Finanzindustrie spielt wieder Monopoly

Von , am Freitag, 2. September 2016, in Politik.

Im “Handelsblatt” konnte man lesen, dass es beim derzeitigen Kongress der sogenannten “Finanzindustrie” im Bankenviertel von Frankfurt unter anderem Gedankenspiele über eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank gegeben habe, die aber derzeit nicht weiter verfolgt würden. Wie kommt es zu solchen Gerüchten und wo könnte ihr wahrer Kern liegen?

Erinnern wir uns: im Spätherbst 2008 stellte sich heraus, dass Banken weltweit durch die Erfindung immer neuer “Finanzprodukte” eine weltweite Luftblase der Wirtschaft erzeugt hatten, die damals dramatisch platzte. Weil die Banken vor allem in den USA auf einen Wertzuwachs von Immobilien, den es nicht gab, wertlose Papiere ausstellten und gegenseitig mit Luftnummern handelten standen die Händler dieser Ramschpapiere plötzlich wie der Kaiser ohne Kleider da. Die Initiatoren dieser Betruges hatten sich weitgehend vom “Acker gemacht” und fahren seither Segelboot in der Karibik oder genießen ihre Millionen am Strand von Panama City. Zudem hatte die Spekulationsbranche sich durch jedem klar denkenden Menschen pervers erscheinende “Wetten” auf den Konkurs von Staaten oder Währungen und viele andere “Derivate” so verzockt, dass am Ende keine Bank mehr der anderen traute, einen Cent zu leihen. So weit, so bekannt.

Kanzlerin Merkel und die EU-Staatschefs bürgten dann nach wenigen Tagen und nächtlichen Sitzungen für die marode Spekulantenbande mit 500 Milliarden Euro Steuergeldern. Die “Bad Bank” wurde erfunden und der größte Bankraub der Weltgeschichte unter den Augen der Öffentlichkeit war vollendet. Man gelobte Besserung, die Geldhäuser sollten künftig ausreichende Rücklagen und Reserven bilden, strengerer Aufsicht durch staatliche Kontrolleure unterliegen, damit derartige Rettungsaktionen nie mehr geleistet werden müssten.

Ähnliches hatten wir schon einmal 2002. Nach dem damaligen Börsencrash und wegen der Aktienspielereien und Spekulationen mit Hilfe des Computerhandels wurde beschlossen, derartige Geschäfte zu limitieren und den Computerhandel zu unterbinden. Das Gegenteil von letzterem geschah, schon wenige Monate nach dem Zusammenbruch wurde in den USA ein neues, noch leistungsfähigeres Rechenzentrum ausschließlich für den Aktien- und Börsenhandel gebaut und wenig später in Betrieb genommen.

Ähnlich konsequent werden die Regeln aus der Finanzkrise 2008/2009 befolgt – im Zuge der Griechenland-Debatte stellte sich heraus, dass viele “gesunde” Banken wertlose Papiere bunkern und schon wieder raten dieselben amerikanischen Zocker genau jene Staaten nach unten, die ihnen vor wenigen Jahren mit Steuergeld das Hinterteil vor dem Abbrennen gerettet haben. Schon wieder ist es ein offenes Geheimnis, dass nicht nur italienische Banken zu viele Schrottpapiere im Keller liegen haben und EZB-Chef Draghi lässt nicht davon ab, jede Menge fauler Anleihen aufzukaufen. Der Bankenfonds, der eigentlich jährlich mit Milliarden gefüllt werden müsste, bleibt immer noch weit hinter den Vereinbarungen zurück.

Die Commerzbank gehört zu einem nicht zu verachtenden Teil nach wie vor der Bundesrepublik Deutschland, also eigentlich dem Volk. Sie war vor vier Jahren an ihrer Gier beim Schlucken der Dresdner Bank fast erstickt und hat sich bis heute davon kaum erholt. Sie hat immer noch zu viele Filialen und will Mitarbeiter los werden. Da kommt das Gerücht doch erstaunlich, dass die Deutsche Bank, die sich jahrelang unter Ackermann als Zockerbank profiliert hat und die kleinen Bankkunden mit der “Bank 24″ zuerst aufs Billigabstellgleis verschoben, dann jahrelang schlecht behandelt hat, und nun in Zeiten der Nullzinspolitik der EZB ebenfalls schwächelt, mit der Commerzbank fusioniert werden könnte. Abgesehen von der kartellrechtlich fragwürdigen Situation, der unklaren Verhältnisse über den eigentlichen Geschäftssitz London oder Frankfurt, die sich durch den Brexit noch weiter ins Nebulöse entwickelt hat, fragt man sich, welche Geschichte hinter der Geschichte hier abläuft oder gar nur vorbereitet wird. Beide Geldhäuser waren einst rennomierte deutsche Vorzeigebanken, als die Globalisierung noch keine Finanzblasen erlaubte. Beide Geldhäuser wollen noch massenhaft Mitarbeiter entlassen, um ihre Kosten zu senken. Beide Bankhäuser sind angeschlagen und die Aktienkurse stehen auf einem Jahrzehntetief. Aber beide Geldhäuser üben noch immer einen nicht geringen Einfluss auf deutsche Großunternehmen wie Daimler, Bayer und Volkswagen, und auf kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland aus, die weltweit führend in Technologie, Robotik, Fahrzeugbau, Werkzeug und Maschinenbau sind.

Nach einer Fusion zweier angeschlagener Großbanken könnte sich deren interne Situation schnell so weit verschlechtern, dass sie vereint als preiswerterer Übernahmekandidat da stünden, wie heute allein. Das brächte strategisch überlegt, den potenziellen Käufern nicht nur ökonomischen Einfluss auf innovative Branchen, die kein anderes Land in Europa so zu bieten hat, der gesamte Prozess von der ersten Fusion oder Übernahme bis hin zum weiteren Prozess böte mannigfaltige Ansätze für Wetten und Derivate, die auf Gelingen oder Scheitern, Hopp oder Topp bieten würden. Außerdem kämen so die internationalen Aktienmärkte in Bewegung, wie lange nicht mehr. Tausend- ja millionenfacher Ansatz, um über heiße Luft zu spekulieren, zu zocken und schnell reich zu werden – fürs Boot in der Karibik. Das ist das Wesen der Finanz”Industrie”, der Stoff sind Spiele mit Unternehmen und Mitarbeiterschicksalen, wenn es sein muss, auch mit Währungen und Volkswirtschaften und “Produkt” ist die Mehrung des Profits in den Händen einer kriminellen Finanz”elite”, denen Wohlstand und sozialer Friede, Fortschritt und Gesechtigkeit so fremd sind, wie dem Haifisch die Sahara.

Es wäre zielführender und demokratischer, wenn der Justizminister nicht darüber nachdenken würde, Kameras in Gerichtsprozessen zu erlauben, sondern stattdessen solchen Finanztreffen Transparenz und Öffentlichkeit verordnen würde. Und vielleicht ein paar verdeckte Ermittler der BaFin und der Steuerbehörden unter die “Eliten” mischen würde, um deren Spielaufstellung vielleicht nicht erst nachträglich zu erkennen. Statt Voyeurismus vor Gericht würden die Menschen dadurch mehr Einblicke in die Planspiele und Machtprozesse der Finanzeliten bekommen, die uns alle wirklich etwas angehen, weil sie uns morgen schon existenziell betreffen können.

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