Gute Freunde kann jede*r trennen
Wenn Sie mehr über die deutsche TV-Unterhaltung des vorigen Jahrhunderts erfahren wollen, dann hören Sie sich das an. Wenn solche Melodien erklangen, floh ich regelmässig das elterliche TV-Wohnzimmer und erfreute mich der zwei Stockwerke Abstand meines Mansardenzimmers. Das ganze Lied eine einzige Lüge. Vor allem in dem Geschäft, dem der mühevolle Sänger entsprang.

Das Drama des Lügennachweises wurde gestern auf einer Bonner Bühne gegeben. Der DFB-Bundestag tagte. Er wählte mit grosser Mehrheit einen neuen Vorsitzenden, Bernd Neuendorf, der sein Heimspiel noch deutlicher gewann, als die meisten vorausgesehen hatten. Denn sein Genosse Strippemzieher Rainer Koch wurde gleich vor Ort abgewählt, so dass der Bundestag den neuen Chef von der Stressaufgabe entlastete, ihn später kaltstellen zu müssen. Die Pointe der Veranstaltung war der einstimmige Beschluss zum Entzug der Ehrenmitgliedschaft des Genossen Gerhard Schröder – von dem gleichen Kongress, der eben erst dessen Ex-Pressesprecher (2003/04) auf den Thron gewählt hatte. In der Steigerungsreihe “Freund-Feind-Parteifreund” muss also noch ergänzt werden: “Genosse”.

Der in der veröffentlichten deutschen Meinung bereits abgeurteilte Genosse Gerd reiste derweil über Istanbul nach Moskau zu seinem Freund Wladimir. Das Beste, was ich darüber zu schreiben vermag, dass weniger als Nichts über die Gesprächsinhalte nach draussen drang, auch nicht über Schröders Lieblingsmedien “Bild, BamS und Glotze”. Wenn es gelingt, Vertraulichkeit zu wahren, kann es was Ernstes gewesen sein. Wenn es dazu beitragen sollte, dass nicht “bis zum letzten Mann” gemordet wird, war es sogar gut.

Ministry Of Silly Walk

Müssten die alten Helden von Monty Python’s noch berufstätig sein, hätten sie angesichts von Boris Johnson wahrscheinlich schon längst die Humorwaffen gestreckt. Allein die strategische Positionierung als engster Pudel an der Seite der USA, aber gleichzeitig – noch vor Österreich und der Schweiz – grösster Waschsalon für dem russischen Volk gestohlenes Oligarchenkapital: diese Chuzpe muss mann erstmal bringen. Der oberste Weltrekordler dieser Bigotterie ist zweifellos Rupert Murdoch, der in seinem Leben zahlreiche Regierungschefs der USA, des UK und Australiens persönlich ausgewählt hat. Er hat in Europa das Pay-TV durchgesetzt (Sky) und von seinem Kapital. gezahlt für monopolisierte TV-Lizenzen, leben die meisten grossen Fussballligen Europas. Insbesondere die teuerste, die Premier League in England. Dass nun ausgerechnet Murdochs “Times” über die Abramowitsch-Fans von Chelsea ablästert – das ist wohl nur noch durch einen Einsturz der Tower Bridge zu toppen (oder einen Sieg Englands in einem Elfmeterschiessen).

Männer-Toxitizät

Journalistisch bemerkenswert ist die Recherche der netzpolitik.org-Kollegen Sebastian Meineck und Chris Köver zu einem grossen Pornoportal. Die Unternehmenssitze des dahinterstehenden Firmengeflechts erstrecken sich von Prag bis zu den britischen Jungferninseln mit einem mutmasslich französischen Boss und einem Düsseldorfer – Köln sagt: “Siehste!” – Consigliere. Der Boss namens Stéphane Pacaud soll laut Meineck und Köver 400 Mio. kapitalschwer sein. So ein Leichtgewicht? Die netzpolitik-Autoren schreiben sophisticated: “Solche Schätzungen können von der Realität abweichen.” Pacaud erinnert ein bisschen an die Figur des Aacheners Fabian Thylmann, der mehrere Jahre als öffentlicher Strohmann eines konkurrierenden Pornonetzwerkes agiert hat (heute: Mindgeek). Pacaud hatte sich bisher besser verborgen. Dä, das ist vorbei.

Schön wäre, wenn den zahllosen geflohenen ukrainischen Frauen bessere Arbeit angeboten wird, als für diese Organisierte Kriminalität im freien Europa.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net