Thema: ZDFneo

Eichwald – letztlich impotent

Von , am Freitag, 21. Juni 2019, in Genuss, Medien, Politik.

Kompliment an die Serienproduktion des ZDF. Blockbustaz, Tanken, Eichwald, alles Produktionen, die zunächst auf ZDFneo ausprobiert wurden – beim Bingewatching funktionieren sie. Die Dramaturgie der 6er-Staffeln basiert darauf, dass der Anteil des Absurden von Folge zu Folge gesteigert wird. Das Besondere dieses Absurden ist, dass es auf Wirklichkeitskernen beruht. Die Kunst ist, es dem Publikum in einer verdichteten Essenz von 30 Minuten zu präsentieren, mit Sinn fürs Komik-Timing und einer Riege erstklassiger Schauspieler*innen. Weiterlesen

Koalition der schlechten Laune

Von , am Donnerstag, 23. Mai 2019, in Beuel & Umland, Lesebefehle, Politik.

Gewinnen kann mann so nichts. Reicht ein erfolgreiches Video des Alphabet-Konzerns, um in den “Volksparteien” die Stimmung so zu verhageln, dass es sich zu einer Regierungskrise nach dem Wahlsonntag ausweitet? Gemanagt und beraten wird der Macher von der Werbetapetenfirma Stroer im Kölner Süden. So ein grosses Rad wollte die sicher gar nicht drehen, ist sie doch auf gute Beziehungen zu diesen Parteien wirtschaftlich angewiesen. So wie die Stimmung bei denen ist, werden sie sich bald rächen wollen. Weiterlesen

Gucken: “Undercover”/ZDFneo

Von , am Mittwoch, 15. Mai 2019, in Genuss, Medien.

Das belgische TV- Wunder
Deutschland ist von “TV-Wundern” umgeben. Dänische Serien über Politik und Kriminalität sind dem “Tatort” überlegen, schwedische schon lange. Von den Briten müssen wir gar nicht reden. Frankreich hat eine Filmkultur, um das Deutsche es immer noch beneiden müssen. Österreich ist im Lästern, und Schwarzmalen seiner selbst, überlegen. Die Schweiz hatte Dürrenmatt und von ihm nicht wenig gelernt. Und sogar das gerne übersehene Belgien.
Was mich betrifft, ziehe ich den Hut vor ZDFneo, Weiterlesen

Heute bärenstarkes TV-Nachtprogramm

Von , am Montag, 10. Dezember 2018, in Genuss.

Müssen Sie morgen früh nicht arbeiten? Und haben heute Abend nichts vor? Dann machen Sie heute Mittagschlaf und glotzen heute Abend Arte. Ab 21.50 h bis 3 h läuft dort der Höhepunkt des künstlerischen Schaffens zweier Filmmänner, von denen der eine kürzlich gestorben ist: Bernardo Bertolucci. Der andere ist Gerard Depardieu, der junge. Sie sind heute in Novecento/1900 zu sehen – beide Teile direkt hintereinander, Weiterlesen

Vergesst den “Tatort”: No Offence

Von , am Dienstag, 4. Dezember 2018, in Genuss, Medien.

Letzte Nacht startete ZDFneo die dritte Staffel der in Manchester angesiedelten britischen Krimiserie “No Offence”. Ich bin wachgeblieben, würde auf dem Sofa liegend nicht von Ermüdung erfasst, im Gegenteil. Der begeisterten FR-Vorabkritik stimme ich vollständig zu, würde sie allenfalls noch steigern. Die politischen Parallelen zwischen uns und dem Brexit-Land sind frappierend. Die spielenden Weiber sind Weltklasse. Der einzige zweifelnde Gedanke, der mir kam: ist das versteckte Polizeiwerbung? Anders als bei uns (“Täter war der Polizei bekannt”), würde ich mich von dieser, menschlichen, unperfekten, wenig heldenhaften Polizeibehörde gerne beschützen lassen.
Weiterhin kein Mediathekangebot – montags 23.15 bis 0.45 h, ZDFneo.

