe, die es an den meisten deutschen Ökopnomielehrstühlen schwer hätten, eine befristete Assistent*inn*enstelle zu ergattern: die “Modern Monetary Theory”. Hier wird sie in einem FAZ-Gastbeitrag von Dirk Ehnts verteidigt, Hier ging vor einigen Wochen der oxiblog darauf ein. Weiterlesen

Marinić / Brugger / Witwe Siebeck / Berg

Von , am Sonntag, 28. April 2019, in Genuss, Lesebefehle, Medien, Politik.

Ich muss meiner Bewunderung kluger, schöner Frauen an dieser Stelle mal wieder freien Lauf lassen. Sie können ja wegklicken.
Jagoda Marinić
Jagoda Marinić, ich weiss nicht, wo sie die Zeit hernimmt für ihre umfangreiche Kolumnenschreiberei. Nicht alle lese ich, mit dem Verdacht, dass ich ja sowieso ähnlicher Meinung bin. Das gilt auch für das, was sie für die taz am Wochenende über die “Vierte Gewalt” schrieb. Meine Kritik an ihrem Text: Weiterlesen

Aschermittwochs-Gedichte

Von , am Donnerstag, 7. März 2019, in Beuel & Umland, Genuss, Lesebefehle, Politik.

Sind Sie schon wieder aufnahmefähig? Mglw. tut der Kopf vor allem weh, weil jetzt Selbtoptimierungs-Hochsaison ist. Guido Sprügel/Jungle World hat allzu gut beobachtet, was unseren Kindern damit angetan wird. Aber ich wikk es nicht zu ernst machen.
Das schönste Karnevals-Gedicht ist von Margarete Stokowski/Sp-on. Auch sehr gut, aber nicht lustig sondern ernsthaft: Sibylle Berg kann auch cool durchdacht. Und wie es mit unserer Weltbetrachtung weitergehen sollte, das dichtet Wiglaf Droste/Junge Welt. Am besten Sie lesen alles vor dem Einschlafen oder nach dem Aufwachen. Sparen Sie Zeit beim Selbstoptimieren ein, und fragen Sie ihre Kinder, in was sie die investieren sollen.

Charlotte Roche / Dieter-Nuhr-Kritik / Schäferkordt geht

Von , am Mittwoch, 21. November 2018, in Medien.

Vielleicht würde ich ihre Nähe nicht lange aushalten. Personen, deren Medienpräsenz in mir grosse Zuneigung wecken, verdächtige ich dessen fast immer. Wo es einen Nordpol gibt, gibt es immer auch einen Südpol. So ein Fall ist für mich Charlotte Roche, der ich noch bei keiner Preisverleihung und auch nicht in Köln auf der Strasse begegnet bin. Die Jüngeren werden sie gar nicht mehr kennen, so rar hat sie sich zuletzt gemacht. Am auffälligsten war noch, dass sie sich namentlich und mit verblüffend präziser Beschreibung in der #metoo-Affäre gegen WDR-Fernsehspielchef Gebhard Henke positioniert hat, Weiterlesen

Berg / #unteilbar / Linkspopulismus / #metoo / Rücktritte?

Von , am Sonntag, 14. Oktober 2018, in Lesebefehle, Politik.

Was uns derzeit in Verzweiflung treibt, schreibt Sibylle Berg/Sp-on.
Eine erste Antwort darauf war gestern die #unteilbar-Demo in Berlin, über die Thomas Pany/telepolis berichtet. Wenn wir errechnen, wieviel Prozent der Berliner Einwohner*innen hier demonstriert haben, wären wir beim Ruhrgebiet auf 350.000 gekommen, nur dass dort kein menschenleeres Brandenburg drumherum ist, sondern Düsseldorf, Köln, Bonn, Münster und Bielefeld, sofern es das wirklich gibt, in Pendler*innen*nähe noch einiges hätten beitragen können.
Was machen wir nun mit diesem grossen gesellschaftlichen Potenzial? Weiterlesen

Linker Zerfall und Europas Selbstzerstörung

Von , am Donnerstag, 31. Mai 2018, in Politik.

Die europäischen Länder, die heute von autoritären Regimes regiert werden, konnten alle nur in diese Situation geraten, weil ihre Linke abgewirtschaftet hatte. Mal war es der tiefe Fall sozialdemokratischer Parteien und Regierungen in neoliberale Korruption, mal die organisationspolitische Individualisierung aller Linken links von der Sozialdemokratie, ihr selbstreferentielles Abheben und Ausblenden von kollektiven gesellschaftlichen Verhältnissen – meistens eine Kombination und Mischung von alldem.
In Deutschland sind wir nun auch auf dem besten Wege dorthin. Weiterlesen

Sibylle Berg / China / Katar / Malaysia / Verschwörungen

Von , am Sonntag, 27. Mai 2018, in Lesebefehle, Politik.

