Bundesliga stösst sich Kopf an der TV-Decke

Von , am Dienstag, 11. Februar 2020, in Fußball, Medien.

Es geht zuende. Angemessen langsam, so dass die Betroffenen die Chance haben, das Problem zur Kenntnis zu nehmen und sich darauf einzustellen. Es geht um das Schlaraffenland Profifussball, in dem, so stellen es sich die Klein-Doofis unter den Kindern vor, jeder, der zwar nicht bis Drei zählen, aber ungefähr so viele umdribbeln kann, zum Millionär wird: und jeder, der was-mit-Medien macht. In England und Spanien geht es schon nicht mehr weiter mit der Steigerung der TV-Erlöse. Und nun wird es auch in Deutschland bald so weit sein.
In Deutschland profitierte die Bundesliga über gut zwei Jahrzehnte davon, dass Sky, der Pay-TV-Kanal des einstigen deutschen Oligarchen und Helmut-Kohl-Freundes Leo Kirch, und nach dessen Pleite, des australisch-britischen-US-amerikanischen Trump-Erfinders Rupert Murdoch, bereit war “alles” zu bezahlen, um sein Geschäftsmodell mithilfe des Vehikels Fussball in den lukrativsten aller europäischen TV-Märkte zu drücken. Zwar gelang es ihnen damit, Sky zur TV-Fussball-Marke zu machen. Geld verdient haben sie damit jedoch nicht. War ihnen auch egal, sie hatten ja genug davon. Es war halt Politik.
Murdoch ist jetzt sehr, sehr alt, und hat an den US-amerikanischen Comcast-Konzern verkauft. Deren Deutschland-Statthalter müssen nun Rechnen lernen. Vielen war das zu schwierig, sie haben schon gekündigt, sicherlich Gelegenheiten zum “goldenen Handschlag” genutzt.
Jetzt hat die Bundesliga einerseits die prachtvolle Gelegenheit, ihre TV-Rechte unter zahlreichen Konzernen versteigern zu können. Andererseits aber auch Millionen Fans zu verlieren, die nicht 4-5 Streaming-Abos bezahlen wollen, und sich auch andere Freizeitbeschäftigungen vorstellen können. Die wenigen Profivereine, die den Amateurvereinen noch zuhören, könnten wissen, dass der Nachwuchs nicht mehr “fliesst”, sondern umworben werden muss. Ein Drittel der Kinder im reichen Deutschland leben in Armut. Das hat sie bisher nicht interessiert. Und das müssen sie nun ändern. Werden sie das schaffen? Oder bleiben sie lieber reich und doof?
Jan-Christian Müller/FR gibt einen exzellenten Überblick. Ich teile nicht alle bei ihm eingeflossenen Bewertungen, aber er hat kaum wichtige Fakten ausgelassen. Ein Modell könnte das getrennte Ersteigern von TV-Rechten sein, um es anschliessend den Fans unter einem kompletten Abo-Dach kostengünstiger anzubieten – klar, schwer zu rechnen. Es ist keine Fussball-Angelegenheit – es geht um gesellschaftspolitische Tiefenwirkungen.

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