Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Kategorie: Genuss (Seite 1 von 63)

„Yazid“ nach Schwarzrheindorf

Der real existierende Kapitalismus versorgt uns nicht

Schulterzuckend heult die Kommunalpolitik, weil wieder ein Edeka schliesst. Das war mindestens so absehbar, wie die kaputte Nordbrücke oder die kaputten Stadtbahnen. Den einstigen Edeka-Lange kenne ich seit ich Bonner bin, seit 50 Jahren. Als ich studierte, residierte er noch am Friedensplatz und war berühmt für sein exquisites Whisky-Sortiment. Später zog er nach Beuel in das ehemalige Vorstadtkino, in dem sich jetzt der Bioladen Momo befindet. Von dort zog er weiter in die Jahnstrasse. Weiterlesen

Trugbild: Männer, die auf Frauen starren

Smartphones und Smartglasses bringen einen im Internet geformten Blick auf die Straße. Das erschwert die Bewegung im öffentlichen Raum.

Drei Männer trübten den Ausblick auf den wohl schönsten Strand am Gardasee. Der erste, nackt bis auf ein rotes Bandana, stand bis zur Hüfte im Wasser und ließ seinen Blick schweifen. Nummer zwei räkelte sich nur wenige Meter weiter auf einem Handtuch, scrollte und griff sich in kurzen Handypausen zwischen die Beine. Auch er war nackt. Der Dritte im Bunde hatte es sich im Schatten der Bäume gemütlich gemacht. Die kleinen schwarzen Linsen seines Smartphones zeigten auf mich und meine Freundin. Wir hielten die Stellung. Weiterlesen

Farbe gegen Arschlochfähigkeit?

Seit einigen Monaten beobachte ich ein interessantes Phänomen. Die politischen Gewalttaten steigen an, gewalttätige Auseinandersetzungen am Wochenende, in Fußballstadien und drumherum, Aggressionen auf Partymeilen und bei Großveranstaltungen nehmen zu. Und natürlich steigt die AfD in den Umfragen. Gleichzeitig wird die Welt um mich herum immer langweiliger, trister, grauer und farbloser. Gibt es da vielleicht einen Zusammenhang? Sei er symptomatisch, beispielhaft oder gar ursächlich? Wie komme ich drauf? Weiterlesen

Wer solche Intendanten hat …

… braucht keine Feinde mehr

Wurde die „Fürsorgepflicht“ des Arbeitgebers irgendwann abgeschafft? Wenn es nach den öffentlichen Eindrücken geht, die der amtierende Bundeskanzler zu verbreiten versucht, hat es sie nie gegeben. Und die Mehrheit der Bevölkerung hat kein Jura studiert. Und selbst wenn – die Mehrheit der Jurist*inn*en hat das Thema gewiss umschifft, weil sich nur mit dem Asylrecht noch weniger Geld verdienen lässt.

Als ich noch jung war, war dieser alte Wehrmachtsangehörige und vergebliche NSDAP-Angehörige, WDR-Intendant. Und das sehr lange, 1961-76. Weiterlesen

Söder skrupellos – Merz düpiert

Der Vorschlag Markus Söders für die künftige Bundespräsidentin ist weder parteipolitisch noch intellektuell eine besondere Sensation. Das ist, als wenn jemand vorschlägt, dass Mercedes-Benz die älteste Autofabrik ist, die die besten Autos in Deutschland baut  – ebenso wie Audi und BMW, die von ihrer Marke dasselbe behaupten würden. Mit den Unterschied, dass es bei Ilse Aigner eigentlich kein Pendant gibt. Diese Frau ist eine Demokratin, die von den Grünen, möglicherweise sogar den Linken, bis zur CSU politisch geschätzt wird. Weiterlesen

Sie wollen alle nur das Eine

Daten sind Kapital

Neulich bot der oligarcheneigene Streamingdienst Dazn einen ganzen Champions-League-Spieltag der Oligarchenorganisation Uefa – das sind im Kampf gegen den teuflischen Trump-Buddy Don Infantino angeblich „die Guten“ – paywallfrei an. Warum wohl? Kein einziges der Profimedien aus der guten alten Zeit wusste es; alle jubelten über so viel „Zuschauer*innen*freundlichkeit“. Tja, wie blöd kann mann sein? Weiterlesen

Nehmt das

Rassisten, Frauenhasser, Incels, Faschisten – ihr habt nur euren Hass

Wir haben Anna Mae Bullock, ihre Kunst und Spass am Leben.

