Wem gehört der Fussball? – ein Tageserfolg von Andy Rettig

Von , am Freitag, 23. März 2018, in Fußball.

Es ist immer eine Freude und verschönt einem den Tag, lange Gesichter von den Bayernbossen oder dem DFL-Geschäftsführer Christian Seifert zu sehen. Wer sich mit Kapital besäuft, darf den Kater nicht fürchten. Obwohl sie im Geld schwimmen und sie über Infrastrukturen verfügen, in denen sie den Arsch hinterher getragen kriegen, waren die Vereinsbosse zu doof, ihre Mitgliederversammlung professionell vorzubereiten. Ausser Andreas Rettig.

Den habe ich noch im Stadion an der Menzenberger Straße in Bad Honnef selbst spielen gesehen. Der selbstgebackene Streuselkuchen der Vereinsfrauen dort war allein schon immer einen Sonntagnachmittags-Ausflug wert. Lange spielte der ortsansässige FV, mit Spielern wie Hermann Hummels (dem Vater von Mats), Arno Glesius und eben auch Andy Rettig einen sehenswerten Fussball in der Spitzengruppe der damaligen Dritten Liga. Ich erinnere mich noch an die Lachanfälle von angereisten RW-Essen-Fans: “Das soll ein Stadion sein?” Die gute Laune verliess sie dann oft während des Spiels.

Von dort zog Rettig dann hinaus in die Fussballwelt, war zeitweise sogar Mit-Geschäftsführer der DFL als “Kollege” von Christian Seifert. Dort engagierte er sich besonders für den Dialog mit den Fans und der Ultraszene, was ihm nur wenig gedankt wurde. Heute ist er Geschäftsführer des FC St. Pauli und hat seinem Ex-Kolllegen bei der DFL-Mitgliederversammlung das Fell über die Ohren gezogen, wie Daniel Theweleit in der FR schön beschrieben hat.

Ein Augenblickserfolg, da sollten wir uns nichts vormachen. Das Grosskapital will sich davon nicht bremsen lassen. Das Ereignis weist aber nach, dass die aktive Fanszene erstaunlichen Einfluss bis in die Kerne des Business hinein hat. Das ist gut fürs Selbstbewusstsein und eine kreative Weiterentwicklung der eigenen Arbeit. Demokratie kann auch schöne Momente bieten.

Die Mühen der Ebene kriegen uns schon früh genug wieder ein. RW Oberhausen, Zuschauerschnitt diese Saison: 2000, sucht einen neuen Vorsitzenden und verzichtet auf die 3. Liga. RWO spielt in einer Liga mit dem Bonner SC, der mit ähnlichen Finanzproblemen kämpft; dazu kommen beim BSC leider auch die sportlichen: z.Z. steht er in der Regionalliga West auf einem Abstiegsplatz. Dann wäre selbst RW Oberhausen bei uns nicht mehr zu sehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.