Statt “Parfum” – manieristischer Quark

Von , am Donnerstag, 15. November 2018, in Medien.

Boah ey, dafür habe ich keine Zeit mehr. “Manieristisch” heisst laut Wikipedia: “als Stilbegriff benutzt und bezeichnet dann abwertend eine Handlung, Haltung oder Sprechweise, die als gekünstelt, geziert („manieriert“), pathetisch oder schwülstig empfunden wird.” Exakt! Das ZDF habe ich schon mehrmals gelobt: kürzere Entscheidungswege als in der ARD, mehr Mut zu Experiment und Innovation, auch mal mit Anstössigem, Schwierigem, Sperrigem. Seit Jahrzehnten geniesse ich den Krimisendeplatz sonntags um 22 h als bessere Variation des allzu schematischen ARD-Tatorts und Alternative zum gleichzeitigen ARD-Talkshow-Trash. Auf ZDFneo haben sie eine Spielfläche, auf der sie noch mehr ausprobieren können, mit manchen Perlen darunter.
“Parfum” gehört nicht dazu. Weiterlesen

Sind Sie Rüstungsfinanzier?

Von , am Freitag, 2. November 2018, in Medien, Politik.

Nein, ich doch nicht, niemals … Vorsicht! Seit einigen Jahren ist erforscht, dass Comedy- und Satireprogramme oftmals mehr politische Information liefern, als so manches Format, das offiziell unter dem Etikett Nachrichten/Information läuft. In meinem privaten Freundeskreis meinen z.B. die meisten, Jan Böhmermann, sei “zu albern”. Das mag sein. Aber die verpassen was.
Über die Arbeits- und Produktionsbedingungen der “Bild und Ton Fabrik” (BTF) in Köln-Ehrenfeld habe ich noch nicht viel Gutes gehört. Aber es muss da Leute geben, Weiterlesen

Kashoggi-Affäre / Anstalt / TV-Britkrimi-Tipp

Von , am Mittwoch, 24. Oktober 2018, in Genuss, Lesebefehle, Medien, Politik.

Perthes: Auslöser für eine genauere Betrachtung der saudi-arabischen Politik (mit Update)
Volker Perthes, Direktor der Stiftung für Wissenschaft und Politik (SWP), beurteilte heute morgen im DLF-Interview die Affäre um die mutmassliche Ermordung Jamal Kashoggis, in meinen Augen weitgehend zutreffend. Die Beschreibung wird gestützt Weiterlesen

Maaßen muss gehen, Punkt

Von , am Samstag, 15. September 2018, in Politik.

Sich in einen politischen Streit einmischen und diesen zu beeinflussen? Das kann und darf der Chef eines Nachrichtendienstes einfach nicht.

Erstaunlich lange hat es gedauert, aber nun geschieht das Erwartbare. In Kommentaren seriöser Medien baut sich eine Verteidigungslinie für Hans-Georg Maaßen auf. In Wahrheit, so die Argumentation, gehe es bei der Affäre nicht um Fehlverhalten des Verfassungsschutz-Präsidenten, sondern darum, dass er der Flüchtlingspolitik der Bundeskanzlerin kritisch gegenüberstehe. Deshalb werde sein Kopf gefordert.

Das rangiert auf der nach oben offenen Unfug-Skala ziemlich weit oben. Weiterlesen

Sommerloch-TV, mögliche Perlen des

Von , am Dienstag, 31. Juli 2018, in Medien, Politik.

