Über die weltabgewandte Corona-Politik des Fussballbusiness, speziell des deutschen, habe ich hier schon hinreichend abgeledert. Warum tun die das? Weil sie schon vor dem Virus schwerwiegend desorientiert, in Teilen sicherlich auch kriminell, agierten, mit einem Gefühl der Unverwundbarkeit, gespeist aus unendlichem Profitwachstum. Und jetzt stehen sie da, mit ihrer Karre vor die Wand gefahren.
Die aktuelle DFB-Führung, mit dem bislang integren Fritz Keller an der Spitze, versucht sich im Aufräumen. Von seinen Vorgängern hat er da gewiss keine Hilfe zu erwarten. Jan Christian Müller/FR ist nun angesickt, weil die DFB-Spitze erste Zwischenergebnisse dieses Aufräumens, wie es auch in der Politik alltägliche Unsitte ist, klandestin an ein Medium, in diesem Fall neuerdings nicht Friede Springers Bild, sondern den Spiegel durchgestochen hat. Der Spiegel hat das geschäftsüblich in seine Paywall eingemauert. Da lag es für Müller nahe, es in der FR nachzuerzählen. So haben wir auch was davon. Auf die Infront-Connection hatte ich hier im Extradienst schon länger hingewiesen. Und festgestellt, dass diese Texte in den letzten Tagen vermehrt aufgesucht wurden ….
Müller macht gute Arbeit, aber hat es nicht leicht. Die einst respektierte Frankfurter Rundschau wird in ihrer Onlinepräsenz von ihren aktuellen Besitzern, der Ippen-Gruppe, zu einem journalistisch extrem billigen Boulevard-Niveau heruntergespart. Im Feuilleton und im Sportressort sind Nester engagierter Autor*inn*en verblieben, die augenscheinlich schwer kündbar waren, und die noch engagierte Arbeit zu verrichten versuchen. Da das Gesamtprodukt so radikal an Ansehen und Respekt verliert, wird deren Recherchearbeit natürlich nicht erleichtert. Ein Trauerspiel.
Müller verdanken wir auch diese Veröffentlichung der Präcorona-Bilanz-Zahlen der DFL-Mitglieder. Es ist leicht zu erkennen, wer schon vor dem Virus nah an der Insolvenz entlangschrammte, ebenso wie, dass Borussia Mönchengladbach mit weniger als einem Drittel des Umsatzes des Fussballkonzerns aus dem süddeutschen Raum, pumperlgesund arbeitet – und hoffentlich heute noch den 3. Tabellenplatz erobert. Egal, einen guten Schluck kühlen Rosés wird diese Saison so oder so wert sein.
Die Frankfurter Rundschau als “Organ” linksliberaler deutscher Publizistik, ist also leider nahezu aus dem Blickfeld verschwunden. Ihre einstige Besitzerin Karl-Gerold-Stiftung konnte sie nicht retten. Das ist dem Scott-Trust beim britischen Guardian weit besser gelungen. Dort haben sie “dieses Internet” das eine oder andere Jahrzehnt früher verstanden, und sind heute eine global führende journalistische Marke. Doch auch da liegen alte verweste Leichen im Keller, an die Gina Thomas, eine grundsätzlich integre Mitarbeiterin ausgerechnet in der FAZ erinnert. Schlechter Ort, aber falsch wird es dadurch leider nicht.