Beueler Extradienst

Meldungen & Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: Varoufakis

Jenseits von rechts und links: Die GrĂŒnen im Niemandsland

von Ludger Volmer

Sie waren einmal die dritte politische Kraft: unangepasst, provokativ, mit radikalen Ideen zur Umgestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft. Eine Partei von modernisierungskritischen Modernisierern, EU-skeptischen Pro-EuropÀern, antikapitalistischen Marktwirtschaftlern und sozialökologischen Globalisierungsgegnern, die auf unorthodoxe und undogmatische Weise den Platz in der Parteienlandschaft links von der SPD einnahmen, der wegen der historischen Selbst-Desavouierung kommunistischer Formationen nach dem Krieg in Deutschland-West frei geblieben war.

Doch heute, trotz glĂ€nzender Voraussetzung in Form vierjĂ€hriger Opposition gegen eine Große Koalition, sind BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen nur noch die sechste Kraft im Bund – noch hinter der Linkspartei, deren traditionalistisches VerstĂ€ndnis linker Politik samt DDR-Komplex vor 15 Jahren fast vor dem Aus stand. WĂ€hrend die Linkspartei nach HĂ€utung und Zuwachs heute im linken Spektrum neu verankert ist, sind die GrĂŒnen in die politische Mitte gedriftet. Dort meinten sie, in einer „Jamaika-Koalition“ mit der rechtsliberalen FDP, der national-konservativen CSU und der Gunst der mĂ€chtigsten Frau der Welt zur politischen Gravitationskraft werden zu können. Das aber klappte nicht,Weiterlesen…

Statt im-Stau-stehen: Lesen!

4190 Staus mit einer GesamtlĂ€nge von 9.700 km soll der ADAC am Freitagabend, dem Beginn dieses BrĂŒckentagwochenendes gemeldet haben. Bisher habe ich geglaubt, der Mensch lerne nur aus Erfahrungen. Selbst das ist in deutscher Leitkultur wohl nicht vorgesehen. Zu ihr gehört das Auto und sein in-mindestens-drei-Reihen-auf-die-Autobahn(das “Gute” von Adolf)-stellen.

Es gibt Alternativen. Z.B. zuhausebleiben, Ausschlafen, zu-Fuss-gehen (mit dem Fahrrad geraten sie genauso in den Stau, dafĂŒr gibts nur noch kein Meldesystem), aufs-Sofa-legen, besonders-bei-schlechtem-Wetter-ins-Eiscafe-setzen, ausgiebig Mittag- und Abendessen, und vor allem: viel Lesen. Es gibt mehr zu lesen, als Sie schaffen können, viel MĂŒll dazwischen, aber auch viel Gutes. Hier aktuelle Hinweise:

Libyen: da wollen unsere Regierungen in Zukunft Migrant*inn*en in Lagern einsperren. In der taz und bei Telepolis können Sie nachlesen, wer sich dort fĂŒrs Aufpassen, Bewachen und ggfls. Umbringen bewirbt.

Es wird wenig Freude machen, aber Ignorieren ist auch keine Lösung: in Mexiko wird der “Femizid”, das massenhafte Ermorden von Frauen immer gebrĂ€uchlicher.Weiterlesen…

Lehren aus Trump (IV)

Ivo Bozic (Jungle World) sieht in der Trump-Zuspitzung den Kampf zwischen “Globalisten” und Lokalisten”, zwischen Stadt und Land, und sieht sich langfristig auf der erfolgreichen Seite. Vor Determinismus in diesem Zusammenhang sei aber gewarnt; das könnte zu einem bösen Ende fĂŒhren.
Klaus Walter zeichnet im gleichen Blatt, wie die US-Pop-Elite gegen Trump den kĂŒrzeren zog. Die mehrheitlich schwarzen Popstars versetzten scheinbar die Trump-Fans so dermassen in Angst und Schrecken, dass sie sie ungewollt zur Wahlteilnahme mobilisiert haben.
Noch mehr zum Nachdenken regen heute zwei Carta-BeitrÀge an:
Der Erste sollte dem DFB und der DFL (Deutsche Fußball-Liga) als PflichtlektĂŒre demokratie-Ă€rztlich verordnet werden; sie beziehen den Löwenanteil ihrer Milliardeneinnahmen von Rupert Murdochs Medienkonzern. Wolfgang Hagen und Hermann Rotermund analysieren, in welcher verheerenden Medienlandschaft Trump seinen Sieg erreichte. Vieles spricht hier fĂŒr Klarsichtigkeit und durchdachte Strategie, also insgesamt das Gegenteil von irre. Hier sei ergĂ€nzt, dass heute der gleiche Mechanismus fĂŒr die AfD glĂ€nzend funktioniert: der WDR lĂ€dt in einer Publikums-Live-Sendung zur Diskussion ĂŒber Trump: den “linken Rand” reprĂ€sentiert neben dem rechten AfD-Landesvorsitzenden der NRW-CDU-Chef Laschet. Verschiebung des Diskurspektrums – “Mission accomplished”, mit unseren GebĂŒhrenzahlungen finanziert.
Ron Kellermann analysiert Trump aus der Sicht eines Dramaturgen. Welche Geschichte hat er entwickelt und erzÀhlt? Warum wurde sie ihm geglaubt? Oder war das sogar egal? Keine deutsche Partei setzt gegenwÀrtig der AfD eine Geschichte entgegen; dieser Utopieverzicht ist lebensgefÀhrlich.
Yannis Varoufakis verzichtet nicht auf Utopien, hat in Deutschland nur ein Popstar-Image, aber keine soziale Basis. Das liegt nicht nur, aber auch am verkommenen ökonomischen Diskurs hierzulande und der Allmacht, die der Figur SchĂ€uble bei seiner offiziellen Interpretation ĂŒberlassen wurde.
Ostasien ist und wird auch in Zukunft die gefĂ€hrlichste Krisenregion bleiben. Schwer kontrollierbare Despoten prallen hier aufeinander, nicht nur aus USA und China, sondern auch aus Japan. Die Informationsstelle Militarisierung in TĂŒbingen ist immer wieder ein Quell exzellenter globaler Information.

© 2020 Beueler Extradienst

Theme von Anders NorĂ©nHoch ↑