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Nein, die beiden Herren sind sich nicht ähnlich. Diese frühe These der CDU-Gegenpropaganda hat sich schnell als Rohrkrepierer erwiesen. Tragisch ist jedoch, wie einstige Erkenntnisse marxistischer Geschichtswissenschaft auf dem Müllhaufen öffentlicher Erinnerung gelandet sind, und heute wieder alle Darstellungen und Projektionen von politischen Prozessen auf Personen reduziert werden. Wenn es “Lügenpresse” wirklich gibt, dann weil sie fast geschlossen diesem Narrativ folgt und uns damit dumm hält.

Das vorausgeschickt kommen wir noch mal zu Martin Schulz. Immer noch reibt sich die Konkurrenz die Augen, während die Sozialdemokrat*inn*en sich weiter autosuggestiv blenden lassen. Wer das Phänomen Schulz verstehen will, sollte aktuell den klügsten Kopf der taz-Politikredaktion Stefan Reinecke lesen: hier seine gründliche Reportage aus der Paralellwelt der Sozialdemokraten, hier sein Kommentar und hier sein Parteitagsbericht (zusammen mit Pascal Beucker). Tragisch, wie wenig Linke und Grüne bisher daraus lernen. Aber es öffnet gesellschaftlich Perspektiven, die zuletzt lange unsichtbar waren.

Richtig weh tuts erst bei Folgendem.
Der US-Präsident ist für die meisten von uns immer noch ein Rätsel, auch wegen der mangelhaften Ausbildung der Journalist*inn*en, die deutsche Medien bisher aus den USA berichten lassen. Ein Schlüssel zum Verständnis von Trump soll sein Berater Steve Bannon sein. In einer Übersetzung der Blätter versuchen uns Gwynn Guilford und Nikhil Sonnad dessen Weltbild zu entschlüsseln. Wenn wir dieser Entschlüsselung folgen, war die Weltkriegsgefahr nach 1945 nie so groß, wie sie jetzt zu werden droht.
Auch daraus müssten strategische politische Folgerungen gezogen werden. Wird es gelingen über ideologische Grenzen und ökonomische Interessen hinweg Bündnisse von Demokrat*inn*en und Friedenswilligen zu schliessen um Bannon und Anhang in den Arm zu fallen? Wer könnte das? Nachdem die Bundesregierung unter Anleitung von Bundesfinanzminister Schäuble die EU bereits aus dem Spiel genommen hat, wird sie es selbst tun müssen. Alleine schafft sie das nicht. Sie schafft es nur mit Vernunft aus China und Russland zusammen. Reicht ihre Intelligenz dafür aus? Wenn man Herrn Röttgen Sonntag bei Anne Will dazu hörte, muss man das bezweifeln. Es geht um Größeres als den “Freihandel” und Gefährlicheres als den Klimawandel: den Weltfrieden.