Beueler Extradienst

Meldungen & Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: Stefan Reinecke

Noch was zu Helges 65.

Etwas peinlich ist es schon. Helge wird 65 und muss zum medialen Abfeiern nach Hamburg reisen. Seine Heimatzeitung mauert ihn in ihre Paywall ein. Sein Heimatsender WDR hat gar keinen Sendeplatz um ihn zu wĂŒrdigen. Wenigstens mĂŒssen wir ihm nicht hinterherreisen. Hier seine WĂŒrdigung im NDR-Regionalprogramm (Video gut 30 min, bis Ende Nov.). Morgen gibts bei ihm zuhause Pflaumenkuchen, erfahren wir da. Hoffentlich hat er auch frische Schlagsahne, sonst bringen Sie ihm lieber welche mit. Weiterlesen…

Protest-Paradox

Die Lage der Mehrheit links der CDU/CSU ist ein selbstverschuldetes Desaster
In der veröffentlichten Meinung wird maximaler Wind zu rechten bzw. “querfront”-artigen Corona-Protesten gemacht. “Warnungen” vor selbigem gleichen in ihrer Wirkung einer Propagierung. Denn demokratische Opposition ist derzeit unsichtbar.
Das Absurde der gegenwĂ€rtigen Konstellation in Deutschland ist die Tatsache, dass Protest, Skepsis, UnglĂ€ubigkeit, Abweichung in der öffentlichen Darstellung, mangels analoger Öffentlichkeiten im digital weit stĂ€rker vermachteten Medienresonanzraum, ausschliesslich “rechts” gelabelt wird. Das hat einen systemischen Sinn,Weiterlesen…

Hund flĂŒchtet auf Baum

Von Nichtigkeiten zur Organisationsfrage
Die Medienbranche leidet. Kurzarbeit, Subventionsbettelei, Berichterstattung ĂŒber Nichtigkeiten. Kein Fussball, kein Parteitag, kein Wahlkampf – durch ReisebeschrĂ€nkungen finden alle Kriege jetzt ohne Presse statt. Hungernde und Kranke sind Kassengift. Anzeigen und Werbespots schaltet niemand mehr. Entweder weil der Laden zu ist – oder von alleine lĂ€uft (Amazon, Netflix etc.). Politiker und Medienleute mit ADHS (SchĂ€uble, Palmer, Kubicki, Castorf, Poschardt) machen Wind und erzeugen Erregung. Johannes Rau prĂ€gte dazu die Lebensweisheit: “Gar nicht erst ignorieren!”Weiterlesen…

Revolutionen und -tiönchen

Kurzer Vergleich von CDU-Deutschland, Irland und … Sudan
Ich will mich mal von Klein nach Gross durcharbeiten. AKK gibt klein bei. Ihrer Körpersprache war das schon an ihren ersten Berliner Tagen anzusehen. Nichts wie weg, das ist nicht ihre Welt. Immerhin das habe ich mit der Dame gemeinsam. Stefan Reinecke, trommelt sich nun heftig auf die Brust und fordert Merkels RĂŒcktritt. Eine Art von klandestinem Kommentarismus. Denn worauf er damit hinaus will, verrĂ€t er nichtWeiterlesen…

Fenster auf!

Deutsches Chinabild, deutsche BDS-Debatte – sind schon alle Rolladen runter?
mit Update
Ein Nachteil des von Deutschland glĂŒcklicherweise verlorenen 1. Weltkrieges ist, dass die deutschen Kolonien an andere Kolonialisten fielen, und daraus folgend fast nirgends auf der Welt mehr Deutsch gesprochen wird. Jedenfalls ist es keine bedeutende Sprache in globalen politischen Diskursen. Wenn dann noch die Bevölkerung so eines Zwergstaates völlig unzureichend in anderen Sprachen ausgebildet wurde, “gelingt” es sehr weitgehend sie doof zu halten. Mich eingeschlossen bekommt sie von der Welt da draussen nur das mit,Weiterlesen…

Hamburg / Dortmund / Berlin

“Wem gehört Hamburg?”, kĂŒrzlich hier noch von mir gelobt, hat den Grimme-Online-Award gewonnen. Kannich nix dafĂŒr, aber GlĂŒckwunsch!
Ein sehr realistisches Dortmund-PortrĂ€t liefert der von mir seit meiner DĂŒsseldorfer Arbeitszeit hochgeschĂ€tzte Andreas Wyputta/taz.
Stefan Reinecke/taz kommentiert den Berliner Mietendeckel absolut zutreffend, lĂ€sst allerdings auch schon Böses ahnen, was zukĂŒnftiges rot-rot-GrĂŒnes Regieren betrifft.