„Tina Turner: One Last Time – ist ein mitreißendes Konzert-Erlebnis, das die legendäre Tina Turner in ihrer vollen Strahlkraft zeigt. Aufgezeichnet im Juli 2000 im Londoner Wembley-Stadion während ihrer ‚Twenty Four Seven‘-Tour, bot Tina Turner eine beeindruckende Performance, gefilmt von 18 Kameras unter der meisterhaften Regie von David Mallet.“ 122 min. Verfügbar bis 30.12. Weiterlesen

Wieder eine Perle versenkt?

Arte hat einen überaus preisbehängten queeren französischen Film im Nachtprogramm versenkt und mit angeblichem Jugendschutz und Altersbeschränkungen verrammelt: „Misericordia – Jérémie kehrt zur Beerdigung seines ehemaligen Arbeitgebers in ein abgelegenes Dorf zurück. Dessen Witwe nimmt ihn bei sich auf. Ihr Sohn Vincent glaubt, Jérémie wolle die Trauer seiner Mutter ausnutzen, um sich bei ihr einzuquartieren. Alain Guiraudies Psychothriller erzählt von Begehren, Eifersucht und einer Schuld, die ein Dorf vor eine ungewöhnliche moralische Prüfung stellt.“ 99 min. Verfügbar bis 12.11. Weiterlesen

Schlechte Scherze dürfen nicht alles

Was ist Satire?

Einerseits ist das Geschmackssache. Und jede‘ Jeck is anders. Also Ende der Debatte? Nein keineswegs. Wer nach „unten“ tritt, macht keine Satire, sondern schlechte und dazu noch billige Scherze. Das ist weder kritisch noch lustig. Ausser für „die da oben“. Die lachen sowieso zuviel. In eine fachliche Diskussion gehören zusätzlich Fragen des Handwerks. Ist eine Pointe gut oder schlecht? Ist eine gute Pointe dennoch schlecht gesetzt? Wie ist das Agendasettung zu beurteilen? Wie der Vortrag, die Erzählweise. das Timing? Die Recherche? Das Zusammenspiel eines Ensembles? Darüber ist unendlicher Streit möglich. Und nötig. Solange „wir hier“ eine Demokratie sind. Weiterlesen

Ode an den Kaugummiautomaten

Ein Bildband schwelgt in analogeren Zeiten

Nicht alles was glänzt, ist Gold. Kaugummiautomaten glänzten nie, nicht mal brandneu, aber für manch einen Hosenscheisser hatten sie etwas mystisches, Verbotenes. Wer Mutti völlig skrupellos zehn Pfennig aus dem Portemonnaie, Verzeihung: der Geldbörse, stibitzte, stieg in Westdeutschland ad hoc zum Macker auf. Er und die Maschine. Er gegen die Maschine. Zwergenaufstand. Auch Glück war nun endlich käuflich! Weiterlesen

Massives Containment im Namen der „Familie“

Einst galt Istanbul als Kunstmetropole. Doch durch staatliche Repressionen unter Erdoğan kann gerade queere Kunst kaum mehr stattfinden – und Solidarität mit Kunstschaffenden bleibt aus

„Taner Taner“. Unter diesem harmlosen Titel stellte der türkische Künstler Taner Ceylan auf der Istanbul-Biennale 2003 eine Serie reichlich gewagter Ölgemälde aus. Auf ihnen war der Künstler im sexuellen Analverkehr mit sich selbst zu sehen. Weiterlesen

Panik

Die rechten „Tabubrecher“ in der Bonner Stadtspitze

9.490.000.000.000 € ist die Summe der privaten Vermögen in Deutschland. Geld ist also genug da. Es ist nur nicht in den Steuerkassen, insbesondere nicht in denen, aus denen deutsche Kommunen, also die Basis der demokratischen Politik, ihre Aufgaben bestreiten können. Für eine Steuer-Gesetzgebung haben sie keine Kompetenz. Sie sind von der Weisheit des Bundes und der Länder abhängig. Darauf warten sie. Und warten. Und warten. Und gelegentlich klagen sie, von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt. Weiterlesen

Erinnern – Gedenken – Zukunft 

Der Newsletter des Demokratischen Salons für Oktober und November 2026 (den vollständigen Text lesen Sie hier) informiert Sie über die zwischen Mitte August und Ende September veröffentlichten Texte. Wie üblich finden Sie Leseempfehlungen und Hintergrundinformationen sowie auf einer eigenen Seite, nach Orten sortiert Vorschläge für den Besuch von Veranstaltungen und Ausstellungen. Weiterlesen

Anche tu?

