Boah ey, dafür habe ich keine Zeit mehr. “Manieristisch” heisst laut Wikipedia: “als Stilbegriff benutzt und bezeichnet dann abwertend eine Handlung, Haltung oder Sprechweise, die als gekünstelt, geziert („manieriert“), pathetisch oder schwülstig empfunden wird.” Exakt! Das ZDF habe ich schon mehrmals gelobt: kürzere Entscheidungswege als in der ARD, mehr Mut zu Experiment und Innovation, auch mal mit Anstössigem, Schwierigem, Sperrigem. Seit Jahrzehnten geniesse ich den Krimisendeplatz sonntags um 22 h als bessere Variation des allzu schematischen ARD-Tatorts und Alternative zum gleichzeitigen ARD-Talkshow-Trash. Auf ZDFneo haben sie eine Spielfläche, auf der sie noch mehr ausprobieren können, mit manchen Perlen darunter.
“Parfum” gehört nicht dazu. Rene Martens/taz hat die satirewürdigen sprachlichen Verrenkungen zusammengefasst, mit denen die ZDF-Verantwortlichen ihre PR-Arbeit zu dieser Serie füllen. In nicht wenigen Medien können sie berechenbar mit sowas landen, haben aber für sich eine böse Fallhöhe geschaffen. Nach meinem Gefühl wiederholen sie einen alten strategischen Fehler: wenn mal irgendwas gut geklappt hat, flüchten sich Glotze-Verantwortliche immer wieder in die gleichen “bewährten” Hände. In diesem Fall hat Produzent Oliver Berben ein jahrzehntelanges Auftragsabo mit Quotengarantie beim Sender. Und verstopft so – was nicht seine Schuld sein mag, sondern Verantwortung des Senders – mit seinem breiten Arsch die Tür, durch die auch mal kleinere und kreativere Produzent*inn*en Eintritt ins ZDF-Geschäft finden könnten.
Das, was gestern zu sehen war, war so furchtbar, wie es Oliver Jungen/FAZ hier geschrieben hat. In einem Punkt, seinem einzigen Lob, würde ich ihm widersprechen: nichts nervt mich mehr, als Filmmusiken, die überdecken, dass ohne sie ein Nichts wäre. Und zum Casting kommentiere ich ebenfalls radikaler: nichts gegen die Arbeit der auftretenden Schauspieler*innen, die ihre Arbeit im Rahmen des Möglichen gut machen. Aber ich würde mir wünschen, dass deutsche Filmproduzenten die Rollen junger Frauen auch mal mit Personen besetzen, die uns nicht mit ihrem Untergewicht fortgesetzt an Selbstoptimierung, Sportsucht und Essstörungen erinnern. Wie es geht, hier beim britischen “No Offence”.