Ströbele

Hans-Christian Ströbele wurde diese Woche 80. Ich habe ihn zweimal zu ausfĂŒhrlicheren Unterhaltungen besucht, einmal mit meinem Mitautor Roland Appel, einmal mit einer befreundeten WDR-Journalistin. Meine EindrĂŒcke deckten sich mit dem lesenswerten Geburtstagsgruss, den Stefan Reinecke/taz ihm geschrieben hat. Mental fremd an dem Mann ist mir die teilweise demonstrative Askese. Doch wenn Sie einen “lupenreinen Demokraten” suchen, ein Begriff den ein ehemaliger Bundeskanzler vergiftet hat, als er ihn einem amtierenden StaatsprĂ€sidenten zuordnete – dieser Kerl ist einer, in der alten Bedeutung.

Probleme der Antisemitismus-BekÀmpfung

Das DiskursgelĂ€nde wird planmĂ€ssig strategisch vermint. Ich halte mich persönlich schon lange davon fern. Mein MeisterstĂŒck schaffte ich 1978, als es mir vom NRW-Landesvorstand der Jungdemokraten aus gelang, ein breites politisches BĂŒndnis fĂŒr eine Gedenkdemo zum Jahrestag der Reichspogromnacht auf die Beine zu stellen. Seinerzeit fand in DĂŒsseldorf der Majdanek-Prozess statt. Ich war mit meinen damals 21 Jahren sehr stolz, das politisch auf die Beine gestellt zu haben.
Ich wandte mich dann der Anti-Apartheid-Bewegung zu. Andere Kolleg*inn*en, wie z.B. meine politische Freundin Susanne WillemsWeiterlesen…

Tatort-Bundesliga

Weiter unten: Verteidigung des “Schönen Leo”
Der Dortmunder Tatort von gestern polarisiert die Kritik. Das ist schon mal ein exzellentes Erfolgsfundament. Über 9 Mio. sollen zugeguckt haben. Das ist nicht wenig, dĂŒrfte aber stark von den Aussentemperaturen beeinflusst gewesen sein. Einig ist sich die Kritik nur im Lob der Schauspieler*innen*kunst. Wenn das Ensemble neben einer Weltklasse-Lady wie Bibiana Beglau (ich erinnere an “Barbarossaplatz”!) so mĂŒhelos mithalten kann, Weiterlesen…

Kommende AufstÀnde?

Zeiten wie diese fĂŒllen deutsche Medien mit Wiederholungen und JahresrĂŒckblicken. Mich nervt das unendlich, weil es sich um billige Ausreden handelt, seine Arbeit nicht zu machen. Pausen sind legitim und ein arbeitsrechtliches Grundrecht. Die liessen sich fĂŒr die BeschĂ€ftigten aber auch realisieren, indem einfach mehr Menschen eingestellt wĂŒrden. Deutschland geniesst lieber Feiertagsrituale, um sich auf diese Weise davon abzulenken, dass die Welt da draussen weitermacht – und wir leisten uns, was wir so gerne tun: das zu ignorieren.
Ein Text ragt heute fĂŒr mich aus den Ritualen heraus, weil er auch an jedem anderen Tag hĂ€tte geschrieben werden können:Weiterlesen…

Ist es schon fĂŒr Merz gelaufen?

Heute mehrten sich Vorraussagen, das der Vertreter der Finanzindustrie den Parteitagswahlsieg bei der CDU schon im Sack habe. Ulrich Horn vermutet das, und die taz-Autoren Stefan Reinecke und Andreas Wyputta, von denen ich eine gute Meinung habe, erwecken ebenfalls diesen Eindruck.
Vermutlich war es die westdeutsche Regionalkonferenz, die auf sie diese Wirkung entfaltet hat. Horn und Wyputta kennen sich in NRW und in den Innereien seiner Parteien bestens aus,Weiterlesen…

