Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Kategorie: Genuss (Seite 1 von 58)

Die Ba-Wü-Li-La-Launekoalition – ein Vorbild?

Nun hat es doch am Anfang ein kleines bisschen “Rache ist Blutwurst” gegeben. Denn von 112 Stimmen der grün-schwarzen Koalition hat Cem Özdemir bei der Wahl nur 93 bekommen. Ein Denkzettel, den der grüne Fraktionssprecher Schwarz nicht mit der Bemerkung abtun sollte, dass bei einer Zweidrittelmehrheit im Landtag ja auch mal die eine oder andere Stimme fehlen könne. Die CDU hat offensichtlich noch immer nicht ihre knappe Wahlniederlage verdaut und einige unsichere Kantonisten spielen weiter beleidigte Leberwurst. Das sollte aber auch Vize-Ministerpräsident Hagel ernst nehmen, denn die mangelnde Solidarität aus der eigenen Fraktion wird früher oder später auf ihn zurückfallen. Weiterlesen

100 Timmys geschlachtet

Unsere Nato-Freund*inn*e*n in Norwegen, den Färöern, Island und Japan haben andere Prioritäten als der deutsche Medienboulevard

Wo sind die deutschen TV-Anstalten, die Kamerateams in die Nordsee und den Nordatlantik entsenden? Dort wo, sollte er überlebt haben, irgendwo “unser Timmy” rumschwimmen muss, und vergeblich sozialen Anschluss bei Artgenoss*inn*en sucht. Die Leute wollen ja angeblich Bilder. Weiterlesen

Kapitel 14: Die Ewigkeit im Augenblick

Ein Jahr später war der Berliner Januar von jener schneidenden, ungnädigen Kälte, die die Stadt wie in eine kristalline Starre versetzte. Doch für Clara und Erik hatte sich die Geografie ihres Lebens grundlegend verschoben. Das Archiv der Langsamkeit im Souterrain des Instituts war längst kein staubiges Experiment mehr, das von der Fakultätsleitung nur zähneknirschend geduldet wurde. Es war zu einem subversiven Kraftzentrum gewachsen. Wo früher Aktenordner lagerten, standen nun deckenhohe Regale aus unbehandeltem Holz, gefüllt mit Briefwechseln, handgeschriebenen Manuskripten und jener Art von Fachliteratur, die man nicht überfliegen konnte, sondern die ein langsames Kauen der Sätze verlangte. Weiterlesen

Ausgeschieden

In der Arte-Reihe “Europas große Filmpaläste” kommt Bonn nicht vor – verdientermassen

mit Update 10.5.

Der TV-Sender Arte bietet eine vierteilige Dokumentationsreihe “Europas große Filmpaläste” an. Verfügbar is 29.7. Die erste Folge über das “Grand Rex” in Paris habe ich bereits gesehen. “Mit 2.700 Plätzen ist das Grand Rex der größte Art-déco-Filmpalast Europas. Jacques Haïk gab den Bau in Auftrag und brachte in den 1920er Jahren als Filmimporteur Charles Chaplin nach Frankreich. Weiterlesen

Gott hat mich gestraft.

Verdammt hat Gott mich dazu, meine letzten Jahre im Erzbistum Köln zu verleben. Mitten im deutschen Katholizismus. In einer Stimmung, wie sie so hundsmiserabel wohl nirgendwo sonst auf der Welt zu finden ist. Nicht dass sie alle gleich schlecht gestimmt wären, die deutschen Katholiken. Dies zu behaupten, wäre ein böses Vorurteil. Da gibt es subtile Variationen. Links sind sie sauer. Rechts sind sie bitter. Guter Dinge sind sie alle nicht. Fast ist es, als gehörten über die Triumphbögen der deutschen Katholikentage Dantes Worte über dem Höllentor: „Lasciate ogni speranza“ – „Lasst alle Hoffnung fahren!“ Weiterlesen

Fussball-Entscheidungen

Und ihre Folgen für die, die sich “nicht für Fussball interessieren”

