Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Kategorie: Genuss (Seite 1 von 57)

Kapitel 5: Die Grammatik der Missverständnisse

Der darauffolgende Dienstag brachte einen jener grauen Berliner Vormittage, an denen das Licht im Institut für Soziologie gar nicht erst zu versuchen schien, gegen die Schatten in den Fluren anzukommen. Clara stand am Kopierer, während das rhythmische Licht des Scanners über die Seiten von Hartmut Rosas „Resonanz“ glitt. Sie fühlte sich seltsam exponiert. Die Lokalrunde im „Dicken Engel“ und der digitale Kahlschlag ihrer Dating-Apps schienen in der sterilen Institutsatmosphäre fast wie Taten einer fremden Frau. Weiterlesen

Geboren, um zu stören

Der antiautoritäre Humor von Mafalda und unser Zeitalter

Quino ist ein Genie des Humors und Mafalda, seine Schöpfung, der unwiderlegbare Beweis dafür. Ganz Lateinamerika weiß das. Europa ebenso. Dieses Mädchen aus dem Argentinien der 60er-Jahre wurde geboren, um zu stören. Mit seinen klugen, ironischen Fragen war es für die ganze Gesellschaft unbequem, und vor allem für ihre Diktatoren. In diesem Artikel erläutert die Historikerin Isabella Cosse, wie sich Quino mit seinem Humor auf geschickte Weise gegen Repression und Autoritarismus stellte. Und warum dieser Humor bis heute dermaßen aktuell ist. Weiterlesen

Dr. Clarissa Vogler, Kapitel 4: Der digitale Kahlschlag und die Freiheit der Geister

Hinweis: Aus technischen Gründen kommt diese Folge erst jetzt.

Der Abendwind peitschte über die Torstraße und trieb feine Eiskristalle vor sich her, doch Clara spürte die Kälte kaum. Sie lief mit einem Schritt, der federnder war als noch vor einer Woche, an ihrer Seite Meike, ihre beste Freundin seit Studientagen. Meike, die als freischaffende Grafikerin das Chaos als Lebensprinzip kultivierte, jonglierte gleichzeitig ihre Yogamatte, eine Designerhandtasche und einen Becher dampfenden Ingwertee. Weiterlesen

Kapitel 3: Die Grammatik der Freiheit

Die Luft im Seminarraum 302a der Humboldt-Universität war von jener besonderen Zähigkeit, die nur in Gebäuden entstehen kann, in denen seit Jahrzehnten über die Welt nachgedacht wird, ohne die Fenster weit genug zu öffnen. Es war eine Mischung aus abgestandenem Filterkaffee, dem metallischen Geruch von dreißig gleichzeitig arbeitenden Laptops und der stickigen Wärme, die von der alten Gussheizung ausging. Früher hätte Clara diese Atmosphäre als bedrückend empfunden – ein Spiegelbild ihres eigenen Wartestatus, gefangen zwischen Befristungsverträgen und der ständigen Sorge, den hohen Erwartungen der Fakultät nicht zu genügen.
Doch heute war etwas anders. Weiterlesen

Krieg der Schlachthöfe

*Fleischfresser*innen aufgepasst. Wir sind immer noch die Mehrheit. Auch wenn sie langsam, sehr langsam schmilzt. Da ist zweierlei von uns nicht zuviel verlangt. Erstens, es nicht zu übertreiben. Und uns zweitens dafür zu interessieren, wie unser Fressen produziert wird. Woraus sich zwangsläufig ein höheres Qualitätsbewusstsein entwickeln sollte … könnte … Tut es das? Da ist noch viel Luft nach oben. Dazu zwei aktuelle Hinweise. Weiterlesen

Blattkritik – taz

mit Update 19.2.

