Thema: Streich

99% werden ausgespuckt – Mertesacker-Nachbereitung

Von , am Montag, 12. März 2018, in Fußball.

Der Spiegel hat sein Interview mit Per Mertesacker hinter einer Paywall vermauert. Wir sind also auf Sekundär-Berichterstattung angewiesen. Wie die Schwulen Fussballer, die sich erst nach der Profilaufbahn outen, spricht er erst jetzt offen. Nur einmal war er verhaltensauffällig geworden, als er in einem Live-Interview nach einem knappen WM-Sieg gegen ein starkes Algerien den kritischen Interviewer anblaffte, was er denn ausser einem Sieg gegen einen starken Gegner noch wolle. Für deutsche TV-Journalisten sind afrikanische Nationalmannschaften bis heute Kirmestruppen, und mit Rassismus hat das selbstverständlich überhaupt nichts zu tun.

Die Berichterstattung über das Spiegel-Interview konzentriert sich auf die Bunte-Illustrierten-Aspekte: wie schlecht es dem armen Mann gegangen ist etc. Mertesacker hat aber auch einen politischen Blick. Weiterlesen

Rechte Betriebsräte / “5-Sterne” / Keiner will nach Bayern

Von , am Montag, 5. März 2018, in Fußball, Lesebefehle, Politik.

Die FR interviewt den Spross der “Marburger Schule”, der jetzt in Jena lehrt, Klaus Dörre zu den rechten Betiebsräten, zu denen sich die Gewerkschaften jetzt verhalten müssen. Seine wichtigen Ausführungen deuten an, dass da ein Zwang zu grösserer politischer Klarheit entstanden ist. Wie Dialektik-Lehrer Jürgen Becker sagt: “Nix is so schlääsch, dattet nicht für irjndwat joot es.”

Die FAZ hat sich mit Anna-Lena Ripperger ein 30-jähriges Talent eingefangen, und gleich mit dem Traumjob einer Rom-Korrespondentin ausgestattet. Klar ist schon mal, dass sich Frau Ripperger, die übrigens u..a. bei uns in Bonn Germanistik und Romanistik studiert hat, von der “5-Sterne-Bewegung” nicht hat einwickeln lassen. Weiterlesen

Goalgetter Ginter – danke BVB!

Von , am Sonntag, 21. Januar 2018, in Fußball.

Bei meiner Borussia in Mönchengladbach überwiegt derzeit unter den Fans nicht die Zufriedenheit. Wir ärgern uns über die Teilnahme an einem Schneckenrennen um die Plätze 2 ff., und was alles möglich gewesen wäre. Gut, in der Geldtabelle belegen wir nur einen oberen Mittelfeldplatz, zu verdanken einem seriösen Management und seriöser Vereinsführung. Der Marktwert unserer Mannschaft wird auf 172 Mio. taxiert; zum Vergleich: die des BVB z.B auf 424 Mio. Bei den Spielergehältern zählt Gladbach im Jahr unter 40, der BVB über 90 Mio. im Jahr. Dennoch liegen wir heute einen Punkt vor dem BVB.

Die Beziehung zwischen unseren rivalisierenden aber nicht verfeindeten Vereinen ist lang. Frank Mill wird mit uns beiden verbunden. Heiko Herrlich, der seine charakterlichen Mängel, die er bei seinem Wechsel von Mönchengladbach nach Dortmund offenbarte, kürzlich noch mal bestätigte.
Die jüngere Vergangenheit gestaltete sich für uns im Schatten des BVB erfreulich. Weiterlesen

Sich bekennen und aktiv dagegen vorgehen!

Von , am Samstag, 10. Dezember 2016, in Fußball, Politik.

von Christian Streich

Die Generalverurteilung von Menschen gibt es, solange es Menschen gibt. Wir kennen das aus diesem Land sehr gut.
Damals war es keine Bevölkerungsgruppe, es waren ja Deutsche und es war einer religiösen Zugehörigkeit geschuldet. Also: Du warst eben katholisch, evangelisch und in dem Fall warst du jüdischen Glaubens. Und dann ist dieses Unfassbare in diesem Land passiert.

