Drei interessante Podiumsgäste trafen sich im Bonner Universitätsforum, um über fragile Staaten zu sprechen. Der Stargast Sigmar Gabriel war leider Opfer des Bahnstreiks und wurde entschuldigt. Schade, denn den ex-Bundesaußenminister hätte ich gerne gehört.

Thomas Brillisauer, Offizier, ehemaliger Militärattaché in Zentral- und Westafrika, Martha Gutierrez, Leiterin Abteilung Krisen und Konfliktmanagement, Migration, Bauen (GIZ), und Prof. Dr. Conrad Schetter, Forschungsdirektor, Bonn International Center for Conversion (BICC), diskutierten zum Teil kontrovers über Staaten wie den Südsudan, Somalia, Afghanistan und den Irak.

Auf den ersten 10 Plätzen der gescheiterten bzw. gefährdeten Staaten liegen sieben Länder aus Afrika sowie der Jemen, Syrien und Afghanistan.

Conrad Schetter machte deutlich, dass die Weltgemeinschaft nicht nur formelle sondern auch informelle Staatsstrukturen akzeptieren müsse. Zumal in einigen Fällen starke Staaten wie z..B. Russland, größere
Schwierigkeiten bereiteten als vermeintlich schwache Staaten. Als Merkmale für starke Staaten identifizierte er die lange Historie des Nationalstaates (z.B. China, Iran), eine funktionierende und wache Zivilgesellschaft sowie die Demokratie. Wobei letztere auch destabilisierend wirken könne.

Thomas Brillisauer nahm für sich und die Bundeswehr in Anspruch, in Ländern wie Nigeria oder im Kongo stabilisierend zu wirken und das Militär vor Ort sowie die Polizei im Umgang mit der Zivilgesellschaft zu schulen.

Martha Gutierrez skizzierte ihre Arbeit am Beispiel des Irak. Sie war vor zwei Wochen in Mossul im Nordirak und eröffnete dort eine Schule. Die Stadt sei total zerstört und die Schuleröffnung war deshalb ein Highlight. Sie lobte die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr, obwohl viele GIZ-Mitarbeitende damit immer noch erhebliche Vorbehalte hätten. Kritisch sah sie die Kohärenz der Kooperation zwischen dem Auswärtigen Amt, dem Bundesverteidigungsministerium und dem Bundesentwicklungsministerium. Die gebürtige Kolumbianerin verwies auf ihr Heimatland, wo der Friedensprozess ein “wackeliger Weg” sei, bei dem es keinen richtigen Verlierer geben dürfe, weil er sonst zu scheitern drohe.