Den politischen Satz des Wochenendes formulierte Sibylle Berg in ihrer Spiegel-online-Kolumne. Es ist dieser: “Viele, die in allen politischen Anschauungen jenseits von nationalistisch-rechtsaggressiv zu Hause sind, haben das Gefühl, dass es keine Mehrheit der liberalen, demokratischen Kräfte gibt, die in der Lage wären, sich untereinander zu solidarisieren.” Solidarität erlernen: was ist das? Wie geht das? Ohne das geht nichts. Was haben die linksliberalen Parteien und Organisationen da zu bieten?
Georg Blume, einst für die taz in Ostasien, dann bei der Zeit, und jetzt Bergs Kolumnenkollege, hat sich eine eigene fachkundige Meinung bewahrt, hier zu Merkels China-Besuch.
Katar wird von “uns” mit Kampfflugzeugen überhäuft. Weiterlesen

Schwarze 0 isoliert / Flüchtlinge / Sich wehren

Von , am Samstag, 28. April 2018, in Lesebefehle, Politik.

Tomasz Konicz/telepolis liefert eine schlüssige Erklärung, warum sich Trump und Macron gegen Merkel verbündeten. Die Schwarze 0, die deutsche Austeritätspolitik, isolieren Deutschland global, und gefährden, das einzig-gute daran, die deutschen Grossmachtambitionen. Die einst funktionierende deutsch-französische Achse, als Motor der EU gedacht, hat Totalschaden. Dank der unermesslichen Weisheit der deutschen Grossen Koalition. Ideologisch ist es ein Treppenwitz, ökonomisch “macht es” aber “Sinn”: Weiterlesen

Verzweifelte Männer – optimistische Frau

Von , am Montag, 23. April 2018, in Lesebefehle, Politik.

Selbst unter Grünen ist zu hören, dass Frontmänner ungehalten auf Frauenspitzen reagieren – im 21. Jahrhundert. Aus den 60er Jahren stammt das Bonmot, Frauenbewegung meine mehr Bewegung im Bett. Unermüdlich wurde versucht, das zur herrschenden Lehre zu etablieren, doch spätestens das Sterben der Bahnhofskinos in den 80ern müssste diesen Männern gezeigt haben: gescheitert. Den Letzten, die es immer noch nicht kapieren, macht #metoo heute unmissverständlich klar: es geht um Machtverhältnisse, und zwar überall.

Vielleicht liegt hier die Wurzel des Stimmungskontrast in den Texten kluger Leute vom abgelaufenen Wochenende. Weiterlesen

Humor – so verschieden

Von , am Sonntag, 15. April 2018, in Beuel & Umland, Genuss, Lesebefehle.

Wird Berlin verschwinden? Vieles spricht dafür. Wir werden es wohl aufgeben müssen. Leo Fischer hat für die Wahrheits-Seite der taz, dieses Reservat gibt es schon viel länger als die Erfindung der Lügenpresse, aktuelle Entwicklungen in die Zukunft weitergedacht.
Wie anders da eine Grossstadt wie dieses Bonn drüben am anderen Ufer: ein Mensch, der von seinem Humor gewiss überzeugt ist, hat die Citywache an der Bornheimer Strasse lahmgelegt. Die investigative Recherche des DuMont-Verbundes lässt einige wesentliche Fragen offen: Weiterlesen

Sibylle Berg – böse mit uns?

Von , am Samstag, 31. März 2018, in Lesebefehle, Medien.

Die ZDFneo-Talkshow in der sie mit ihren selbstgesprochenen Teilnehmer*innen-Porträts der beste Teil der Show war, ist schon unters Fallbeil der ZDF-Porgrammdirektion gekommen. Und jetzt das: nur noch halb so viele Gründe, auf die Spiegel-online-Seite zu gehen. Ihre Kolumne soll nur noch alle zwei Wochen erscheinen. Sie schreibt, sie wolle sich mehr um ihr Gestüte und ihre Ölplattformen kümmern. Oder ist es doch eher eine Kürzung des Spiegel-Honorar-Etats?
Gut, ich hätte auch keine Lust, mir jede Woche für das Spiegel-Publikum was Originelles ausdenken zu müssen. Andererseits: das schöne Geld nähme ich gerne. Davon hat Frau Berg sicherlich mehr genug, als ich. Schliesslich lebt sie in der Schweiz. Burmester weg, Berg nur noch die Hälfte. Jetzt müssen die Spiegel-Männer noch die Stokowski vergraulen. Dann ist der Laden besenrein wie beim Seehofer.