#aufstehen / Kriege in Libyen und Syrien

Zum Eröffnungstag von #aufstehen gab es gestern ein informatives Feature des DLF und heute, wie bei ihm ĂŒblich, nachdenkliche Reflexionen von Stefan Reinecke/taz. TatsĂ€chlich, das sehe ich wie Reinecke, gibt es ja ein gesellschaftliches BedĂŒrfnis nach dem, was #aufstehen (leider nur) vorgibt zu sein, und was Anfang 2017 auch im kurzlebigen Schulz-Zug sichtbar geworden war; heute siehe z.B. “SeebrĂŒcke”.Weiterlesen…

“Merkel schaut energisch ins Leere”

Haben Sie “Sommerinterviews” geguckt? Ich mache das grundsĂ€tzlich nicht – zur Sendezeit dieser Langweiler besteht bei mir akute Einschlafgefahr. Ich hatte schon verpasst, zur Live-Übertragung BVB gegen Brause Leipzig meine Fussballkneipe aufzusuchen, was gestern nun wirklich wichtiger war, das erste BVB-Pflichtspiel unter Lucien Favre!
Nicht langweilig finde ich dagegen die Nachbesprechungen von Hans HĂŒtt/FAZ und Stefan Reinecke/taz. Da ist in kĂŒrzerer Zeit alles Wichtige zu erfahren – oder dass wir nichts Wichtiges verpasst haben.

Berlins Blase könnte Wichtiges diskutieren, zur Abwechslung ….

Nichts wird so heiss gegessen, wie es in Berlin gekocht wird. Oder anders formuliert: die Welt dreht sich weiter, auch wenn sie in Berlin ein paar Monate stehenbleibt. Viel heisse Luft wird um die Jamaica-Verhandlungen herumspekuliert. Von Ulrich Horn mit einem Leserkommentar meines Mitautors Roland Appel, zu Lindner ganz anders Ulrike Herrmann in der taz, im gleichen Blatt der wie immer reflektierte Stefan Reinecke.
Georg FĂŒlberth, in emsiger Schreibphase, sieht im Freitag “Jamaica” den Boden fĂŒr die AfD bereiten, die dereinst vom BĂŒrgertum fĂŒr die GrĂŒnen eingewechselt werde, um an anderer Stelle, im Oxiblog, fĂŒr den Autor regelrecht realoorientiert, politische Aufgaben und Forderungen an die zukĂŒnftige Koalition zu adressieren.

Ja, das ist schon mal nicht verkehrt. Bei Anna Lehmann (taz) schnappte ich noch auf, dass man sich bei der Linken “trefflich streiten” könne, zur Aussenpolitik und zu Russland. Ach nee, wĂ€re schön, wenn das nicht mehr heimlich geschĂ€he. Wir könnten den Eindruck gewinnen, dass die auch mal ĂŒber wichtige Themen debattieren.

Ich wĂŒsste hier noch einige:Weiterlesen…

Asymmetrische Demobilisierung

Fangen wir mit dem Lob fĂŒr Martin Schulz an. Gut, dass er das Spindoktorthema mal ins Licht des Mainstreams gezogen hat. Gut auch, der Anti-Berlin-Affekt, den er bedient. Seit dieser Ort Hauptstadt ist, hat sich die SelbstreferentialitĂ€t von Politik und Medien demokratieschĂ€dlich verstĂ€rkt, durch schlichte geografische Effekte. Berlin liegt am Ostrand der Republik, 80 km vor Polen. Um es – halb so einwohnerstark wie das Ruhrgebiet – herum ist nichts, ausser ein bisschen menschenleeres Brandenburg, nach Westen folgt dann ebenso menschenleeres Sachsen-Anhalt, nach Norden Meck-Pom, nur voll zu Ferienzeiten. Wie JĂŒrgen Becker es zu Westfalen sagt: “Da kannst Du stundenlang fahren, und triffs keinen.”

Das hat direkte Auswirkungen auf das Alltagsleben unserer Volksvertreter*innen: aus Berlin sind 24, aus Brandenburg 20. Die können abends nachhause, weniger als 10%. Zu Bonner Zeiten (vor 1999) waren esWeiterlesen…

Das Schulz-Momentum – Flugsand mit wenig Substanz?

