Mein wichtigster Text war heute morgen ein Interview von Miray Caliskan/Berliner Zeitung mit dem Neuropsychologen Lutz Jäncke: “Leben zwischen Online und Offline : Sklaven der Reize: Wie der Mensch sich in sozialen Medien verliert”. Was Jäncke da zusammenträgt sind wichtige Fakten, jedoch mit einem fachlich begrenzten Blickwinkel. Viele der von ihm zurecht beklagten Phänomene gab es schon vor der Internetnutzung (Anorexie, Selbstoptimierung, Mediengeilheit z.B.). Und unerwähnt bleibt in dem Gespräch die radikal verstärkende Wirkung durch die Corona-Lockdowns. Eine Nutzanwendung zu Jänckes Erkentnissen bringt die FAZ in einem Interview mit Unternehmensberater und Coach Peter Modler.
Wie irre freidrehend es im virtuellen Diskurs mittlerweile zugeht, wird u.a. hier und hier heute von der gleichen Berliner Zeitung berichtet.
Aus der kapitalistischen Konzernverfasstheit der asozialen Medien (wie auch der “alten”, wie die Berliner Zeitung es ja selbst demonstriert!) ergibt sich die von Jäncke zutreffend beschriebene Programmierung ihrer Algorithmen (und Schlagzeilen, die heissen schon so!). Die ist nicht alternativlos.
Humanismus
Die Wohltat des Vormittags war mal wieder Essay&Diskurs im DLF: “Unsichtbare Ungläubige – über Atheisten, Multikulti und weltanschauliche Debatten; der Philosoph Ralf Schöppner im Gespräch mit Pascal Fischer” (Audio, 30 min). Kritisieren würde ich allenfalls, dass es selbstverständlich auch zahlreiche respektable Humanist*inn*en in Religionen und Kirchen gibt, und es auf diese Begrifflichkeit und Eigenschaft kein Atheismus- oder Agnostiker*innen*monopol gibt.
Wirecard
Nicht versäumen möchte ich, Sie, wenn Sie es nicht schon selbstständig gelesen haben, auf Michael Maiers/Berliner Zeitung Bericht zum Auftritt der Bundeskanzlerin im Untersuchungsausschuss hinzuweisen.
Die Oppositionsabgeordneten Danyal Bayaz (Grüne), Fabio De Masi (Linke) und Florian Toncar (FDP) haben eine Zwischenbilanz hinter der FAZ-Bezahlmauer abgeworfen. Schade, dass sie keine*r sehen kann.
SPD
Die NRW-SPD hat ihre NRW-Reserveliste für die Bundestagswahl gewählt. Hier ist sie. Ich gestehe, dass ich mich aussenpolitisch bei Rolf Mützenich sicherer fühle, als bei Annalena Baerbock (FAS-Interview nur hinter Paywall).