Über allem steht die Trump-WM, die in gut einem Monat beginnt, und den US-Präsidenten politisch vor der drohenden Demokratie retten soll. Ironischerweise soll sie am 11.6. um 21 h von Mexiko und Südafrika eröffnet werden, deren Regierungen nicht für ihre Freundschaft mit dem Trump-Regime bekannt sind. Aber es ist doch “nur” Fussball? Ist es nicht. Weiterlesen

Kapitel 13: Das Archiv der Langsamkeit gegen die Diktatur der Taktung

Der Montag am Institut für Soziologie begann üblicherweise mit dem metallischen Klacken von Absätzen auf Linoleum und dem nervösen Zischen der Espressomaschine in der Teeküche. Es war der Tag der „Jour Fixe“, jener Sitzungen, in denen Effizienzberichte wie Gebete heruntergebetet wurden. Doch als Clara und Erik gemeinsam das Foyer betraten, schien sich das Licht in der Eingangshalle zu brechen. Sie gingen nicht schnell; sie passten ihren Schritt dem ruhigen Puls an, den sie aus der Uckermark mitgebracht hatten. Weiterlesen

Apple will nicht platzen

Das (digitale) Entertainment-Business ruiniert menschliche Zugewandtheit, Freundlichkeit und Gesundheit

Die geheimen Vorzüge von Olaf Scholz treten langsam zutage. Wenn Sie den heutigen Bundeskanzler und seinen Vorgänger vergleichen: war Olafs Schweigen nicht eine Wohltat? Und vielleicht war das Nicht-Erklären seiner Politik ein Akt innerer Verzweiflung? Als Juso hatte er noch versucht, der Öffentlichkeit den staatsmonopolistischen Kapitalismus begreiflich zu machen. Und war daran, wie fast alle, die es versuchten, fundamental gescheitert. Olaf Scholz war und ist ein lernendes System. Das würde ich bei Friedrich Merz anzweifeln. Und bei den IT-Multimilliardären der Gegenwart erst recht. Weiterlesen

Kapitel 12: Die Rückkehr der Anachronisten

Die Avus empfing sie mit der gewohnten Aggressivität des späten Sonntagnachmittags. Autos schossen wie metallische Projektile an dem alten Volvo vorbei, Scheinwerfer zuckten im Rückspiegel, und die digitale Anzeigetafel über der Fahrbahn mahnte mit nervösem Flackern vor Stau und Glätte. In der Kabine des 244ers herrschte jedoch eine Atmosphäre, die an die Leselounge eines traditionsreichen Clubs erinnerte. Das tiefe Brummen des Motors und die Wärme der Heizung schufen eine Distanz zur Hektik da draußen, die Clara fast physisch spürte. Weiterlesen

Es geht auch sachlich

Überraschung: eine vernunftorientierte Porno-Debatte auf 3sat

Früher, unter der sachlichen-neugierigen Leitung von Gert Scobel, habe ich 3sat-Gesprächsrunden immer wieder mal gerne verfolgt, wenn mich das Thema interessierte. Scobel wurde mittlerweile zugunsten von Alena Buyx von 3sat aufs Altenteil und zu Freund Küppi überwiesen. Frau Buyx war in der Corona-Krise so medienallgegenwärtig, dass sie bei mir in der – vielleicht ungerechten? – Geschwätzigkeits-Schublade landete. Letzten Donnerstag wurde mein Vorurteil von ihren Gästen überwunden. Weiterlesen

Kapitel 11: Die weiße Tabula Rasa

Als Clara am nächsten Morgen erwachte, war das Erste, was sie wahrnahm, eine Stille, die so tief und substanziell war, dass sie fast ein Geräusch zu machen schien. Das Feuer im Ofen war längst erloschen, doch die Scheune hielt die Restwärme der Nacht wie ein kostbares Geheimnis. Erik schlief noch immer im Sessel neben ihr. Im bläulichen Dämmerlicht des frühen Morgens wirkten seine Züge vollkommen entspannt, die Furchen der Sorge und der „eingeschränkten Belastbarkeit“ waren wie weggewischt. Seine Hand ruhte noch immer in ihrer, ein Anker in der Zeitlosigkeit. Weiterlesen