Täglich besuche ich ca. 30 Online-Portale. In loser Folge schreibe ich eine “Blattkritik”. Im normalen Leben, früher, als Journalismus noch ernstgenommen wurde von seinen Produzent*inn*en und Konsument*inn*en, war es eine gute Sitte, dass Redaktionen für die morgendliche Sitzung Kritiker*innen von aussen einluden, um ihre Selbstreferentialität konstruktiv zu bekämpfen. Kritik bedeutet: Lob und Tadel in einem ausgewogenen Verhältnis. Mein erster Versuch. Weiterlesen

Kapitel 2: Der Geruch von Erde und Erwartung

Das Schrillen der Wohnungsklingel am nächsten Vormittag durchbrach Claras mühsam aufgebaute „Tulpen-Gelassenheit“ wie ein rostiges Messer. Ein Blick auf die Küchenuhr: 10:30 Uhr. Ihre Mutter war auf die Sekunde pünktlich – was in Hannelores Welt bedeutete, dass sie bereits seit einer Viertelstunde im Treppenhaus gewartet haben musste, um Claras Zuverlässigkeit und die Sauberkeit des Flurs einer ersten Prüfung zu unterziehen. Weiterlesen

Wieverfastelovend-TV

Wer Karneval nicht sooo lustig findet – hier gibt es Ersatz

Die Kanaren und Norddeutschland sind ausgebucht. Die Mehrheit der Rheinländer*innen ist geflohen, wie jedes Jahr. Was bleibt, neben dem hoffentlich erfolgreichen Vorräteeinkauf für diejenigen, die keinen Platz im Flieger oder gar bei der Bahn bekommen haben. Für die Unterhaltung an diesem sehr langen Wochenende hier zwei konstruktive Vorschläge, um den Humor und die gute Laune nicht zu verlieren: Weiterlesen

Tulpen im Januar, Kapitel 1: Fehler im System

Intro:

Kapitel 1: Fehler im System

Das Summen der Belüftung im Institut für Soziologie der Humboldt-Universität hatte eine Frequenz, die man nach zehn Jahren als wissenschaftliche Mitarbeiterin nicht mehr hörte, sondern nur noch als einen Druck auf den Schläfen wahrnahm. Es war 21:00 Uhr an einem Dienstag im Januar. Clara saß allein in ihrem Büro, einem Raum, der mehr nach Archiv als nach Leben roch – eine Mischung aus altem Papier, kaltem Kaffee und dem chemischen Hauch des Laserdruckers. Weiterlesen

Eckenga verpasst

Aktuelle Probleme meiner Mediendiät – Eckenga und Becker in einem Bundesland, es ist furchtbar, aber es geht … sehr gut!

Ich liebe sie beide. Sie verkörpern den Rheinländer und den Westfalen auf sympathischste Weise. Der Eine, Jürgen, ist zwei Jahre jünger als ich, hat aber schon viel weissere Haare. Der Andere, Fritz, ist zwei Jahre älter als ich, und ihn nerven und erfreuen die gleichen Sachen wie mich. Nur dass er eine andere Borussia hat, und dass er, wie so viele, total genervt ist von Claudia Roth, während ich sie besser kenne. Ich bin also in der Mitte zwischen den beiden, was sich biografisch darin symbolisiert hat, dass ich als Schüler mehrmals täglich die Demarkationslinie zwischen Rheinland und Westfalen mit dem Fahrrad überquert habe – im Städteviereck Essen-Bottrop-Gladbeck-Gelsenkirchen. Weiterlesen

Disruption durch Gentechnik

EU-Pläne: Disruption durch Gentechnik gegen das Vorsorgeprinzip

I.

Seit vielen Jahren drängen die grossen Unternehmen der Agrochemie in Deutschland und Europa mit Unterstützung aus bestimmten Kreisen von Politik und Wissenschaft darauf, die bestehenden strengen Regeln für die Zulassung und Nutzung von Gentechnik in der Europäischen Union abzuschaffen.

Was für die klassische Gentechnik gescheitert ist, bei der fremdes Genmaterial eingebaut wird, soll jetzt für die neuen gentechnischen Verfahren gelingen, mit denen das Genom von Pflanzen und Tieren verändert werden kann, ohne fremdes Genmaterial einzuschleusen. Weiterlesen

Perlen des Tages

Gestern: Schwarze Boxer und Käse

Ursula Trüper hat eine schöne kleine Geschichte geschrieben: Black History Month: Der wirkliche Mister Amerika – Schwarze Boxer waren in den USA stets eine Provokation für die rassistische Mehrheitsgesellschaft – und Vorbilder für den Kampf um Gleichberechtigung”. Schade eigentlich, dass die in ein paar Tagen in einem Paywall-Archiv verschwindet. Und einen schweren Fehler habe ich entdeckt, in Fussnote 18. Weiterlesen

Den Reichtum wahren!