Über Gianna Nanninis Jubiläumskonzert in der Waldbühne Berlin

50 Jahre nach ihrem Debüt zeigt Gianna Nannini in Berlin, warum ihre Musik nichts von ihrer Wucht verloren hat. Die italienische Sängerin und Songschreiberin rockt die Waldbühne und stellt nebenbei die Frage: Was haben Männer, Marmorstatuen und eine KI gemeinsam? Gianna Nannini liefert eine mögliche Antwort: zu viel Fassade, zu wenig Gefühl. Ihr Konzert wird zum wilden Ritt durch Liebe, Sehnsucht, Erinnerungen – und die verpassten Chancen der Männer. Ich war dabei. Weiterlesen

10 Jahre vor mir

Bonner Stadt- und Familiengeschichte – ich bin anders abgebogen

mit Update nach einmal Schlafen

Nun habe ichs tatsächlich gesehen: „Fritz Litzmann, mein Vater und ich – Eine sehr persönliche Reise durch die deutsche Kabarettgeschichte: Aljoscha Pause porträtiert seinen Vater als Kleinkunst-Größe Fritz Litzmann, aber auch als Leerstelle im Familiengefüge.“ 142 min. Verfügbar bis 20.12. Ich weiss nicht, ob ich so eine reflektierte Familiengeschichte und so einen schönen Bonn-Film jemals gesehen habe. Kann mich nicht erinnern. Weiterlesen

Sachdienliche Hinweise

ARD erwartet Merz‘ Sturz – Verdacht auf aktuelle Mediathekperlen

Der Wahlabend-Trash wird heute in der ARD vom Köln-Tatort aufgelockert. Eine Wohltat? Ich weisses nicht. Ich bin Stammgucker, Fan von Behrendt und Bär und ihrem unermesslichen Lebenswerk. Meine Daten zum Vorabgucken liefere ich der ARD nicht ab. Das ist ja wie beim Pay-TV. Ob mir diese Folge gefallen wird (1 Jahr verfügbar)? Die taz-Rezension von Ambros Waibel verunsichert mich. Denn auf Platzangst steh‘ ich nicht.

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Politische Nachtlektüre für Friedrich Merz

Was dem Sonnenkönig wohl in Versailles durch seine „auguste tête“, durch seinen „erhabenen Kopf“ gegangen ist, als er sich daran machte, politisch erbaulichen Lesestoff für seinen Sohn, den Grand Dauphin, Frankreichs Grossen Thronfolger auszuwählen? Er hätte ja zu Platons „Staat“ greifen können, zu Cäsars „Gallischem Krieg“, zu Suetons antiken „Kaiserbiographien“.

Aber nein. Ein unvergleichlich schlichteres Werk schien ihm besser geeignet, das politische Denken des Mannes zu formen, der Frankreich regieren und Europa beherrschen würde. Mit Bedacht wählte der Sonnenkönig für seinen Sohn „les fables“ von Monsieur de Lafontaine. Weiterlesen

Der Garten als Kampfküche und Überlebensort

Interview mit Ana Santos über afro-brasilianische Territorialität in Rio de Janeiro

Im Complexo da Penha, einem Zusammenschluss von zehn Favelas im Norden Rio de Janeiros, hat die Afro-Brasilianerin Ana Santos eine kleine Oase geschaffen. In einem Gemeinschaftsgarten wachsen Lebensmittel aus agrarökologischer Produktion. Für Ana und ihre Mitstreiterinnen vom CEM ist städtische Landwirtschaft kein Hobby, sondern eine Form des Überlebens und der Selbstbestimmung: Weiterlesen

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