mit Update
Dieses Mal war Philipp Königs/GA schneller als ich. Ich bin lieber zunächst 3 Bierchen trinken gegangen, um den verdienten Lohn anderer Leute Arbeit zu feiern. Das Wichtige findet erst heute statt, wenn die Bonner Grünen die Direktwahlkreise zur Kommunalwahl am 13.9. mit Kandidat*inn*en besetzen. Nach meiner Bewertung vergangener Wahlen können sie in Beuel 3-5 von 7, in Bonn ca. 10 von 17 und in Bad Godesberg 1 von 7 erobern; 2014 waren es nur 2: Innere Nordstadt und einer in Endenich. Zu Königs’ Bericht möchte ich folgendes ergänzen.
Der Wahlgang um Platz 1 zwischen Annette Standop und Brigitta Poppe-Reiners (56:42 Stimmen), die bereits innerhalb der vergehenden Stadtratsfraktion um die Führung konkurrierten, stimmte die wählende Versammlung nicht nur ein, sondern kennzeichnete bereits die Kräfteverhältnisse. Deren Charakteristikum war, dass die Grüne Jugend innerhalb der Bonner Grünen Mehrheiten bestimmen kann, wenn sie gemeinsamen Willen entwickelt. Es gab einen Siegeszug der jungen Kandidat*inn*en. Und die Beueler Grünen erreichten heute alles, was sie sich am Mittwoch vorgenommen hatten.
Die 18-jährige Friederike Dietsch, die in Pützchen in einem für die Grünen kaum zu erobernden Wahlkreis antritt, wurde ohne Gegenkandidatur mit der höchsten Stimmenzahl (96) aller Kandidat*inn*en auf Platz 3 der Grünen Reserveliste gewählt. Sie ist etwas besorgt, dass sie bei Fridays For Future Ärger bekommt, weil sie gesagt hat, dass sie dort aktiv ist, die Bewegung aber grossen Wert auf ihre parteipolitische Unabhängigkeit legt, was auch absolut vernünftig ist. Andererseits steht es anderen Parteien aber frei, und auch die Jugendlichen sollten da keine Skrupel kennen, Aktiven dieser wichtigen Bewegung ebenfalls Kandidaturangebote zu machen. Das wäre sogar wichtig.
Beueler*innen besetzen auf der Grünen Reserveliste ausserdem die Plätze 4 (Stefan Freitag), 6 (Malte Lömpcke), 7 (Ros Sachsse-Schadt), 8 (Florian Schaper) und 11 (Anja Lamodke). Besser gings nicht.
Bemerkenswertes Rhetoriktalent zeigten Lena Cornelissen (Platz 16) und Clara Hennes (Platz 21), die im Wahlkreis Innere Nordstadt kandidieren will. Bemerkenswert auch Nihat Mert, ein Kandidat kurdischer Herkunft, der in Tannenbusch antreten will, und mit dem ich eben beim Bier angeregt diskutiert habe. Das sind qualitative Personalgewinne, von denen die Grünen jetzt enorm profitieren können, wenn sie klug damit umgehen.
Eine potenzielle OB Katja Dörner wird es mit diesem selbstbewussten Team nicht leicht haben. Wie schwer es wird, weiss sie selbst, dem ist sie auch in 11 Jahren Hauptstadtberlin nie aus dem Weg gegangen, keineswegs streitsüchtig, sondern als versierte Moderatorin.
Ältere besserwissende Grüne verkraften es nur schwer, ihre Ersetzbarkeit vor Augen geführt zu bekommen. Ich habe in den 90ern daneben gesessen, als eine etwas ältere Frauenreferentin Dörner am Mittagstisch in der Landtagskantine als “karriereunfähigen Lispelzwerg” zu demütigen versuchte. In der Folgezeit gingen die Wege der streitenden Damen weit auseinander …. Ich glaube, es hat sie sogar stark gemacht ;-)
Update nachmittags: Am Sonntag in gelichteten Sitzreihen (noch 60% des Vortages kamen wieder) wählten die Bonner Grünen die “hinteren Plätze” ihrer Reserveliste, sowie die Direktkandidat*inn*en für die Kommunalwahlbezirke. In den Einzelwahlgängen wurde vollständig den Vorschlägen der Ortsverbände in den Stadtbezirken Bonn, Bad Godesberg, Beuel und Hardtberg gefolgt. Die Beueler*innen hatte ich hier aufgezählt und verlinkt.