Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Kategorie: Genuss (Seite 1 von 58)

Es geht auch sachlich

Überraschung: eine vernunftorientierte Porno-Debatte auf 3sat

Früher, unter der sachlichen-neugierigen Leitung von Gert Scobel, habe ich 3sat-Gesprächsrunden immer wieder mal gerne verfolgt, wenn mich das Thema interessierte. Scobel wurde mittlerweile zugunsten von Alena Buyx von 3sat aufs Altenteil und zu Freund Küppi überwiesen. Frau Buyx war in der Corona-Krise so medienallgegenwärtig, dass sie bei mir in der – vielleicht ungerechten? – Geschwätzigkeits-Schublade landete. Letzten Donnerstag wurde mein Vorurteil von ihren Gästen überwunden. Weiterlesen

Kapitel 11: Die weiße Tabula Rasa

Als Clara am nächsten Morgen erwachte, war das Erste, was sie wahrnahm, eine Stille, die so tief und substanziell war, dass sie fast ein Geräusch zu machen schien. Das Feuer im Ofen war längst erloschen, doch die Scheune hielt die Restwärme der Nacht wie ein kostbares Geheimnis. Erik schlief noch immer im Sessel neben ihr. Im bläulichen Dämmerlicht des frühen Morgens wirkten seine Züge vollkommen entspannt, die Furchen der Sorge und der „eingeschränkten Belastbarkeit“ waren wie weggewischt. Seine Hand ruhte noch immer in ihrer, ein Anker in der Zeitlosigkeit. Weiterlesen

Der Star ist die Stadt

Hongkong in “Strangers” – nach 8 Jahren frei verfügbar

Kann mann oder frau den Brit*inn*en neokolonialen Blick zum Vorwurf machen? Vermutlich den meisten nicht, was können sie dafür? Aber feststellen darf mann oder frau ihn durchaus. “Der Chinese”, ist der nicht irgendwie rätselhaft? Das wird doch hierzulande ganz ähnlich gesehen, Nichtwissen, Ahnungslosigkeit auf diese Weise als vorgebliches Wissen verkleidet. Immerhin spart “Strangers” auch nicht mit kritischen Blicken auf die postkoloniale Politik britischer Botschaften, Konsulate und Diplomat*inn*en. Sehr gut ansehbar also. Weiterlesen

Identität, Erinnerung und Migration

Eine literarische Begegnung

Mit meinem Buch „Ilyas’ Reise nach Dersim“ öffne ich einen literarischen Raum, in dem Fragen von Herkunft, Identität und kulturellem Gedächtnis neu verhandelt werden können. In unserer Migrationsgesellschaft erleben viele Familien ähnliche Spannungen: Die Erinnerungen der ersten und zweiten Generation stehen oft im Kontrast zu den Lebensrealitäten der Nachgeborenen. Weiterlesen

Kapitel 10: Das Schweigen der Wasser und die Wahrheit der Herkunft

Die Scheune lag am äußersten Ende eines Feldwegs, der so tief verschneit war, dass der Volvo sich wie ein sanftmütiges Tier durch die weißen Massen schieben musste. Als Erik den Motor abstellte, war die Stille so absolut, dass sie fast schmerzte. Vor ihnen erstreckte sich der See, eine weite, bleierne Fläche, die im dichten Dunst des späten Abends ihre Ufer verloren hatte. Es gab keinen Strom, keine Straßenlaternen, die das Dunkel in ein künstliches Orange tauchten. Nur das fahle Licht des Mondes, das durch die Wolkendecke sickerte, verlieh der Landschaft eine geisterhafte Kontur. Weiterlesen

Die starke Frau dahinter

Der München-“Tatort” wäre ohne sie nicht das geworden, was er war – aber wer erinnert noch an sie?

mit Update 7.4.

