Medienjournalismus war schon immer stark von Selbstreferentialität belastet. Davon zeugen die kaum zählbaren Besprechungen der TV-Talkshows, die meisten davon so überflüssig wie die Shows selbst. Medienpolitik dagegen bleibt weitgehend unsichtbar. Die Politiker*innen und Konzerne, die sie klandestin betreiben, wollen es so. Und nur wenige, oftmals nirgendwo angestellte “freie” Journalist*inn*en bemühen sich um Aufklärung der Öffentlichkeit. “Zapp” (NDR) gehörte dazu, und läuft linear nur noch monatlich. Die “Medienkorrespondenz” gehörte dazu, und wird von der Katholischen Kirche jetzt dichtgemacht.
Ich war sowieso überrascht, dass sie so lange durchgehalten hat. Es liegt wohl, wie so oft, daran, dass der verantwortliche Redakteur Dieter Anschlag in Rente geht. Anschlag ist gut vernetzt, und hatte sich erfolgreich gegen seine Überflüssigmachung gewehrt. Nun ist es so weit. Kollege Heiko Hilker kommentiert: “Ein (namenloser) Vertriebsleiter (¡) teilt die Entscheidung mit. Offensichtlich äußern sich weder der KNA-Chefredakteur noch der Medienbischof oder der Aufsichtsratsvorsitzende der Dreipunktdrei Mediengesellschaft zur Einstellung der Medienkorrespondenz.”
Nahegelegen hätte aus meiner Sicht dass die (katholisch finanzierte) Medienkorrespondenz und ihr evangelisches Gegenstück, das noch überlebende “epd-Medien” ihre intellektuelle und fachliche Power zusammengelegt, und mit einer gemeinsamen publizistischen Expansionsstrategie unterlegt hätten: auf teures Papier zu drucken und es zu verschicken, war schon lange verzichtbar. Das Wertvolle sind die denkenden Mitarbeiter*innen und ihre Netzwerke. Das Problem an der Dichtmachung ist nicht das Ausbleiben von Heften, sondern das strukturelle Niederlegen von Fachkompetenz durch betriebswirtschaftlich vernagelte Mänätscher. Also das, was ebendiese Fachdienste zurecht an deutschen Medienanstalten kundig kritisiert haben. Dietrich Leders Texte werde ich besonders vermissen.
Doch das scheint noch schwieriger und unwahrscheinlicher, als ARD und ZDF auf eine gemeinsame Onlineplattform zu bringen; und die sind nun wirklich viel dicker und unförmiger, als zwei kleine Fachdienste. Andererseits: ihre Kirchenmütter sind noch viel älter und dicker, und waren oft genug Grund für völkermörderische Kriege.
Was nun? Nun ja, mich fragt ja keiner. Aber meine Empfehlung wäre, an die Kolleg*inn*en von netzpolitik.org gerichtet: macht es doch andersrum. Ihr weist nach, dass medienkritischer Journalismus möglich ist, sogar ohne Paywall für alle zugänglich, und maximal transparent. Wenn die Alten es nicht schaffen, einen fachlich-kritischen Blick auf neue Medien zu werfen, dann erweitert Ihr doch Euren Blick auf die Alten. Bekanntlich stirbt kein altes Medium ab, weil neue entstehen. Und wir Alte sind viele! Fragt mal nach bei der Klimabewegung.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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