Rechts und Links – ist das Politik, oder kann das weg?

Von , am Sonntag, 25. Februar 2018, in Lesebefehle, Politik.

Ein beliebter Aufsatztitel durch meine Lebensjahrzehnte war “Was ist heute links?”. Gerne wurde dabei die Weicheithese aufgestellt, das sei von “gestern”, das löse sich auf, die Welt sei viel komplizierter geworden.
Letzteres stimmt. Alles andere war sich interessant machendes Geschwätz. Die rechte Gefahr kann jetzt in Phönix-Liveübertragungen werktäglich betrachtet werden. Aber was ist von der Linken übrig?
Robert Misik, Österreicher, machte in der Wochenend-taz eine Bestandsaufnahme.
Sibylle Berg, in der Schweiz lebend, fasst aktuell zusammen, was heute rechts ist. Die Autorin lebt in einem kleinen Bergland, dessen Massenmedien nach einer Volksabstimmung am 4. März vielleicht bald alle einem rechtsradikalen Milliardär gehören werden. Dessen Chefredakteure und Kolumnisten geben sich bereits in Talkshows des noch-öffentlich-rechtlichen deutschen TV die Klinken in die Hand.

Lobo

Von , am Donnerstag, 1. Februar 2018, in Medien, Politik.

Welche Partei muss ich wählen, damit Sascha Lobo Bundeskanzler werden kann, weil er es werden darf und werden soll, weil er es werden muss?

Ganz ehrlich, vor dem Kerl habe ich allerhöchsten Respekt. Und das, obwohl ich ihn eigentlich nicht leiden kann.

Das hat eigentlich ganz “unpolitisch” angefangen, als er sich entschlossen hat, aus seiner peinlich “gutgehenden” Frisur, seinem Anzug und seiner grundsätzlich sehr hellen Birne ein Geschäftsmodell zu entwickeln und mit seinem Blog und Live-Programm “Lobo erklärt dummen Menschen das Neuland” auf jahrelange Tournee für Fernseh-, Firmen- und SPD-Events (die er zwei Jahre lang – wie wir heute wissen, offensichtlich vergeblich – beraten hat) zu gehen. Egal, ob dort zuerst er “das Netz” gepriesen hat – oder es später dann als “kaputt” deklarierte… Auf dieser inhaltlichen Reise war ich bei oft ganz nah bei ihm.

Ich bin überzeugt, Lobo war jeden Cent seiner Honorare wert. Weil er (meistens) wohl einfach gut war. Ich lese ihn gerne, habe ihn persönlich allerdings nie jenseits des TV erlebt. Oft ging er mir dort auf den Sack. Einfach weil er oft Recht hatte und die Leute das dann auch spüren ließ. Und wenn er mal nicht “Recht” hatte, konnte man sich immer köstlich über ihn aufregen. Von den anderen Dummschwätzern hat mensch ja oft schon die Namen vergessen, bevor die Sendung zuende war. (Deshalb: Frisur!)

Aber der Mann hat weit mehr drauf, als “nur” Netz. Weiterlesen

Guten Rutsch – in Köln und anderswo!

Von , am Sonntag, 31. Dezember 2017, in Lesebefehle, Politik.

Sebastian Weiermann gehört für mich zu den ernsthaften und seriösen Journalisten in NRW. Bei uebermedien.de stimmt er uns auf die Neujahrsfeierlichkeiten in Köln ein.

Und wenn Sie noch etwas zur Aufbesserung Ihrer politischen Stimmung brauchen: Sibylle Berg kann so vernünftig und konstruktiv sein.

Dieser Dezember hat, trotz Stilllegung an den Weihnachtstagen, einen neuen Monatsrekord in der Besuchszahl dieses Blogs gebracht (Tagesrekord war der Montag nach dem Scheitern der Jamaika”-Verhandlungen). Danke für Ihr Interesse. Und bleiben Sie gesund.

Berg / Foster #metoo / Rügemer

Von , am Mittwoch, 27. Dezember 2017, in Lesebefehle, Politik.

