Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: Schönau

Rechte Betriebsräte / “5-Sterne” / Keiner will nach Bayern

Die FR interviewt den Spross der “Marburger Schule”, der jetzt in Jena lehrt, Klaus Dörre zu den rechten Betiebsräten, zu denen sich die Gewerkschaften jetzt verhalten müssen. Seine wichtigen Ausführungen deuten an, dass da ein Zwang zu grösserer politischer Klarheit entstanden ist. Wie Dialektik-Lehrer Jürgen Becker sagt: “Nix is so schlääsch, dattet nicht für irjndwat joot es.”

Die FAZ hat sich mit Anna-Lena Ripperger ein 30-jähriges Talent eingefangen, und gleich mit dem Traumjob einer Rom-Korrespondentin ausgestattet. Klar ist schon mal, dass sich Frau Ripperger, die übrigens u..a. bei uns in Bonn Germanistik und Romanistik studiert hat, von der “5-Sterne-Bewegung” nicht hat einwickeln lassen. Weiterlesen

China

Birgit Schönau ist eine Italien-Korrespondentin, von der ich mir wünschen würde, dass mehr Politikredaktionen als nur das Studienräteblatt Die Zeit sie mit Schreibaufträgen eindecken. Weil sie schon so lange dort lebt, sich als Deutsche in Italien gut integriert hat, gelingen ihr die am wenigsten oberflächlichen Reportagen und Analysen. Seit dem Tod von Werner Raith ist sie die beste deutsche Korrespondentin im südlichsten Stadtteil von Köln. Aktuell gelingt ihr mit einer Bestandsaufnahme des italienischen Vereinsfussballs gleichzeitig eine geopolitische ökonomische Analyse, wie das chinesische Businesskapital sich Eingang in mittel- und vielleicht auch langfristig Sonderrenditen versprechende kapitalistische Branchen verschafft. Und wie unideologisch und wenig zimperlich es dabei zugeht. Ökonomisch klug von der chinesischen Seite ist, dass sie sich als Zielgebiet Bereiche mit günstigen Einkaufspreisen ausgesucht hat, nämlich die sportlich seit einiger Zeit heruntergewirtschafteten aber über eine große globale Anhängerschaft verfügenden Mailänder Klubs, und nicht die überhitzte Premier League oder die Bundesliga. In Spanien sind nicht die überteuerten Aushängeschilder Real oder Barca das Ziel, sondern Atletico; in Frankreich ist man am Überraschungsspitzenreiter Nizza beteiligt und dreht den arabischen (PSG) und russischen (Monaco) Investoren von oben eine lange Nase.

Der Trick der chinesischen Okonomie-Strategen ist, dass sie als angebliche “Kommunisten” am wenigsten ideologisch vernagelt sind, Weiterlesen

Wie Sport und sein Journalismus herunterkommen

Die Süddeutsche Zeitung gilt als “Qualitäts-” und “Leitmedium”. Ich habe sie auch einige Zeit als Abonnent genossen. Damals, als sie noch einen NRW-Teil hatte, aber auch darüber hinaus sehr lesenswert war, wegen ihrer internen Meinungsvielfalt, und zahlreicher junger Talente, die sie damals beschäftigte, so ungefähr zu Beginn dieses Jahrtausends muss das gewesen sein. Ich erlebte mal eine große, gelungene Veranstaltung der “Lit.Cologne” die fast nur von ihren Sportmitarbeiter*inn*en bestritten wurde, Raphael Honigstein, Christoph Biermann, Birgit Schönau, Javier Caceres, Ronald Reng. Dann kamen 2008 die Schwaben von der SWMH, kauften vier der fünf SZ-Besitzerfamilien aus dem Verlag raus, und auch sonst viele Andere. Das Feuilleton ist seitdem ausgezehrt, hat politische Interventionen fast komplett aufgegeben. Der Sportteil ist immer FC-Bayern-lastiger geworden. Der NRW-Teil wurde als erstes dichtgemacht, und einige Zeit später war ich dann auch als Abonnent weg. Wie analysefrei seitdem dort Fußballjournalismus betrieben wird, illustriert heute Chrstoph Kneer mit seinem Ancelotti-Porträt zur Bayern-Krise (die ist immer, wenn sie nicht gewinnen und nicht Erster sind), ein Autor, der es nachweislich besser könnte. Aber wenn die Fußballer Formkrise haben, kriegen die Journalisten sie auch, so symbiotisch geht es dort schon zu.
Wo der Fußball mal landen wird, wenn er so weiter macht, das sehen wir aktuell an der zusammenbruchartigen Krise der Welt-Leichtathletik. Was war das mal eine attraktive und begeisternde Sportart. Fast nichts haben sie von ihr übrig gelassen.

Ronaldo – ein fettes Kompliment an Birgit Schönau

Vor dem gestrigen Halbfinale erschien dieses Verteidigungstraktat für Cristiano Ronaldo von Birgit Schönau.

Ich gestehe: ich kann ihn auch nicht leiden. Aber Schönau hat Recht. Selbstverständlich hat es was mit männlichem Neid auf einen großartigen Fußballer zu tun.

Birgit Schönau habe ich mal am Rande einer Litcologne kennengelernt. Bisher hat sich noch jeder Text von ihr für mich zu lesen gelohnt. Sie ist die deutschsprachige Fachfrau für italienischen Fußball. Aber in der Fußballberichterstattung sind ihre Schreibtalente auch ein wenig verschenkt. Weil sie genauso viel von Politik versteht. Nicht nur von den darin üblichen Männerposen.

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