Thema: Trojanow

Läuft nicht: Trojanows Fussballboykott

Von , am Montag, 10. April 2017, in Fußball, Politik.

Ilija Trojanow schätze ich als allseits gebildeten kosmopolitisch orientierten kritischen Autor. Persönlich mit ihm bekannt bin ich bisher nicht. Erst heute stiess ich auf seine Aufforderung zum Fussballboykott. Man kann es mit der Fastenzeit auch übertreiben. Bei einem billigen “unrealistisch” will ich es aber nicht belassen.

Warum das Großkapital so auf den Fussball fliegt, hat Trojanow richtig beschrieben, ich habe es hier auch schon mehrmals getan. Die in diesem Business erzielbaren Renditen übertreffen noch die von Immobilien. Sie können aber auch eines Tages platzen. Die Pay-TV-Abozahlen bei den Verrücktesten, den Briten, gehen schon zurück; leere Plätze in den Stadien sind angesichts ihrer diesjährigen Langeweile auch in der Bundesliga gut und reichlich zu erkennen. Auch mir sind schon mehrmals Leihkarten von Dauerkarteninhabern meines Lieblingsvereins, mit dem jeder Fan länger zusammenlebt als mit irgendeinem Menschen, angeboten worden, und die Abwägung von Reiseaufwand und Ergebnis ist nicht immer für einen Stadionbesuch ausgefallen.

Auch fällt es mir nicht schwer, auf ein überteuertes Pay-TV-Abo zu verzichten, zumal man dort für teures Geld unterirdischen Journalismus und zusätzliche TV-Werbung reingedrückt bekommt. Sie werden es wohl nie lernen, Weiterlesen

Türkei

Von , am Donnerstag, 13. Oktober 2016, in Genuss, Lesebefehle.

Es gibt ein neues ambitioniertes Magazin namens “Renk”, vorgestellt in der taz.
Ingo Arend treibt sich lieber in Istanbul als in Berlin rum. Das kann ich nachvollziehen. Hier sein aktueller Rumtreiber-Bericht aus der Kunstszene, die sich nach dem Putschversuch in einem Kontrollvakuum freier bewegen kann als gedacht.
Diesen Eindruck macht auch eine vom Goethe-Institut mitinspirierte Initiative namens Actopolis, die sich an vielen Orten, u.a. in Ankara betätigt. Beeindruckende Bildsprache, auch aus dem Ruhrgebiet.
Lalon Sander erinnert an das Barbarentum des Weissen Mannes, der eben immer genau weiss, wovon er spricht.
Und der Slawe Trojanow versucht, zu befürchten ist: weitgehend vergeblich, uns Germanen die Sache mit der Angst noch mal zu erklären.

Flüchtlingspolitik: ein Wutausbruch und zwei Aufrufe zur Vernunft

Von , am Donnerstag, 8. Oktober 2015, in Lesebefehle, Politik.

Dass bei der FAZ ein Bürgerkrieg tobt, erwähnte ich hier schon. Nicht alle dort sind Reaktionäre. Die es nicht sind, leiden aber heftig unter ihnen, wie man diesem Wutausbruch von Dietmar Dath im Feuilleton deutlich anmerkt.

Wie grundvernünftig man in der Flüchtlingsdebatte argumentieren kann, haben gestern nicht nur Merkel und Will, sondern der integrierte Flüchtling Ilja Trojanow (in der taz) und Stephan Hebel (in der FR) demonstriert.