Nicht viele Texte sind mir aus der weihnachtlichen Reiselektüre in Erinnerung geblieben. Jetzt beschallen uns die, die in der nachrichtenarmen Zeit ihre Chance sehen, sich den Personalmangel der Medien, keine Zeit zum Recherchieren, keine*r erreichbar etc., zunutze zu machen, Gabriel, Thierse, “Verfassungsschutz”, Verbrechensstatistik etc. Es gab aber Dinge, die Sie nicht verpassen sollten.
Wie immer Sibylle Berg, schlecht gelaunt und böse, da freuen Sie sich nicht aufs neue Jahr.
Jodie Foster äusserte sich im Sp-on-Interview zu #metoo, und zumindest auf die Filmbranche bezogen gibt es wohl kaum eine bessere Expertin. Zum gleichen Thema auch ein Jungle-World-Interview mit Judith Levine. Nicht alles ist schlecht, es bewegt sich auch was zum Besseren, endlich.
Werner Rügemer müsste ans seinem Russland- und China-Kritikvernögen dringend noch arbeiten. Seine Beobachtungen zum westlichen „BlackRock-Kapitalismus“ sind dennoch relevant, und werden darin wohl leider noch stark zulegen.

Tierwerden oder Menschbleiben – Volkstanzverteidigen oder Weltenbrandvermeiden?

Von , am Sonntag, 3. Dezember 2017, in Lesebefehle, Medien, Politik.

An einem Wochenende, an dem uns die Hauptstadtmedien mit dem AfD-Parteitag berieseln, kann mensch durchaus in Verzweiflung geraten wie Sibylle Berg. Sie tut was sie kann, und das ist klasse. Es hilft aber nur begrenzt, allenfalls um der/dem Leser*in zu zeigen: Du bist nicht allein.

Weiter führte dagegen schon heute morgen dieser Essay von Marleen Stoessel: Gastfreudschaft – ein Kulturerbe der Menschheit. Menschliche Kultur ist eine Gegenwehr gegen die Evolution, der Unterschied zwischen Mensch und Tier. Den ja auch einige, die sich für “links” halten, gerne mal bestreiten.

Wenn Sie Donnerstag “Monitor” gesehen haben, sind Ihnen vielleicht wie mir Zweifel daran gekommen. Angesichts der unüberseh- und -hörbaren Versuche, unser Land zu einer rassistischen No-Go-Area für Schwarze umzubauen. Weiterlesen

Das Viktoria-Karree, die Oper, das Rheinufer und die Immobilienblase

Von , am Sonntag, 8. Oktober 2017, in Beuel & Umland, Politik.

Wenn ich Büroleiter des Oberbürgermeisters Sridharan wäre, der jetzige CDU-Fraktionsgeschäftsführer Gehrmann war das mal, dann würde ich ihm für morgen früh die aktuelle Kolumne von Sibylle Berg hinlegen. Damit der Mann mal ein besseres, ein politischeres Verständnis von Bürger*innen*beteiligung in einer modernen Demokratie bekommt.
Auf der Gegenseite lauert das grosse grosse Geld. Es weiss auf der ganzen Welt nicht mehr wohin. Selbst das chinesische Geld kommt her, um rentabel – und sicher – angelegt zu werden. Wo ist es noch rentabel? Neben irgendwas mit Fussball und Medien? In Immobilien. Wichtig für deren Rentabilität sind die drei Dinge: Lage, Lage und als drittes die Lage. Die beste Lage in Bonn ist unser Beueler Rheinufer, die zweitbeste das Bonner Rheinufer. Die teuersten Wohnungen Bonns stehen direkt neben der Oper.
Nun ist die Firma des milliardenschweren österreichischen Geldwäschers Benko, soeben im Begriff dort die Parlamentswahlen zu gewinnen – so einer wie Benko ist bei sowas immer Sieger, egal wer gewinnt – ist jetzt aus dem Bürgerwerkstattsprozess um das Viktoriakarree ausgestiegen. Dieses Projekt ist für ihn nicht mehr als ein Blinddarm, was soll er sich damit rumärgern?

Die politischen Freunde der Immobilienwirtschaft in Bonn, quasi die sieben Zwerge Benkos, hat das jedoch in Angst und Schrecken versetzt. Sie wollen nun sogar “prüfen” lassen, ob man die Oper nicht abreissen könnte. Weiterlesen

Aufbaugegner & Worte zum Sonntag

Von , am Sonntag, 6. August 2017, in Fußball, Lesebefehle.