Die Angst der ZDF-Programmdirektion ist der Platzierung der folgenden Hinweise anzusehen, wir schwitzen bei diesem Wetter alle mit ihr. Immerhin hat das ZDF als knapper Marktführer (vor den Dritten) noch was zu verlieren. Die ARD landet jetzt ohne Fussball fast immer unter 10%. Die Marktführer ZDF und Dritte haben klar das älteste Publikum. Die Marktanteile der Privatsender sind dagegen pulverisiert – RTL und SAT1 schaffen nur mit Mühe noch über 5%. So weit meine Schadenfreude.
Arte zeigt heute um 22.45 h “Digital Africa“. Mit einer Kuratorin der re:publica gehts zu Projekten in den Slums von Nairobi, ein Motorrad-“Uber” in Ruanda und in die Landwirtschaft Ghanas.
Gleichzeitig startet (!, soll es unbemerkt bleiben?, schämen sie sich?) Weiterlesen

Sibylle Berg – böse mit uns?

Von , am Samstag, 31. März 2018, in Lesebefehle, Medien.

Die ZDFneo-Talkshow in der sie mit ihren selbstgesprochenen Teilnehmer*innen-Porträts der beste Teil der Show war, ist schon unters Fallbeil der ZDF-Porgrammdirektion gekommen. Und jetzt das: nur noch halb so viele Gründe, auf die Spiegel-online-Seite zu gehen. Ihre Kolumne soll nur noch alle zwei Wochen erscheinen. Sie schreibt, sie wolle sich mehr um ihr Gestüte und ihre Ölplattformen kümmern. Oder ist es doch eher eine Kürzung des Spiegel-Honorar-Etats?
Gut, ich hätte auch keine Lust, mir jede Woche für das Spiegel-Publikum was Originelles ausdenken zu müssen. Andererseits: das schöne Geld nähme ich gerne. Davon hat Frau Berg sicherlich mehr genug, als ich. Schliesslich lebt sie in der Schweiz. Burmester weg, Berg nur noch die Hälfte. Jetzt müssen die Spiegel-Männer noch die Stokowski vergraulen. Dann ist der Laden besenrein wie beim Seehofer.

Bedingungslose Kapitulation des ARD-Journalismus

Von , am Donnerstag, 8. Februar 2018, in Medien.

In den Lesestatistiken dieses Blogs lassen sich die politischen Themen, die die Menschen bewegen, präzise ablesen. Monatsspitzen waren rund um die Wahltermine Mai 17/NRW-Landtagswahl, September 17/Bundestagswahl. Tagesrekord war der Montag nach dem Scheitern der Jamaika-Verhandlungen.

Die ARD dagegen hat viel Geld für Fussball investiert, und muss das Zeug versenden. Es handelt sich aktuell um ein DFB-Pokal-Viertelfinale, also eine Runde der letzten acht Mannschaften. Da muss die Neubildung einer Regierungskoalition ein halbes Jahr nach der Wahl halt mal zurückstehen. Die ARD-Hierarchen werden mit den Einschaltquoten wedeln, und “Siehste!” rufen. Der Schaden, den sie ihrem eigenen Ansehen und dem ihrer zahlreichen gutbezahlten journalistischen Mitarbeiter*inne*n zufügen, ist dennoch um einiges gewichtiger. Weiterlesen

Streamingdienste – ein Geschenk für Filmschaffende?

Von , am Freitag, 26. Januar 2018, in Genuss, Medien.

Gutes Fernsehen ist nicht tot. Aber das Fernsehen der Zukunft wird nicht das sein, was wir uns heute darunter vorstellen (können).

Ich schaue eigentlich kaum noch lineares Programm. Eigentlich nur noch, wenn es “live” ist – und dann eben auf Kanälen, die “Ereignisse” tatsächlich als solche übertragen… ganz oft – wenn es sich nicht gerade um Sport handelt, ist das eben phoenix.

