Beueler-Extradienst

Meldungen & Meinungen aus Beuel und der Welt

Autor: Ingo Arend (Seite 1 von 9)

Was kommt als Nächstes?

“Wer weiß, was noch alles passiert.“ Christa ist besorgt. Morgens um zehn vor sieben ist die Welt nicht mehr so in Ordnung wie bei Johannes Mario Simmel. Gut, die Vögel zwitschern, die Sonne kriecht langsam über die Wolken und das hektische Neukölln ist noch herrlich ruhig. Aber die historischen Zäsuren beuteln auch unseren kleinen Trupp, der sich täglich im Morgengrauen vor dem Columbia-Bad trifft. Erst die Pandemie mit dem Ticketzirkus und dem dämlichen Im-Kreis-Schwimmen, dann der Ukrainekrieg, zuletzt die Queen. Hätten wir überstanden. Aber dass die Freibäder nicht mehr beheizt werden, trifft selbst Hardcore-Schwimmer wie uns. Weiterlesen

Kunst mit Badehose und Ketchup

Ein schimmelndes Croissant auf einem Klumpen blassroter Johannisbeeren, darunter braune Erde. Grashalme ragen aus dem schwiemeligen Grund in dem kleinen Kubus auf einer weißen Säule, von den Glaswänden rinnt Kondenswasser.

„Wardscher Kasten“ hat die Künstlerin Isa Melsheimer ihre Installation genannt, die ein paar hungrige Besucher auf der Terrasse des kleinen Imbisses im Berliner Sommerbad Humboldthain ratlos beäugen. Weiterlesen

Zeitreise

Zwischen Sozialstudie und intimer Introspektion: In Hamburg, Köln und Berlin fotografierte Ergun Çağatay türkisch-deutsches Leben 1990. Das Museum Europäischer Kulturen zeigt jetzt seine Bilder

„Weg mit dem rassistisch-sexistischen Ausländergesetz.“ Eine Phalanx von sieben Frauen trägt ein Banner mit diesem Slogan vor sich her, hinter ihr strömen Menschen zu einer Demonstration. Wären da nicht die Kleider und Frisuren, man hielte das Schwarz-Weiß-Foto für eine aktuelle Protest-Aufnahme.

Aufgenommen hat es Ergun Çağatay am 31. März 1990 in der Rostocker Straße in Hamburg, St. Georg. Weiterlesen

Schlammloch auslöffeln

Was Gutes aus dem documenta-Skandal erwachsen kann

Ein Schweinsgesicht mit Davidsstern. Eine Visage mit Schläfenlocken, Reißzähnen und SS-Runen. Es ist richtig, dass das Werk „People’s Justice“ der indonesischen Künstler:innengruppe Taring Padi auf der documenta abgehängt wurde.

Antisemitismus ist keine „kulturspezifische Erfahrung“, wie das Kollektiv sich verteidigte. Antisemitismus ist ein globales Übel. Er ist immer und überall zu verurteilen, nirgendwo darf ihm ein Podium geboten werden. Weiterlesen

Es war eine Revolution

In der Ausstellung „Die Form der Freiheit“ rollt das Museum Barberini in ganz großem Maßstab die Geschichte der Abstraktion nach dem Zweiten Weltkrieg auf

„Wir sind aufgewachsen im Nichts, in einer kulturellen und moralischen Wüste. Malen! Ich versuche zu malen, ich habe mir in den Kopf gesetzt, ein guter Maler zu werden, ist das nicht Wahnsinn nach allem, was geschehen ist?“ Nach dem Zweiten Weltkrieg war Winfred Gaul, der Autor des Zitats, verzweifelt. 1928 in Düsseldorf geboren, musste er noch 1944 als 16-Jähriger an die Ostfront. Nach dem Kunststudium schloss er sich 1955 der Künstlerbewegung Informel an, dem europäischen „Zweig“ der Abstraktion. Weiterlesen

Die nicht die Freiheit wollen

Ist der Faschismus zurück? Paul Mason zufolge schon. Er ent­wickelt ein düsteres Szenario, eine Theorie liefert er jedoch nicht

Der Faschismus als „terroristische Diktatur der am meisten reaktionären, chauvinistischen und imperialistischen Elemente des Finanzkapitals“. – Wenn es um den Faschismus geht, tragen seine Gegner bis heute immer noch die berüchtigte „Dimitroff-Formel“ vor sich her.

Mit ehernen Gewissheiten wie der, die der legendäre bulgarische Kommunist einst für die Kommunistische Interna­tionale formulierte, hat Paul Mason seine Probleme. Zwar fürchtet auch der langjährige Guardian-Autor die Wiederkehr eines Gespenstes. „Der Faschismus ist zurück“, konstatiert der britische Journalist, Marxist und Aktivist, Jahrgang 1960, in seinem jüngsten Buch. Doch er will auf ein neues Verständnis der Triebkräfte des Faschismus hinaus. Weiterlesen

Nur einmal blitzt Hoffnung auf

Dreimal reiste Andreas Rost nach Afghanistan. Seine Fotografien des Alltags dort zeigt er jetzt im Haus am Kleistpark

„Deutschlands Sicherheit wird auch am Hindukusch verteidigt.“ Der Spruch, der Bundesverteidigungsminister Peter Struck 2004 berühmt machte, kennzeichnet den Umgang mit dieser Region. Im Westen wird das gebirgige Reich in Zentral­asien meist als globalstrategisches Faustpfand gesehen. Zbigniew Brzezinski, der Sicherheitsberater des ehemaligen US-Präsidenten Jimmy Carter, ließ sich Anfang der 1980er Jahre gar demonstrativ mit einer Kalaschnikow am Khyber-Pass ablichten. Weiterlesen

Amma Baad – was danach kommt

Zeitgenössisches Marketing oder ein echter Wandel durch Kultur? Saudi-Arabien setzt zum Quantensprung in die zeitgenössische Kunst an. Eindrücke einer Rundreise durch die Kunstwelt auf der Arabischen Halbinsel

Eine silbern schimmernde Lache am Ende des Horizonts mitten in der rostroten Wüste, 400 Kilometer nordwestlich von Medina. Von Weitem ist es nicht genau zu erkennen: Liegt da ein See oder spiegelt es bloß in der flirrenden Hitze? „Geography of Hope“, die Arbeit des Künstlers Abdullah Al Othman, funktioniert nach dem Fata-Morgana-Prinzip. Weiterlesen

Rock’n’Roll und Architektur

Der US-Konzeptkünstler und Fotograf Dan Graham ist am Samstag in New York gestorben. Seine Rauminstallationen machten ihn weltberühmt.
Zwei rechteckige, gegeneinander versetzte Quader aus grünsilbrigem Glas, die Kanten mit glänzenden Stahlträgern eingefasst, die Scheiben goldeloxiert. Auf den ersten Blick würde man das „Café Bravo“, das Café im Hof der Berliner Kunstwerke (KW), für das typische Hipster-Café halten, zu dem es qua Publikum oft tatsächlich wird. Seine Wände taugen so schön für Selfies, reflektieren den Himmel. Weiterlesen

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