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Kundschafter des Friedens

Und: Turnen als Organisierte Kriminalität
Kurzfristig änderte ich gestern mein TV-Programm. Sowohl bei Gundermann als auch beim Kirmesspiel des Fußballkonzerns aus dem süddeutschen Raum gegen den BVB wusste ich ja schon vorher, wie tragisch es ausgeht. “Kundschafter des Friedens” von Robert Thalheim kannte ich dagegen noch nicht. Arte hatte ihn aus Anlass des Todes von Michael Gwisdek kurzfristig ins Abendprogramm gehoben (nur eine Woche Mediathek!).
Ich muss gestehen: selten habe ich bei einem Ossi-Sujet so viel Spass gehabt. Thalheim griff nicht nur auf eine illustre Crew alter Männer (Hübchen, Thieme, Gwisdek und herrlich selbstironisch “Paul” Glatzeder) zurück, sondern auch auf die supercoole Antje Traue, hinter der sich alle Bond-Girls hinten anstellen müssen. Musik und optisches Layout des Films ist ein grossartiger Retro-Spass, eingängig unterhaltsam fliesst es in den Zuschauer hinein, wie ein süffiger Wein. Endlich mal nichts Tragisches aus dem deutschen Osten. In meiner WG-Zeit hiess es immer: “Ist das wieder einen Problemfilm?” – Nee, in diesem Fall das Gegenteil. Allerdings: politisch ist er doch, aber nicht missionarisch-aufdringlich, sondern subtil, wie ein gut abgeschmecktes Süppchen. Kompliment an Thalheim, ein kleines Meisterwerkchen. Die “mittelasiatischen” Bilder wurden in Gran Canaria gedreht, und die “Friedenskonferenz” im einst skandalträchtigen Bonner WCCB.
Turnen als Misshandlung
Als sich der Tag der Nacht näherte, liess sich der WDR wieder zu Sportjournalismus herab (Video 10 min). Ich wusste es ja schon, als alte Nazis mich als Turnlehrer zum Feldaufschwung am Reck zwingen wollten: Turnen ist Kindesmisshandlung. Schon bevor “dieses Internet” erfunden wurde, gab es Kinderpornographie, im alten Fernsehen: Kunstturnen als Leistungssport. Spätestens beim Glotzen der Olympischen Spiele 1972 in München wusste ich darüber Bescheid. Wer die Augen offen hatte, konnte es sehen. Das war vor knapp 50 Jahren. Jetzt endlich machen Medien – allzu langsam – ihre Augen auf, und erschrecken in homöopathischen Dosen eine breitere Öffentlichkeit. Das gelingt nur, weil sich Betroffene, blutjunge und dennoch langjährige Opfer, trauen zu sprechen, und beginnen sich zu wehren. Sie sind Heldinnen unserer Zeit, und machen sich verdient für alle Nachgeborenen.

Ein Kommentar

  1. Gunter von Hagen

    Zu Turnen als Kindesmisshandlung könnte Antje Traue sicher auch etwas beitragen. Aber das Turnen in frühen Jahren hat ihr ein Merkmal eingebracht, das sie wirklich zu einer Superfrau macht, so wie die Comiczeichner solche Gestalten sehen: Die breiten Schultern. Und dann auch eine sehr frauliche Figur. Ja, sie ist schon eine ungewöhnliche Schönheit, kein Bondgirl, eher eine weibliche Bondagentin. Sie hat sich zu einer wirklich guten Schauspielerin entwickelt, sicher etwas unterschätzt im allgemeinen, und noch immer nicht besonders bekannt, obwohl sie in den letzten Jahren in vielen Filmen und TV und Streaming Produktionen präsent war.

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