Stirbt das Strategie-Handwerk aus?

Von , am Montag, 19. August 2019, in Fußball, Medien, Politik.

Im Fussballbusiness, in der Politik, in grossen Medien
Der Fussballkonzern aus dem süddeutschen Raum hat es nötig, ein schlechtes Spiel mit einem ziemlich teuren Spielerkauf PR-technisch zu überdecken. Vermutlich klopfen sie sich dort gegenseitig auf die Schultern, weil der schwächliche Sport”journalismus” darauf wieder reingefallen ist. Der teure Spieler Coutinho ist zweifellos ein begnadetes, aber auch verdächtig “ewiges” Talent, und wurde von tatsächlichen Spitzenvereinen, Barca und zuvor Liverpool, gerne abgegeben. Weil er zwar gut spielt, aber keine Mannschaft, verstanden als soziales Gefüge, weiter gebracht hat. Nun wird die deutsche Fussballbranche von Rationalisierungstendenzen in den grossen Medienkonzernen bedroht. Kommt es bei der kommenden Versteigerung der TV-Rechte zu keinem Zuwachs mehr? Die abgekapselte Welt der Profivereine gerät in Panik, als stecke sie im Bunker fest, ohne Wahrnehmung der Welt da draussen, aber mit einem Gefühl der Bedrohung. Dieses Gefühl trügt nicht. Und das ist gut so. Wenn die Welt eine Scheibe wäre, dann stünde die DFL jetzt an der Kante.
Zum bisherigen Spitzenreiter in der ewigen Ablösesummentabelle gab der Ex-Weltmeister Jorge Valdano den treffenden Kommentar: “Neymar ist eine Hoffnung und eine Bedrohung. Eine Hoffnung wegen seines großartigen Talents, eine Bedrohung wegen seines Lebensstils.“ Fussball ist ein Teamsport.

Politik

Wie die Politik. In Deutschland ist sie besonders derangiert. Der Franzose Macron profitiert oberflächlich davon, dass sein Staatsamt eine grosse Ähnlichkeit mit monarchischen Systemen hat. In der Aussenpolitik dreht er der Bundesregierung gerade wieder eine lange Nase. Deutschland dagegen ist faktisch strategisch führungslos, durch den Auflösungsprozess der Volksparteien. Die SPD begeht in ihrem orientierungslosen Vakuum Fehler über Fehler, und zwar so, dass es alle mitkriegen. Die CDU schliesst sich dem, die kommenden Wahlniederlagen in Sicht, mehr oder weniger freiwillig an. Die Analyse von Albrecht von Lucke im DLF-Interview ist absolut treffend. Und sein Hinweis auf die versagenden Berater*innnen von AKK besonders vielsagend. In der Hauptstadt sind sie abgeschnitten, von ihren Sozialisationsinstanzen daheim; die Erdung ist weg. Niemand wäscht ihnen den Kopf. Sie sind nur unter sich, nicht nur bei der Arbeit im Parlament und Parteizentralen, auch in der Freizeit und “zuhause” in der Berliner Zweck-WG (wenn sie nicht allein sind, mit sich, Alkohol und Rauchwaren). So ist es zwingend, dass solche Fehler entstehen. Ehemalige politische Kontrollsysteme innerhalb der Parteistrukturen sind aufgelöst. Die Westler*innen haben auch keine Lust, ständig zu wöchentlichen Krisensitzungen am Ostrand der Republik zu eilen.

Medien

Diese Probleme mit ihrer Alltagskultur haben die was-mit-Medien-Leute ganz genauso. Hans Hütt/FAZ hat den ganzen Sommer über die handwerklich schlampigen “Sommerinterviews” geklagt. Die Journalist*inn*en haben ebenfalls keine Zeit, und/oder keine Lust und/oder keine erlernte Fähigkeit zur Führung interessanter Gespräche. Mein Vorschlag zur Besserung, und vielleicht einzige Chance das Genre vor dem Kollaps zu retten: die “Sommerinterviews” werden ebenso wie die ganzen Trash-Talkshows outgesourced. Und zwar an Friedrich Küppersbusch. Nach meiner gefühlten Lebenserinnerung war er der Letzte, der wusste, wie mann das macht.

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