Facebook frisst Afrika / Politik und Fussball
Die Älteren erinnern sich vielleicht noch an den TV-Sender Pro7. Zu Glanzzeiten seines früheren Besitzers und späteren Gross-Pleitiers Leo Kirch (Spender und Buddy von Helmut Kohl) war Pro7 dafür bekannt, US-Kino-Blockbuster als Erster ins deutsche TV zu bringen. Heute, mit dem Grossaktionär Silvio Berlusconi, dümpeln sie bei einem Marktanteil von 4,1%, schwächer als die FDP. In solcher Lage ist es Höhepunkt des Schaffens, wenn ein toller PR-Coup gelingt, der nicht nur 2 Mio. TV-Glotzer*innen, sondern bisher zusätzlich noch weit über 2 Mio. Youtube-Clicks brachte.
Bewirkt haben das die Herren Heufer-Umlauf und Winterscheidt. Die haben sich mit weiteren Kollegen vor einigen Monaten als Produzenten selbstständig gemacht, und zeigen mithilfe ihres gastgebenden Senders bemerkenswertes Profil. Der Eine von den beiden (der ohne Brille) war mir zuletzt in der von Olli Dittrich, einem wahrlich grossen Künstler, inspirierten NDR-Miniserie “Jennifer – Sehnsucht nach was Besseres” positiv aufgefallen, wo er sich selbstironisch selbst zu spielen schien. Ein Indiz für Souveränität, selten in der Branche. Nun also sind die Jungs aktiv in die #metoo-Bewegung eingestiegen, und kassieren verdientes Lob von Faz (Elena Witzek) bis taz (Carolina Schwarz). Schwarz’ Kritik kommt etwas gewollt avantgardistisch daher – einerseits sachlich zutreffend, nur leider den gesamtgesellschaftlichen Erfolgen von #metoo (noch) nicht entsprechend.
Facebook ist unter die Kabelverleger gegangen. Während es in Nordamerika und Europa sinkende Nutzer*innen*zahlen und entwickelte politökonomische Kritik an dem Drachen gibt, versucht er ökonomisch schwächere Länder, mit gerne auch despotischen Regierungen, in den Schwitzkasten zu nehmen, und gar nicht erst auf Gedanken von unabhängiger und souveräner Internetnutzung kommen zu lassen.
Anlässlich des offiziellen Starts des Gespensterfussballs widmet sich die taz-Sportredaktion in Person von Andreas Rüttenauer und Alina Schwermer der Verschmelzung von Fussballbusiness und Politik – und den Basisalternativen dazu. Gelungen, gut gemacht.