Diese etwas “verstaubte” Bude in Bonn leistet mit ganz wenig Personal durchaus erstaunliches: Sie fesselt mich über Stunden vor dem Bildschirm. Ganz gleich, ob es ein SPD-Parteitag ist, wie noch vor einigen Tagen, oder die tagelange Begleitung der G20 in Hamburg… Verglichen mit all den Talking Heads auf anderen Kanälen haben die Bonner zumeist die Erträglicheren – beileibe nicht immer – aber eben öfter…

Die Tatsache, dass ich eben diesen “Ereigniskanal” oft auf dem PC oder dem Tablet schaue, ändert ja nichts daran, dass hier “TV” seine absolute Berechtigung hat und ihr auch nachhaltig gerecht wird. Das kann nur “Fernsehen”! Wobei wir in Zukunft im Netz sehr, sehr(!) viel mehr professionelles Livestreaming sehen werden. Beim Sport funktioniert das Geschäftsmodell offensichtlich schon. Da muss man nicht nur auf den Newcomer DAZN schauen, sondern auch auf Ableger der Fersehkonzerne wie ESPN (Disney), Eurosport und andere globale kommerzielle Player…

Deutsche Fiktion hat prekäre Zukunft

Das heisst: Die Differenzierung im Wettbewerb wird – noch viel mehr als bisher – nicht nur von der Verfügbarkeit sondern auch dort von der gebotenen “Qualität” “exklusiver Inhalte” und den dafür einzusetzenden (finanziellen) Mitteln abhängen.

Was aber das “fiktionale” Programm angeht, ist TV im allgemeinen und in Deutschland im besonderen zu einer prekären Zukunft verdammt. Weiterlesen

Gutes Fernsehen – kommt es wieder? Im Stream?

Von , am Donnerstag, 25. Januar 2018, in Medien.

Harald Staun und Hernan D. Caro (klingt nach Pseudonym) haben in einem Beiboot der FAZ eine lesenswerte Reportage zur Fabrikation deutscher TV-/Streaming-Serien veröffentlicht. Ungefähr in die dort beschriebene Richtung wird es gehen. Ich möchte nur ein paar kleine Abweichungen artikulieren.

Ich gehöre zu den Verehrern Dominik Grafs. Schon seine ersten Gehversuche im Vorabend-TV (“Auf Achse” mit Manfred Krug; “Der Fahnder” mit den verstorbenen Klaus Wennemann und Dieter Pfaff, sowie Dietrich Mattausch) sind heute noch vorzeigbar, ja entschieden geniessbarer als der Müll, der heute produziert wird. Andere eher schräge Sachen von ihm sind geradezu grossartig: der Jubiläumsfilm zum Grimme-Preis “Es werde Stadt“, der beste Film, der jemals über Marl gemacht wurde, oder seine Erinnerung an Michael Althen. Aber “Im Angesicht des Verbrechens“, vom deutschen Feuilleton fast einhellig militant verteidigt, war missraten, langweilig und klischeebeladen. Weiterlesen

Gaus – mehr Publikum als zu Lebzeiten?

Von , am Mittwoch, 10. Januar 2018, in Medien.

In der nachrichtenarmen Zeit der Jahreswende hatte die Rheinische Post entdeckt, worauf ich hier schon mehrmals hingewiesen habe: das Interview von Günter Gaus mit Hannah Arendt. Es hat auf Youtube die Millionengrenze überschritten. Zu Recht.
RP und taz heben jede Menge Äusserlichkeiten hervor: schwarz-weiss, es wird geraucht etc. Das eigentlich Spektakuläre ist aber das inhaltliche Niveau. Und dass sich hier nur zwei Personen unterhalten, von denen schnittarm eigentlich nur eine wirklich, das aber sehr intensiv, zu sehen ist – wir sehen auch ihren Körper sprechen! – zwei Personen, die keine Show abliefern wollen, sondern sich persönlich füreinander und ihre Ansichten interessieren. Wann haben wir das das letzte Mal in der Glotze erlebt?

Ich weiss ein Beispiel. Klaus Pokatzky (gestern in Fazit/DLF, mein Zimmervorgänger in meiner Beueler WG in den 70er Jahren) verdanke ich den Hinweis auf ein Interview der grössten deutschen Schauspielerin Corinna Harfouch zu #metoo in der NZZ. Weiterlesen

TV is dead

Von , am Mittwoch, 27. Dezember 2017, in Medien.

