mit Update nachmittags
Extradienst-Leser*innen wissen, wie ich mich über den WDR ärgere. Aber woanders is auch scheisse. Das beste Bild geben noch die ARD-Sender ab, die einst CSU-Burgen waren. Sowohl der Bayrische als auch der weit im Osten liegende sog. “mitteldeutsche” Rundfunk (MDR) vermitteln noch am ehesten den Eindruck eine strategisch denkende Führung zu haben. Die im vorigen Jahrhundert von der CDU, mit ihrem “CDF” in der Hinterhand, als “Rotfunk” diffamierten WDR und NDR entwickeln sich immer stärker in Richtung SPD: zu einer Ruine. Wie komm’ ich drauf?
Eben erst bemerkte ich, wie die kluge und immer bestinformierte Diemut Roether (epd Medien) Anja Reschke (NDR-Programmbereichsleiterin) in ein besseres Licht rückte, als die es zuweilen selbst tut. Was könnte Roethers Motiv sein? Mglw. dass Frau Reschke in der Führungsetage die Letzte ist, die noch alle Tassen im Schrank hat? Wie komm’ ich drauf?
Darauf bringt mich Constantin Schreiber. das ist der imposant gebaute breitschultrige junge Mann, den vermutlich niemand mit passender sexueller Orientierung von der Bettkante schubsen würde, der seit noch nicht so langer Zeit die 20-Uhr-Tagesschau vorlesen darf. Ein Handwerk, das er exzellent beherrscht. Mir war er zuvor als gelegentlicher Moderator von Zapp aufgefallen, hat dort nach meinem Gefühl nichts Böses angestellt, sondern den Job professionell gemacht.
In der NDR-Personalentwicklung nehme ich schon seit vielen Jahren war, dass dort männliche Wegmoderierer ohne inhaltliche Ecken und Kanten heranwachsen und ihren Karriereweg durch die Quiz- und Talkshows machen können, dass es den Finanzcontrollern eine Freude ist (nichts ist billiger zu produzieren), und ich als Zuschauer in Frieden wegnicken kann. Die Controller geben für das Eingesparte den Moderatoren als Dank noch einen schönen Bonus, und alle sind glücklich, zufrieden und sediert.
Herr Schreiber allerdings, hat Ecken und Kanten. In seinem imposanten Körper wächst ein kleiner Kreuzzügler heran. Und wenn ich meinen Informationsquellen glauben kann, wird der grösser und grösser, dass bereits Frauen mit Migrationskompetenz und -hintergrund die Flucht antreten.
Dass Zervakis und Atalay abhauen, hat selbstverständlich mit Geld zu tun. Auch. Diese Damen im besten Alter überlegen, welche Entwicklungsmöglichkeiten sich ihnen in der verbleibenden Zeit bieten. Antworten darauf gibt die Unternehmens- und Menschenführungskultur, in der sie sich gegenwärtig befinden, und die sie abwägen müssen mit der, die sie lockt. Die Abwägungsentscheidungen sind so spektakulär wie eindeutig. Als Profis wissen sie: “Sicherheit” bietet der RTL- und der Berlusconi-Schuppen am wenigsten.
Wenn es nur der kleine “Sarrazin” in den breiten Schreiber-Schultern wäre. Der Fisch stinkt vom Kopf her. Während der telegene WDR-Boss Buhrow seine Strategie- und Ratlosigkeit vor der Kamera immerhin immer professionell wegmoderieren kann, fehlt dem NDR-Intendanten Joachim Knuth dieses Talent. Und wieder sitzt eine NDR-Führungskraft im eigenen Sender in einem blamablen Licht. Daniel Bouhs, “freier” Medienjournalist, und regelmässiger Lieferant für das NDR-Medienmagazin Zapp fertigte eine XL-Sonderausgabe “ARD und ZDF reformieren – so plant die Politik”. Bouhs ist weit braver, als es sein Vater Jochen als kritischer Sportjournalist war, als “freier” ein Existenzzwang. Aber er ist erfahren genug, um gut informiert zu sein. Und gewiss ist es nicht seine Absicht, seinen Brötchengeber so alt aussehen zu lassen. In seinem Film setzt er bereits selbst die Defensiv-Agenda mit der als roter Faden wiederkehrenden Frage: was kann weg? Dem entspricht die Performance des NDR-Bosses Knuth im Interview. Schauen Sie sich das an, inhaltlich genauso leer, aber in der Performance noch jämmerlicher als Buhrow, der bisher “am meisten überforderte Intendant”. Die Leute, die ihn so “präpariert” vor die Kamera gesetzt haben, müsste er alle feuern.
Ist das nun ein Hamburger NDR-Problem? Wäre es, wenn dort nicht die wichtigste aller ARD-Redaktionen sässe und geführt wird: die, die die Tagesschau produziert, ARD-aktuell. Sie sollten nach Frankfurt reisen, und einer Satirezeitschrift ihre Titelrechte abkaufen. Dann heisst es um 20 Uhr: Titanic-aktuell.
Update nachmittags: welcher Pulverdampf ein weiteres Mal durch die NDR-Flure zieht, lässt dieser Schreiber-Verriss des von René Martens schon erwähnten “freien” Mitarbeiters von Panorama/NDR Stefan Buchen in der taz erahnen.