Bei Ulrich Horn nebenan diskutierten er selbst und mein Mitautor Roland Appel zu nachtschlafener Zeit zwischen 0 und 2 Uhr das Momentum der Martin-Schulz-Kanzlerkandidatur. Bemerkenswert ist ja immerhin schon, dass ich das letzte Wort des vorigen Satzes ohne AnfĂŒhrungsstriche zu schreiben wage.
ZunÀchst Korrektur zu Roland Appel: Stoiber war 2002 Kanzlerkandidat, nicht 1992.
Es gibt ein wirkliches Schulz-Momentum. Frank Stauss, darauf hatte ich hier schon hingewiesen, hatte es gut beschrieben.
Stefan Reinecke liefert in der taz dazu eine aktualisierte Fassung.
Tatsache ist auch: das ist alles “Flugsand”. Die Autosuggestion der SPD funktioniert. Daran ist bemerkenswert, dass bei der SPD ĂŒberhaupt etwas funktioniert. Aber es ist auch nicht mehr als Autosuggestion. Sie ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung fĂŒr einen erfolgreichen Wahlkampf. Diese notwendige Bedingung hat die SPD – momentan! – den anderen demokratischen Parteien voraus.
Immerhin besser, als wenn alle gleich schlecht blieben (Stauss hat sichtbar Spass daran ….).
Jetzt mĂŒsste etwas daraus folgen: Politik.

Schulz

Ist es nun eine einschneidende politische Wende, die diese Person verkörpert, oder nur ein umgefallener Sack Reis? Ich habe diese Woche Letzteres geglaubt. Das Umfragenstrohfeuer wird ĂŒberbewertet, die Umfrager sagen in Interviews selbst gebetsmĂŒhlenartig, dass es sich dabei “nur um eine Momentaufnahme” handelt, die fĂŒr das publizistische Marketing ihrer Firma aber immer sehr wertvoll ist.
Besonders lĂ€cherlich machen sich die “Leitmedien”, insbesondere die unter ihnen, die lĂ€ngst als sinkende Tanker identifiziert sind, wenn sie dieses Geschehen offenbar selbst als Nabel der Welt wahrnehmen. Immer weiter weg bewegen sie sich damit von uns und unserem Alltag, in ihren Berliner und Hamburger Raumschiffen.
Dann fand sich jedoch 1 Publizist, der langjĂ€hrig und mehrmals fĂŒr die SPD gearbeitet hat, Frank Stauss, auf jeden Fall ein Meister persönlicher Eigen-PR, der mir erklĂ€rt hat, dass es mit Schulz zu einem Wendepunkt in der Autosuggestion der SPD gekommen ist. Kleine persönliche Stichproben, die ich unternommen habe, bestĂ€tigten mir das. Nun mag man das lĂ€cherlich finden; wen interessiert noch die innere Verfassung der wenigen ĂŒbriggelassenen SPD-Mitglieder? Das kann jedoch eine UnterschĂ€tzung sein. Deprimierte Parteimitglieder sind eine Garantie fĂŒr Wahlniederlagen. Motivierte Parteimitglieder sind nicht hinreichend fĂŒr Wahlsiege; aber notwendig.
Misstrauenerregend ist allenfalls, dass ein Kampagnendienstleister es mir nun schon persönlich vermitteln muss, was seiner Kundin, der SPD selbst, bisher publizistisch nicht wirklich gelungen ist.
Jetzt mĂŒssten die GrĂŒnen und die Linkspartei in ihrem Innenleben auch eine solche Wende hinbekommen: dass ihre Mitglieder plötzlich Lust und Spass am KĂ€mpfen gewinnen. Und Intelligenz entwickeln, um die Balance zwischen BĂŒndnispolitik und Arbeitsteilung zu finden. Und siegen wollen.
Ist das zuviel verlangt?

Update 29.1.: Schöner als Sibylle Berg hÀtte ichs auch nicht schreiben können. Abgewogen klug wie meistens Stefan Reinecke in der taz.
Update 31.1.: Bei oxiblog schreibt ein linker Parteigenosse von Schulz, was seine Partei in der Europolitik bisher entscheidend falsch gemacht hat. Ist Schulz da dabeigewesen? Ich glaub’ ja. Will er so weitermachen?
Update 7.2.: Eine radikale Abrechnung mit der Schulz-Nominierung liefert heute Wolfgang Michal, aus meiner Sicht mit einer Überdosis Bitterkeit, daraus zu erklĂ€ren, dass so einer “zuviel” ĂŒber seine Partei weiss.

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