1 Terrabyte (TB) ist das Speichervolumen eines Weihnachtsgeschenks, das ich dieses Jahr, ich weiss gar nicht mehr von wem, bekommen habe. Es ist wenig grösser als ein Spekulatius. Und darauf gespeichert sind, selbstverständlich nur für streng privaten Gebrauch, so ziemlich alle relevanten US-Serien, egal von welchem Streaminganbieter. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, einen von denen zu abonnieren, schon weil ich mein ganzes Datengold behalten, und nicht diesen Milliardären spenden will. Insofern entgeht denen auch kein Geschäft. Und ich lebe sowieso nicht mehr so lange, um das alles gucken zu können.
Wenn es also so einfach ist, an künstlerisch und handwerklich gut gearbeitete Filme mit exzellenten Schauspieler*inne*n zu kommen, wer braucht dann noch deutsches Fernsehen? Weiterlesen

Wir und der Islam – hauptsache keine Ahnung

Von , am Freitag, 8. Dezember 2017, in Lesebefehle, Medien, Politik.

Nachdem der mediengeile Bezirksbürgermeister, dessen Namen ich zum Glück schon vergessen habe, endlich in Rente gegangen ist, gewinnt der Berliner Stadtteil Neukölln an Relevanz in meiner Wahrnehmung. Nicht nur, weil ich dort vorige Woche in einem Anti-Jens-Spahn-Restaurant, wo also kein Wort deutsch gesprochen wurde, exzellent gegessen habe. Bei ZDFneo läuft aktuell eine extrem sehenswerte in Neukölln angesiedelte Krimiserie. Und eine Bezirksabgeordnete, Marina Reichenbach, wechselte mit Mandat von der Linkspartei zur SPD. Mandatsmitnahme ist immer anrüchig, ihre im Jungle-World-Interview vorgebrachten politischen Argumente kann ich jedoch nachvollziehen. Sie deuten auf ein auch von mir oft wahrgenommenes Desinteresse auch solcher Menschen hin, die vorgeben Solidarität zu üben – im genannten Fall mit Muslimen – aber nur auf der symbolischen Oberfläche bleiben – dumme Kerls und nützliche Idiot*inn*en. Politik ist was Anderes.

In der gleichen Jungle World findet sich ein Interview mit dem ägyptischen Buchautor Youssef Rakha, über arabische Pornos. Es zeigt erneut, dass wir mit unseren Gedanken- und Bilderwelten, unseren Klischees im Kopf, absolut nichts verstehen.

Was machen “wir”, bzw. unsere demokratisch gewählten Politiker*innen: Geschäfte, hier z.B. Monsieur Macron mit Katar. Einst hatte Omar Bongo, Staatschef des Zwergstaates Gabun, die politische Klasse Frankreichs auf seiner Paylist. In den arabischen Feudaldiktaturen und im Iran ist allerdings viel mehr zu holen als in Gabun, auch für unsere Deutschen Repräsentant*inn*en.

Wir dagegen wollen doofgehalten werden und sind zufrieden damit, meint der Wissenschaftler Oliver Decker im Gespräch mit Marcus Klöckner auf Telepolis.

Stefan Niggemeier hat auf uebermedien wieder ein schönes Beispiel dafür: wieder ist es Neukölln.

274. Tag U-Haft – Deniz Yücel

Von , am Dienstag, 14. November 2017, in Lesebefehle, Politik.

Erst gestern schaute ich mir die jüngste Ausgabe des “Neo Magazin Royale” von ZDFneo an. Während sonst das Interview am Schluss auch der langweiligste Teil der Sendung ist, war es dieses Mal andersrum. Mely Kiyak, Extradienst-Gastautorin (mit freundlicher Hilfe der Otto-Brenner-Stiftung) erinnerte an den immer noch, und bisher ohne Anklageerhebung, in türkischer Untersuchungshaft sitzenden Deniz Yücel, einer von 160 inhaftierten Journalist*inn*en, und einer von 200.000 Knastinsassen, eine Verdreifachung in kurzer Zeit.
Ansehen, anhören – und nicht vergessen!