Ohne solche Redakteur*inn*e*n wäre das TV schon lange tot. Sie haben es gross gemacht, zum zeitweise zentralen und mächtigsten Medium der BRD, das auch in der DDR ausgiebig konsumiert wurde. Das German Television. Sie sind heute fast vergessen, weil sie uneitel kreative Arbeit gemacht haben: Stoffe entwickeln, Bühnen bauen, das Senden gegen ignorante kenntnisfreie Chefs durchsetzen, sich still freuen, wenn sich Erfolg einstellt und Stars geboren werden. Horst Königstein (NDR) war so einer, Heidi Steinhaus (WDR, Schimanski-“Tatorte”, noch nicht mal mit Wikipedia-Eintrag) und ganz sicher auch Silvia Koller, ohne die es die gegenwärtigen Oster-Feierlichkeiten nicht geben würde. Aber wer erinnert an sie? Weiterlesen

Kapitel 9: Die Grammatik des Widerstands

Der Volvo glitt über eine schmale Asphaltstraße, die sich wie ein dunkles Band durch die erstarrte Schorfheide zog. Die Dämmerung kroch bereits aus den Gräben und hüllte die Birken am Wegesrand in ein diffuses Grau. Erik steuerte den Wagen mit einer Konzentration, die Clara bewunderte; er schien mit der Maschine zu verschmelzen, jede Vibration des alten DDR-Exportmodells in seinen Fingerspitzen spürend. Weiterlesen

Sargnagel ist keiner

Ösi-Perle belebt Lebensgeister – mit fünf Jahren Verspätung

Deutsches Fernsehen wie Deutsche Bahn: Übergaben aus der Schweiz oder Österreich gelingen immer nur mit satter Verspätung. So wie die späten Staffeln der “Vorstadtweiber” erst kürzlich dem in den Sendern für debil gehaltenen deutschen Publikum zugemutet wurden, so ist vor einigen Tagen nun auch “Sargnagel – der Film” mit fünf Jahren Verspätung bei 3sat eingetroffen. Verfügbar bis 28.9. Weiterlesen

Frontkämpferin

“Coexistence, My Ass!” von und mit Noam Shuster-Eliassi

Was diese Frau macht, muss ich gestehen, dafür wäre ich zu feige. Ich wäre schon längst weg. Allerdings wüsste ich nicht zu sagen, wohin (Beuel vielleicht …?).

Coexistence, My Ass! – Noam Shuster-Eliassi kennt den israelisch-palästinensischen Konflikt seit ihrer Kindheit. Die in einem arabisch-israelischen Friedensdorf aufgewachsene Stand-up-Comedian nutzt scharfe Ironie, um ihr Publikum mit der harten Realität des Nahostkonflikts zu konfrontieren. Während die Region in Gewalt versinkt, zwingt sie ihr Publikum mit Humor, über das Unfassbare nachzudenken.” Verfügbar bis 22.10. Weiterlesen

Kapitel 8: Die Statik der Beständigkeit

Der Morgen der Abreise war von einer Klarheit, die den Berliner Himmel wie geschliffenes Glas wirken ließ. Clara wartete vor ihrem Altbau in Schöneberg, ihre Reisetasche zu ihren Füßen, als ein tiefes, sonores Brummen die Straße erfüllte. Es war kein hektisches Nageln moderner Motoren, sondern ein sattes, fast beruhigendes Grollen, das von einer Maschine erzählte, die noch aus einer Zeit stammte, als Dinge gebaut wurden, um Generationen zu überdauern. Weiterlesen

Nachleuchten

Kunstausstellung in Königswinter

Luis Paulo Jochim (25) begleitete Kinder auf ihren Wegen durch die Grundschule — an der Carl-Orff-Schule in Hürth: Schülerinnen und Schüler mit besonderen Bedürfnissen. Er half ihnen, am Unterricht teilzunehmen, förderte ihre Selbstständigkeit und soziale Integration und arbeitete eng mit Lehrern, Eltern und Therapeuten zusammen. Bis zum Mittag des 4. Juni 2025. An diesem Tag war er an der Seite einer vierten Klasse auf ihrem Weg von der Schule zum nahe gelegenen Sportplatz – als ein Mann, fünf Jahre jünger als er, sein Leben jäh beendete: Zeugen zufolge soll der 20jährige Autofahrer an der Frechener Straße bei Rot über die Ampel gefahren und mit seinem Fahrzeug in die Schülergruppe geraten sein. Weiterlesen

“Merz, leck Eier!”

