Angriff der Grossvereine / Terror der Selbstoptimierung / Tatort & eine Perle

Von , am Donnerstag, 2. August 2018, in Fußball, Genuss, Lesebefehle, Medien.

Der DFB hat einiges dafür getan, sturmreif zu werden, dem Gegner quasi den Ball an der Strafraumgrenze zum Freistoss zurecht gelegt. Der Gegner hat nur leider keinen Messi oder Ronaldo, sondern nur Hoenesse, Rummenigges und einen Seifert. Selbst mit solchen Flachpfeifen könnte er den DFB besiegen.
Der Terror der Selbstoptimierung erreicht Millionen Frauen und nicht wenige Männer in Gestalt von Essstörungen. Immerhin haben sie den Weg ins Zentrum öffentlicher Debatten gefunden. Sie sind eine Massenepidemie, keine individuelle Behinderung, sondern ein gesellschaftspolitisches Problem. Bei Sp-on versucht es eine Therapeutin zu erklären. Ein barbarischer Akt von Menschenrechtsverletzung in reichen, wohlhabenden Ländern: Diebstahl von Lebensfreude. Barbara Schweizerhof/Freitag hat eine Streaming-Serie entdeckt, die das Thema adäquat behandelt.
Update 3.8.: Heute mittag war die verehrte Silke Burmester in einer 3sat-Talkshow (ab Minute 33) zu ihrem Buch “Mutterblues” zu sehen. Kurz und knapp machte sie begreiflich, wie die Selbstoptimierung den Frauen ein Bein stellt und sie ausbremst, bevor sie anfangen, Solidarität zu entwickeln. Kummer und Schmerz über ausziehende flügge gewordene Kinder? Die Macke habe bestimmt nur ich; wenn ich darüber rumjammere kriegen alle mit, wie doof ich bin. Bei Burmester machte es plopp: es geht (fast) allen so. Und weil sie – unstrittig – exzellent schreiben kann, wurde es ein Buch.
Die ARD jubelt über die Tatort-Einschaltquoten, sie hat ja auch sonst nichts zu jubeln. Die passende Anmerkung dazu machte Heiko Hilker in seiner E-Mail-Linkliste mit diesem Zitat: Indem der öffentlich-rechtliche Rundfunk jedenfalls im Wesentlichen öffentlich finanziert ist, wird er dazu befähigt, wirtschaftlich unter anderen Entscheidungsbedingungen zu handeln. Auf dieser Basis kann und soll er durch eigene Impulse und Perspektiven zur Angebotsvielfalt beitragen und unabhängig von Einschaltquoten und Werbeaufträgen ein Programm anbieten, das den verfassungsrechtlichen Anforderungen gegenständlicher und meinungsmäßiger Vielfalt entspricht. Er hat hierbei insbesondere auch solche Aspekte aufzugreifen, die über die Standardformate von Sendungen für das Massenpublikum hinausgehen oder solchen ein eigenes Gepräge geben.
Aus dem Urteil des BVG vom 18.7.20018
BVerfG, Urteil des Ersten Senats vom 18. Juli 2018 – 1 BvR 1675/16 – Rn. (80)

Jetzt im Sommerloch versteckt die ARD Perlen, die im Alltag zu ihren verfassungsrechtlichen Aufgaben gehören müssten. In einer Woche, am Mittwoch, den 8.8., nach dem Sport um 22.30 h sendet sie “Kulenkampffs Schuhe” von Regina Schilling. Die Dame hat einen magischen Blick für scheinbare Kleinigkeiten als Puzzleteile grosser, monströser Zusammenhänge. Das hat sie bereits mit “Titos Brille” nachgewiesen, ein exzellentes Dokument televisionärer Geschichtsschreibung. So eine Frau könnte uns Legionen von Knopps ersparen.

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