ZDF – das neue Erste?

Von , am Mittwoch, 8. November 2017, in Medien.

Schon seit längerem führt das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF), allenfalls bedrängt von der Summe der Dritten, die deutsche Einschaltquotentabelle an. Wenn es einen Staatssender gibt, dann ist es dieser. Das Bundesverfassungsgericht musste immer wieder eingreifen, um die grundgesetzlich vorgeschriebene Staatsferne bei der Zusammensetzung seiner Aufsichtsgremien durchzusetzen. Die öffentlich-rechtliche Konkurrenz von der ARD profitiert von und leidet unter dem Föderalismus. Sie setzt sich aus 9 Anstalten zusammen, sogar die Zwergstaaten Bremen und Saarland haben immer noch eigene. Während Bremen früher durch kreative Programminnovationen glänzte, erinnert sei an das Interviewergespann Christian Berg und Michael Geyer oder an die Frühzeit der Talkshow “III nach neun“, können sich die meisten Zuschauergenerationen daran schon nicht mehr erinnern. Das Saarland hatte früher mit Jochen Senf zumindest einen skurril-originellen Tatort-Kommissar (der Gourmet mit dem Rennrad), kennt heute auch keine*r mehr.

Trotz komplizierter Aufsichtsstruktur dürfte also das ZDF die kürzeren anstaltsinternen Entscheidungswege haben. Und während wir es in der alten BRD-Zeit noch als “CDF” bezeichneten, also als Verschmelzung von Kohl-CDU und Fernsehen, haben sich auch diese Unterschiede abgeschliffen. Weiterlesen

Deutschlandfunk kürzt Europa

Von , am Montag, 9. Oktober 2017, in Medien.

Ein richtiges Signal? In dieser Zeit? Sicher nicht. Der Deutschlandfunk kürzt seine Europaberichterstattung. Das werktägliche Magazin “Europa heute” (Mo.-Fr. 9.10 h) sendet in Zukunft Schnipsel des samstags um 11.05 h gesendeten einstündigen und monothematischen Reportageformats “Gesichter Europas“. D.h. die Reportagen in “Europa heute” werden um rund ein Drittel gekürzt. Das ist bedauerlich, weil die Qualität beider Sendungen in der Regel über dem Durchschnitt dieses Senders, und sowieso sonstiger Radioangebote lag. Es ist eine Folge der penetranten Spardiskussionen um die öffentlich-rechtlichen Sender, die in der Regel zur Folge haben, dass nicht oben sondern unten gespart wird: bei freien Mitarbeiter*inne*n und natürlich bei uns, dem Publikum. Wir zahlen, haben aber keine Kontrolle. Die Politiker*innen in den Aufsichtsgremien stört es selbstverständlich nicht, wenn wir weniger über die Folgen von Schäubles Austeritätsdiktaten in Europa erfahren. Über die Kommunalwahlen in Portugal wurde bereits – nicht berichtet.

Es gibt auch gute Mediennachrichten.
Auf ZDFneo läuft aktuell die beste TV-Krimireihe. Es ist nicht mehr überraschend, dass sie dänisch ist: “Countdown Copenhagen“. Was passiert bei Terrorismus-Krisenlagen, abseits der offiziellen Verlautbarungen?
Auf Cosmo gings heute morgen um Magermodels. Sicher, viel Gelaber. Aber besser, es wird drüber gesprochen als geschwiegen. Leider finde ich auf der Senderhomepage die Wortbeiträge nicht wieder. Bin ich zu blöd? Zu alt? Oder der Sender?

>em>Update abendsIn der deutschen Synchronisation von “Countdown Copenhagen” fällt auf, dass die dänischen Polizist*inn*en ihre*n Geheimpolizei/Geheimdienst (so die korrekte Übersetzung) “Verfassungsschutz” nennen. Schlechter Scherz. Um solchen Missverständnissen vorzubeugen sollten wir uns vielleicht hierzulande die Bezeichnung “Bundesamt” angewöhnen.