Gestern waren im TV zwei Krisenriesen zu sehen: BVB gegen den Konzern aus dem süddeutschen Raum. Beide benötigten sich als Aufbaugegner. Der BVB hatt sogar beim Viertligisten RW Essen eine 2:3-Niederlage bezogen. Seine Sturmstars Aubameyang und Demebele haben den Status “auf Abruf” (Barca, Real, China oder was auch immer, hauptsache weg und mehr Geld). Der Konzern aus dem Süden hat wie immer Bürgerkrieg in der Führungsetage, verbunden mit einer stimmungskillenden Niederlagenserie bei seiner Kapitalsammelwelttournee. Da war das Zusammentreffen schon lebensnotwendig, mit einem Spielausgang nach Elfmeterschiessen, aus dem sich beide eine Besserung ihrer Lage herbeiintepretieren können. Weiterlesen

Sibylle Berg – ich verneige mich

Von , am Sonntag, 16. Juli 2017, in Lesebefehle, Medien, Politik.

Dass Sibylle Berg klasse schreiben kann, ist allgemein bekannt und bisweilen preisgekrönt. Heute ist sie für mich zusätzlich die politische Durchblickerin des Tages.

Politmagazin des Tages ist – mal wieder – telepolis.
Ein pensionierter Richter, die haben Zeit und schreiben gerne, Peter Vonnahme schreibt, was Martin Schulz jetzt tun müsste, aber nicht tun wird.
Wolfgang Pomrehn macht auf einen gefährlichen Konflikt zwischen Indien und China aufmerksam. Beide sind Atommächte. Und der rechtshinduistische Regierung Modi fehlt es ausserdem an deeskalierender politischer Erfahrung. Die können nur Eskalation bis hin zum Faschismus.
Thomas Moser, hier schon oft genug gelobt, wirft seinen Schreibscheinwerfer auf den hessischen NSU-Mord. Dort will das Landesamt für “Verfassungsschutz” eine besonders dicke Grabplatte auf alle Akten legen. Was darin gefunden würde, würde wohl noch unsere Ur-Urenkel zu gefährlichen Revolutionär*innen werden lassen.
Bei heise-online findet sich ausserdem diese spannende Betrachtung der Internetzensurpolitik in China, mglw. auch unsere Zukunft?

uebermedien.de hat heute zwei Beiträge seiner Macher paywallfrei gestellt.
Stefan Niggemeier analysiert die differenzierte Berichterstattung von BILD zum G20-Gipfel in Hamburg. Niggemeier hatte einst schon den bildblog mitbegründet.
Sein Kollege Boris Rosenkranz hat herausgefunden, was Trump nach Meinung der deutschen Qualitäts-Yellowpress zu Madame Macron hätte sagen müssen.

Die Jungfrauen werden euch auslachen

Von , am Samstag, 27. Mai 2017, in Lesebefehle, Politik.

Heute ist Pokalfinale. Wenn der BVB es gewinnt, was nicht so sicher ist, wie alle glauben, hat seine Führung ein Problem. Sie muss der Öffentlichkeit erklären, warum sie den Trainer trotzdem rausschmeisst und wie es so weit kommen konnte (Zitat Claudio Catuogno/SZ): “Es ist ein ungeheuerer, im Kern auch erstaunlich unsouveräner Vorwurf, der beim BVB die Runde macht: dass Tuchel den Anschlag instrumentalisiert habe, um sich auf Kosten seiner Chefs als Gutmensch und Spielerversteher zu profilieren. Das muss man erst mal denken von einem, der nur mit Glück unversehrt blieb – und der das Team dann so beieinanderhielt, dass es kurz darauf im Pokalhalbfinale die Bayern besiegte.”

Ohne Absicht öffnet der SZ-Sportredakteur hier den Blick ins Innere des konservativen deutschen Bürgers, der BVB-Boss Watzke nach Selbstauskunft ist. Der Andere, und sei er auch noch so gut, will mir von meinem hart Erarbeiteten was wegnehmen, das kann der von den Medien ausgeleuchtete genial-wahnsinnige Trainer sein, der faule Grieche, oder der massenhafte Flüchtling oder sogar unser bester Freund, der mit uns um den Weltmarkt und die Weltherrschaft konkurrierende Trump. Das ist die Leitkultur, der der so engagierte Bundesinnenminister eine Stimme gibt und auf der seine vorgesetzte Bundeskanzlerin surft, und der zu widersprechen sich die SPD bis heute nicht traut.

Jeremy Corbyn dagegen hat seine Sprache gefunden und steigt in den Umfragen. Doch am besten von allen schreibt die verehrte Sibylle Berg die Worte zum Wochenende, an alle Massenmörder, mehrheitliche männliche, dieser Welt: die Jungfrauen werden Euch auslachen, in der Hölle.