Und jetzt ist da dieser Bub, der etwas ganz Schlimmes gemacht hat, der junge Mann aus Afghanistan. Dann sind es: „die Afghanen“. Oder: „die Ausländer“. Das ist der Mechanismus, wie er bei Menschen vorkommt.

Ich bin da wahrlich nicht optimistisch, sondern vorsichtig, aber ich habe nie gedacht, dass es innerhalb eines so kurzen Zeitraums dahin kommt, wo wir jetzt sind.
Man muss große Angst haben, wenn man sieht, was hier passiert.

Mir wurde mitgeteilt, dass ein Mensch aus der AfD den Vater der Maria, der dieses Furchtbare erleben musste, als „pathologisch“ bezeichnet hat, weil er vor dieser Tat Flüchtlinge unterstützt hat. Dass jemand in diesem Land aus einer als demokratisch geltenden Partei jemanden, der so etwas erleben musste, noch verhöhnen darf. Da sehen Sie, was los ist.
Aber: Man muss es als Herausforderung annehmen und sich einfach bekennen.

Jetzt kommt es darauf an, wie diese Gemeinschaft in diesem Land auftreten wird und was gesellschaftlich toleriert wird. Wenn man hört, was Leute sagen dürfen und dann noch zustimmendes Nicken erhält – vor ein paar Jahren wären solche Leute noch gesellschaftlich geächtet gewesen.
Das ist in kürzester Zeit passiert! Und jetzt müssen wir sehen, was weiter passiert, und ob die Mehrzahl der Bevölkerung sich dem widersetzt und auch aktiv dagegen vorgeht.

Wir sind schon glücklich – das muss man sich vorstellen! -, dass in Österreich die Wahlen so ausgehen, wie sie ausgegangen sind. Und dass derjenige, der verloren hat, aus einer Ecke kommt, die … – ich will nicht weiter darauf eingehen – dass der 46 Prozent bekommt …
Da heißt es für alle anderen: sich bekennen!

Und wer das nicht macht, wer sich nicht klar bekennt, der trägt eine Mitverantwortung, wenn es in die andere Richtung geht. Das ist klar. Da gibt es keine Ausflucht. Das ist so.
Also ich habe da Angst, das muss ich Ihnen sagen, wenn ich diese Entwicklung sehe. Die macht mir Angst.

Christian Streich bei der Pressekonferenz vor dem Heimspiel des SC Freiburg gegen Darmstadt 98, der Wortlaut wird hier dokumentiert gemäss der Wiedergabe in der taz.
Update 29.12.: Zu seinem 5-jährigen Dienstjubiläum als Cheftrainer schrieb der vereinskundige Christoph Ruf ein Porträt von Christian Streich.

SC Freiburg schrieb Tuchel Aufgaben ins Arbeitsheft

Von , am Freitag, 23. September 2016, in Fußball.

In früheren Erstligaspielzeiten landete der SC Freiburg in der Hinrunde regelmässig ganz unten und konnte, wenn, dann erst in der Rückrunde seinen Klassenerhalt retten. Jedes Jahr wurde ihm fast die ganze Mannschaft weggekauft. Die neuen Teams brauchten dann Zeit, sich zusammenzufinden. Das war und ist die Kunst dieses Vereins und seines gegenwärtigen Trainers Christian Streich, des menschlich respektabelsten Trainers im deutschen Profifussball.
Heute wurde nun die Frage beantwortet, ob Freiburg gegen den BVB-Jugendwirbel auch so untergehen müsse, wie Legia Warschau oder der VfL VW. Es sah in der ersten Halbzeit noch so aus. Doch was dann geschah, wäre fast auf ein komplettes Gegenteil hinausgelaufen. Weiterlesen

EM: Ruin des Nationalfußballs?

Von , am Sonntag, 26. Juni 2016, in Fußball.

Vom gestrigen EM-Spieltag blieb ich verschont, weil ich zum 60. Geburtstag einer Freundin in eine für Bahnfahrer unwegsame Bergregion NRWs musste (und wollte). Bis gestern war der feste Glaube der Fans, dass an der fußballerisch überwiegend unansehnlichen EM-Gruppenphase die Aufblähung des Spiel- und Qualifikationssystems durch den kriminellen Michel Platini schuld war. Seit gestern wissen wir: es muss irgendwas anderes sein. Weiterlesen