Nachrichten aus Nordrokea

Mein guter alter Freund deng-ma-mit hat in unserem Kloster gu-lag-um-deng Aufnahme gefunden. Dies ist verständlich: er hatte sehr viele falsche Informationen geglaubt und deshalb seinen Pfad verloren. An seinem Beispiel kann man sehen, wie gefährlich die ausländischen und boshaften Falschmeldungen auf einen kleinen Teil unseres Volkes wirken können. Weiterlesen

Dr. Clarissa Vogler: Tulpen im Januar

Manchmal bekomme ich Texte zur Durchsicht, nichts was die Welt bewegt. Selten fällt es aus dem Rahmen, erstaunt oder erheitert. Um so irritierter war ich, als mich eine Bekannte, von der ich sehr lange nichts hörte, fragte, was ich von einer Liebesgeschichte halte.

Nichts natürlich, es wäre allerdings unhöflich genau das zu sagen, ohne es zu kennen. Also stöbere ich in der Kurzfassung über die ersten drei Kapitel. Sehe sie vor mir, brünett, nicht groß, nicht klein, eine Brille auf der Nase, ein strenger Blick – in der Gesamtkomposition eher spröde – fernab der Zeilen, die ich vor mir habe. Weiterlesen

Dienstagnacht: Kino-Oldies

Ist die Gegenwart nur eine Operette? – Früher war nicht alles besser, aber manches

Zuerst, und eh ichs vergesse, möchte ich der vielleicht besten deutschen Schauspielerin der Gegenwart Corinna Harfouch zu ihrem Ausstieg aus dem “Tatort” gratulieren – ein weiser Entschluss. Selbst der Laienzuschauer (und auch die Zuschauerin) erkennt längst die Kürzung der Drehtage, von den Drehbüchern ganz zu schweigen. Wenn die ARD diesen Fehler bemerkt, wird es zu spät sein. Derweil erreicht die Epstein-Affäre den Chef der nächsten Olympischen Spiele (L.A. 2028) und den Tony-Blair-Spezi Peter Mandelson. Überraschungen sind was Anderes. Einfacher wäre eine Liste derer, die damit nichts zu tun haben … Hier meine Tipps, wie Sie von alldem nicht belästigt werden. Weiterlesen

Am Wochenende gehts

Aktuelle Probleme meiner Mediendiät

Linda Bresonik, Fussballweltmeisterin 2003 und 2007, ist in ihrer alten Heimat Essen öffentlich aufgetreten. Und mein Paywallbohrer funktionierte wieder nicht. Ihre grössten sportichen Erfolge errang sie, als die Mehrheit des Publikums noch gar nicht wusste, dass es leistungsstarken Frauenfussball gibt. Ich dagegen verehrte sie schon, als sie im Mittelfeld Regie führte. Erst später wurde sie zur offensivstarken Aussenverteidigerin umgeschult, scheiterte aber bei der Heim-WM 2011, die erstmals komplett im TV lief, an den späteren Weltmeisterinnen aus Japan. Keine Ahnung also, was die Gute heute zu erzählen hat. Die Funke-Mediengruppe hält es verborgen. Weiterlesen

Gilligans jüngster Streich

Noch nicht frei verfügbar: “Pluribus”

Die Medienmilliardär*inn*e*n müssen noch reicher werden. Darum kann ich Ihnen hier vorläufig nur den Mund wässerig machen. Vince Gilligan, der Erfinder von “Breaking Bad” (lief auf Arte) und “Better Call Saul” (vom ZDF totgesendet), den mutmasslich besten TV-Serien der Welt, mit der unter Medienaspekten vielleicht radikalsten Kapitalismuskritik, dieser Gilligan hat erneut zugeschlagen. Und zeitgemässer geht es nicht. Die spannende Frage: in wievielen Jahren gedenken die Medienmächtigen die Ware dem minderbemittelten Mob hier draussen zugänglich zu machen? Weiterlesen

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