Alexander Kluge ist tot, aber der Kampf geht weiter. Hamburg hat es gut gemacht. Und die oppositionelle Bewegung in den USA macht es noch besser

Es gibt viele Gründe Alexander Kluge verehrt zu haben. Die meisten werden heute von diversen Medien digital eingemauert. Ganz gebührenfrei möchte ich ein Beispiel nennen, mit dem ich sehr weit am Rande stehend, bzw. im Büro eines Fraktionsvorsitzenden einer NRW-Regierungskoalition sitzend, befasst war. Alexander Kluge trieb die Konzernbosse der TV-Privatsender RTL (Bertelsmann) und Sat1 (Kohlspender Leo Kirch) in den Wahnsinn, weil er am späten Abend ihren “Audience Flow” crashte. Weiterlesen

Mit schönen Grüßen ans Getriebe

Er flog mit der TR6 übers Nazilager und machte den langen Blick zum Statement. Gestern wäre der Schauspieler Steve McQueen 96 geworden

Manche nannten ihn »Bandito«, andere schlicht »King Of Cool«. Er war der Schauspieler mit Benzin im Blut. In den 60er und frühen 70er Jahren war Steve McQueen der bestbezahlte Hollywood-Act, ein Multimillionär. Am besten war er, wenn er irgendetwas in der Hand hielt, einen Steuerknüppel, eine Waffe, eine Spielkarte. Er ließ Taten statt Worte sprechen, ging Problemen nicht aus dem Weg, gab privat wie vor der Kamera alles. Was die Leute sich erträumten, aber nie wagten; er machte es. Komischerweise war er genau deshalb einer von ihnen.

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“Kovac-Fussball” in Bonn

“Scheisse spielen und gewinnen”, das ist das Prinzip des “Kovac-Fussballs”, der beim Fussballkonzern aus dem westfälischen Raum gelehrt und praktiziert wird. Nur wenige BVB-Fans widersprachen mir nach dem Spiel im Bus vom Stadion in die City, weil sie sich über die gewonnenen drei Punkte mit sichtbar verkniffenem Gesicht freuen wollten. Die Mehrheit stimmte mir zu: “Es macht keinen Spass, sich das anzugucken.” Die allzeit passende Phrase: “So ist Fussball”. Weiterlesen

Mehr als Agitprop-Prosa aus dem Schwarzen Block

Buch über antifaschistische Architektur: Was ist antifaschistisches Bauen? Die US-Architekturforscher Daniel Jonas Roche und Andrew Santa Lucia haben dazu ein spannendes Buch veröffentlicht.

Ein gigantisches Hakenkreuz, das von Arbeitern mit Schaufeln und Motorfräsen gewaltsam zerstört wird. Das plakative Wandrelief, das der damals 31 Jahre alte Bildhauer und Designer Isamu Noguchi 1935 im Abelago Rodriguez Markt in Mexiko-Stadt schuf, entspricht dem populären Bild der klassischen Antifa: die Proletarier, die sich entschlossen den finsteren Mächten von Kapitalismus und Faschismus entgegenstellen. Weiterlesen

Kapitel 7: Das Licht im Schatten

Die Säulenhalle der Alten Nationalgalerie empfing sie mit einer Kühle, die den Lärm der Berliner Stadtmitte sofort verstummen ließ. Clara und Erik stiegen die monumentale Treppe hinauf, ihre Schritte auf dem polierten Stein hallten leise nach. Es war eine bewusste Entscheidung für diesen Ort gewesen; die Architektur verlangte eine gewisse Haltung, ein „Sie“, das hier nicht wie Distanz, sondern wie angemessene Ehrfurcht wirkte. Weiterlesen

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