Best of 7. Dezember: Klima, Atom, Diplomatie, EM, Sahel, Parteienschwäche, Kühe, Sex&Film

Das Wichtigste zuerst. Wolfgang Pomrehn/telepolis: Klimakrise und Kipppunkte: November 1,75 Grad Celsius wärmer als der Durchschnitt – Energie und Klima – kompakt: Mehr als 200 Wissenschaftler bewerten Risiken des Umschlagens verschiedener Subsysteme der großen Klimamaschine.” Da geniesst mann die gegenwärtige Kälte im Rheinland gleich ganz anders, vor allem, wenn ein wenig Sonnenlicht dazukommt.
Kaum weniger wichtig, vielleicht aktuell noch brenzliger, die Atomkriegsgefahr, die Florian Rötzer/overton vor Augen führt: Israelische Atomwaffen: Hamas-Rakete schlug auf Stützpunkt mit Jericho-Raketen ein – Das Risiko einer Atomkatastrophe besteht in der Ukraine mit seinen AKW weiter. Auch mit Israels Atomwaffen und 60 Jahre alten Plutoniumreaktor in Simona besteht eine kaum beachtete reale Gefahr.”

Aus diesen und anderen guten Gründen findet Alfons Pieper/Blog der Republik Rolf Mützenich gut, der kürzlich kurz in Unkel aufgetreten ist: “Ein Mittler und Vermittler: Rolf Mützenich – SPD-Fraktionschef wirbt für mehr Diplomatie”.

Jan Tölva/Jungle World sieht voraus, was im nächsten Sommer mit der Heim-EM auf die deutsche Öffentlichkeit zukommt: Debatte über Gewalt in Fußballstadien: Fußball und Bambule – Es mehren sich Berichte über Gewalt beim Fußball. Ob es aber wirklich einen Anstieg gibt, ist unklar. Zudem wäre es zu einfach, das Problem ausschließlich bei den Fans zu suchen.” Es ist eine sehr alte Erkenntnis, das die “Sicherheitsbehörden” an den Fuassballfans zuerst ausprobieren, was sie gerne machen und politisch durchsetzen wollen. Da ist der Widerstand für realitätsnahe Übungen einigermassen realitätsnah, aber fast völlig ohne gesellschaftliche Unterstützung. Vielleicht etwas zuwenig bedacht bei dieser wiederkehrenden Strategie ist die Tatsache, dass die Fans (“Ultras”) sich in diesen Manövern politisch weitergebildet und qualifiziert haben. So manche Partei haben sie dabei in der Disziplin Sachverstand schon weit überholt.

Ebenfalls herbeigeführt von der EU, Frankreich und Deutschland ist das: Bernhard Schmid/Jungle World: Die Sahel-Staaten Mali, Burkina Faso und Niger verkünden große Wirtschaftspläne: Große Pläne – Die verbündeten, von Militärjuntas regierten Sahel-Staaten Mali, Burkina Faso und Niger wollen ihre ökonomische Kooperation verstärken und die Gemeinschaftswährung CFA-Franc abschaffen. Die malische Armee hat mit der Unterstützung russischer Söldner die Tuareg-Hochburg Kidal eingenommen.” Das Abschiebezentrum in Niamey wurde geschlossen. Es gibt also auch gute Nachrichten.

Herbeigeführt von den real existierenden demokratischen Parteien, und zwar durch ihren Intelligenzmangel und ihre eigene Schwäche ist das: Rüdiger Rauls/overton: Populisten: Irrwege als Ausweg – Mit der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA im Jahre 2017 hat ein neuer Typ von Politikern die Macht errungen, die sogenannten Populisten. Sie tauchen wie aus dem Nichts auf und erobern Mehrheiten aus dem Stand. Wieso werden sie trotz ihrer zum Teil wirren Botschaften gewählt und was sagt das aus über die westlichen Gesellschaften?” Der Autor biegt zwar in seiner Argumentationsführung, wie ich finde, mehrmals falsch ab, kommt aber zu einem richtigen Ergebnis: “Es stellt sich die Frage, ob Milei und Wilders und all die anderen Populisten wie Trump, Meloni und LePen es nicht besser wissen, dass besonders ihre Hetze gegen andere Volksgruppen die Probleme nicht lösen. Oder haben sie die Wähler bewusst getäuscht? Den Wählern aber scheinen angesichts der Unordnung und der Orientierungslosigkeit ihrer Regierungen wirre und schillernde Heilsverkünder immer noch lieber zu sein, wenn sie nur ein wenig Hoffnung versprühen. Denn gerade davon scheint es überall zu fehlen in den Gesellschaften des politischen Westens.” Pauls Frage ist mit einem einfachen “Ja” zu beantworten. Und zu seiner Begrifflichkeit “Wähler” ist der Unterschied zur Mehrheit der “Wahlberechtigten” hervorzuheben.

Politisches fürs Herz

Im gleichen Onlinemagazin gibt es auch was Politisches fürs Herz von Florian Schwinn: Projekt Glückliche Kuh – Im Biosektor kriselt es seit dem Ukraine-Krieg. Wie geht es weiter? Beispiel Bauerngemeinschaft Hamfelder Hof: Umstellung auf die sogenannte Kuhgebundene Kälberaufzucht und die Ausweitung des Weidegangs.”

Der Ernstfall Sex

Es gibt Filme im Kino, die in der Vorausbetrachtung wichtig erscheinen. “How To Have Sex” scheint dabei die erfolgreichere PR zu haben. Neben zahlreichen digital eingemauerten Beiträgen gibt es auch offen zugängliche Interviews mit der 30-jährigen Regisseurin Molly Manning Walker, und zwar in der taz/Patrick Heidmann: Regisseurin über Sex unter Jugendlichen: ‘Einverständnis ist ein Prozess’ – Molly Manning Walker hat mit „How to Have Sex“ einen Film über Geschlechterrollen bei Jugendlichen gedreht. Es gehe immer noch viel um die männliche Lust.” Und sogar unvermauert in Augsteins Freitag/Thomas Abeltshauser: ‘How to Have Sex’-Regisseurin Walker: ‘Ich war immer wieder sprachlos’ – Interview Molly Manning Walker erzählt in ihrem Film ‘How to Have Sex’ von drei britischen Mädchen, die im Griechenlandurlaub Spaß haben wollen. Ein Gespräch über das Frausein, sexualisierte Gewalt und das Drehen politischer Filme”

Bescheidener der Rummel um die hier bereits hochverehrte Aylin Tezel, die zu früh für mich, aber gerade richtig für sie selbst, aus dem Dortmunder-“Tatort” ausgeschieden war. Sie entschied sich in weit jüngerem Alter als ich für selbstbestimmtes Arbeiten, und hat mit “Falling Into Place” jetzt einen Film im Kino, bei dem Drehbuch, Regie und Hauptrolle von ihr selbst sind. Puuh, ein bisschen viel auf einmal, würde ich fürchten. Aber davon müssen Sie und ich uns selbst überzeugen. Das haben schon Andere vor ihr geschafft. Warum also nicht auch sie?

Über Martin Böttger:

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net