Der Star ist die Stadt

Hongkong in “Strangers” – nach 8 Jahren frei verfügbar

Kann mann oder frau den Brit*inn*en neokolonialen Blick zum Vorwurf machen? Vermutlich den meisten nicht, was können sie dafür? Aber feststellen darf mann oder frau ihn durchaus. “Der Chinese”, ist der nicht irgendwie rätselhaft? Das wird doch hierzulande ganz ähnlich gesehen, Nichtwissen, Ahnungslosigkeit auf diese Weise als vorgebliches Wissen verkleidet. Immerhin spart “Strangers” auch nicht mit kritischen Blicken auf die postkoloniale Politik britischer Botschaften, Konsulate und Diplomat*inn*en. Sehr gut ansehbar also. Weiterlesen

Identität, Erinnerung und Migration

Eine literarische Begegnung

Mit meinem Buch „Ilyas’ Reise nach Dersim“ öffne ich einen literarischen Raum, in dem Fragen von Herkunft, Identität und kulturellem Gedächtnis neu verhandelt werden können. In unserer Migrationsgesellschaft erleben viele Familien ähnliche Spannungen: Die Erinnerungen der ersten und zweiten Generation stehen oft im Kontrast zu den Lebensrealitäten der Nachgeborenen. Weiterlesen

Kapitel 10: Das Schweigen der Wasser und die Wahrheit der Herkunft

Die Scheune lag am äußersten Ende eines Feldwegs, der so tief verschneit war, dass der Volvo sich wie ein sanftmütiges Tier durch die weißen Massen schieben musste. Als Erik den Motor abstellte, war die Stille so absolut, dass sie fast schmerzte. Vor ihnen erstreckte sich der See, eine weite, bleierne Fläche, die im dichten Dunst des späten Abends ihre Ufer verloren hatte. Es gab keinen Strom, keine Straßenlaternen, die das Dunkel in ein künstliches Orange tauchten. Nur das fahle Licht des Mondes, das durch die Wolkendecke sickerte, verlieh der Landschaft eine geisterhafte Kontur. Weiterlesen

Die starke Frau dahinter

Der München-“Tatort” wäre ohne sie nicht das geworden, was er war – aber wer erinnert noch an sie?

mit Update 7.4.

Ohne solche Redakteur*inn*e*n wäre das TV schon lange tot. Sie haben es gross gemacht, zum zeitweise zentralen und mächtigsten Medium der BRD, das auch in der DDR ausgiebig konsumiert wurde. Das German Television. Sie sind heute fast vergessen, weil sie uneitel kreative Arbeit gemacht haben: Stoffe entwickeln, Bühnen bauen, das Senden gegen ignorante kenntnisfreie Chefs durchsetzen, sich still freuen, wenn sich Erfolg einstellt und Stars geboren werden. Horst Königstein (NDR) war so einer, Heidi Steinhaus (WDR, Schimanski-“Tatorte”, noch nicht mal mit Wikipedia-Eintrag) und ganz sicher auch Silvia Koller, ohne die es die gegenwärtigen Oster-Feierlichkeiten nicht geben würde. Aber wer erinnert an sie? Weiterlesen

Kapitel 9: Die Grammatik des Widerstands

Der Volvo glitt über eine schmale Asphaltstraße, die sich wie ein dunkles Band durch die erstarrte Schorfheide zog. Die Dämmerung kroch bereits aus den Gräben und hüllte die Birken am Wegesrand in ein diffuses Grau. Erik steuerte den Wagen mit einer Konzentration, die Clara bewunderte; er schien mit der Maschine zu verschmelzen, jede Vibration des alten DDR-Exportmodells in seinen Fingerspitzen spürend. Weiterlesen

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