Manche hören ja immer noch traditionsbewusst zu. Ich habe mich schon vor etlichen Jahren von den WDR-Radiowellen verabschiedet. Es muss die Zeit gewesen sein, in der auf WDR3 alle Informations- und Essaybeiträge plattgemacht wurden. Nun passiert ähnliches bei WDR5. In dieser Welle war alles als Restmüll gelagert worden, was noch aus gesprochenem (und nicht nur gelabertem) Wort bestand. Diesen Resten geht es jetzt auch an den Kragen.
Da ich selbst schon lange nicht mehr zuhöre, ich bin beim DLF, holen Sie sich die Details bitte bei Volker Nünning/Medienkorrespondenz. Ich habe eben unter der Dusche noch mal sinniert, wann das Elend angefangen haben könnte. Wenn mich nicht alles täuscht, war es die Hörfunkdirektorenamtszeit (1994) des respektablen Fritz Pleitgen. Der hatte mehr TV- als Radioerfahrung und schien als populäres Gesicht geeignet, für Abbrucharbeiten vorgeschoben zu werden. Für ihn selbst war es nur die Karrierevorstufe zum Intendantenamt.
Der WDR-Rundfunkrat hat mit dieser Entscheidung seine Fehlkonstruktion bestätigt. Er ist kein Anwalt der Hörer*innen, sondern inkorporiertes Repräsentations- und Abnickorgan des Senders. Seine Mitglieder haben als vielbeschäftigte Verbands- und Parteifunktionäre, Profilobbyist*inn*en, gar keine Zeit und Lust, sich fachlich mit Details vertraut zu machen. Ihre Delegation ist eine Belohnung durch ihren Verband, ab und zu Mediennasen persönlich begegnen zu dürfen, und dabei noch eine kleine Aufwandsentschädigung einzustreichen. Viele haben sich von der öffentlich vorgeschobenen Zuspitzung um den “Stichtag”, ein kleines durchaus feines 5-Minuten-Stück, ablenken lassen. Abgenickt haben sie die Vernichtung mehrerer Stunden Radiojournalismus.
Nun wäre es nur folgerichtig, auch etliche weitere der teuren Auslandskorrespondent*inn*enstellen zu streichen. Vorlesen von Agenturmeldungen und Regierungserklärungen reicht doch, oder? Deutschland ist sich, nicht nur beim Impfen, selbst genug. Was brauchen wir die Welt da draussen?