Ist Özil nur die Tapete vor dem Türkei-Crash?

Von , am Montag, 23. Juli 2018, in Politik.

Es gibt zahlreiche Kommentare, die Özils Rücktritt angemssen kritisch würdigen: Peter Ahrens/Sp-on, Cem Özdemir/DLF (besser als der Kurzfassungs-Spin der DLF-Nachrichten es mich erwarten ließ), oder Rüdiger Suchsland/telepolis, dessen fussballerischer Danksagung an Özil ich mich ausdrücklich anschliessen will.
Mich überkam jedoch eine Anwandlung, als wenn wir, mal wieder, von etwas Wichtigerem abgelenkt werden sollen, oder das zumindest gerne als Mitnahmeeffekt genutzt wird.
Ich hatte in meiner Seitenzugriffsstatistik das merkwürdige Phänomen, dass dieser Text von Samstag für mich unverständlich fast alle Zugriffsrekorde gebrochen hat. Mein Webmaster erklärte mir, dass es sich wohl um maschinelle Zugriffe handele. Ihre Herkunft zu erforschen wäre zwar technisch möglich, aber als Datenschutzfreunde verzichten wir darauf.
Ich glaube, eine politische Erklärung habe ich nun gefunden. Den in dem Text beschriebenen Sachverhalt, den ich der FAZ entnommen habe, haben mittlerweile auch die Kommentatorinnen Anja Krüger/taz und Elke Dangeleit/telepolis, letztere in ihrem Nachtrag, gewürdigt. Aus Dangeleits Ursprungstext geht aber klar hervor, was das Handeln der Bundesregierung zwar nicht weniger widerlich, aber immerhin plausibel macht. Selbst wenn der ökonomische Crash der Erdogan-Regimes nicht, wie dort vorausgesagt “im August”, sondern Monate später erfolgt.
Das Trump-Regime ist durch Erdogans Geiselnahme von US-Bürgern in einer Eskalation gefangen, ohne Handlungsalternative. So entsteht für das deutsche Kapital ein riesiges Fenster der Gelegenheit. In dieses Bild passt auch exakt die von Dangeleit kritisierte Aufwertung des Erdogan-Koalitionspartners “Graue Wölfe”/MHP durch die Bundeskanzlerin.
Niemand weiss vorauszusagen, wie ein Systemzusammebruch bei Erdogan verlaufen würde – eine Hochrisikolage, mit möglichen Weiterungen bis weit über die Türkei hinaus, in einer jetzt schon kriegszerstörten explosiven Region. Wer in dieser Lage als bereits eingearbeiteter vertrauter Partner agieren kann, ist im Vorteil, was opportune Krisenreaktionen betrifft. Die Türkei könnte dem deutschen Kapital, das aktuell US-Konkurrenz nicht fürchten muss (s.o.), kostengünstig in den Schoss fallen, wie es mit Griechenland schon geschehen ist.
So könnte sich Gerhard Schröder wieder als grosser Weltpolitiker erweisen. Er hat vermutlich bei seinen Gesprächen um die Freilassung von Deniz Yücel die Weichen gestellt, über die deutsche Bundesregierung und Kapitalinteressen jetzt fahren. Schröder wird grinsen (jetzt sein Zähnefletschen vorstellen!): “wie auf Schienen”.

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